Adam Lallana – Liverpools neue Geheimwaffe

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Jürgen Klopp hat Liverpool zurück in die Erfolgsspur gebracht. Nachdem der Deutsche erstmals mit den Reds eine Saisonvorbereitung hatte, startet die Mannschaft richtig durch. Die Spieler haben die Taktik des Ex-Dortmunders verinnerlicht und zeigen sich auch deutlich fitter. Liverpool ist das Team der Stunde in der Premier League. Großen Anteil daran hat ein neuer Starspieler, der sich aus seinem Formtief gespielt hatte. Diese Saison brachte einen Wechsel bei Adam Lallana, nicht nur was seine Form betrifft, galt er doch seit seinem Wechsel von Southampton an die Anfield Road als 30 Millionen Euro-Flop, sondern auch was seine Position und seinen Spielstil betrifft. Aus dem einstigen Flügel- und offensivem Mittelfeldspieler, der mit seiner damals in der League One noch mit „brasilianisch“ beschriebener Technik die Gegenspieler austanzte, wurde eine kreative Laufmaschine im Zentrum der Reds.

Als Jürgen Klopp sein Amt in Liverpool antrat, war Adam Lallana gerade mit der Nationalmannschaft unterwegs. Der Deutsche zeigte sich bereits gespannt und outete sich Monate später als großer Fan des Engländers. „Ich kenne ihn von Southampton und fand, dass er ein sehr guter Spieler ist. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht sehr viel von ihm in Liverpool gesehen, aber ich weiß noch von Southampton, dass er ein brillianter Spieler ist, also habe ich mich sehr auf ihn gefreut. Seit wir zusammen arbeiten wurde er immer besser. Er kann viele verschiedene Positionen spielen – er ist schnell, mental sehr stark und ein sehr schlauer Spieler“, kam Klopp gar nicht mehr aus dem Schwärmen.

Aber auch Monate nach Jürgen Klopps Antritt kam der Engländer einfach nicht in Form. Zwar sah man eine deutliche Besserung im Vergleich zu seiner Zeit unter Brendan Rodgers, doch den ausgegebenen 30 Millionen Euro wurde der Flügelspieler einfach nicht gerecht, obwohl er stets hart an sich arbeitete. Lallana zählt zu den ambitioniertesten und ehrgeizigsten Spielern im Kader des Deutschen, er arbeitet viel und will sich stets verbessern, doch es wollte vorige Saison einfach nicht klappen. Unter Brendan Rodgers machte der Mittelfeldspieler den Eindruck, dass es ihm an Fitness, Dynamik und Konstanz fehle. Unter Klopp hingegen blühte er erneut zum Laufwunder auf, das er bereits unter Pochettino bei Southampton war, fand jedoch nicht zurück in die Spur, brachte weiterhin nur inkostante Leistungen und kam bloß auf vier Tore. Dem Engländer fehlte es am Flügel an Dynamik, um sich gegen seine Kontrahenten durchzusetzen. Im schnellen Offensivfußball von Jürgen Klopp benötigt es jedoch dynamische Spieler, die sich am Flügel durchsetzen können, wie den im Sommer verpflichteten Sadio Mané, und auch die „10“, war bereits von vielen guten Spielern besetzt.

Aber seine harte Arbeit und sein Wille sollten nicht unbelohnt bleiben. Seit dieser Saison ist Lallana im zentralen Mittelfeld zu finden. Als Verbindungsgeber passt er mit seiner Schnelligkeit und seiner Laufarbeit perfekt ins klopp’sche Gegenpressing. Mit seinem Tempo und seiner Sicherheit am Ball sorgt er nicht nur für Ruhe bei Ballbesitz, sondern für schnelles Umschalten von Defensive auf Offensive und damit auch Gegenkonter. Die Defensivarbeit in der eigenen Hälfte zählt nicht zu seinen Aufgaben, dafür jedoch das bereits hohe Attackieren. Mit starken Pressing versucht er den Gegner unter Druck zu setzen. Ist der Ball gewonnen, so schafft es Lallana mit seiner starken Technik und seinen Dribbelfertigkeiten viele Meter zu gewinnen, ehe er den Ball weiterleitet, um in den freien Raum zu laufen. Der Box-to-Box-Spieler beackert nicht nur die Vertikale des Feldes, sondern auch in die Horizontale. Mit seinem Pendant – zumeist Can oder Wijnaldum – wechselt er oft die Seiten, spielt sich am Flügel frei – sein Vordermann, Coutinho oder Mané, lässt sich dann nach hinten abfallen – und zieht dann in die Mitte für gefährliche Hereingaben oder um selbst mal den Abschluss zu suchen. Auch unter Druck mehrerer Verteidiger weiß sich der Engländer beim Dribbling gegen seine Kontrahenten durchzusetzen. Ist Adam Lallana gerade nicht für den Spielaufbau zuständig, so ist er zwischen den Linien in der Abwehrreihe des Gegners zu finden, um als Anspielstation zu dienen und Gegenspieler zu binden.

Der Engländer mit spanischen Wurzeln denkt zwei Schritte voraus, indem er Pässe antizipiert und stets nach Anspielmöglichkeiten sucht, bevor der Ball zu ihm kommt. Adam Lallana fokussiert sich hierbei hauptsächlich auf sichere Kurzpässe, erst in Nähe des Strafraums folgt meist ein riskanterer Pass, um einen sich freilaufenden Kollegen anzuspielen. Aber auch wenn seine Dynamik im Zentrum etwas mehr zu Geltung kommt, so fehlt es dem Engländer am Flügel weiterhin an Durchsetzungsvermögen. Nicht selten wartet er während des Dribblings auf den richtigen Moment, ehe es zu spät ist für ein Zuspiel oder der Ball gar einfach geblockt werden kann.

Seine Formkurve zeigt klar nach oben und bleibt auch weiterhin oben. Lallana ist der Mann der Stunde und mit seinem Laufpensum der aktivste Spieler der Liga. Seinen zuvor eigens aufgestellten Rekord für die meisten gelaufenen Kilometer in einem Spiel in dieser Saison hatte der Engländer gegen Leicester City mit 13,1 Kilometern selbst erneut gebrochen. Solche Meisterleistungen bleiben nicht unbemerkt. Als er beim 5:1-Erfolg gegen Hull City ein Tor erzielte und zwei Tore vorlegte gab es Standing Ovations, als er in der 67. Minute für Daniel Sturridge ausgewechselt wurde. Aus dem enttäuschenden Neuzugang wurde ein Schlüsselspieler, auch Klopp zeigt sich begeistert: „Es geht nicht immer um die Leistung, es geht auch um die Einstellung und darum, sich in allen Belangen im Team zu beteiligen. Er trainiert gerne, er arbeitet gerne, so war er vom ersten Tag an. Jetzt hat er seine Belohnung.“

„Wenn ich meine offensiven Mittelfeldspieler, von denen wir sehr viele haben, frage „Welche Position willst du spielen?“, dann würden mir alle „auf der Zehn“ antworten. Immer das gleiche und wahrscheinlich würde Adam genauso antworten, also habe ich ihn erst gar nicht gefragt! Aber es geht darum zu spielen und dir Räume selbst freizuziehen.“

Lallana hat nicht nur das nötige Talent, sondern auch den Charakter und die mentale Stärke ein Schlüsselspieler für die Reds zu werden. In Formby, nicht weit von Liverpool, leben Jürgen Klopp und Adam Lallana Haus an Haus. Der Deutsche könnte sich keinen besseren Nachbarn wünschen. Der Engländer galt in Southampton als Publikumsliebling, nicht grundlos, ist der talentierte Fußballer zugleich noch bodenständig. Nach seinem Abschied aus dem St. Mary’s ließ der Ex-Saint seinen Abschiedsgruß als Seite im Daily Echo inserieren, indem er sich für „14 unvergessliche Jahre“ bedankte. Die Reds haben nicht nur eine Geheimwaffe in ihren Reihen, die, egal ob in der Startelf oder von der Bank aus, einen großen Impact auf das Spielgeschehen haben kann, sondern auch noch einen charakterlich großartigen Menschen, der an alte Zeiten unter Steven Gerrard erinnern lässt. Zwar ist diese Saison noch jung und der Mittelfeldspieler erst am Anfang, aber eine Nominierung für den Spieler und des Trainer des Monats können sich für Adam Lallana und Jürgen Klopp bereits sehen lassen.

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