Arsenal und das Problem mit den Gehältern

Eine 4:0-Niederlage, Probleme mit Alexis Sanchez, Oxlade-Chamberlain vor einem Abgang und Wenger steht weiterhin in der Kritik – bei den Gunners hängt der Haussegen schief.

Die Fans sind seit Jahren bezüglich Arsene Wenger gespalten und mussten sich jahrelang vom Präsidium anhören, dass derzeit kein Geld für große Transfers zur Verfügung sei, aber man geduldig sein müsse, da man Arsenal in die richtigen Bahnen lenken werde und schon bald finanziell konkurrenzfähig sein werde – und das obwohl die Gunners bereits auf einem großen Geldsack sitzen, so zumindest laut englischen Medien.

Viele Jahre sind vergangen und nun drohen die Abgänge von Ox und Alexis Sanchez. Doch auch Özils Vertrag sollte verlängert werden, da dieser nächsten Sommer endet. Die Fans fordern nun Spieler – sei es die Verlängerung dieser Verträge oder starke Neuzugänge, doch der Verein scheint nicht bereit zu sein zu investieren – vor allem aufgrund „mangelnder finanzieller Mittel“, aber auch aufgrund von Problemen mit den Financial FairPlay aufgrund der Gehaltsstruktur.

Die Gunners stehen vor einem ähnlichen Problem wie Manchester United ein paar Jahre vor dem Abgang Sir Alex Fergusons. Über lange Zeit waren die Red Devils eine englische Macht und fast Dauerfavorit auf den Titel, sowie international mehr oder weniger erfolgreich. Abgänge versuchte man sobald wie möglich zu kompensieren und so wurde schnell mal eine höhere Ablöse gezahlt, doch vor allem die hohen Gehälter, vor allem von durchschnittliche oder zu alte Spieler an denen man festhielt, wurden zu einem großen Problem von Manchester United. Sir Alex Ferguson sah, dass es in den nächsten Jahren einen großen Umbruch brauche und entschied sich, sicher unter anderem dessen, im Sommer 2013 für seinen viel verdienten Rücktritt. Bereits in den Jahren zuvor entschied man sich dafür nach und nach die Verträge von Spielern, die zuvor für internationale Erfolge sorgten, nun aber stark abbauten nicht mehr zu verlängern und in den Folgejahren vereinzelte Topstars zu holen, die die Abgänge kompensieren und die Last auf ihren Schultern tragen sollten – zu Kosten der Trainer und der Neuzugänge.

Viele konnten diesen Druck nicht standhalten, einige erwiesen sich auch einfach als Fehlinvestitionen. So sahen sich Moyes und Van Gaal mit unausgeglichenen Kader, die teils mit Superstars wie Juan Mata, David de Gea oder Angel di Maria, aber auch mit schwächelnden Spielern wie Vidic, Ferdinand oder Fletcher gespickt waren, konfrontiert. Natürlich ist der von mir genannte Punkt nur ein Grund von vielen weshalb es seit einigen Jahren bei Manchester United sportlich nicht mehr lief, doch was die Kaderplanung betrifft entschied man sich bei den Red Devils offensichtlich dazu Stück für Stück immer wieder große Investitionen zu tätigen anstatt einen großen Umbruch zu wagen. Langsam aber doch scheint dieses System nun Früchte zu tragen – wenn auch auf Kosten einiger (ehemaliger) Spieler und Trainer.

Nun stehen die Gunners vor einem ähnlichen Problem – wenn auch bei Manchester United das Problem mit dem Legendenstatus der Spieler wie Giggs, Ferdinand & Co hinzukam, während es bei Arsenal währenddessen eher ein Problem mit Regularien wie beispielsweise das Financial Fairplay sein dürfte.
Vor einigen Jahren zählte man noch zu einer Macht in England und hatte mit Fabregas, Van Persie und andere großartige Spieler im Kader. Als diese Spieler den Verein verließen versuchte man diese Abgänge zu kompensieren und bot den Ersatzleuten hohe Gehälter an. Doch einige dieser Abgänge waren eher Mittelmaß statt Superstars, während ihre Gehälter das Gegenteil sprachen. Arsenal liegt was die Gehaltskosten betrifft in der Premier League auf Platz 4 – welch Ironie – doch verfügt über einen Kader, der voller Fragezeichen ist und dem es an einigen Positionen an starken Spielern fehlt. So waren zwar die Verpflichtungen von Kolasinac und Lacazette oder im Vorjahr Xhaka fantastische Transfers, doch zugleich macht die Innenverteidigung mit dem immer älter werdenden Duo Mertesacker und Koscielny langsam Sorgen. Auch Shkodran Mustafi soll bereits nach nur einem Jahr seine Segel streichen wollen. Bleibt noch der junge Rob Holding, der sicherlich ein großes Talent ist, aber für den Fall, dass man wieder Titel gewinnen will, sicherlich zu wenig. Gleiches gilt für den jungen Calum Chambers, der zwar immer wieder gute Leistungen zeigt, aber an seine Anfangsphase bei Southampton einfach nicht anzuschließen weiß und daher auch in seiner Entwicklung stockt. Ähnlich könnte man nun auch bei den anderen Positionen vorgehen, doch den Rest kann sich wohl jeder denken.

Die Frage ist nun wie Arsenal weitermachen möchte. Die Gunners könnten nun einen großen Umbruch machen, Spieler wie Alexis Sanchez, Ox und Özil diesen Sommer bzw. im Winter zusammen mit schwächer werdenden Spielern mit hohen Gehältern abgeben und in den nächsten Transferperioden den Markt ordentlich sondieren und eine neue Mannschaft aufbauen. Dies hätte natürlich einen sportlich Einbruch zur Folge, jedoch hätte man dafür einen neunstelligen Betrag zur Verfügung mit dem man arbeiten könnte.

Die zweite Option wäre, dass man, ähnlich wie die Red Devils über die letzten paar Jahre, Stück für Stück „Deadwood“ los wird und diese möglichst durch große Investitionen ersetzt. Dies würde bedeuten, dass man Alexis Sanchez, Mesut Özil und auch Oxlade-Chamberlain Verträge anbieten könnte, damit unter anderem diese unter Last tragen und die Abgänge kompensieren können, damit der sportliche Einbruch nicht zu groß wird.

Die dritte Option wäre, dass man weitermacht wie bisher, den Stars neue Verträge anbietet und jährlich zumindest eine gute Investition tätigt und hofft, dass diese dann einschlägt. Und mit etwas Glück geht sich ja sogar eine größere Investition aus. Diesen Weg scheint man bisher zu gehen und Wenger bekam für dieses Projekt viel Zeit. Das Wort „scheitern“ wäre zwar zu viel, aber von „Erfolg“ kann man auch nicht sprechen.

Die Gunners stehen vor vielen Fragezeichen, doch die W(enger)-Frage dürfte diese Probleme derzeit überdecken. Nur aufgrund des bald schließenden Transfermarktes und der zuletzt hohen Niederlage gegen Liverpool scheint dieses Thema etwas an Aufmerksamkeit zu bekommen. „Wenger out“ reicht nicht. „Kroenke out“ wäre da schon viel passender. Die Probleme gehen nämlich viel tiefer. Natürlich sollte man hinterfragen weshalb Arsenal einen Stürmer wie Lacazette um viel Geld holt, um ihn dann gegen Liverpool auf die Bank zu setzen. Ebenso, wieso man Problemstellen hat und erst spät oder gar nicht reagiert. Aber derzeit dürfte wohl die gescheiterte Kaderplanung, verbunden mit den hohen Gehaltsausgaben und den damit geringen restlichen finanziellen Mitteln oder gar Probleme mit dem Financial Fairplay – die man im Falle von den Vertragsverlängerungen bekommen könnte für größere Probleme sorgen. Auch wenn diese selten aufgezeigt werden und weiterhin Arsene Wenger in der Schusslinie steht.

Die Gunners müssen sich demnächst nun entscheiden wie man zukünftig vorgehen will. Es gibt mehrere Wege, jeder hat jedoch seine Vor- und Nachteile, die der Verein selbst abwägen muss. Es wird sich zeigen welchen Arsenal einschlagen wird …

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