Unter dem Meeresspiegel

Inzwischen der Idylle an der Südostküste Englands kann es manchmal ziemlich laut werden. Vor allem auf Canvey Island, und besonders wenn der Canvey Island F.C. ein Heimspiel gegen einen Konkurrenten aus der Isthmian League austrägt.

Doch auf der von 37.000 Einwohnern bewohnten Insel, gibt es neben den Gulls auch noch eine weitere Mannschaft: die Concord Rangers. Auch wenn diese zurzeit eine Liga höher aktiv sind, als der „ältere Bruder“, ist die Fanbase der Gulls dafür umso beeindruckender. Stolze 600-700 Fans besuchen wöchentlich die Park Lane, um die Yellow Army lautstark in der Isthmian League, der 8. höchsten Spielklasse Englands, zu unterstützen.

Das Besondere an der Park Lane: Das Stadion liegt nur knapp unter dem Meeresspiegel, und ist damit nur eines von Wenigen in Großbritannien. Schon fast holländische Verhältnisse, und tatsächlich hat die Insel aufgrund dessen eine holländische Vergangenheit.

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Die Insel wurde immer wieder von Hochwassern heimgesucht, vor allem 1953 wurde Canvey Island von einer schweren Flut überrascht. Da bereits im 14. Jahrhundert die Gefahr bestand, dass die Insel absinken könnte, holte man sich drei Jahrhunderte später holländische Bauexperten auf die Insel, welche mehrere Jahrzehnte am Bau von Deichen verbrachten. Aufgrund dessen übersiedelten viele auf die Insel, und bauten Häuser und Gebäude im holländischen Stil.

Neben den holländischen Bauwerken ist das Labworth Cafe eines der nennenswertesten Sehenswürdigkeiten der Insel. Dieses wurde von Ove Arup entworfen, welcher große Bekanntheit durch seine Arbeit am Opernhaus von Sydney erlangte.

Die Konkurrenz der Gulls, besser bekannt als die Beach Boys, schufen diese Saison den Aufstieg in die Conference South, als sie sich in den Play-Offs gegen Lowestoft Town mit 2:1 durchsetzen konnten. Man wurde vom jüngeren Antagonisten überholt, doch lange Zeit war dem nicht so, wenn auch die Yellow Army selbst nie im Profibereich vertreten war. Viele Jahre dümpelte der Verein zwischen der Metropolitan League, der 11. höchsten Liga Englands und der Isthmian League herum. Erst Ende der 90er Jahre ging es mit dem Verein bergauf, als der Verein 1992 von Jeff King, einem ehemaligen Canvey Island-Spieler und Multimillionär, übernommen wurde. Anders als andere Mäzen investierte der Besitzer und Trainer viel Geld in das Stadion und die Infrastruktur, doch sein Herz schlug vor allem für die Förderung der Jugend. Zudem wurden einige guter Spieler verpflichtet, die dem Verein zu einigen Erfolgen verhalfen.

Jeff King erwies als guter Trainer und verpasste der Mannschaft eine Siegermentalität. In der Saison 2000/01 konnte man im Villa Park, dem Zuhause von Aston Villa, die FA Trophy gewinnen, man besiegte die Forest Green Rovers in einem knappen Spiel mit 1:0. Nur ein paar Monate später konnte man mit dem Erreichen der 3. Runde des FA Cups den größten Erfolg auf Profiebene feiern. Unter der Ägide Kings stieg der Verein 2004 in die Conference National, der höchsten Non-Profi-Liga auf, bis heute der größte Erfolg Canvey Islands. Im ersten Jahr erreichte man Platz 18, und konnte sich somit nur knapp vor dem Abstieg retten. Vor allem ein Spieler verhalf dem Verein zu großem Erfolg: Lee Boylan erzielte zwischen 2001 und 2006 in 178 Spielen 148 Tore, und zählt bis heute zu den besten Spielern, die der Verein je engagierte.

Nach einigen Aufstiegen  wollte man dem Verein ein neues Gesicht verpassen, der Verein sollte moderner werden. Neben einem neuen Logo, war auch ein neues Stadion geplant, doch diese Idee wurde, im Gegensatz zum Logo, verworfen. Doch bereits mit dem Aufstieg in die Conference South bekam der Verein erneut ein neues Logo, aber nicht wegen des Aufstiegs, sondern aufgrund eines Fauxpas. Wie sich erwies, stahl der Designer das Logo des U.S. Department for Health & Human Services und setzte einfach den Namen des Vereins darunter. Entdeckt wurde dies erst, als ein Angestellter den Film Super Size Me sah, das Logo musste umgehend geändert werden. Da die Einwohner der Stadt Wurzeln aus North London, Essex und East London haben, wodurch viele der Einwohner Arsenal London-Fans sind, kam man auf die Idee, das Logo Arsenal Londons als Vorbild zu nehmen, und es für die Gulls abzuändern.

Die Mannschaft spielte unter Jeff King schnellen, offensiven und ansehnlichen Fußball, doch der Spielstil und die Tore Boylans konnte die Mannschaft nicht vor dem Abstieg retten. Aufgrund finanzieller Probleme wurde man 2006 in die Conference South strafversetzt.

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Nach der Saison hatte sich Jeff King trotz der Erfolge mit dem Präsidium zerstritten, ein Grund für den Geldgeber den Verein zu verlassen, und einen Vertrag bei Chelmsford F.C. zu unterschreiben. Sein Engagement war auch hier sehr erfolgreich, doch in drei Jahren gelang es King nicht, den Verein zum Aufstieg in die Conference National zu verhelfen. Ein Zeichen für King und das Präsidium, die Aufgabe des Trainers an seinen langjährigen Assistenten Glenn Pennyfather weiterzugeben, und selbst nur mehr als Sportdirektor aktiv zu sein.

Aber auch wenn die Yellow Army seitdem schwierige Zeiten durchmachen mussten, standen die Fans immer hinter dem Verein, und sind vor allem für ihre Gesangseinlagen bekannt. Der Stadionbesuch gleicht einem Familientreffen, Schulen und Jugendvereine arbeiten eng mit Canvey Island F.C. zusammen, damit möglichst viele Familien und Kinder ihren Idolen an der Park Lane auf die Beine schauen können.

Heute muss der Verein kleinere Brötchen backen. Die Zeiten in denen man Spieler wie Perry Groves (Arsenal), Julian Dicks (West Ham United), Jason Dozzell (Tottenham Hotpsur) im Kader hatte sind lange vorbei. Vor kurzem wurde der Vertrag mit dem Hauptsponsor Oikos Storage Ltd um zwei Jahre verlängert, womit der Verein rund 50.000 Pfund ins Budget einrechnen kann. Doch auch wenn Canvey Island nicht mehr von einem Investor gefördert wird, ist der Verein heute finanziell stabil unterwegs, spielt noch immer attraktiven Fußball und plant diese Saison die Play-Offs in Angriff zu nehmen.

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