Cellino hat mich dafür bezahlt!

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Massimo Cellino, der Besitzer des englischen Zweitligisten Leeds United, soll einem Fan Geld gezahlt haben, damit dieser positive Posts über den Verein und den Besitzer schreibt. Was für eine schräge Nachricht! Bereits seit mehreren Wochen gibt es einen Disput zwischen (vielen) Anhängern und dem ehemaligen Besitzer von Cagliari Calcio.

Nur wenige Tage nach dem bestätigten Interesse des reichen Italieners gab er vielversprechende Sprüche von sich, wie beispielsweise, dass man 2016 bereits wieder in der Premier League spielen würde, und das erste Ziel sei das eigene Stadion, die Elland Road, und das Trainingsgelände zurückzukaufen, um den Verein die teure Pacht zu ersparen. Diese und ähnliche Versprechen blieben jedoch nur Worte und wurden nie in die Tat umgesetzt. Für viele Fans ein No-Go, weshalb man nun mit einem #CellinoOutProtest antwortete. Vor dem Stadion wurde ein Plakat aufgehangen, das sich klar gegen Cellino richtet. Wenig später wurde gegen das aufgehängte Plakat Anzeige erstattet und beanstandet, dass es weggeräumt wird.

In den sozialen Netzwerken sorgte es jedoch für großes Aufsehen und viel Gelächter bei den Fans. Die Emotionen gingen hoch, die Hasstiraden wurden mehr und wenig später wurde der bereits erwähnte Protest organisiert. Am Rande vom East Stand der Elland Road wurden indes mehrere kreative Projektionen gegen den Besitzer an die Wand geworfen. Auch bei den Spielen hört man immer wieder Rufe, die an Cellino gerichtet sind.

Doch vor einigen Tagen wurde das Verhältnis ein weiteres Mal stark zerrüttet, dieses Mal sogar mit internationalem Aufmerksamkeit: Massimo Cellino soll einen Fan für positive Posts bezahlt haben … zumindest laut einem Boulevard- oder eher Schandblatt, das sich Daily Mail schimpft. Die Fans sind erbost, immer mehr Whites richten sich gegen den Mann, der den Verein einst vor dem Bankrott gerettet hatte. Doch viele von ihnen verlieren die Fakten aus den Augen. Dass Massimo Cellino eher ein Mann großer Worte als großer Taten ist, war vielen bekannt, womit man seine Versprechen nicht zu ernst nehmen und eher seiner Euphorie und seinem Temperament zuschreiben sollte. Ebenso vergessen viele, dass ihm wegen der Steuerhinterziehungsklage verboten wurde, den Verein zu führen, weshalb sein Plan um einige Zeit verzögert und seine Euphorie deutlich gebremst wurde. Zudem könnte es sein, dass sich der Ex-Cagliari-Besitzer den Aufstieg in die Premier League etwas leichter vorgestellt hat. In Italien reichen vielleicht ein paar sehr gute Leihspieler und zwei bis drei gute Verpflichtungen, in der englischen Championship gibt es jedoch immer mehr Vereinen, die Topspieler für 10-15 Millionen Euro verpflichten, um sich den Traum vom Aufstieg zu erfüllen. Zwar keine Ausrede für den Italiener, aber auf jeden Fall Faktoren, die man mit einberechnen sollte.

Am Mittwoch, dem 24. Februar, wurden erstmals Teile der Bilanzen von Leeds United vorgestellt. So wurde der Verlust des Vereins innerhalb der ersten zwölf Monate unter Massimo Cellino von 29 Millionen Euro auf 2,5 Millionen Euro reduziert – ein Reduktion von mehr als 90 Prozent. Zwar gingen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr zurück, jedoch durch den zwölf Millionen Euro-Verkauf von Ross McCormack an Fulham und den Senkungen der Gehaltskosten der Spieler und Mitarbeiter von 22 Millionen Euro auf 16,5 Millionen Euro wurde der Gesamtverlust des Vereins um ein vielfaches dezimiert.

In Summe investierte Eleonora Immobiliare s.p.a., die italienische Mutterfirma des Konsortiums Eleonora Sport Ltd, mit welcher Cellino den Verein übernahm, rund 54,5 Millionen Euro in den Verein. Unter anderem kaufte er den Großteil der Anteile der Vorbesitzer, GFH Capital, auf. Die bahrainische Bank hatte den Verein vor ein paar Jahren übernommen und mit dubiosen Deals beinahe in den Ruin getrieben. Am Ende der Saison 2014-15 gab das Konsortium von Cellino dem Verein weitere 24 Millionen Euro an Fremdkapital.

Obwohl der Italiener gerade viel Gegenwind zu spüren bekommt, könnten diese Nachrichten zumindest etwas Ruhe in den Verein bringen. Massimo Cellino hatte zwar viele seiner Versprechen nicht eingehalten, aber er hatte sein Wort gehalten, dass es mit dem Aufkauf der GFH-Anteile finanziell besser werden sollte.

„Ich würde mich gerne bei der Geschäftsleitung und allen Mitarbeitern für ihre harte Arbeit und ihre Leistungen während dieser schwierigen Zeit bedanken. Die Bilanzen zeigen das Engagement das erbracht wurde, um die finanzielle Lage des Vereins zu verbessern. Der Verein ist nun erstmals seit vielen Jahren finanziell gesichert. Wir sind zuversichtlich, dass wir weitere Verbesserungen in den nächsten Jahren umsetzen können. Wir hoffen, dass wir uns endlich darauf konzentrieren können die Einnahmen des Vereins, generiert durch unsere Anhänger und Sponsoren, in einen qualitativ hochwertigen Kader, und damit bessere Performances auf dem Platz, investieren können.“ – Massimo Cellino

Derzeit liegt Leeds auf dem 17. Platz, 12 Punkte entfernt von einem Abstiegsplatz und 16 Punkte von einem Playoff-Platz entfernt – gefangen in der unteren Tabellenhälfte. Im Winter gab es einige Ab- und Zugänge, so wurde Sam Byram für 4,8 Millionen Euro an West Ham verkauft. Im Gegenzug wurde dafür der Leihvertrag von Sunderlands Liam Bridcutt bis ans Saisonende verlängert, Mustapha Carayol als Byram-Ersatz von Middlesbrough ausgeliehen und Toumani Diagouraga von Brentford verpflichtet. Vor allem Byram-Ersatzmann Carayol konnte bereits wenige Wochen nach seiner Verpflichtung mit tollen Leistungen und einem traumhaften Tor gegen Brentford aufzeigen. Zuletzt gab es ein 1:1-Unentschieden gegen Fulham, indem der erst vor wenigen Tagen 19 Jahre alt gewordene Mittelfeldspieler Lewis Cook womöglich das Tor des Jahres erzielt hatte. Der letzte Sieg der Whites ist übrigens bereits ein Monat her und war bloß gegen Bristol City, die damals auf dem 22. Platz lagen.

Der letzte Dreier gegen ein Team aus der oberen Tabellenhälfte ist bereits zweieinhalb Monate her, als Leeds am Krampustag mit 2:1 gegen Hull City gewann. Seit Jahresbeginn hat die Mannschaft von Steve Evans in acht Spielen nur vier Tore erzielt und musste dabei acht Gegen Tore hinnehmen.

Dem Kader fehlt es weiterhin an Qualität. Zwar hat man mit Bridcutt seit ein paar Monaten einen sehr guten Spieler im Mittelfeld, jedoch fehlt Qualität auf den Flügeln, in der Verteidigung und im Tor. Massimo Cellino muss nicht jedes Wort halten, jedoch wäre es toll, wenn er das Versprechen, den Kader aufzubessern, wenn der Verein schuldenfrei ist, hält und sich damit mit den Fans wieder versöhnt.

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