Nach langem Hin und Her ist der Transfer Eden Hazards zu Real Madrid nun endgültig in trockenen Tüchern. Der belgische Superstar wechselt von der englischen in die spanische Hauptstadt. Was bewirkt dieser Wechsel an der Stamford Bridge, wo man sich zusätzlich noch mit einer Transfersperre abfinden muss?

 

Welche Lücke hinterlässt Hazard?

Seit 2012 lieferte Eden Hazard kontinuierlich sehr gute Leistungen im Trikot der Blues ab. Der Belgier war stets kreativer Fixpunkt in Chelseas Offensivspiel, ganz unabhängig welcher Trainer an der Seitenlinie stand.

2012/13 stand er als Neuzugang noch ein wenig im Schatten von Juan Mata, der wettbewerbsübergreifend 19 Treffer erzielte und 35 auflegte. Hazard selbst bereitete 24 Treffer vor und traf 13-mal.

Mit Mourinhos Rückkehr an die Bridge zur Saison 2013/14 und der damit verbundenen Degradierung Matas wurde der damals 22-Jährige zum absoluten Leistungsträger (14 Tore und 9 Vorlagen in der Liga). Für den portugiesischen Startrainer war Hazard fortan der Spielentscheider.

In Chelseas Meistersaison 2014/15, in der er in der Liga direkt an 24 Treffern beteiligt war, wurde er folgerichtig zum PFA Players Player of the Year gewählt.

Auch in seiner zweiten Meistersaison 2016/17 war er unter Antonio Conte wieder einer der Fixpunkte in der Offensive (21 Torbeteiligungen in der Liga).

Eden Hazard war für Chelsea stets einer der kreativsten Spieler, der immer für einen Überraschungsmoment gut war. Er ist schlichtweg ein Weltklassespieler was Dribblings und das Kreieren von Chancen anbelangt.

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Dabei war es für ihn unerheblich, ob er in einem konterlastigen 4-3-3/4-2-3-1 wie unter Mourinho spielte, wo er als Linksaußen in der Arbeit gegen den Ball eine Sonderrolle genoss und sich ganz aufs Kontern verlassen konnte. Oder aber wie unter Conte als Halbstürmer im 3-4-3 verstärkter nach hinten arbeiten und Bälle im zweiten Drittel verteilen musste.

Unter Maurizio Sarri kam Hazard meist als Linksaußen zum Einsatz, der sich im Halbraum bewegt und von hier kreative Momente entfacht. Als Mittelstürmer á la Dries Mertens bei Napoli war er zwar gut, allerdings ist er nicht der Spielertyp, den die Blues in dieser Position benötigen.

Er ist kein Spieler wie Mertens, der hinter die Kette sprintet; Hazard ist ein Spieler, der den Ball in den Fuß gespielt bekommen muss, um am Wertvollsten für sein Team zu sein.

Betrachtet man seine letzten 20 Spiele, gewann er 74% seiner neun Dribblings und spielte drei Keypasses von denen über die Hälfte zu einer Torchance führten. Wer unseren Scoutingreport aus dem Januar kennt, weiß wie sehr sich diese Zahlen von anderen Offensivspielern abheben.

Chelsea bricht also einer ihrer besten offensiven Akteure weg, der im letzten Drittel Chancen sowohl kreieren als auch verwehrten kann. In den letzten drei Saisons war der Linksaußen stets einer der zwei besten Torschützen im Team.

Auch in der abgelaufenen Saison war er in der Premier League mit 16 Treffern und 15 direkten Vorlagen Schlüsselspieler der Blues.

 

Wer soll diese Lücke füllen?

Einen vergleichbaren Zug zum Tor hat von Chelseas Offensivspielern am ehesten noch Pedro. Dieser ist mit fast 32 Jahren auch nicht mehr der Jüngste und hat Probleme was das Kreieren von Chancen angeht. Bei Willian ist letzteres genau umgekehrt.

Bleibt also offen, inwieweit Chelsea nun auf Hazards Abgang reagieren wird, auch in Hinblick auf die Transfersperre.

Während der Transfer von Christian Pulisic bereits in trockenen Tüchern ist, muss man sich an der Bridge mit weiteren Neuzugängen noch gedulden.

Aus den eigenen Reihen rückt zudem noch Callum Hudson-Odoi nach, welcher sich in den letzten Wochen und Monaten zum wahren Publikumsliebling gespielt hat. Leider riss er sich Mitte April seine Achillessehne, weshalb man seine weitere Entwicklung abwarten muss.

Der junge Engländer sollte dennoch künftig zusammen mit Pulisic die Chelsea-Offensive tragen – sowohl kurz-, als auch langfristig.

 

Ein ausführliches Portrait zu Callum Hudson-Odoi gibt es hier

Nicht jeder von ihnen bringt die Fähigkeiten von Hazard 1:1 mit, ohne Frage. In Summe sind sie aber ein mindestens gleichwertiger Ersatz für ihn.

Chelsea wurde insbesondere nach der Verkündung des Pulisic-Transfers teilweise als „Verlierer“ dieses Deals hingestellt. Zu überteuert sei der US-Amerikaner dafür, dass er seither selten an die großartigen Leistungen aus der Saison 2016/17 anknüpfen konnte.

Pulisic ist aber nach wie vor ein überdurchschnittlicher Offensivspieler, der auch in der Premier League seine Leistung abrufen wird, sofern er körperlich fit bleibt. Der Ex-Dortmunder verbindet die Durchschlagskraft Pedros mit Hazards Fähigkeiten im Dribbling.

Selbst im höchsten Tempo ist Pulisic in der Lage die Übersicht zu bewahren und die richtige Entscheidung zu treffen.

Er spielt mitunter weniger spektakulär als Eden Hazard, sucht im Vergleich aber öfter das Dribbling (11 versuche bei 55% Erfolgsquote). Im Kreieren von Chancen muss er sich vor dem abgewanderten Superstar ebenso nicht verstecken.

In den Grundeigenschaften ist Pulisic ein sehr sauberer Offensivspieler, der sich auch nicht davor scheut in der Defensive mitzuhelfen (drei gewonnene Zweikämpfe und drei Ballrückeroberungen pro Spiel) – ein Vorteil gegenüber Hazard.

 

Die Kaltschnäuzigkeit geht dem US-Amerikaner jedoch etwas ab, weshalb sein Output in den letzten beiden Saisons klar nach unten ging.

Dies ist allerdings etwas, das Callum Hudson-Odoi auffangen könnte. Er besitzt eine ungemeine Ruhe am Ball welche ihn verbunden mit einem Blick für den tödlichen Pass zu einem potenziell gefährlichen Offensivspieler macht.

Wie Pulisic kann auch er den Ball im höchsten Tempo eng am Fuß führen, ohne dabei die Übersicht zu verlieren.

Der junge Engländer musste sich erst das vertrauen Sarris erarbeiten, damit er zeigen kann, wozu er im Stande ist. Er bewies allerdings, dass er aufgrund seiner Fähigkeiten, die er auf beiden Flügeln gleichgut einbringen kann, ein Versprechen für die Zukunft sein kann.

Insbesondere in der vergangenen Europa-League-Spielzeit trumpfte Hudson-Odoi mit sechs direkten Torbeteiligungen in neun Partien auf. In seinen ersten Spielen deutete er bereits an, dass er ein ähnlicher Kreativposten wie Eden Hazard sein kann.

Hazards Abgang: Problem oder Chance?

Dass Chelseas Offensivspiel nun nicht nur auf den Schultern eines Einzelnen lastet, kann auch ein Vorteil sein. Zwar sorgte Hazard stets für Gefahr vom linken Flügel, allerdings fehlte ein Pendant auf dem anderen Flügel.

Der Belgier ist zudem ein sehr dominanter Spieler, der dem Spiel gerne seinen Stempel aufdrückt.

Sowohl Hudson-Odoi als auch Pulisic können zum einen in der dominanten Rolle des Spielgestalters auftreten und zum anderen auch als Zuarbeiter fungieren.

Beide können jeweils auf beiden Flügeln spielen und diese Positionen unterschiedlich interpretieren. Bisher war stets klar: Hazard auf links und auf der anderen Seite spielen William oder Pedro, die in die Tiefe starten.

Mit „CHO“ und Pulisic soll es also in Zukunft gehen, während man an der Bridge noch Pedro und William in der Hinterhand hat, die noch zwei gute Jahre im Köcher haben dürften.

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Mit Transfers sieht es dennoch schwierig aus, wenngleich der ein oder andere Spieler von einer Leihe zurückkehren könnte.

So können die Blues zum Beispiel auf ihre loan army zurückgreifen, die unter anderem Tammy Abraham und Mitchy Batshuayi beinhaltet.

Zwar wird Gonzalo Higuaín wohl in London bleiben, doch beide sind potenzielle Topstürmer, die mindestens auf einer Stufe mit dem Argentinier sind.

Insbesondere Abraham zeigte in seinen beiden bisherigen Championship-Spielzeiten, dass er mit jeweils mindestens 23 Treffern ein passabler Premier-League-Vollstrecker sein kann. Auch in Swanseas grauenhafter Offensive war er 2017/18 mit sieben Torbeteiligungen einer der wenigen Lichtblicke.

Ruben Loftus-Cheek, der in der jüngsten Vergangenheit immer öfter das Vertrauen Sarris genoss, könnte mit seinen kreativen und gleichzeitig durchschlagenden Momenten ebenfalls zu einer Option im Angriffsspiel der Blues werden und als Zuarbeiter für Hudson-Odoi und Pulisic agieren.

In der Offensive ist Chelsea also flexibler aufgestellt und ist für den Gegner somit weniger ausrechenbar.

Zwar verliert man mit Hazard zweifelsohne einen Weltklassespieler, dessen Qualitäten im Kreieren von Chancen der Mannschaft fehlen werden, aber mittel- bis langfristig kann man dies im Verbund auffangen.

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Written by Sascha
Ist für Taktikanalysen, Scoutingberichte und schlechte Wortspiele zuständig. Eigene Grammatik ist so ausbaufähig wie Swanseas letztjährige Tabellenplatzierung – und entsprechend ist hier keine Aussicht auf Besserung.