Come va, Joe Hart?

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Ein Text von Michele Tossani.
Das Warten hat ein Ende. Am Sonntag, dem 11. September, machte der gehypte neue Torino-Tormann und England Stammtorhüter Joe Hart sein Serie A-Debüt. Und es war nun wirklich kein beeindruckendes Debüt, leistete sich doch die ehemals langjährige Nummer 1 der Citizens gleich bei seinem ersten Einsatz einen großen Schnitzer. Beim Stand von 2:1 für i Granata, wie Torino auch genannt wird, gegen Atalanta machte Joe Hart einen schwerwiegenden Fehler und verhalf dem Gegner aus Bergamo damit zum 2:2-Ausgleich. Der 29-jährige Engländer, der für eine Saison an die Italiener verliehen wurde, verschätzt sich bei einer Flanke von der rechten Seite, als er aus dem Tor kam, um den Ball weg zu fausten. Es gibt ein englisches Sprichwort, dass hier sehr passend ist: misery loves company. Dieses Sprichwort besagt, dass unglückliche Personen etwas Zuspruch von Personen bekommen, die ebenfalls unglücklich sind. Das deutsche Pendant wäre wohl „geteiltes Leid, ist halbes Leid“. Hunderte Kilometer entfernt feierte auch Claudio Bravo sein Debüt. Der Chilene wechselte von Barcelona zu den Citizens, um dort den von Pep Guardiola ausgebooteten Joe Hart zu ersetzen. Aber auch dieser feierte ein nicht ganz fehlerfreies Debüt in der Premier League.

Für Tormänner ist es nicht unüblich schwierige Debüts zu feiern, vor allem für jene, die ins Ausland wechseln, in ein Land mit einer fremden Sprachen, anderen taktischen Stilen und Gewohnheiten. Bei Hart wäre hinzukommend noch der große Druck und die ständigen Blicke. Er war ausgemustert worden, ein jeder blickte nach Torino, als die Nummer Eins Englands tatsächlich bei den Turinern unterschrieb. Der sowieso bereits geyhpte und hämisch beobachtete Tormann, hatte zudem nun viele Blicke auf sich, was seine bereits schwere Aufgabe noch schwerer machte. Denn Torino hatte diesen Sommer große Verluste hinzunehmen. So ging Abwehrchef und Kapitän Kamil Glik nach Monaco, Topverteidiger Nikola Maksimovic wechselte zu Napoli und der Rechte Verteidiger Peres wechselte zur Roma. Damit hatte Joe Hart nicht nur eine geschwächte, sondern eine beinahe komplett neue Abwehrreihe vor sich. Das Spiel gegen Atalanta machte dies nochmal deutlich. Die Viererkette hatte große Probleme und erlaubte ihrem Gegner sieben Schüsse auf Tor, also wurde Joe Hart ordentlich auf Probe gestellt. Die Leistung des Engländers war passabel, hätte aber besser sein können, wie auch Trainer Sinisa Mihajlovic nach dem Spieler nochmal hervorhebte: „Er [Joe Hart] machte eine gute Parade bei der Ecke, aber sie hätten besser sein können. Und meinen Spielern werde ich nicht böse, wenn sie einen Fehler machen, aber wenn sie nicht das machen, was wir die Woche vorbereitet haben.“

Nichtsdestotrotz hatte er auch seine guten Aktionen. Zuallererst wusste Joe Hart Schüsse gut abzuwehren. Auch seine Beinarbeit, was einer der Hauptgründe für die Ausmusterung durch Pep Guardiola war, war recht ansehnlich. Bei Torino ist er für den Spielaufbau von hinten heraus zuständig und Hart zeigte keine Angst sich in Szene zu bringen oder anzubieten, auch wenn er risikofreie Kurzpässe favorisierte. Seine Passgenauigkeit von über 80 Prozent war damit übrigens höher als die von Claudio Bravo bei dessen Debüt, die bei 70,5 Prozent lang.

Am Ende des Tages war es bloß das erste Spiel für Joe Hart in der Serie A. Seine Leihe fing relativ schlecht an, aber dennoch gilt zu sagen, dass sein erstes Spiel nicht so schlecht war wie erwartet. In der Folgewoche feierte er gegen Empoli sein Heimspieldebüt und machte dabei eine gleich viel bessere Figur, als in der Vorwoche. Einen Schuss aus kurzer Entfernung von Vincent Laurini konnte er blocken und eine große Torchance von Manuel Pucciarelli, der ungehinderte zu Hart vorstoßen konnte, wusste der Engländer zu vereiteln. Damit blieb der Leihspieler erstmals ohne Gegentore. Nur ein paar Tage später konnte er den Kasten gegen den Wiederaufsteiger Pescara ebenfalls sauber halten.

Wenige Tage später folgte das erste große Spiel für Joe Hart, als er mit Torino gegen die Roma ran musste. Der Leihspieler feierte mit seiner Mannschaft einen grandiosen 3:1-Sieg gegen die Hauptstädter. Auch wenn der Engländer an diesem Tag das 250. Serie A-Tor von der 40-jährigen Roma-Legende Francesco Totti nicht verhindern konnte, zeigte er mit seiner Leistungen und seinen Paraden, mit denen er Tore von Edin Dzeko vereitelte, wie sehr er sich bereits an die Serie A gewöhnt hat.

In der Vorwoche konnte er gegen Fiorentina zwar nicht Khouma Babacars spätes Kopfballtor verhindern, jedoch einen guten Schuss von Borja Valero und war damit maßgeblich an Torinos ersten Heimsieg gegen La Viola seit 1990 beteiligt.

In vier Spielen konnte Joe Hart nun bereits drei Mal ohne Gegentor bleiben – nicht schlecht für einen Tormann, der mit skeptischen Blicken, Druck und einem neuen Umfeld zu kämpfen hat. Bereits nach wenigen Spieltagen erweist sich der Engländer als Abwehrchef und voller Selbstvertrauen und kommandiert seine Abwehrspieler vom Strafraum aus. Möglicherweise sind wir ja erst am Anfang von einer tollen Saison von Joe Hart. Auch in der Nationalmannschaft als England auf Slowenien traf war er einer der wenigen Akteure, der eine gute Leistung erbringen konnte. Sollte sein Lauf so weiter gehen werden es Fraser Forster und Jack Butland sehr schwer haben eine Chance gegen Joe Hart zu haben.

 

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