Auch während der Copa América 2019 schaut Cavanis Friseur nach Brasilien. Nach jeder Runde werfen wir an dieser Stelle einen Blick zurück. Wir analysieren das für uns beste Spiel des Spieltags, folgen unseren Schlüsselspielern und Player to watch durch das Turnier und entscheiden über den Mann der vergangenen Spiele.

 

Copa America 2019: Spieltag 3

– Das Spiel des Spieltags
– Unser bester Schlüsselspieler
– Unser bester Player to watch
– Der Mann des Spieltags

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Das Spiel des Spieltags: Brasilien gegen Peru

Brasilien ließ nach dem 0:0 gegen Venezuela zum letzten Spieltag der Gruppenphase einen gucken. Mit 5:0 putzte die Seleção ein sichtlich überfordertes Peru nieder, das bis dato punktgleich mit den Brasilianern gewesen ist.

Tite schickte seinen Mannen abermals im 4-2-3-1 aufs Feld, in dem Arthur und Casemiro die Doppelsechs bildeten. Dieses Duo hat sich bereits gegen Venezuela bewehrt, wenngleich man kein Tor erzielte, das nicht vom VAR aberkannt wurde. Arthur gibt im Mittelfeld den Takt vor, während der Real-Star seine bekannten Stärken in der Absicherung einbringen kann.

Offensiv rochierten David Neres und Richarlison aus der Startelf. Stattdessen begannen Shootingstar Everton und Gabriel Jesus auf den Flügeln neben Coutinho. Bei den Peruanern gab es wenige Überraschungen außer dem Fehlen Zambranos, welches durch Miguel Araujo kompensiert wurde.

Brasilien begann vom Start weg gleich offensiv und ging durch Casemiro nach 12 Minuten in Führung. Der Madrilene schaltete bei der Ecke einfach am schnellsten und drückte den Ball über die Linie.


Das 2:0 durch Firmino war dann ein krasser Torwartfehler Gallesses. Der Schlussmann der Peruaner ließ sich bei der Spieleröffnung zu viel Zeit, wodurch ihm der Liverpool-Stürmer den Ball abnahm und beim Treffer wenig Mühe hatte.

Beim 3:0 sah Gallesse ebenfalls nicht souverän aus, als der quirlige Everton trocken ins kurze Eck abschloss.

Von Peru gab es die gesamte Partie im Grunde keinerlei Gegenwehr. Es wirkte fast so, als ob man sich mit vier Punkten und einem Weiterkommen als einer von zwei besten Gruppendritten abgefunden habe. Einzig Ex-Schalker Farfán gewann als Zehner defensiv drei Zweikämpfe.

Offensiv kam von den Peruanern allerdings rein gar nichts. Beispiel gefällig? Peru gewann gerade einmal vier(!) Dribblings – so viele wie Rechtsverteidiger Dani Alves alleine.

So war es nur folgerichtig, dass die Gastgeber der Copa América mit fünf Treffern das Torverhältnis aufbesserten.

Dieses wurde Peru fast noch zum Verhängnis, hätte Gallesse kurz vor Schluss nicht noch einen Elfmeter gehalten. Damit hielt man Japan in Gruppe C auf Distanz, die nur wegen des um ein Tor schlechteren Torverhältnisses ausgeschieden sind.

Brasilien spielte dennoch enorm souverän und abgeklärt auf. Tite unterstrich, dass er einerseits ein sehr pragmatischer Trainer ist, dem bei allem Offensivdrang die Absicherung wichtig ist. Andererseits spielten Everton, Coutinho & Co. wie entfesselt auf und können mit 8:0 Toren ein beachtliches Torverhältnis vorweisen.

Die K.O.-Phase wird zeigen, ob die Seleção tatsächlich reif für den Titel ist. Bisher spielten sie mit Kolumbien und mit Abstrichen Chile und Uruguay die stabilste Vorrunde. Wohin das führen wird, bleibt abzuwarten.



Unser Schlüsselspieler des Spieltags: Edinson Cavani

Uruguays Topstürmer Edinson Cavani und Luis Suárez hingen im Spiel um den Gruppensieg gegen Titelverteidiger Chile lange in der Luft. Ihre Vorderleute taten sich sehr schwer brauchbare Bälle zu liefern.

Während El Pistolero eine eher unglückliche Figur machte und nach einer Parade von Chiles Torhüter bizarrer Weise gar einen Handelfmeter forderte, war sein Counterpart Edinson Cavani der Game Changer. Sein perfekter Kopfball in der 83. Minute entschied die umkämpfte, aber selten hochklassige Partie.

Der Treffer dürfte für El Matador eine besondere Genugtuung gewesen sein, denn mit Chiles Verteidiger Gonzalo Jara, der ihm beim Tor zugewiesen war, verbindet ihn eine unrühmliche Episode aus dem Jahr 2015. Diese lag auf den Tag genau vier Jahre zurück.


Während der Copa Viertelfinal-Begegnung zwischen Uruguay und Chile, grapschte Jara dem Stürmerstar damals provokant und übergriffig ans Hinterteil. Die erhoffte Kurzschlussreaktion des vorverwarnten Cavani folgte auf dem Fuß und Uruguays Nummer 21 gab dem Chilenen eine Mini-Backpfeife.

Jara ließ sich theatralisch fallen und Cavani wurde mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Das Nationalstadion in Santiago de Chile bebte und die Gastgeber erzielten später in Überzahl den Siegtreffer.

Der ohnehin schon unsportliche Vorfall erhielt im Nachgang noch eine pikante Zusatznote. So soll der damalige Mainz 05-Spieler Cavani vor seinem Grapscher mit folgenden Worten provoziert haben: „Dein Vater wird für 20 Jahre ins Gefängnis gehen.“

Hintergrund: Zwei Tage vor dem Spiel war Cavanis Vater in Uruguay verhaftet worden, da er angetrunken einen Verkehrsunfall verursacht hatte, in dessen Folge ein 19-jährigen Motorradfahrer verstarb.

Cavani stand ohnehin schon unter enormen sportlichen Druck, musste er doch ohne seinen gesperrten kongenialen Sturmpartner Suárez auskommen.


Neben seinem sportlich wie emotional wichtigen Tor machte Cavani Bälle fest und erwies sich als einer der passsichersten Spieler seiner Mannschaft. Wie immer opferte er sich für das Team auf in dem er Bälle schon tief in der eigenen Hälfte sicherte und darüber hinaus starke fünf Luftduelle für sich entschied. Nebenbei waren beide seiner Tacklings erfolgreich.

Alles in allem war es ein typischer Arbeitssieg der Marke Uruguay. Trotz aller Unzulänglichkeiten im Spielaufbau waren die Himmelblauen defensiv sattelfest und konnten sich einmal mehr auf die individuelle Klasse ihres Weltklasse-Sturms verlassen.



Unser bester Player to Watch: Everton

Bei Brasiliens furiosem 5:0 über Peru ragte vor allem ein Mann heraus: Everton Sousa Soares. Der Offensivspieler Grêmios zeigte sich bereits im Eröffnungsspiel gegen Bolivien enorm spielfreudig und erzielte einen sehenswerten Treffer.

Im letzten Gruppenspiel drehte Everton nochmals auf und verhalf seinem Team in Hälfte eins zu einer komfortablen 3:0-Führung.

Everton selbst traf in der 32. Minute, als er sich auf der linken Seite wunderbar durchsetzen konnte und anschließend trocken ins linke untere Eck abschloss. Sicherlich auch dank der Mithilfe von Perus Pedro Gallese, der beim Schuss in die kurze Ecke nicht gut aussah.


Entscheidend war jedoch, dass sich Everton diese Aktionen zutraut und Gegenspieler Advíncula zur Verzweiflung trieb.

Sieben seiner elf Dribblings gewann der 23-Jährige – mit Abstand die meisten auf dem Feld. Zudem gab er die zweitmeisten Schüsse ab und wurde völlig zurecht von den Fans gefeiert.

Wie geht es jetzt also weiter für ihn? Setzt Trainer Tite auch in der K.O.-Phase auf Everton oder lässt er gestandenen Spielern wie Willian oder Richarlison den Vorzug?

Auch wenn der Linksaußen bei weitem noch nicht die Konstanz seiner Konkurrenten mitbringt, so liegt das Momentum ganz klar bei ihm. Die Fans lieben ihn wegen seiner Unbekümmertheit und seinem Spielwitz aber auch weil er (noch) in der Brasileiro Série A spielt.

Ob Everton da noch lange spielen wird, ist mehr als fraglich, sollten seine künftigen Leistungen bei der Copa América eine ähnliche Resonanz hervorrufen wie bisher.

Die großen Clubs sollten also schonmal ihr Scheckbuch zücken. In München suchen sie ja noch einen Flügelspieler…



Der Mann des Spieltags: Darwin Machís

Das Überraschungsteam bei dieser Copa America ist bisher Venezuela. Die Vinotintos überstanden die Vorrunde ungeschlagen und mit nur einem Gegentor.

Nach zwei Nullnummern holten sie im letzten Gruppenspiel gegen Bolivien den ersten Sieg.

Der große Held des Abends war Darwin Machís. Der 26-jährige Flügelstürmer erzielte zwei Tore und ebnete damit den Weg zu einem ungefährdeten 3:1.

Der Abend in Belo Horizonte war bisher zweifelsohne der größte in Machís‘ Laufbahn. Seitdem er 2012 aus Venezuela nach Granada wechselte, wartet er auf seinen Durchbruch in Europa.

Nach einer starken Saison für Granada in der Segunda schaffte er vor zwei Jahren den Sprung zum Schwesterclub nach Udine, wo er allerdings nicht überzeugen konnte.

In der letzten Halbserie spielte Machís für Cadiz, wo seine Formkurve wieder nach oben zeigte.


Diese guten Leistungen sicherten ihm einen Platz im Kader des Trainers Rafael Dudamel. Nachdem er gegen Peru noch von der Bank kam, stand er gegen die brasilianischen Gastgeber in der Startelf.

Mit einer couragierten Leistung erkämpfte er sich auch für das wichtige Gruppenfinale gegen Bolivien seinen Einsatz.

Bereits nach zwei Minuten zahlte sich das aus: Machís, der von der Seite eingelaufen war, versenkte eine Flanke des Rechtsverteidigers Hernandez unhaltbar im Gehäuse der Bolivianer.

In der Folge überzeugte er nicht nur offensiv, wo er sich immer anspielbar zeigte, sondern auch in der Defensive mit drei erfolgreichen Tacklings.

Sein größter Moment schlug indes in der 55. Minute. Nach einer Seitenverlagerung von Anor und Rincon ging Machis gegen zwei Bolivianer ins Dribbling.

An der Strafraumgrenze schnitt er nach innen und besorgte mit einem herrlichen Rechtsschuss ins lange Eck das zwischenzeitliche 2:0.

Das wohl schönste Tor an diesem Spieltag. Kurzfristig wird ihm das auch im Viertelfinale gegen die Albiceleste einen Platz in der Startelf sichern.

Überzeugt er weiter bei der Copa, könnten diese Leistungen auch eine Chance auf einen lukrativen Vertrag in Südamerika oder Mexiko sein.

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