Auch während der Copa América 2019 schaut Cavanis Friseur nach Brasilien. Nach jeder Runde werfen wir an dieser Stelle einen Blick zurück. Wir analysieren das für uns beste Spiel des Spieltags, folgen unseren Schlüsselspielern und Player to watch durch das Turnier und entscheiden über den Mann der vergangenen Spiele.

 

Copa America 2019: Spieltag 1

– Das Spiel des Spieltags
– Unser bester Schlüsselspieler
– Unser bester Player to watch
– Der Mann des Spieltags

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Das Spiel des Spieltags: Paraguay gegen Katar

Paraguay gegen Katar – was nicht nach „Champagnerfußball“ klingt, war eines der attraktivsten Spiele des ersten Spieltags der Copa America. Alles war geboten: Gutes Pressing, schöne Kombinationen, drei traumhafte Tore und vor allem eine beeindruckende Aufholjagd Katars.

Doch erstmal von vorn: Paraguay wirkte zu Beginn des Spiels übermächtig. In der ersten Minute erzwang Altstar Oscar Cardozo bereits einen hochriskanten Pass des Torwarts, der nur durch mutigen Einsatz das frühe Gegentor verhindern konnte.

Nach einem Handelfmeter ging Paraguay dann bereits in der 3. Minute in Führung. Die Albirroja gestaltete die Anfangsphase weiter dominant und schnürte den Gegner mit hohem Angriffspressing ein.

Katar zeigte große Schwächen im Gegenpressing, da sie zu viele Spieler im Aufbau hatten und so nach Ballverlusten im Mittelfeld numerisch klar unterlegen waren.

Ab der 10. Minute jedoch blitzten bei Katar immer wieder schöne Kombinationen auf.

Außerdem zeigten sich erste Probleme bei Paraguay: War ihr Angriffspressing erstmal überspielt, taten sich Lücken auf. Besonders der Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff passte überhaupt nicht, zusätzlich fehlte in der letzten Linie der Zugriff.

Die Mannen des ehemaligen La Masia-Trainers Felix Sanchez konnten sich jedoch vor der Pause trotz hochkarätiger Chancen nicht mit einem Tor belohnen.

Nach der Pause dann der Schock: Ein Treffer Paraguays in der 53. Minute wurde noch wegen Abseits aberkannt, doch nur drei Minuten danach erzielte „Player to watch“ Derlis Gonzalez mit einem Traumtor das 2:0.

Der Drops war also gelutscht, die Messe gelesen?

Falsch. Katar ließ sich vom Gegentor nicht beirren und spielte weiter mutig auf. Die 68. Minute sollte dann endlich die Belohnung für den großen Aufwand darstellen: Der 22- jährige Mittelstürmer Al-Moez Ali ziehte nach schönem Dribbling einfach mal ab und traf genau in den linken Winkel – 2:1.

Doch Katar hatte noch nicht genug. Rodrigo Rojas unterlief in der 77. Minute ein durchaus kurioses Eigentor, welchem allerdings eine sehr ansprechende Kombination vorausging.

Schließlich blieb es beim gerechten 2:2.

Felix Sanchez‘ Spieler haben bewiesen, dass sie auch vermeintlich überlegenen Gegner ihren Stempel aufdrücken können. Am Ende hatten sie 57% Ballbesitz.

Wenn sie an der Staffelung gegen den Ball arbeiten, können sie ein Stolperstein für Argentinien und Kolumbien werden.

Für die Mannen von Eduardo Berizzo gilt das Gleiche: Es muss dringend an den Abständen im Pressing gearbeitet werden. Ansonsten sah das Ballbesitzspiel ordentlich aus und es gab einige starke Ansätze im Pressing.

Ein Extralob gebührt dem rechten Innenverteidiger Katars, dem 21-jährigen Bassam Al-Rawi. Al-Rawi löste sich aus dem Pressing Paraguays immer wieder mit ansprechenden Dribblings und spielte einen linienbrechenden Pass nach dem anderen. Ließ man ihm zu viel Platz, bestrafte er das mit aggressivem Andribbeln.

Vielleicht hat der ein oder andere Scout da mal genauer hingeschaut.



Unser Schlüsselspieler des Spieltags: Edinson Cavani

Uruguays Topstürmer hatten gegen früh dezimierte Ecuadorianer leichtes Spiel. Sowohl Paris Saint-Germains Edinson Cavani als auch sein nicht weniger begabter Sturmpartner Luis Suárez vom FC Barcelona spielten stark auf.

Schwer vorstellbar, doch Cavanis Tor zum 2:0 gegen Ecuador war sein erster Treffer überhaupt bei einer Copa América. Davor war es ihm in zehn Spielen bei drei Turnieren nicht gelungen zu treffen.

Dafür netzte Uruguays Nummer 21 am Sonntagabend umso spektakulärer ein.

Nach einer von Suárez geschlagenen Ecke verlängerten Lodeiro und Godín den Ball per Kopf auf Cavani. Dieser stand unbedrängt an der Torraumgrenze und schloss per Außenrist-Seitfallzieher ab.

Ecuadors Keeper Alexander Domínguez, der zwei gute Chancen Cavanis zuvor noch sehenswert entschärfen konnte, hatte keine Chance gegen den platzierten Abschluss.

Im weiteren Spielverlauf stellte Edi seine bewährten Stärken unter Beweis. So half er immer wieder tief in der eigenen Hälfte aus, um sein Team dabei zu unterstützen, die zaghaften Angriffe von La Tri schon im Keim zu ersticken.

Offensiv machte er Bälle fest und leitete diese souverän an seine Mitspieler weiter. Hervorzuheben ist dabei ein intelligenter Steilpass auf Suárez, der jedoch von Ecuadors Schlussmann rechtzeitig antizipiert wurde.

Den 4:0 Endstand leitete er mit einer Flanke auf Gastón Pereiro ein. Pereiros Kopfball wurde unglücklich von Ecuadors Innenverteidiger Arturo Mina ins eigene Tor befördert.

Mit Mina hatte sich Cavani zuvor noch ein hitziges Wortgefecht geliefert und damit eine weitere patentierte Eigenschaft gezeigt: Das Temperament eines Stierkämpfers.

Für Uruguays zwei Weltstürmer war der Sieg gegen Ecuador ein lockerer Turnierauftakt. Sollten sie sich aber auch gegen die deutlich stärkeren Gegner aus Japan und Chile in ähnlich bestechender Form präsentieren, dann steht dem Gruppensieg nicht viel im Weg.



Unser bester Player to Watch: Wuilker Fariñez

Der Schlussmann der Vinotinos sicherte seiner Mannschaft direkt am ersten Spieltag einen wichtigen Punkt im Kampf ums Weiterkommen. Fariñez entschärfte alle sechs Schüsse, die auf sein Tor kamen und war eine wichtige Stütze, als Venezuela gegen Peru lange in Unterzahl spielen musste.

Dabei zeigte der 21-Jährige zwei Monsterparaden, welche die Peruaner zur Verzweiflung brachten. In der ersten Halbzeit kratzte er einen Freistoß Guerreros heraus.

Besonders bemerkenswert dabei: Fariñez machte dabei, anders vielleicht als andere Keeper, nicht nur einen großen Schritt und hechtete nach dem Ball. Er erkannte, dass er hier mehr Raum überbrücken und einen weiteren Schritt machen musste.

Das hatte zur Folge, dass er scheinbar relativ einfach an den Ball kam, er aber aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,78 m keine andere Wahl hatte, als einen weiteren Zwischenschritt zu vollführen.

Man sah hier einmal mehr, dass der Venezolaner eine sehr saubere Torwart-Technik an den Tag legt und mithilfe dieser auf der Linie fast immer die richtigen Entscheidungen trifft.

Eine weitere spielentscheidende Szene ereignete sich etwa Mitte der zweiten Halbzeit, als sich die Peruaner über rechts in den Strafraum kombinierten. Der geplante Schuss André Carillos wurde zum Querschläger und landete am langen Pfosten.

Fariñez zeigte hier einmal mehr eine beeindruckende Beinarbeit. Aus dem Fallen heraus schaffte er es noch sich schnell in die andere Ecke zu bewegen und mit dem Mute der Verzweiflung den Ball von der Linie zu kratzen.

Auch hier war die Schrittfolge wieder entscheidend für den Schlussmann. Erinnern wir uns an den Freistoß aus der ersten Hälfte: Fariñez machte zwei kurze Schritte, um schnell von der Mitte des Tores in die Ecke zu kommen.

In der zweiten Szene machte er einen großen Kreuzschritt, um mit einer Aktion in kürzester Zeit so viel Raum wie möglich überbrücken zu können. Eine Schrittfolge wie beim Freistoß wäre unpassend gewesen, weil er es zeitlich nicht geschafft hätte in Position zu kommen.

Um es abzukürzen: Wuilker Fariñez besitzt nicht nur eine herausragende Torwart-Technik, sondern ist auch ein sehr guter Athlet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er unser bester Player to watch des ersten Spieltags geworden ist.



Der Mann des Spieltags: Roger Martínez

Eigentlich hatte Martinez im Kampf um einen Platz in Carlos Queiroz Auswahl den Kürzeren gezogen.

Doch als sich sein Konkurrent Luis Muriel schon der 14. Minute verletzte, schlug die Stunde des Stürmers: Der erfahrene Queiroz rief den 24-jährigen Roger zu sich und warf ihn ins kalte Wasser.

Die folgenden 76 Minuten waren der vorläufige Höhepunkt einer ungewöhnlichen Karriere. Rogers Weg zu seiner hervorragenden Leistung führte unter anderem über Argentinien, China, Spanien und Mexiko, wo er derzeit für America spielt.

Nach einer durchwachsenen Saison war es durchaus eine Überraschung, als sein Name im vorläufigen 40er-Kader des neuen Nationaltrainers auftauchte.

Ohne jemals unter Queiroz gespielt zu haben, nahm dieser Roger mit nach Brasilien.

Eine gute Entscheidung: Gegen die Albiceleste war sein Schützling der beste Kolumbianer. Mit drei erfolgreichen Dribblings (75 Prozent) und zwei Schüssen brachte er ordentlich Zug zum Tor auf den Platz.

Während Argentinien feldüberlegen war und das Spiel machte, bescherte Roger seiner Defensive so die dringend benötigte Entlastung.

Mitten in der stärksten argentinischen Druckphase, erzielte er sein unwiderstehliches erstes Pflichtspieltor für Cafeteros.

Nach einer starken Seitenverlagerung von James nahm der bullige Roger den Ball perfekt an und ging direkt ins Dribbling gegen Renzo Saravia.

Dem starken Antritt folgte der perfekte Abschluss: Ein wuchtige Rechtsschuss aufs lange Eck, unhaltbar für den argentinischen Torwart Franco Armani.

In der Nachspielzeit leitete Roger schließlich noch das zweite Tor ein, als er den hinterlaufenden Lerma in die Tiefe schickte.

Für Trainer Queiroz war das alles keine Überraschung: „Roger war bereit, die Verantwortung zu übernehmen.“ Und der Torschütze selbst sagte verschmitzt: „Ich habe schon vor dem Spiel die ganze Zeit an ein Tor gedacht.“

Gute Nachrichten für alle Anhänger der Kolumbianer. Roger hat bewiesen, dass sein Selbsbewusstsein und Queiroz Vertrauen berechtigt sind. Es wäre keine Überraschung, wenn die nächsten Wochen in Brasilien der große Durchbruch des Jungen aus Cartagena werden.

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