Das auf und ab eines Gooners

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Die Gooner-Fangemeinde ist mal wieder gespalten. Am Sonntag kam Arsenal gegen Norwich nicht über ein Remis hinaus. Ebenso verloren Arsenal (mal wieder) Leistungsträger wie Laurent Koscielny oder Alexis Sanchez durch Verletzungen. Sie gesellen sich zu anderen prominenten Verletzten, wie Coquelin, Wilshere, Welbeck, Walcott, Arteta oder Rosicky, sowie den fraglichen Spielern Cazorla und Gibbs die mit Knie- bzw. Unterschenkelproblemen zu kämpfen haben. So viele Verletzungen stoßen bei den Fans auf Kopfschütteln, da für Schlüsselpositionen kein adäquater Ersatz in den eigenen Reihen ist. Spieler wie Coquelin werden im defensiven Mittelfeld jetzt kläglich vermisst, da Flamini dieses Talent leider nicht 1:1 ersetzen kann. Das selbe Problem trat bereits auf, als Bellerin aussetzen musste, denn Debuchy ist weit entfernt von Hector Bellerins derzeitigen Fähigkeiten.
Summa Summarum kommt das Team auf zehn Verletzte momentan, sowie auf 2 von 9 möglichen Punkten im November. Diese Leistung ist eindeutig zu schlecht, findet die Fangemeinde.

Doch beginnen wir bei der Verletzungsmisere, welche Arsenal grundsätzlich jede Saison „heimjagt“. Dieses Übel begann bereits bei Danny Welbeck, welcher Ende letzter Saison bereits über Schmerzen im Knie klagte. Über diesen Ausfall konnte zu dieser Zeit noch hinweg gesehen werden, da der FA-Cup gewonnen werden konnte und die Saison ohnehin endete. Als die Spieler aus ihrem Urlaub zurück kamen, war Welbeck jedoch noch immer nicht zu sehen. Man wusste nichts über den Schweregrad seiner Verletzung, noch wie lange er ausfällt. Deshalb forderten die Gooners in der Transferperiode dringend einen neuen Stürmer. Gekauft wurde schlussendlich ein Torwart, nämlich Petr Cech. Die Freude darüber war grundsätzlich hoch, doch je näher sich das Ende der Transferperiode abzeichnete, desto unruhiger wurden die Fans. Spieler wie Lacazette, oder sogar Cavani wurden gefordert, jedoch wurde die Fangemeinde am Ende – wie so oft – bitter enttäuscht. Als wäre diese Enttäuschung nicht genug gewesen, kam kurz danach der nächste Tiefschlag: die Diagnose von Welbecks Knie. Er müsse sich einer Operation unterziehen und fällt somit das restliche Jahr aus.
Ebenso schwer traf es Jack Wilshere, welcher die Pre-Season stark begann, sich aber bei einem Tackle schwer verletzte und bis dato bereits 122 Tage fehlt. Er gilt als verletzungsanfällig, aber teilte mit, dass diese Verletzung für ihn Mental am schwierigsten sei, da er letzte Saison bereits mit einer schwierigen Verletzung zu kämpfen hatte. Trotzdem arbeitete er sich damals wieder ins Team zurück und Fans konnten sein Talent am Spielfeld wieder bewundern, welches er für die Qualifikationsspiele der Euro 2016 eindrucksvoll beweisen wollte. Doch leider kam ihm eine erneute Verletzung in die Quere, welche einen herben Rückschlag nicht nur körperlich, sondern auch psychisch bedeutete.
Welbecks und Wilsheres Rückkehr wird mit dem Jahreswechsel beziffert, genauso melden sich bald Walcott und Arteta wieder zurück.

Um von der Verletzungsthematik auf die derzeitige Lage zurück zu kommen, war der Monat November sozusagen eine Farce, denn von neun möglichen Punkten sind nur zwei geholt worden. Zwar ist man nur zwei Punkte von der Tabellenspitze entfernt, jedoch verliert Arsenal oft Spiele, welche am Ende den Unterschied ausmachen könnten. Ein bereits zum zweiten Mal hintereinander auftretendes Problem ist, dass sie nach einer Führung das Spiel aus den Händen geben, weil sie unkonzentriert agieren und dem Gegner zu viel Platz lassen.

Hier als Beispiel das Spiel gegen West Brom, wo gut zu erkennen ist, dass nach dem Tor von Giroud in der 28 Minute, nur 7 Minuten später bereits das Gegentor fällt.

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Gegen Norwich ein identes Problem: Özil trifft in Minute 30, doch Arsenal kann die Führung wieder nicht halten und kassiert 13 Minuten später das Gegentor, kurz vor der Halbzeitpause. „Immerhin“ konnte gegen Norwich das Remis gehalten, und das Spiel nicht verloren werden wie gegen West Brom.

AFC-Tor2

Ein größeres Problem zieht sich diese Saison durch die Champions League, denn hier konnten bei (derzeit) 5 Spielen nur 2 gewonnen werden. Deshalb sieht sich Arsenal auch auf dem dritten Platz in der Gruppe F wieder und muss noch über ein Weiterkommen zittern. Dank eines 3:0-Sieges über Dinamo Zagreb konnte die Aufstiegschance noch gewahrt werden. Die dabei überragenden Akteure waren einmal mehr Mesut Özil und Alexis Sanchez, letzterer traf im Spiel zwei Mal. Für einen Aufstieg wird zumindest ein 2:0 gegen Olympiakos, im Zweifelsfall auch ein 3:2 benötigt.
Doch in diesen mageren Zeiten (um kurz auf die positiven Aspekte zurück zugreifen) kann auf einen Spieler gezählt werden: Mesut Özil. Derzeit avanciert er zum absoluten Leistungsträger, während er davor noch mit seiner Form haderte. In 13 Premier League-Spielen machte er unglaubliche 11 Vorlagen und 2 Tore, somit kann gesagt werden, dass er in jedem Spiel zumindest eine Vorlage oder ein Tor lieferte. Bei einer durchschnittlichen Passgenauigkeit von 89% bereitet er den Gooners momentan viel Freude. Im letzten Spiel gegen Norwich traf er wieder, jedoch kam Arsenal wie gesagt über ein 1:1 nicht hinaus, denn Lewis Grabban glich noch vor der Pause für Norwich aus, und Arsenal konnte trotz Bemühungen kein Tor mehr erzielen.
Insgesamt eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, und welche sicher noch ausgebaut wird, wenn man die Form des Gelsenkirchners momentan beachtet.

Doch auch ein hervorragender Özil kann das auf und ab der Teamleistung nicht ausgleichen. Denn so wurde sich am Dienstag noch über einen 3:0 Sieg gefreut, wird nach dem Wochenende Trübsal geblasen. Denn wie des Öfteren konnte gegen vermeintlich kleinere Gegner kein Kapital daraus geschlagen werden. Von außen hat es den Anschein, als würde das Team die Konzentration verlieren und von gegnerischen Kontern überrascht werden, sodass der Sechser, sowie die Innenverteidigung, nicht schnell genug agieren können. Der dabei hervorragende Akteur bleibt dennoch Cech, denn er bewahrt das Team mit seinen schnellen Reaktionen vor schlimmerem und rettet ihnen Punkte, bevor sie verloren gehen.

Aus diesen vielen Aspekten kann man zwei Punkte erkennen, wovon sich Arsenal betroffen sieht: Rotation und Regeneration. Die Stammelf wird meistens beibehalten, da eine Änderung schwer fällt, weil es für bestimmte Positionen keinen adäquaten Ersatz in den eigenen Bänken gibt. Durch die vielen Spiele für Club und Land kommen einige Spielminuten zusammen. Das beste Beispiel dafür ist Alexis Sanchez, welcher voller Enthusiasmus so viele Spiele wie möglich bestreiten möchte. Dieser klagte jedoch vor dem letzten Spiel für Chile über leichte Schmerzen, ließ es sich aber nicht nehmen wieder 90 Minuten zu spielen, ebenso bei Arsenal. Arsene Wenger hätte schon längst darauf achten sollen, dass Alexis entweder eine Zwangspause, oder eine bessere Regeneration zwischen den Spielen benötigt. Abgesehen von Alexis Sanchez, gab es diese Probleme schon öfter, um genau zu sein, jede Saison. Denn Jahr um Jahr trifft es immer junge und talentierte Spieler des Vereins, jedoch wird die Methodik von Wenger selten in Frage gestellt, welche er bereits seit 10, 20 Jahren anwendet. Er hat darauf vergessen, dass die Konkurrenz die Methoden bereits seit Jahren durchschaut und geändert, sowie verbessert hat. Sie mögen damals als revolutionär gegolten haben, sind aber mittlerweile einfach überholt und durchschaubar. Es scheint als wäre der Trainer in Sachen Rotation und Regeneration Beratungsresistent, wobei bei dieser Transferpolitik auch nicht viel rotiert werden kann. Gleichfalls dürfte die Planung von Training und Regeneration unstimmig sein, ansonsten könnte man einige Blessuren vermeiden. Diese Punkte sind auch der Grund dafür, weshalb die Form des Kaders nach unten zeigt, und sich die Fans nun einige Fragen stellen: Wie wird nun reagiert? Wie werden die vielen Verletzten gehandhabt? Auch wenn nach dem Jahreswechsel einige Akteure wieder ins Geschehen eingreifen können, bleibt sich dennoch zu fragen, ob Arsenal im Wintertransferfenster zuschlägt?

Nicht nur deshalb rumort es wieder gewaltig in der Gooner-Family. Jedes Jahr fordern einige Fans einen Trainer-Wechsel, damit neuer und frischer Wind in den Club kommt. Die Fans haben immer mehr genug von Wenger, obwohl sie zugleich auch sehr dankbar für Spieler wie Özil und Alexis sind. Vor allem nach dem Bau des Emirates Stadiums musste Arsenal viele Abgänge verzeichnen, da sie aufgrund der hohen Stadionkosten nicht gehalten werden konnten und auf die Ablösesumme angewiesen waren. Diese Zeiten habe der Club mittlerweile überstanden, spätestens nach dem Kauf von Özil von Real Madrid. Trotzdem scheitert man schlussendlich immer daran, sich an der Spitze halten zu können, sowie bei wichtigen Transfers. Vor allem die vielen Verletzungen machen Wenger und dem Team zu schaffen. Einige hinterfragen auch mittlerweile das Medical Team des Clubs, da es für die Fans unverständlich ist, wieso Spieler so oft und so lange verletzt sind. Die Transferpolitik des Vereins mal außer Acht gelassen.

Zwar habe man erst Anfang Dezember, und die Saison dauert noch einige Monate, dennoch wollen – wie erwähnt – viele Fans Veränderungen, da sie genug vom ewigen 4. Platz in der Premier League haben. Der letzte Titel ist schon zu lange her und “nur” mit einem FA-Cup-Titel möchten sie sich nicht mehr zufrieden geben. Doch stellt sich die Frage, kann wirklich nur Wenger dafür die Schuld gegeben werden? Ist seine Philosophie tatsächlich nicht mehr gut genug, um den Club an die Spitze der Premier League zu führen? Oder sind die Wutausbrüche der Gooners momentan einfach übertrieben? Ich befürchte, dass sich nicht viel ändern wird, sondern, dass Wenger alle seine Methoden und Ideen beibehalten wird. Er wirkt mir zu engstirnig, als einzusehen, dass auch er ein Problem des „Systems“ ist. Dem Medical Staff kann daher nicht alleine die Schuld zugewiesen werden, da sie die Verletzten verarzten, aber nicht Schuld dafür sind. Zusammengefasst kann ich die ein oder andere wütende Aussage eines Gooners nachvollziehen, da unter Wenger nicht viele Veränderungen erkennbar sind.

Grundsätzlich sollte aber nicht vergessen werden, dass die Fußballwelt schnelllebig ist. Denn wird jetzt noch von einer “Farce” gesprochen, könnte Monate später gejubelt werden. Manchester City, Manchester United und Leicester sind nur 1 oder 2 Punkte entfernt und somit ist an der Tabellenspitze noch nichts entschieden. Ungeachtet davon, dass einige Spieler Anfang 2016 wieder zum Abruf bereit stehen und eventuell ein Transfer an Land gezogen werden könnte. Doch eines sollten sie nicht vergessen: in Spielen zu siegen, in denen es notwendig wäre, wie beispielsweise gegen Norwich.

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