David Moyes – der Hammer ist gefallen

David Moyes wurde heute als neuer West Ham-Trainer vorgestellt. Während die Meinungen im Internet klar gegen Moyes sind, wollen wir euch unsere unterschiedlichen Meinungen vorstellen.

Sascha:

David Moyes, Football-Genius! Es ereignete sich vor knapp vier Jahren als Manchester United auf den krisengebeutelten Fulham FC traf. United spielte 1:1 und verzeichnete dabei 81 Flanken. In Worten: Einundachtzig! Dieses Spiel stand symptomatisch für Moyes‘ Zeit bei den Red Devils: Wenig Konstruktives, viele simple Flügelangriffe und insgesamt eine Small-Club-Mentalität, die der Schotte bei United etablierte. Sicherlich gibt es Leichteres als die Nachfolge von Sir Alex Ferguson anzutreten und der Druck auf Moyes war unvorstellbar hoch. Man kann von außen nicht einschätzen, wie die Interna abliefen, etc. Was man jedoch bewerten kann, ist die Arbeit, die Moyes‘ Team auf dem Spielfeld darbot.

Moyes ließ die Red Devils oft simpel über Außen spielen, nutzte das Zentrum bestenfalls als Durchlaufstation. Diesen Stil verfolgte er bereits bei Everton, wo er immerhin 11 Jahre lang gute Arbeit leistete. Es ist aber eine andere Sache, ob man bei einem kleineren Verein über Jahre hinweg mit Underdog-Fußball Punkte sammelt. Oder ob man bei einem Spitzenverein ist, wo man seine Spielphilosophie eventuell überdenken muss. Unabhängig davon, ob er mit United hätte Titel gewinnen müssen oder nicht: Ich hatte bei seinem ManUtd nie das Gefühl, dass irgendein übergeordneter Plan verfolgt wird, außer… naja Flanken in die Box zu schlagen. Ohne jetzt weiter auf diesem Kapitel herumreiten zu wollen: auch bei seinen weiteren Trainerstationen beharrte Moyes auf dieser Spielweise.

Das Intermezzo bei Real Sociedad San Sebastian: geschenkt – müssen wir nicht weiter ausführen. Auch da gingen Erwartung und Realität weit auseinander. Gerade in Spanien, dem Land wo Spieler zunächst technisch geschult werden und das Spielerische im Vordergrund steht, wird simples Flügelspiel noch kritischer betrachtet als in England (wobei das dort noch gefeiert wird). Seine Amtszeit in Sunderland war genau vom gleichen Schema geprägt: einfacher Fußball, kaum Spielaufbau und auch Defensiv beharrte man auf einen simplen Ansatz mit vielen Manndeckungen im Zentrum. Ohne Frage war dieser Ansatz beim krisengebeutelten AFC Sunderland nicht verwerflich, 75% der Trainer hätten wohl genauso gehandelt.

David Moyes ist aber selbst in dieser Situation nicht der richtige Coach für West Ham. Klar stehen die Hammers im Keller und der Kader besitzt im Grunde viel Spielermaterial, das für den Schotten gut geeignet wäre, um sein Spiel durchzudrücken. Nur ist es fraglich, ob das für die mittel- bis langfristige Entwicklung des Vereins von Vorteil ist, wenn man sich für einen konservativen Coach wie Moyes entscheidet. Viel mehr als unter Bilic wird sich auch mit Moyes nicht ändern, weshalb ich durchaus meine Zweifel an dieser Verpflichtung habe. Ich will den Schotten an dieser Stelle keineswegs diskreditieren. Er hat bei Everton hervorragende Arbeit geleistet, aber es anschließend verpasst, seinen Stil an die jeweiligen Kader und vor allem die taktischen Gegebenheiten der Ligen anzupassen. Und wenn du bei drei von vier Vereinen mittelmäßige bis schlechte Arbeit leistest, musst du deine Arbeitsweise vielleicht überdenken.

David Moyes war von 2002 bis 2013 Trainer von Everton. Hier im Bild mit Wayne Rooney.

Marco:

David Moyes also. Naja. Auch wenn ich zuerst schmunzeln musste und auch wenn ich nicht unbedingt begeistert über diese Entscheidung bin, so kann ich damit leben. West Ham steckt gerade tief in der Krise und scheinbar möchte man größere oder kleinere Experimente nicht riskieren. Derzeit gibt es kaum englische Trainer auf dem Markt, die ohne Ablöse zu verfügbar wären – ein Punkt, der sicher auch für die Bestellung von Moyes sprach.

Man könnte nun die klassischen Floskeln wie „er kann die Sprache, er kennt die Liga, er muss sich nicht erst eingewöhnen, bla bla“ und so weiter auspacken, doch diese Kriterien werden sich bei der Entscheidung mitgespielt haben, auch wenn ich finde, dass diese zugleich keine große Rolle spielen sollten. Man weiß außerdem was man mit David Moyes bekommt: simplen, trockenen, konservativen Fußball, der, gepaart mit sehr guten Fußballern, sehr effektiv sein kann. Natürlich, bei seinen letzten Stationen sah es nicht so rosig aus, aber …

… bei Manchester United hatte er ein großes Erbe anzutreten, einen überalterten Kader und die undankbare Rolle den ersten Kaderumbruch einleiten zu müssen, den viele damals noch nicht wahrhaben wollten. Er musste Spieler aussortieren und für wenig(er) Geld (als seine Nachfolger) ein starkes Grundgerüst aufbauen. Zusammen mit dem steigenden Druck und der Unzufriedenheit der Fans kam ein eher maues Ergebnis heraus. Seine Nachfolger sollten später deutlich mehr Geld zur Verfügung, eine leichtere Ausgangssituation haben und es auch nicht viel besser machen. Beispielsweise konnte Louis van Gaal nur 1,79 Punkte pro Ligaspiel holen; bei Mourinho sind es derzeit 1,81. David Moyes wurde übrigens mit einem Schnitt von 1,73 Punkten pro Spiel entlassen.

Dann ging es nach Spanien. Ein (konservativ spielender) englischer Trainer im Baskenland? Was die Spanier wohl geritten hat, um auf diese Idee zu kommen? Dieser Wechsel passte leider gar nicht wie die Faust aufs Auge und wenig später war auch schon Schluss. Also ging es zurück nach England, wo er bei Dauerabstiegskandidat Sunderland anheuerte. Die Jahre zuvor schon gerieten die Black Cats jährlich in große Abstiegsgefahr, ehe man sich wie durch ein Wunder kurz vor Saisonende noch auf den rettenden 17. oder 16. hieven konnte. Dem Chaosverein fehlte es an Qualität und so stieg man mit David Moyes aus der Premier League ab.

Nach turbulenten Jahren scheinen viele jedoch seine erfolgreiche Zeit bei Everton vergessen zu haben – immerhin waren es ganze elf (!) Jahre am Stück. Natürlich ist David Moyes weiterhin kein Trainer, der ansehnlichen Fußball spielen lässt. Der Engländer steht für simplen und konservativen Fußball. Aber womöglich ist gerade in dieser Situation, in der West Ham gerade steckt, ein bisschen mehr Schlichtheit genau das richtige. Gerade wenn der Kopf nicht ganz frei ist, die Spieler unter dem Druck langsam nachgeben, vielleicht ist da simplerer Fußball ein guter Ausgleich, zumindest soweit, um wieder etwas besser in die Spur zu finden, langfristig wohl eher nicht. Es hat bei Crystal Palace und Sam Allardyce im Vorjahr geklappt, ebenso bei Shakespeare und Leicester und es klappt auch bei Burnley mit Sean Dyche, die wie durch ein Wunder, entgegen aller Statistiken, auf Platz 7 stehen.

Moyes muss sich wieder beweisen, aber bei West Ham hat er das nötige Spielermaterial, um den Verein vielleicht wieder auf Kurs zu bringen. Man wird sicher keinen ansehnlichen Fußball sehen, jeder weiß, welche Art von Fußball man mit David Moyes bekommt, aber vielleicht klappt es ja tatsächlich.

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