Der Mann mit dem Helm

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„Er erinnert mich an David Seaman“, sagte Arsène Wenger nach dem Spiel Arsenal gegen Bournemouth. Die Rede ist vom tschechischen Torhüter Petr Čech, welcher im Spiel gegen die Cherries einen Rekord brach: die meisten Clean Sheets in der Geschichte der Premiere League. Bis zu diesem Rekord hatte die Torhüter-Legende jedoch nicht nur Höhen, sondern auch mit Niederschlägen zu kämpfen. Nichtsdestotrotz zählt er mit seinen 33 Jahren noch heute zu den besten Torhütern Europas. Grund genug, um kurz auf seine bisherige Karriere zurück zu blicken.

Big Petr – Von Viktoria Pilsen bis zur Legende

Petr ist kein Spieler. Er ist eine Institution!“, sagte José Mourinho einst.

Doch bevor er einen Legendenstatus bei Chelsea FC erlangte, begann er seine Karriere beim FC Viktoria Pilsen wo er – was viele nicht wissen – in der Offensive spielte. In einem Training übernahm er zufällig die Rolle des Torhüters, wobei man auf seine Fähigkeiten aufmerksam wurde und ihn ab sofort zwischen die Pfosten stellte. Der groß gewachsene Tormann – auch „Big Petr“ genannt – wechselte im Alter von 17 Jahren zum tschechischen Erstligisten FK Chmel Blšany. Später folgten noch Stationen bei Sparta Prag, sowie in Frankreich bei Stade Rennes. 

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Petr goes Blue

Der Wechsel von 7 Millionen Pfund machte ihn 2004 zum teuersten Torhüter in der Geschichte von Chelsea, welche – wie sich später herausstellen soll – eine perfekte Investition war. Als Carlo Cudicini, damaliger Stammtorhüter von Chelsea, sich eine Verletzung zuzog, ersetzte ihn José Mourinho mit Petr Čech, welche den Beginn einer unglaublichen Karriere markierte.

Ab diesem Zeitpunkt ging es nicht nur für Chelsea FC bergauf, sondern auch für Čech persönlich, so brach er 2005 bereits einen Rekord indem er 1.025 Minuten kein Gegentor kassierte. „Ich denke du bekommst die Anerkennung nur, wenn du dein Tor sauber hältst und gut spielst – das ist alles was du zu tun hast.“ – wusste Petr Čech damals schon zu behaupten.

Der krönende Abschluss dieser Saison war der Gewinn der Meisterschaft, welche sie 2007, 2010, sowie 2015 wieder für sich entscheiden konnten.

Drama Dahoam

Den größten Erfolg feierte er mit dem Club, als er 2012 im Champions League-Finale einen Elfmeter von Arjen Robben parierte und somit die Mannschaft in die Verlängerung rettete. Im anschließenden Elfmeterschießen parierte er erneut 2 Elfmeter, sodass er maßgeblich zum Gewinn des Champion League-Titels beitrug.

Frank Lampard ehrte danach Čech mit den Worten: „Neuer ist ein fantastischer Tormann, aber Petr hat bewiesen, dass er noch immer einer der besten der Welt ist.“

Die Folgesaison 2012-13 erwies sich als äußerst durchschnittlich und Chelsea scheiterte als Titelverteidiger bereits in der Gruppenphase der Champions League, sodass sie fortan in der Europa League spielten, welche sie am Ende auch gewinnen konnten. In seiner letzten Saison, 2014-15, gewann Čech mit Chelsea FC nochmals die Premier League, sowie den Ligapokal und den Supercup.

Die Verletzung

Trotz seiner aufregenden und erfolgreichen Karriere ist Petr Čech von Verletzungen nicht verschont geblieben. Am 14. Oktober 2006 erlitt er im Spiel gegen den FC Reading durch einen Zusammenstoß mit Stephen Hunt einen Schädelbasisbruch und wurde am selben Tag noch operiert.

„Die große Sorge war, dass sein Gehirn zu sehr anschwillt.“ – verkündeten die Chelsea-Ärzte kurz danach.

Doch die Heilung verlief tadellos und drei Monate später stieg die Torhüter-Legende wieder ins Training ein.

„Manchmal ist es schwer, weil ich aufwache und schreckliche Kopfschmerzen habe. Ich versuche damit zu leben und jeden Tag wird’s besser.“, versuchte Petr Čech optimistisch zu bleiben. Seitdem Unfall trägt Čech einen 80 Gramm schweren Helm aus Kunststoff, da der Heilungsprozess dieser Verletzung über mehrere Jahre dauern kann. Mittlerweile ist der Rugby ähnliche Helm sein Markenzeichen geworden, ebenso blickt er seitdem wieder positiv in die Zukunft: „Ich habe den schwierigsten Augenblick meines Lebens überstanden, nun genieße ich das Spiel noch mehr.“

Eine weitere Kopfverletzung war schlussendlich Grund genug, dass sich Petr Čech seitdem für mehr Schutz von Torhütern einsetzt, da sie laut ihm zu wenig Schutz von den Schiedsrichtern erhalten.

Der Wechsel zum Rivalen

Petr Čech kam im Sommer 2015 für ungefähr 10 Millionen Pfund vom Rivalen Chelsea zu Arsenal. Davor musste die ewige Nummer 1 der Blues hinter Thibaut Courtois auf der Bank Platz nehmen, was für viele eine Verschwendung seines Talents bedeutete. „Das Leben verläuft leider nicht immer so wie man denkt.“, gab der 33-Jährige nachdenklich zu Protokoll. Ein Auslöser dafür könnte die Schulterverletzung im Semifinale gegen Atlético Madrid in der Champions League im April 2014 gewesen sein, wo man ihn verletzt auswechseln musste. Seinen ersten Premier League-Einsatz hatte er erst wieder am 5. Oktober, dass Chelsea 2-0 gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Arsenal für sich entscheiden konnte.

Am Ende der Saison gewann Petr Čech mit Chelsea seinen 4ten Premier League-Titel, welcher auch sein letzter in den 11 Jahren mit den Blues war. Danach häuften sich Gerüchte über ein Interesse von Arsenal, welche der Club, sowie Mourinho zu diesem Zeitpunkt vehement bestritten. Nach 11 Jahren in London hatte sich Čech fest in der Weltstadt eingelebt, sowie auch seine Familie, daher war es ihm persönlich wichtig, dass er mit seiner Familie hier bleiben könne.

Čech wollte nicht mehr länger die Nummer 2 bei Chelsea sein und weiterhin zwischen den Pfosten stehen: „Letzten Sommer haben sich die Dinge geändert und ich verstand, dass ich nicht mehr länger die Nummer 1 im Tor bin.“ Daher bekam er von Abramovich höchstpersönlich das „Ok“ für einen Wechsel zum Rivalen, obwohl das José Mourinho, damaliger Coach von Chelsea, eher wenig schmeckte.

„Ich weiß, dass ich noch nicht den Punkt erreicht habe, wo ich mich mit einem Platz auf der Bank zufrieden gebe“, so der Torhüter weiter. Ende Juni wurde dann der Wechsel für rund 10 Millionen Pfund vollzogen, zur Freude der gesamten Gooner-Fancommunity. Arsène Wenger konnte seine Freude über die Verpflichtung kaum in Worte fassen:

„Petr Čech ist ein Spieler, den ich bereits seit langer Zeit bewundere“.

Des einen Freud, des anderen Leid. Ein langer Weggenosse von Big Petr war John Terry, welcher nach der Verkündung betrübt über den Abschied der Vereinslegende war: „Wir werden ihn schmerzlich vermissen.“ Jedoch gratulierte er weiters indirekt dem Rivalen: „Für Arsenal wird Petr mit Sicherheit eine Verstärkung sein. Er wird ihnen 12 oder 15 Punkte pro Saison sichern.“

Der Rekord-Mann

Der langersehnte Rekord war schon zum Greifen nahe, aber gegen Manchester City und Southampton hieß es noch: bitte warten. Gegen die Citizens kassierte Arsenal ein Tor und gegen die Saints kam es zu einer unglaublichen Blamage der Gunners, die mit einem 0:4 endete. Aber am 28. Dezember war es so weit! Gegen die Cherries überholte der 33-Jährige die damalige Nummer 1 Englands David James mit 170 Clean Sheets, jedoch benötigte Petr Čech nur 352 Spiele, wofür hingegen James 562 Spiele benötigte. Nach dem Spiel gegen Bournemouth gab sich der Tscheche sichtlich gerührt: „Ich fühle mich wirklich glücklich, denn ich denke, dass ist die beste Liga der Welt und die schwierigste für einen Torhüter. Es ist eine großartige persönliche Leistung einen solchen Rekord erreicht zu haben.“

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Das war jedoch nicht sein erster Rekord dieses Jahr, da er am 17. November mit seiner Nationalmannschaft den Rekord seines ehemaligen Nationalmitspielers Poborský egalisierte, indem er sein 118. Spiel für Tschechien bestritt.

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Schlussendlich muss der Hut bzw. der Helm vor Petr Čech gezogen werden, da er trotz diverser Niederschläge auf eine unglaubliche Karriere zurückblicken kann. Arsène Wenger drückte es mal so aus: „Petr Čech gibt alles, deswegen ist er jemand der eine Aura ausstrahlt, die in großen Spielen immer wichtig für die Spieler ist. Ich bin schwer von seinen Kenntnissen und seiner Professionalität beeindruckt!“ Diesen Worten kann man sich nur anschließen. Chapeau, Big Petr!

Abschließend ein kleiner Auszug der Erfolge des Torhüters:

  • Gewinn der Europa League 2013
  • Gewinn der Champions League 2012
  • 4 Premier League-Titel
  • 4 FA-Cup Titel
  • Welttorhüter 2005
  • 3x Premier League Golden Glove
  • 7x Tschechiens Fußballer des Jahres
  • Rekord: 1.025 Spiele ohne Gegentor
  • Rekord: wenigsten Gegentore in einer Saison
  • Rekord: die meisten Clean Sheets in der Geschichte der Premier League (170)

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