Der Stier von Galicien – Maxi Gomez

Ein Text von Till Oppermann

Vier Tore in seinen ersten drei Spielen in Europa. Noch kein anderer traf in der laufenden Saison für Celta Vigo. Trotz Mitspielern wie Jozabed oder Iago Aspas ragte Maximiliano Gomez aus seiner Mannschaft heraus. Dabei ist der 21-jährige für viele bisher ein unbeschriebenes Blatt.

In Uruguay führt kein Weg an Montevideo vorbei. Das gilt auch für den uruguayischen Fußball, der traditionell von Peñarol und Nacional, den größten Clubs der Hauptstadt, dominiert wird. Doch auch die Vereine Danubio und Defensor Sporting stellen einen Anziehungspunkt für Talente aus dem ganzen Land dar. Das galt auch für die Karriere des Maxi Gomez. Im August 1996 in Paysandu geboren, spielte er fast seine gesamte Jugend in seiner Heimatstadt. Nachdem er in einem Probetraining zu überzeugen wusste, wurde er 2013 von Defensor Sporting verpflichtet. Über verschiedene Reserveteams des Clubs kam er zwei Jahre Später zu seinem Debüt in der Profimannschaft. Schon kurz danach machte er zum ersten Mal mit guten Leistungen nachhaltig auf sich aufmerksam. Im Halbfinale der Copa Sudamericana gegen Lanus wurde er kurz vor Schluss eingewechselt und verwandelte im Elfmeterschießen, mit bemerkenswerter Ruhe, den entscheidenden Strafstoß. Die Fans des Vereins, der seit 2003 keinen Titel mehr gewinnen konnte, hatten einen neuen Hoffnungsträger. Anfangs noch auf der Außenbahn eingesetzt, wurde er in den folgenden beiden Jahren, als Mittelstürmer, Stammspieler bei Defensor. Gomez erzielte in 47 Pflichtspielen 28 Tore und verbesserte sich von Saison zu Saison. Das Highlight seiner Zeit in Montevideo war der Gewinn der Apertura 2017. Mit 10 Treffern in 12 Spielen war Gomez ein Garant für den Titel. Kurioserweise bestritt er trotzdem kein einziges Spiel für die Junioren-Nationalteams der AUF.

Als logische Folge seiner Entwicklung stand sein Wechsel in die Primera Division. Mit einer Ablösesumme von vier Millionen Euro ist er nun Defensors Rekordabgang. Der Präsident seines alten Clubs traut ihm sogar zu Cavani und Suarez in der Celeste ersetzen zu können.
Trotz seiner beeindruckenden Torquote und den Vorschusslorbeeren aus der Heimat galt Maxi Gomez bei Celta nach seiner Verpflichtung als Perspektivspieler. Ihm wurde bestenfalls eine Rolle als Back-Up für John Guidetti zugetraut. Als dieser sich kurz vor dem ersten Spieltag das Schlüsselbein brach, fand sich Gomez in der Startelf wieder. Doch von Anpassungsschwierigkeiten keine Spur. Im Auftaktspiel gegen Real Sociedad dauerte es nur 21 Minuten bis er sein erstes Tor in La Liga erzielte. Später machte er mit seinem zweiten Treffer den persönlichen Traumstart perfekt.

Auch in den darauffolgenden Spielen gegen Betis und Alaves konnte sich Maximiliano Gomez als einziger Spieler der Celtiñas in die Torschützenliste eintragen. Obwohl er selbst sagt, dass ihm die Anpassung an die neue Liga schwer fällt, weil viel flacher als in Uruguay gespielt wird, kann man seine ersten Schritte im europäischen Fußball nur als gelungen betrachten. Die hervorragenden Eindrücke in den ersten Partien brachten ihm nun auch die erste Berufung zur Nationalmannschaft ein – und das obwohl der Trainer Oscar Tabarez sonst nicht unbedingt dafür bekannt ist seinen bestehenden Kader gerne zu verändern.

Obwohl Maxi Gomez seinen Landsmann Luis Suarez als sein Idol bezeichnet, erinnert er doch aufgrund seiner Statur viel mehr an Chelseas Diego Costa. Nicht umsonst brachten ihm seine Größe von 1,86 m und sein Gewicht von 87 Kilo den Spitznamen el toro ein. Der bullige Stürmer ist ein echter Torjäger: Gefährlich in der Luft, mit dem ersten Kontakt und alleine vor dem Torwart. Trotz seiner Statur ist Gomez sehr beweglich. Neben seinem guten Abschluss und der Ruhe vor dem Tor bringt er allerdings zusätzlich etwas mit, dass jungen Stürmern häufig abgeht: Er ist ein unermüdlicher Arbeiter und läuft sehr viel in vorderster Front und kann damit nicht nur bei eigenem Ballbesitz eine Waffe für seinen Trainer sein.

Seine größten Schwächen wirken altersbedingt. In seiner Zeit bei Defensor sah er zu viele Karten und trat häufig als Heißsporn in Erscheinung. Auch bei Celta kassierte er in den ersten drei Einsätzen zwei gelbe Karten. Des Weiteren offenbart Gomez zum Teil Probleme in technischen Aspekten. Obwohl er in der Vergangenheit auch häufiger Tore vorlegte, ist sein Passspiel oft zu unsauber und er hat Schwierigkeiten den Ball auf engstem Raum zu behaupten. Doch welcher Ort könnte dafür eine bessere Schule sein als La Liga?

Auch wenn Gomez nicht so geschmeidig wirkt wie Cavani oder Suarez, ist er doch ein Versprechen für eine erfolgreiche Zukunft der Nationalmannschaft, wenn sie mal auf ihre Stars verzichten muss. Bestätigt Gomez seine Stärken und verbessert seine Schwächen, wird er ganz naturgemäß auch ein Thema für größere Clubs als Celta werden. Doch als erstes steht dem Bodenständigen ein interner Konkurrenzkampf ins Haus, sobald Guidetti seine Verletzung regeneriert hat. Derzeit sammelt Gomez viele Argumente für sich, aber eine Schwächephase ist in einer jungen Karriere wie seiner eher die Regel als die Ausnahme. Nichtsdestotrotz hat er nun schon über eine längere Zeit auf verschiedenen Niveaus bewiesen, dass er ein wahrer Goalgetter ist. Ich bin überzeugt, dass man den Namen Maximiliano Gomez in Zukunft häufiger hören wird.

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