Heute beginnt für den FC Sevilla eine neue Ära. Nach einem zweijährigen Intermezzo in Rom kehrt Monchi, der während des Aufstiegs zu einem der erfolgreichsten Clubs in Europa Herz und Hirn des Vereins war, zurück in seine andalusische Heimat. Ein Engagement, das trotz aller Euphorie für beide Seiten gewisse Risiken birgt.

Die Erfolge der Blanquirrojo in diesem Jahrtausend sind gleichermaßen seine: Geboren 1968 im andalusischen San Fernando, kam Monchi schon als junger Mann zum FC Sevilla.

Während seiner zwölfjährigen Karriere war er überwiegend der Ersatztorhüter und lief insgesamt 83 Mal für die erste und 41 Mal für die zweite Mannschaft auf.

Nach dem Ende seiner Profikarriere wurde Monchi dann aus der Not heraus zum Sportdirektor des Vereins ernannt.

Zu seinem Dienstantritt darbte der Traditionsklub in der zweiten Liga und war nahezu zahlungsunfähig.

Nach dem schnellen Wiederaufstieg gelang es dem unerfahrenen Spanier, nicht nur die Finanzen zu konsolidieren, sondern auch Jahr für Jahr eine sportlich schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen.

Als er den Verein 2017 in Richtung Roma verließ, standen als Bilanz für seine Zeit unter anderem fünf Titel in der Europa League, zwei gewonnene Copa del Reys und mehrere Teilnahmen an der Champions League.

Gleichzeitig waren die Andalusier schuldenfrei und das Stadion frisch modernisiert.

Erfolge, die es ohne Monchis Arbeit nie gegeben hätte. Trotzdem suchte er nach einer neuen Aufgabe.

Mit den Sevillista, so schien es, wäre es wohl, angesichts der Dominanz von Real und Barcelona, unmöglich noch mehr zu erreichen.

Das Missverständnis

Die ausgezeichnete Entwicklung des Traditionsclubs blieb natürlich nicht unbemerkt. Vereine aus ganz Europa versuchten Monchi zu sich zu locken und er entschied sich letztlich für einen Wechsel zur AS Roma.

James Palotta, der amerikanische Besitzer der Giallorossi, erhoffte sich mit einem neuen technischen Direktor, endlich den Serienmeister aus Turin attackieren zu können und sicherte Monchi umfassende Kompetenzen zu.

Nach einem dritten Platz und dem Halbfinale in der Champions League in der ersten Saison schien es, als würde der 50-
Jährige die nächste Erfolgsgeschichte schreiben.

Doch nur wenige Monate später musste er gehen. Die enttäuschende Form in der Liga, eine 0:3 Niederlage im Derby, das blamable 1:7 in der Coppa Italia gegen die Fiorentina und das Aus in der Champions League – gegen das vermeintliche Glückslos Porto – waren zuviel.

Zwar kosteten die Misserfolge zuerst Trainer Eusebio Di Francesco den Posten, der umstrittene Abgang des Publikumslieblings Nainggolan und teure Transferflops wie Steven N’Zonzi, Robin Olson und Javier Pastore wurden jedoch in erster Linie Monchi angelastet.

 

„FC Sevilla: Mehr als nur ein Mitläufer“. Hier zu lesen.

 

Die Chancen der Rückkehr nach Sevilla

Obwohl direkt nach der Entlassung in Rom ein starkes Interesse Arsenals bekannt wurde, entschied er sich für eine Rückkehr in seine Heimat.

Die Begründung: von allen möglichen neuen Arbeitgebern, überzeuge ihn das Projekt des FC Sevilla am meisten.

Schöne Worte, die trotzdem niemanden darüber hinwegtäuschen sollten, dass bei dieser Entscheidung Nostalgie auf beiden Seiten eine große Rolle gespielt hat.

Die Erinnerung an die gemeinsam errungenen Triumphe ist noch frisch. Für Monchi gilt es seine Reputation zu retten und sein Heldenstatus bei den Nervionenses soll ihm die dafür nötige Ruhe gewähren.

Doch auch für den Verein waren die vergangenen beiden Saisons eher turbulent.

Zuletzt musste, nach dem überraschenden Abschied aus der Europa League, Pablo Manchin die Segel streichen.

Der insgesamt fünfte Trainerwechsel in dieser kurzen Zeit. Wie schon letztes Jahr ist es an Urgestein Joaquin Caparros, mittlerweile schon 63 Jahre alt, als Interimstrainer für ein möglichst versöhnliches Saisonende zu sorgen.

Nach dem Rausch von drei Europapokalen in Serie wähnte man sich zumindest mit Atletico auf Augenhöhe.

Zwei Jahre später steht die bittere Erkenntnis, dass die Messlatte eher von Teams wie dem Stadtrivalen Betis, dem FC Valencia und in dieser Saison sogar Getafe und Alaves gelegt wird.

Dass Clubpräsident Castro mit dieser Entwicklung nicht zufrieden war, belegten nicht zuletzt die häufigen Wechsel der Übungsleiter.

Doch genau diese Hektik könnte in der Zukunft zu einem großen Risiko werden, denn in Monchis erster Amtszeit waren akribische Arbeit und die einzigartige Kontinuität die Voraussetzungen des Erfolgs.

Dieser wäre ohne das von ihm aufgebaute Netzwerk nicht möglich gewesen.

Mit einem Team von 16 Scouts wurden bis Dezember, nach den Wunschkriterien des aktuellen Trainers, Listen von bis zu 700 passenden Spielern angelegt.

So standen die Nachfolger der teuer verkauften Stars des Kaders jeweils schon weit vor den tatsächlichen Abgängen fest und es konnte schnell auf alle Eventualitäten reagiert werden.

Im Verein sollte sich also jeder bewusst sein, dass nicht allein die Verpflichtung einer bekannten Figur ähnliche Erfolge garantieren wird.

Die Kultur des Clubs erfordert eine Rückbesinnung auf die Methodik, mit der man vom insolventen Zweitligisten zum Rekordsieger der Europa League wurde.

Dazu gehört auch, dass Monchi, der dem Verein einst den Rücken kehrte, um nach den Sternen zu greifen, sich der Realität in Sevilla schnell gewahr wird. Sollte das gelingen, ist vieles möglich.

 

Allein seine Vertragsunterschrift sorgte für eine spürbare Aufbruchstimmung rund um den Verein, getragen von der Hoffnung, dass mit Monchi auch die Orientierungslosigkeit der vergangenen Jahre endet.

Neben seiner fachlichen Kompetenz ist unbestritten, dass der Patenonkel von Ivan Rakitics Tochter auch menschlich eine große Lücke hinterlassen hatte.

So sagte etwa der langjährige Spielmacher Ever Banega: „Seine Rückkehr ist ein Grund besonders glücklich zu sein. Nicht nur wegen seiner Arbeitsweise, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit. Monchi gibt dem Club sehr viel. Wir sind alle froh, dass er wieder da ist.“

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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga.