Die Zeit der Hoffnungen

Wenn eine Serie A Saison endet ist für mich meistens die Zeit der Enttäuschungen vorbei und die Zeit der Hoffnungen beginnt. Hoffnungen auf bessere Spieler und auf eine Saison, in der alles besser wird. Eigentlich tut sich nicht viel in den Sommermonaten, sofern gerade keine Fußball EM oder WM stattfindet, muss man sich die Zeit mit diversen Nachwuchsturnieren vertreiben. Doch damit der Unterhaltungswert im Sommer steigt, gibt es ja noch den Transfermarkt.

Der italienische Calciomercato unterscheidet sich etwas vom deutschen Transfermarkt. Damit sind sowohl die italienischen Eigenheiten (Stichwort Comproprietá) als auch die Intensität der Transferzeit gemeint. Denn während in Deutschland oder Österreich die Teams mit den selben Spielern, wie eigentlich eh schon immer, an den Start gehen, werden da in der Serie A schon mal ganze Mannschaften ausgetauscht. Unumstrittener König in der Kategorie „jährlicher Umbruch“ ist Genoa, andere Teams wie Cagliari oder Chievo, bei denen man glaubt sie überspringen gleich den ganzen Transfermarkt, sind eher die Ausnahme. Wobei es bei Genoa fast keinen jährlichen Umbruch gibt, sondern ein halb-jährlichen Umbruch, schließlich wird aufgrund der enttäuschenden Leistungen im Herbst – was bei so einer uneingespielten Mannschaft ja auch kein Wunder ist – schon im Jänner die halbe Mannschaft ausgetauscht. Zu diesen Umbrüchen gehören haufenweise Transfers und noch viel mehr Gerüchte. So spielte schon mal gefühlt die Hälfte aller aktuellen Serie A Spieler bei Genoa, an der anderen Hälfte war man Gerüchten nach zumindest mal interessiert. „Eh klar“, antworten meine Freunde, wenn ich beim Zocken von Fifa 13 erwähne, dass der Torschütze auch schon Mal fast bei Genoa gelandet wäre. Zu Genoa gibt es ja schließlich unendliche viele Gerüchte. Einige davon sind erfunden, um irgendeine Seite in der Gazzetta dello Sport, Corriere dello Sport oder Tuttosport voll zu bekommen. Die andere Hälfte davon ist bestätigt, in Italien wird nämlich wesentlich mehr über mögliche Transfers geredet als in Deutschland. In Deutschland gilt “ XY ist ein interessanter Spieler“ schon als gewagte Aussage. In Italien verzichtet man gerne auf solche Standardphrasen und redet direkt drauf los. So bestätigt ein Aurelio De Laurentiis kurz mal auf Twitter, dass Napoli in Verhandlungen mit Higuain und Leandro Damiao steht. Auch andere Vereinspräsidenten oder Sportdirektoren geben gerne Auskunft über mögliche Transfers, Platz genug gibt es ja genug, denn mit drei täglichen Sportzeitungen, hunderten Internetseiten und paar Fernsehsendern, die natürlich Spezialsendungen zum Transfermarkt bringen, mangelt es sicher nicht an Plattformen. Um dann auch noch zum Beispiel „Speciale Calciomercato“ auf Sportitalia etwas interessantes mitzuteilen werden auch schon mal Transfers bestätigt, die noch gar nicht offiziell sind. So geschehen bei Juan Quintero, der für 5 Mio. € für 50% zu Genoa wechseln sollte, aber am Ende doch bei Porto landete. Auch der Tausch Lodi gegen Tachtsidis wurde sowohl von Sportdirektor Daniele Delli Carri als auch von Präsident Enrico Preziosi schon Tage vor den Unterschriften als fix bestätigt. Dabei vergaß man aber offensichtlich Tachtisidis um seine Meinung zu fragen, denn der Tauch scheiterte fast, weil der junge Grieche vom Wechsel nicht überzeugt war.

Und so vergeht die Zeit der Hoffnungen – in der natürlich nicht jede Mannschaft so überaktiv wie Genoa ist – bis Ende August, wenn eine neue Serie A Saison beginnt und der Mercato im Spielerbasar des Mailänder Atahotels mündet. Bis dahin wollen die Medien möglichst viel aus dieser Zeit rausholen. Ob Zeitung, Fernsehen oder Internet, jeder will die neuesten Transfermeldungen bringen. Dabei sind die Medien sehr kreativ, Spezialist hierfür ist das Turiner Hausblatt Tuttosport, das auch heuer wieder so ziemlich jeden brauchbaren Stürmer auf der Welt mit Juventus in Verbindung brachte. Alle  natürlich „quasi fix“. Obwohl ich diese ganzen Gerüchte für Blödsinn halte, lese ich sie mir doch durch und diskutiere auch darüber, warum aus diesem Transfer nichts werden kann. Mangels Alternativen! Mitte Juli sind nun Mal auch die abwegigsten Gerüchte interessant. Transferzeit ist eben die Zeit der Hoffnungen.

27.7.2013

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