Feliz Cumpleaños – Edinson Cavani wird 30

Heute vor 30 Jahren wurde Edinson Cavani in Salto, der zweitgrößten Stadt Uruguays, geboren.

Zu seinem Geburtstag widmen wir unserem Namenspatron ein Portrait, in dem wir einen Blick auf seinen Werdegang und seine Karriere werfen:

Gute Erziehung und die wichtigen Werte im Leben

Geboren in Salto, als der jüngste von drei Brüdern, wuchs der schüchterne Uruguayer in ärmlichen Verhältnissen auf. Laut eigener Aussage erlernte er das Fußballspielen, noch vor dem Gehen. In seiner Kindheit verbrachte er jede freie Minute mit Fußballspielen, und kam erst spät abends heim, um ins Bett zu gehen. Der Uruguayer wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und hatte nur wenig Geld. Doch der junge Edinson hatte eine liebende Familie, die ihn gut erzog und ihm wichtige Werte vermittelte, die er nie vergessen sollte. Er dürfe nie vergessen, dass das Wichtigste im Leben seine Familie, seine Freunde und sein Glaube an Gott seien. Immer wenn er Angst davor hatte zu scheitern, wandte er sich an Gott, der ihm stets half. Bei der Organisation „Atleti di Cristo“, einer Christenvereinigung von Profisportler, zu deren Mitgliedern unter anderem auch Kaka, Lucio, Falcao und David Luiz angehören, will er nun etwas zurückgeben. Edinson Cavani ist tiefgläubig, liest täglich die Bibel und nutzt die Lehren des Testaments nicht nur als Wegweiser, sondern auch als Berater im Fußball.


Mit seinem Talent schaffte er im Alter von 13 Jahren auch den Sprung zu Danubio FC in Montevideo, wo zehn Jahre zuvor Diego Forlan bereits das Fußballspielen erlernte. Er nahm sich jedoch einen ganz anderen Spieler als Vorbild: Gabriel Batistuta. Der argentinische Stürmer beeindruckte ihn seine ganze Kindheit über und versuchte ihn nachzuahmen, um so gut zu werden wie er. Im Alter von 19 Jahren debütierte er erstmals für Danubio in der Primera División, der höchsten Spielklasse in Uruguay. In 25 Spielen erzielte er neun Treffer und schaffte es so in den Kader für die U20-Südamerikameisterschaften in Paraguay, wo er erstmals international auffallen sollte. Mit sieben Toren wurde er Torschützenkönig und mit Uruguay Dritter, womit sie sich für die im gleichen Jahr stattfindende U20-Weltmeisterschaft in Kanada qualifizierten.

Reif für die Insel

Direkt nach seinen fantastischen Leistungen bei der U20-Südamerikameisterschaften im Januar 2007 zeigten einige Serie A-Vereine, unter anderem Milan und Juve, Interesse am jungen Stürmer mit den langen Haaren und der Zahnspange. Schlussendlich nahm er das erste Angebot an und wechselte noch im gleichen Monat von Montevideo für 4,5 Millionen nach Sizilien zum US Palermo. Sein Debüt für die Sizilianer hätte er gar nicht besser feiern können. Cavani wurde beim Stand von 0:1 für die Fiorentina in der zweiten Hälfte eingewechselt und erzielte in Marco van Basten-Manier aus unglaublichen Winkel den Ausgleichstreffer, der stark an den legendären Treffer des Holländers im EM-Finale 1988 erinnerte. Roberto Mancini sagte während seiner Zeit bei Manchester City, dass er Edinson Cavani bereits nach seinem zweiten Spiel für Palermo Inter-Präsident Moretti empfahl, da Mancini, der damals Inter trainierte, sofort vom Uruguayer angetan war. Trotz seiner Leistungen kam der 20-jährige Stürmer bei Palermo nicht über die Jokerrolle hinaus und musste mit der Bank vorlieb nehmen.

Bei der U20-Weltmeisterschaft wurde Edinson Cavani trotz namhafter Teamkollegen wie Luis Suarez oder Martin Caceres nur Gruppendritter hinter Spanien und Namibia, und vor Jordanien. Als beste drittplatzierte Mannschaft des Turniers qualifizierte sich Uruguay jedoch für die KO-Runde, wo im Achtelfinale jedoch gegen die USA bereits wieder Schluss war. Im Januar 2008, rund ein Jahr nach seinem Wechsel zu Palermo, feierte er gegen Kolumbien sein Debüt für die A-Nationalmannschaft Uruguays, in dem er gleich ein Tor erzielte.


Trotz seines laufintensiven Spiels und seinem Ehrgeizes kam er im Palermo nicht am gesetzten Stürmerduo Miccoli und Amauri vorbei, erst als Letzterer im Sommer 2008 den Verein verließ und zu Juventus wechselte, bekam Edinson Cavani mehr Spielzeit und blühte auf. In seiner ersten Saison als Stammspieler erzielte der Uruguayer zwar „nur“ 14 Tore und traf somit nur in jedem dritten Spiel, doch überzeugte vor allem mit seiner Laufarbeit und seiner Arbeitsrate und beendete mit den Sizilianern die Saison auf Platz acht. In seiner zweiten Saison als Stammspieler brachte es „El Matador“ auf 13 Tore. Mit seinen Leistungen brachte er Palermo einen Europa League-Startplatz ein, nur zwei Punkte hinter Sampdoria, die Vierter wurden und damit auf einem Champions League-Qualifikationsplatz landeten.

Mit seinen Leistungen in Italien schaffte er es zwar in den Kader für die Weltmeisterschaft 2010, doch stand stets im Schatten von Diego Forlan und dem immer besser werdenden Luis Suarez von Ajax Amsterdam. Bei der WM in Südafrika erzielte Cavani bloß ein einziges Tor.

Vesuv statt Ätna

Obwohl er seinen Vertrag bei Palermo erst im April 2010 bis 2014 verlängerte, wollte ihn Napoli-Trainer Walter Mazzari unbedingt ihn seiner Mannschaft haben. Nur drei Monate nach seiner Vertragsverlängerung folgte eine Leihe für fünf Millionen Euro zu den Partenopei, die später die Kaufoption in Höhe von zwölf Millionen Euro zogen. Einige Fans waren skeptisch bezüglich seiner Verpflichtung, verständlich, war doch seine Ausbeute von 34 Toren in 109 Ligaspielen für Palermo alles andere als beeindruckend. Andere nahmen es wiederum als Versöhnung mit Präsident De Laurentiis, der zuvor Fabio Quagliarella an Juventus Turin abgab, was ihm die Fans übel nahmen. Bereits nach kurzer Zeit blühte der Uruguayer unter Trainer Walter Mazzari auf. Bereits in seinen ersten sechs Spielen für Napoli erzielte der Neuzugang fünf Tore. Doch vor allem im September machte er auf sich aufmerksam, als er 30 Minuten vor Schluss, bei einem 1:0-Rückstand gegen Cesena eingewechselt wurde, den Ausgleichstreffer vorlegte und selbst noch zwei weitere Tore erzielte. Das Spiel endete schließlich mit 1:4 für Napoli.

Im Januar 2011 erledigte der Stürmer Juve im Alleingang mit einem Hattrick. In den nächsten zwei Monaten sollten noch zwei weitere Hattricks folgen. Bereits nach kürzester Zeit erreichte Cavani neapolitanische Unsterblichkeit und schon fast Legendenstatus. Nur wenige erreichen einen solchen Status im Teufelskessel von San Paolo, aber keiner hat es zuvor nach bereits so kurzer Zeit geschafft. Sie liebten ihn, verglichen ihn mit Maradona, doch der schüchterne und bescheidene Stürmer zeigte wieder seine gute Erziehung, wich den Vergleichen aus und sagte, dass ihn zwar die Vergleiche ehrten, Maradona jedoch einzigartig war. Nicht nur ein fantastischer Blog wurde nach ihm benannt, sondern gar ein Pizza und ein Lied. Zusammen mit Ezequiel Lavezzi und Marek Hamsik wurde das Trio kurze Zeit später als „i tre tenori“ bezeichnet, eine Anspielung an die Drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras. Die Stadt war verrückt nach Edinson Cavani.


Aber auch innerhalb der Serie A hatte der sympathische Stürmer ein sehr gutes Standing. Von seinen Liga-Kollegen wurde er zum beliebtesten Spieler gewählt. Das liegt womöglich nicht nur an seiner Bescheidenheit, sondern auch an seiner Leidenschaft und seiner Teamfähigkeit. Er opferte sich für die Mannschaft, gab stets alles und war bei gegnerischen Eckbällen sogar im eigenen Fünfmeterraum zu finden, um der eigenen Mannschaft in der Defensive zu helfen. Gegen Ende der Saison 2010/11 führte er die Liste der Torschützen mit 25 Toren an, applaudierte jedoch im vorvorletzten Spiel nach einem Platzverweis sarkastisch, woraufhin er für ein weiteres Spiel gesperrt wurde, so nicht mehr zum Einsatz kam und von Antonio di Natale überholt wurde, der mit 26 Toren Torschützenkönig wurde.

Auch in seiner zweiten Saison für Napoli gehörte Cavani zu den Topstürmer in Italien. Er beendete die Saison mit 23 Toren ex aequo mit Di Natale als drittbester Torschütze und holte mit Napoli die Coppa Italia gegen Juve, gegen die er im Finale einen Elfer verwandelte und mit fünf Toren bester Schütze des Turniers wurde. Seine bis dato beste Saison spielte er jedoch 2012/13 und legte gleich mit einer Vielzahl von Toren los: ein Viererpack gegen Dnipro in der Europa League und ein Hattrick gegen die Roma. Womit das Titelrennen in Italien richtig spannend wurde, was die Neapolitaner zwar sehr freute, aber sich zugleich die Gerüchte über einen Abgang ihres Lieblings am Ende der Saison häuften. Real Madrid, Paris Saint-Germain, Chelsea, beide Vereine aus Manchester und Bayern München sollen am Uruguayer interessiert gewesen sein. Aber auch die Gerüchte konnten Edinson Cavani nicht aus der Ruhe bringen und beendete die Saison mit Napoli auf Platz zwei mit 29 Toren in 34 Ligaspielen.

Au revoir, Naples!

Im Sommer folgte dann tatsächlich sein 64 Millionen Euro-Transfer nach Paris, womit er zum teuersten Abgang der Neapolitaner, zum teuersten französischen Transfer und zum damals sechstteuersten Transfer in der Geschichte des Fußballs wurde. Nach insgesamt 138 Spielen und 104 Toren für Napoli zog es den mittlerweile 26-Jährigen nach Paris und unterschrieb dort einen Fünfjahres-Vertrag, wo er auf seinen ehemaligen Kollegen Ezequiel Lavezzi treffen sollte.

In Paris vernahm man seine Ankunft zunächst mit Skepsis, was nicht am Uruguayer per se lag, sondern vielmehr an der Notwendigkeit seiner Verpflichtung, schließlich hatte man mit Zlatan Ibrahimovic einen überragenden Mittelstürmer. Nicht wenige befürchteten daher, dass Cavani mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen müsse. Aber einmal mehr zeigte Cavani seine Anpassungsfähigkeit. Er stellte sich abermals in den Dienst der Mannschaft, nahm die Position des Flügelstürmers ein und war mehr Zuarbeiter für King Zlatan, als dass er auf Krampf versucht hat, ihm den Rang abzulaufen.

Insgesamt war die fußballerische Beziehung zwischen dem Uruguayer und dem Schweden eine sehr fruchtbare. Beide profitierten enorm voneinander: Während sich Ibrahimovic weiträumig an der Ballzirkulation beteiligte und Gegenspieler band, war es Cavani, der diese Lücken immer wieder zu nutzen wusste. Die Laufbereitschaft im Spiel gegen den Ball war zudem eine wichtige Komponente im Spiel der Pariser, da sie die Künstlerpausen Ibrahimovics kompensierte. In dem dreijährigen Zusammenspiel erzielte Cavani selbst in seiner ersten und dritten Saison jeweils 25 Treffer. Im zweiten Jahr schoss er 31 Tore für die Pariser.

Auch in der Nationalmannschaft trat Cavani nun mehr und mehr aus dem Schatten Forlans heraus und avancierte seit dem Confed-Cup 2013 zu einem der Hoffnungsträger seines Landes für die WM in Brasilien. Die Weltmeisterschaft verlief für ihn und die „Urus“ ernüchternd: Mit Ach und Krach erreichte man das Achtelfinale gegen Kolumbien, wo man mit 2:0 verlor. Cavani selbst erzielte im gesamten Turnier nur einen Treffer.
Der eigentliche Tiefpunkt seiner Nationalmannschaftskarriere folgte aber 2015, als Chiles Gonzalo Jara ihm den Finger in den Hintern steckte und er nach einer Tätlichkeit vom Platz flog. Trotz des Platzverweises wurde er später von vielen Experten und Zeitungen in Schutz genommen, dass seine Reaktion zwar nicht die richtige gewesen sei, seine Handlungen jedoch nach dieser unfairen Aktion von Jara nicht ganz ungerechtfertigt gewesen sei. So gelang ihm und seinem Land nicht die Titelverteidigung und es wurden insbesondere nach dem Abgang Ibrahimovics von Paris im Sommer 2016 vermehrt Stimmen laut, dass Cavani kein Stürmer für eine Topmannschaft wäre, da er schlichtweg nicht treffsicher genug wäre.

Die Crux mit der Bewertung von Stürmern

Es ist ja so: Von Stürmern erwartet man immer, dass sie Tore erzielen, mit der Begründung, dass sie es nun einmal müssen. Dass im Grunde jeder Spieler dazu aufgefordert ist, ebenfalls Treffer zu erzielen, wird dabei oft vergessen. Die Qualität eines Stürmers zeigt sich nicht ausschließlich in seiner Torquote. Um ein Topstürmer zu sein, bedarf es weitaus mehr Fähigkeiten als nur eine gute Qualität im Abschluss. Stürmer, die nur auf ihren Abschluss fokussiert sind und auch nur hierin ihre Stärken haben, sind eindimensional und für Topvereine nicht zu gebrauchen. Weltklassestürmer zeichnet eine flexible Spielweise aus mit der sie sich an die Umstände anpassen können. Erst durch das Zusammenspiel dieser Fähigkeiten schafft es ein Stürmer sich selbst und seine Kollegen durch Toraktionen in Szene zu setzen. Nicht umgekehrt.


Cavani ist einer der Stürmertypen, die man nicht so selbstverständlich zur Elite zählen würde, wie beispielsweise einen Lewandowski oder Landsmann Suarez, einfach weil er nicht diesen Killerinstikt besitzt, der Stürmern oft nachgesagt wird. Dabei ist Cavani ein Meister darin sich selbst in gute Abschlusspositionen zu bringen und die „Einfachen“ zu verwandeln. Ein Model, das in dieser Hinsicht zweifelsohne eine zuverlässige Quelle darstellt, ist der „Expected Goals“-Wert, der die Qualität von Abschlüssen in Zahlen ausdrückt. Der Uruguayer besitzt mit 0,25 xG pro Schuss einen sehr hohen Wert. Das heißt, seine Torschüsse sind schlichtweg aus einer so vorteilhaften Position, dass statistisch gesehen jeder vierte Schuss ein Treffer ist. In der aktuellen Saison bringt er es bereits auf unglaubliche 31 Treffer in 30 Spielen, auch, weil er nun alleine im Sturmzentrum spielt.

Als Solostürmer ist Cavani eine Ein-Mann-Konterherde und das Pressingspiel kann er mit seiner Aggressivität alleine durchführen. Er ist schlichtweg ein unheimlich mannschaftsdienlicher Spieler, der dank seiner Dynamik weiträumig agieren kann. Sein Laufstil ist sehr aufrecht, fast wirkt es etwas hüftsteif. Cavani ist durch seine Größe im Verbund mit seiner Schnelligkeit ein Modellathlet, der es im Gegensatz zu manch anderem dynamischen Fußballer versteht seinen Kopf nicht nur bei Flanken einzusetzen.

Edinson Cavani hat sich im Laufe der Zeit zu einem fantastischen Stürmer entwickelt, doch mit seinem Wechsel zu PSG zeigte er sein wahres Können und stand von da an im Schatten der Stars – so zumindest die mediale Darstellung und seit jeher hängengebliebener Ruf. In Wahrheit veränderte sich bloß die Rolle des Edinson Cavani, zu einem eher mannschaftsdienlicheren Stürmer, der nun, als Solospitze nach dem Abgang von Ibrahimovic, endlich eine ähnliche Rolle und Form wie bei Napoli einnimmt, aber seinen Ruf vom „Doch-nicht-Weltklasse-Stürmer“ einfach nicht los wird, obwohl seine Statistiken und Leistungen für sich sprechen.

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