Am 05. Februar 2017 lag die Welt der Anhänger des FC Valencia in Trümmern. Nach Jahren des schleichenden Niedergangs erreichte der Verein den vorläufigen Tiefpunkt. Man stand nach einer 0:4-Niederlage gegen Leganes nur noch sechs Punkte vor einem Abstiegsplatz. Auch im Verein war die Stimmung schlecht. Der Interimstrainer Voro war bereits der dritte Übungsleiter der Saison. Sein Vorgänger, Cesare Prandelli, rügte die unprofessionelle Einstellung seiner Spieler und die schrillen Pfiffe der Fans waren das lauteste Geräusch im berüchtigten Mestalla. Jedes Spiel wurde von Protesten gegen den indonesischen Clubbesitzer Peter Lim begleitet. Vereinslegende Mario Kempes sagte: „Ich würde das, was momentan in Valencia passiert, auch meinem größten Feind nicht wünschen.“

Nicht mal ein Jahr danach könnte die Stimmung unter den Anhängern der Murcielagos besser kaum sein nicht sein. Zu Beginn der Rückrunde steht die Mannschaft von Trainer Marcelino Garcia Toral auf dem dritten Tabellenplatz. Obwohl dem besten Saisonstart seit 70 Jahren ein mäßiger Advent folgte, ist die Euphorie in der Stadt groß. Mit viel Disziplin und einem klaren Plan mauserte sich Valencia vom Problemfall zu einem der aufregendsten Teams des europäischen Fußballs. Sogar die Arbeiten an der neuen Heimat des Clubs, Nou Mestalla, wurden wieder aufgenommen. Der FC Valencia lebt wieder.

 

Das Nou Mestalla: Ein Schloss gebaut auf Sand

Im August 2007 sollte eine neue Ära in der reichen Geschichte des FC Valencia beginnen. Im Norden der Stadt begann mit dem Spatenstich für das Nou Mestalla der Bau einer modernen Arena für die damalige dritte Kraft im spanischen Fußball. Nach zwei aufeinanderfolgenden Finals in der Champions League, einer Meisterschaft und einem Sieg im UEFA Cup war der Verein nicht nur in Spanien, sondern auch in Europa ein gefürchteter Gegner. Die Offiziellen des Vereins versprachen sich von den kühnen Stadionplänen einen Aufbruch zu neuen Ufern des Erfolges. Die allgemeine Goldgräberstimmung der spanischen Immobilienwirtschaft zu Beginn des Jahrtausends und die Triumphe seit dem Millenium weckten den Hunger der Fledermäuse. Die Lücke zu Real und Barcelona sollte geschlossen werden. Obwohl man es auch in Valencia mit der Rückzahlung von Verbindlichkeiten nie allzu genau genommen hatte, wirkte die Finanzierung der hochmodernen Spielstätte gesichert. Die jährlichen Einnahmen aus dem internationalen Geschäft und der Gegenwert des Grundstücks des alten Stadions waren ein Faustpfand für die Kreditwürdigkeit des Vereins.

Als 2008 die Blase der vermeintlich boomenden Immobilienbranche in Spanien platzte, wurde das wichtigste Projekt des Vereins torpediert. Niemand hatte mehr Geld um zu bauen, Banken in Schieflage verweigerten neue Kredite und der Preis des Grundstücks des alten Stadions halbierte sich. Mit dem drastisch gesunkenen Wert der Liegenschaften des Vereins schossen die Schulden in die Höhe. Das Präsidium gab bekannt, dass der Bau bis auf weiteres ausgesetzt werden musste. Die Schulden, die der ehemalige Präsident Juan Soler angehäuft hatte, wurden zu einer ernsthaften Bedrohung für den Verein. Um das finanzielle Überleben zu sichern, begann man die Leistungsträger der Mannschaft zu verkaufen. Im Laufe der folgenden Jahre verließen unter anderem David Villa, David Silva, Carlos Marchena, Juan Mata und Jordi Alba die Levantiner. Das sicherte zwar den Spielbetrieb in der ersten Liga, reichte aber nicht aus um effektiv mit der Schuldentilgung zu beginnen oder die Arbeiten am neuen Stadien fortzusetzen.

Eine kleine Atempause im Kampf um das Überleben des Vereins stellte die dreijährige Amtszeit Unai Emerys dar. Nachdem der Baske 2009, als jüngster Trainer der Vereinsgeschichte, den Job am Mittelmeer antrat, konnte man sich drei Jahre in Folge für die Champions League qualifizieren. Trotz dieser Erfolge bot man ihm im Sommer 2012 keinen neuen Vertrag an.

Während am Nou Mestalla weiter die Kräne still standen, ging man einige Kilometer weiter südlich, im alten Stadion, turbulenten Zeiten entgegen. Der Verein beschäftigte innerhalb von zwei Jahren gleich sechs verschiedene Trainer, das Präsidium um Manuel Llorente trat zurück und man verpasste zwei Mal die Champions League. Gleichzeitig verschärfte sich die finanzielle Lage erneut. Die Schulden und Verbindlichkeiten des Clubs betrugen ungefähr 360 Millionen Euro. Der letzte Ausweg Krise schien ein Verkauf an einen ausländischen Großinvestor zu sein. Am 17. Mai 2014 stimmte das Präsidium des Vereins einstimmig der Übernahme durch Peter Lim zu.

 

Lim Go Home

Als der Milliardär aus Singapur den Verein übernahm, wurde er von den Fans überschwänglich empfangen. Er galt gleichermaßen als Retter und als Versprechen für eine Rückkehr zu alten Erfolgen und war bereit mit 220 Millionen Euro Eigenkapital die Schulden bei einem der Hauptgläubiger, der Sparkasse Bankia, zu bezahlen. Im Gegenzug überschrieb die Stiftung des Traditionsclubs Lim 70,4 Prozent der Anteile des Vereins.

Das erste Kapitel der Ära Lim klingt wie eine Erfolgsgeschichte. Unter Trainer Nuno Espirito Santo gelang die Rückkehr in die Champions League und im Sommer 2015 investierte Lim kräftig in die Mannschaft. Für Alvaro Negredo, Rodrigo, Joao Cancelo und einige weitere Spieler bezahlte man insgesamt 109 Millionen Euro.

Trotz dieser gewaltigen Investitionen folgte ein schlechter Saisonstart. Der teure und individuell gut besetzte Kader wirkte nie wie eine echte Mannschaft. Ende November trat Espirito Santo als Cheftrainer zurück. Was nun folgte, darf als Paradebeispiel für die Gefahren, die ein Fremdinvestor für einen Verein bedeutet, dienen.

Vor allem nach den großen Investitionen hatte Trainer Espirito Santo wenig zu jubeln.

Als Nachfolger des Portugiesen berief der FC Valencia den völlig unerfahrenen Gary Neville, der den Job ohne Sprachkenntnisse und ohne Erfahrung als hauptverantwortlicher Trainer antrat. Seine Amtszeit war ein Desaster. Nach 4 Monaten, in denen Nevilles Team nur zwei Spiele in der Liga gewann, sowie in der Copa del Rey und der Europa League die Segel streichen musste, wurde er entlassen. Wie in großen Vereinen üblich wurde der Wind für Lim rauer. Schlechte Trainerentscheidungen sind im Fußball an der Tagesordnung und waren auch den valencianistes nichts neues. Doch in Nevilles Fall gab es eine Besonderheit, die zum Problem für Lim wurde.

Der Investor, der sich von Anfang an in Valencia vertreten lies und nur selten vor Ort war, und der ehemalige Trainer sind nämlich Geschäftspartner. Zusammen mit einigen Weggefährten Nevilles besitzen sie den englischen Non-League Club Salford. Bei den Fans des Vereins drängte sich der Verdacht auf, dass Lim Neville aus privaten Gründen zum Trainer gemacht hatte. Doch das war längst nicht die einzige umstrittene Personalentscheidung Lims. Das Umfeld des Vereins kritisierte ebenso die enge Verbindung zu Jorge Mendes. Der windige Spielerberater ist ein Freund des asiatischen Milliardärs. Anscheinend nahm er so Einfluss auf viele Entscheidungen im operativen Geschäft. Einer seiner Klienten ist beispielsweise Nuno Espirito Santo. Außerdem standen einige der Neuzugänge wie etwa Enzo Perez, Rodrigo und Cancelo bei Mendes Agentur unter Vertrag.

Manche von ihnen sollen gegen den Widerstand der Trainer und der sportlichen Leitung um Jesus Garcia Pitarch verpflichtet worden sein. Mendes musste sich deshalb Vorwürfe gefallen lassen, dass Lim und der FC Valencia viele seiner Spieler zu überteuerten Preisen gekauft hatten, damit er hohe Provisionen kassieren konnte.

Nach der turbulenten Saison 2015/16 und den zahlreichen Vorwürfen an Lim schien dessen Interesse am Club gesunken zu sein. Im Sommer wurden Leistungsträger wie Weltmeister Skhodran Mustafi verkauft und Trainer Pako Ayestaran kaum Spielraum für Neuverpflichtungen eingeräumt. Nach einem schwachen Start in die Saison wurde dieser durch Cesare Prandelli ersetzt, der kurz nach Weihnachten ebenfalls das Handtuch warf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Valencia in akuter Abstiegsgefahr. Mit jeder Niederlage der Mannschaft wuchs der Unmut der Fans, die die Spieler nun hämisch verabschiedeten. Im Stadion hingen Plakate mit der Aufschrift „Lim Go Home.“ Vom Retter des Vereins wurde Lim zum roten Tuch für die Fans in der Stierkampfstadt.

Obwohl sich Valencia in den letzten Wochen der Saison noch auf den 12. Platz retten konnte, schien das Projekt Lim ein für alle Mal gescheitert.

 

Aufbruch unter Marcelino

Während die Spieler unter Anleitung des Interimstrainers Voro den Super Gau verhinderten und den Klassenerhalt sichern konnten, wurden im Hintergrund die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Im März 2017 stellte Valencia einen neuen Sportdirektor vor. Mit Mateu Alemany verpflichteten los Che den ehemaligen Präsidenten des RCD Mallorca. Unter seiner Führung feierte der Klub von der Ferieninsel die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte und die Fans in Palma konnten unter anderem Samuel Eto´o und den Sieg in der Copa del Rey 2003 bejubeln. Sogar der bislang beratungsresistente Besitzer Lim sprach Alemany sein Vertrauen aus und trug ihm auf einen neuen Trainer zu verpflichten.

Entgegen dem Widerstand einiger Würdenträger im Verein, deren Favorit Quique Setien gewesen war, fiel die Wahl auf einen alten Bekannten in der Comunidad Valenciana. In den vergangenen Jahren hatte ein Lokalrivale, der FC Villareal, den stolzen Fledermäusen den Rang als erfolgreichstes Team in der Region abgelaufen. Nach dem Abstieg 2012 und dem direkten Wideraufstieg in der darauffolgenden Saison beeindruckte das gelbe U-Boot die Primera Division und schaffte unter Trainer Marcelino Garcia Toral, mit begrenzten Ressourcen und attraktivem Fußball, den Sprung ins europäische Geschäft. Besonders bemerkenswert werden diese Erfolge unter dem Gesichtspunkt, dass Villareal sie mit einer Mannschaft feiern konnte, deren Stamm bereits in der zweiten Liga das gelbe Trikot trug. Unter anderem Manu Trigueros, Jaume Costa und Mario Gaspar avancierten in der Folge sogar zu Nationalspielern.

Mit diesen Referenzen im Gepäck bildete sich nach Marcelinos Vorstellung rund ums Mestalla eine neue Aufbruchstimmung. Doch die neuen Verantwortlichen standen vor komplizierten Aufgaben. Es war klar, dass sich das Gesicht des Teams drastisch verändern musste. Nachdem Lims Lust am Fußball unter den Protesten der Fans und den miserablen Leistungen der Mannschaft merklich gelitten hatte, bekamen Alemany und Marcelino beim Aufbau eines neuen Kaders freie Hand. Ihr radikaler Umbruch war die richtige Entscheidung, wie man Monate später konstatieren kann. Um buchstäblich jeden Preis wollte man sich von einigen Altlasten aus den vergangenen Transferperioden trennen.

Unter Anderem verließen die entweder sportlich oder charakterlich enttäuschenden Alvaro Negredo, Enzo Perez, Aimen Abdennour und Diego Alves die Mittelmeermetropole. Mit bloßem Blick auf die Ablösesummen ein herber finanzieller Verlust, der sich jedoch für die Teamstruktur als wahrer Segen erwies und Marcelino zu Folge bitter nötig war um die Dynamik im Kader zu verändern. Die schlechte Stimmung nach der schwachen Vorsaison und zwei Jahre ohne europäischen Fußball hatten allerdings auch beim restlichen Kader tiefe Spuren hinterlassen. So liebäugelte neben dem Stürmer Rodrigo Moreno und Abwehrchef Ezequiel Garay sogar der Kapitän des Teams mit einem Abgang und konnte nur durch den neuen Trainer überzeugt werden, dem Club die Treue zu halten. Ergänzt durch hungrige Eigengewächse wie Toni Lato, Jose Gaya und Carlos Soler und dem früh verpflichteten Simone Zaza, bildeten sie die Basis eines Kaders, der bis zum Ende der Transferperiode weiter ergänzt wurde.

Carlos Soler – Ein Spieler, den man auf jeden Fall im Auge behalten sollte.

Entgegen der Praxis in der jüngeren Vergangenheit verpflichteten Trainer und Sportdirektor diesmal in enger Zusammenarbeit neue Spieler, die alle ein bestimmtes Profil eint. Norberto Neto, Gabriel Paulista, Jeison Murillo, Geoffrey Kondogbia, Goncalo Guedes (der auch in unseren CF110 zu finden ist) und Andreas Pereira hatten in der Vergangenheit ihr immenses Talent unter Beweis gestellt, kamen aber bei ihren jeweiligen Vereinen nicht ausreichend zum Zug oder in Form und suchten eine neue Herausforderung. Dieses Muster setzte sich mit den Wintertransfers Francis Coquelin und Luciano Vietto fort.

Neben denen für die ganze Welt sichtbaren Änderungen in der Lizenzspielerabteilung, wurden im Sommer weitere Probleme bei der Wurzel gepackt. Durch die zahlreichen Trainerwechsel und die damit einhergehenden differenten Ansichten in der Trainings- und Taktiklehre, wirkten Valencias Auftritte in den vergangen Saisons oft müde und planlos. Die Spieler zeigten sich überfordert mit ständig wechselnden Anforderungen und ihnen fehlte es eindeutig an der nötigen Fitness um auf höchstem Niveau zu bestehen.

Schon aus der Zeit in Villareal war bekannt, dass der detailverliebte Marcelino größten Wert auf einen professionellen Lebenswandel seiner Spieler legt. Kleine Versäumnisse wie eine falsche Ernährung oder mangelnde Fitness, können große Auswirkungen auf den Erfolg einer Mannschaft haben. So fanden im Sommer ein völlig neuer Arbeitsethos und strikte Regeln ihren Eingang nach Paterna, dem Trainingsgelände des Clubs. Neben individuellen Trainings- und Diätplänen, längst Standard im Leistungssport unserer Zeit, führte das sogar zu täglichen Gewichtskontrollen und harten Strafen bei Verstößen gegen die strengen Auflagen.

Steigt der Körperfettanteil eines Spielers über 9,5%, spielt er nicht. Angeblich führte das sogar so weit, dass einige Spieler ihren Trainingstag in der Sauna begannen. Während diese schmerzhaften Neuerungen im unausgewogenen Kader vorherigen Saison wohl noch zu einer Meuterei geführt hätten, waren die Spieler in der neuen Zusammensetzung begeistert bei der Sache. Nicht mehr die Namen oder Verdienste entschieden über die Aufstellung, sondern der Wille und die Leidenschaft im Training.

Marcelinos extreme Forderungen im Fitnessbereich begründen sich in der Art seiner Mannschaften Fußball zu spielen. Die strenge Dokumentation und Arbeit im physischen Bereich soll den Fußball nicht diktieren, sondern bereichern. Die Fitness die der Trainer voraussetzt, wird zur Voraussetzung für sein Spiel. Seine Mannschaften spielen stets im flachen 4-4-2. Eine Formation die üblicherweise darauf setzt die Geschwindigkeit der Flügelspieler und Außenverteidiger optimal auszuspielen. So auch beim FC Valencia. Mit schnellen Angriffen im eigenen Ballbesitz und einem extremen Pressing nach Ballverlusten soll nie Ruhe auf dem Platz herrschen. Gewinnt Valencia den Ball, ist das gegnerische Tor die einzige akzeptable Richtung. Präzise, überfallartige Konter mit schnellen Abschlüssen sind Marcelinos Traum.



Das oberste Gebot im gegnerischen Ballbesitz ist extreme Kompaktheit. Die Abstände in Breite und Tiefe zwischen den verschiedenen Mannschaftsteilen sind extrem kurz, sollen das Spiel durch die Mitte verhindern und den Gegner zwingen auf die Flügel auszuweichen. Dafür verlangt Marcelino von seinen beiden Stürmern viel Defensivarbeit. Im Verbund mit den Zentralen Mittelfeldspielern und den Flügelspielern wird verschoben, bis auf einer Seite durch die Kompaktheit eine Überzahl entsteht und der Ballverlust im Zweikampf oder durch einen Fehlpass erzwungen werden kann. Hierbei sollen vier Spieler Druck auf den ballführenden Gegner ausüben. Der zentrale Mittelfeldspieler, der Flügelspieler und der Außenverteidiger verengen die Passwege und den Raum nach vorne und in die Mitte, während dem Stürmer die wichtige Aufgabe zukommt einen Rückpass zu verhindern oder sogar abzufangen.

Marcelinos Ansatz Fußball spielen zu lassen ist reaktiv und erfordert zu allererst eine gelungene Umsetzung des defensiven Plans. Sobald der Ball gewonnen wurde, liegt das Augenmerk auf größtmöglicher Vertikalität. Die Unordnung in der Ausrichtung des Gegners soll ausgenutzt und bestraft werden. Idealerweise legt der Passempfänger eines Passes in die Tiefe in die Tiefe stets einmal zur Seite ab, worauf der nächste Pass in die Tiefe folgt.

Hierbei wird deutlich, warum Zaza vor der Saison fest aus Turin verpflichtet wurde. Der Italiener steht meist mit dem Rücken zum Tor und macht Bälle für die schnell nachrückenden Mitspieler fest, die er aus dem Mittelfeld, gerne von Parejo, erhalten hat. Doch nicht nur nach Ballverlusten des Gegners ist die Mannschaft in der Lage das Feld schnell zu überwinden. Auch nach Abstößen von Neto, die er gerne kurz spielt, suchen die Innenverteidiger und Kondogbia schnell den vertikalen Ball um die gegnerischen Pressinglinien zu überwinden.

Spielt Valencia über die Flügel, sorgt die linke Seite mit Jose Gaya und Goncalo Guedes für die größte Gefahr. Oft hinterläuft Gaya den dribbelstarken Portugiesen wenn dieser ins 1 gegen 1 geht und öffnet so die Möglichkeit für einen weiteren Pass in die Tiefe. Gayas Flanken und Guedes starke Abschlüsse mit rechts sorgen dabei für doppelte Torgefahr und erschweren die Defensivarbeit des Gegners immens.

Nachdem Valencia den besten Saisonstart der jüngeren Vereinsgeschichte feiern konnte und manchen nach dem beeindruckenden Sieg gegen Sevilla im Oktober schon als Titelkandidaten taugten, haben sich die Ergebnisse seit der ersten Saisonniederlage Anfang Dezember gegen Getafe etwas normalisiert. Der kleine Kader musste dem aufwendigen Spiel Tribut zollen und den Kontakt zum FC Barcelona abreißen lassen. Auch Simeones Atletico ist mittlerweile an Valencia vorbeigezogen und auch den dritten Platz, also die direkte Qualifikation zur Champions League, wird man wohl bald an Zidanes zuletzt begeisterndes Real abgeben müssen.

Die Mannschaft hat gegen schwächere Gegner zuweilen Probleme das Spiel zu machen und konnte in den letzten Vergleichen mit Atletico, Barca und Real nicht mehr den überzogenen Lobeshymnen vom Saisonstart gerecht werden. Zur Erklärung sollte ein kurzer Vergleich der Kader der Topvereine mit Valencias genügen. Der guten Stimmung im Mestalla tut das allerdings keinen Abbruch, weil die Saison immer noch alle Erwartungen übertrifft. Weil man im Halbfinale der Copa del Rey gegen Barcelona die Segel streichen musste, gilt es nun umso mehr in der Liga weiterhin den FC Sevilla auf Distanz zu halten.

Derzeit hat Valencia allerdings 7 Punkte Vorsprung und das um 23 Tore bessere Torverhältnis, während die rojiblancos noch in der Champions League und der Copa del Rey stehen, also einer deutlich größeren Belastung standhalten müssen. Valencia hat also gute Karten nächstes Jahr endlich wieder in die Königsklasse zurückzukehren. Entscheidend dafür wird sicher die Reise ins Estadio Ramo Sanchez Pizjuan am 10. März werden. Wenn Valencias junge Mannschaft hier bestehen kann, wird ihnen Sevilla auch später nicht mehr gefährlich werden.

 

Die Zukunft

Noch mehr als dem Konkurrenten Sevilla ist Valencia ein dauerhafter Aufstieg zu einer der Topmannschaften in Spanien zuzutrauen. Das Vorbild muss hierbei Atleticos Entwicklung seit der Verpflichtung Simeones sein. Gewährt man Alemany und Marcelino weiterhin die gleichen Freiheiten, dann steht dem Erfolg wenig im Weg. Die Mannschaft ist sehr jung und gespickt mit Spielern die ihr volles Potenzial noch ausschöpfen werden. Vor allem die Eigengewächse Soler und Gaya befinden sich mit ihren Leistungen auf dem direkten Weg in die Seleccion. Betrachtet man Marcelinos Karriere und Valencias bisherige Jugendarbeit bestehen wenig Zweifel, dass auch in Zukunft vielversprechende Spieler aus der Akademie in die Mannschaft wachsen werden.

Eine wichtige Aufgabe für die sportliche Leistung wird die feste Verpflichtung von Goncalo Guedes. Seinerseits signalisierte ob der Konkurrenz in Paris bereits den Willen langfristig in Valencia zu bleiben. PSGs aktueller Trainer Emery lobte ihn zwar über den grünen Klee, doch wer weiß wie lange er noch Trainer der Franzosen bleiben wird. Tendenziell wird Paris nun mit der endgültigen Verpflichtung Mbappes sicherlich verhandlungsbereit sein, nicht zuletzt wegen der Zwänge des Financial Fairplay der UEFA. In Valencia könnte der Portugiese, schon jetzt der wohl aufregendste Youngster in LaLiga, zur Weltklasse reifen.

Hier könnte sich der Ballast den Lim noch vor einem Jahr darstellte zu einem Vorteil umkehren. Jetzt wo der Indonesier endlich erfolgreichen Fußball sieht und die Hoffnung haben kann, dass sich sein Investment doch noch auszahlt, wird er gerne helfen die Mannschaft beisammen zu halten. Die Voraussetzung für langfristigen Erfolg wird die regelmäßige Teilnahme an der Champions League sein. Kann Valencia mehrere Male in Folge erreichen und die Gruppenphase überstehen, das Team beisammen halten und weiter verstärken ist vieles möglich. Mastermind Marcelino spielt dabei eine gewichtige Rolle. Los Che dürfen wieder träumen. Das Nou Mestalla wird eine würdige Kulisse, auch für Titel und Pokale.


Vor einiger Zeit haben wir einen Text veröffentlicht, indem wir genauer auf die Entwicklung des Vereins seit dem neuen Jahrtausend eingehen und die Gründe für die finanzielle Krise vor der Übernahme genauer erklärten. Hier geht’s zum Text.

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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga. Nicht zuletzt um sich vom 1. FC Union abzulenken.