Hasta pronto

37 Spiele, 20-22 Punkte. So eine desaströse Bilanz hat in La Liga normalerweise nur alle paar Jahre ein Verein. Diese Saison sind es gleich zwei. Die Geschichten von Granada und Osasuna sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können, sieht man einmal davon ab, dass beide schon seit dem ersten Saisondrittel gefühlt als Absteiger feststehen.

Die Stärke liegt im Namen

Den Mannen aus Pamplona fehlten die meiste Zeit einfach die Mittel, sich in der Liga zu halten. Schon in unserer Saisonvorschau als erster Abstiegskandidat ausgemacht, war man personell einfach nicht gut genug aufgestellt. Nach dem tragischen Abstieg inklusive Tribünensturz 2014 war man in der zweiten Liga nie wirklich Aufstiegskandidat,  2015 rettete man sich haarscharf vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit und letzte Saison kletterte man erst am letzten Spieltag wieder auf einen Playoff-Platz. Nötig dafür waren an diesem letzten Spieltag unter anderem eine 2-6-Niederlage des vorherigen Tabellen-Vierten Zaragoza gegen das bereits abgestiegene Llagostera, sowie ein Last-Minute Siegtreffer von Girona bei Ponferradina, der letztlich Osasuna anstelle von Alcorcón auf den letzten Playoff-Rang sieben beförderte (allein weil sie solche Sätze möglich macht, mag ich die direkter Vergleich-Regelung in Spanien). Den Schwung durch diese wundersame Qualifikation konnte man jedenfalls in die Playoffs mitnehmen und sich letztlich den dritten Aufstiegsplatz sichern, nicht zuletzt dank eines überragend aufspielenden Youngsters Mikel Merino. Diesen zog es danach allerdings zu Borussia Dortmund und finanzieller Spielraum für Neuverpflichtungen war kaum vorhanden, so dass man sich größtenteils im Mittelfeld der Segunda bedienen musste. So kamen für Merinos Position im zentralen Mittelfeld Fran Mérida von Huesca und Fausto von Alcorcón. Naja. Dazu plagte man sich die ganze Saison mit enormen Verletzungssorgen, teilweise fielen bis zu 15 Spieler aus dem Profikader gleichzeitig aus.

 

Als individuell am schwächsten besetztes Team der Liga war von Anfang an klar, dass es nur über den Kampf gegen würde (Passenderweise lässt sich das baskische Wort osasuna grob mit Kraft, Zähigkeit übersetzen). Und tatsächlich lieferten die Rojillos einige beachtliche Auftritte ab. Obwohl man sich seit dem 5. Spieltag auf den letzten beiden Plätzen befindet, hat man sich nie aufgegeben, egal ob im eigenen Stadion, dem Stimmungsvollen El Sadar, mit dem Höhepunkt des 3-3 gegen Valencia, als man drei Mal einem Rückstand hinterherlief und letztlich in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielen konnte, oder in der Fremde wie im San Mamés, wo man als eines von nur fünf Teams Punkte entführen konnte oder in der Regenschlacht von San Sebastian wo man nach tollem Fight letztlich 2-3 unterlag; ein Spiel, sinnbildlich für eine Saison, wo man trotz großem Aufwand am Ende meist doch ohne Punkte da stand.

 

Obwohl der Ausflug ein kurzer und der Abstieg am Ende doch deutlich war, hat Osasuna diese Saison die Liga um einige neue Gesichter bereichert. Allen voran Sergio León, der mit zehn Treffern nicht nur Top-Torjäger der Navarrer war, sondern auch ansonsten eine überragende erste La Liga Saison spielt. Der 28-Jährige war zuvor nur unterklassig aktiv, wurde letzte Saison Zweitliga-Torschützenkönig für Elche und soll nun sogar bei Vereinen aus der oberen Tabellenregion auf dem Zettel stehen. Zweiter Gewinner der Saison war sicherlich Álex Berenguer. Der 21 jährige Flügelspieler aus dem Nachwuchs von Osasuna überzeugte diese Saison auch als Wing-Back in der Fünferkette, mauserte sich zudem zum Top-Vorbereiter und wird La Liga wohl auch erhalten bleiben, als gebürtiger Navarrer ist er vor allem für Athletic Bilbao hochinteressant. Für den Großteil seiner Teamkollegen wird das voraussichtlich nicht gelten, doch Osasuna hat zumindest diese Liga Saison durchaus mit geprägt.

 

Eher Luftschloss als Palast

Anders sieht die Situation weiter im Süden des Landes aus. Granada war sicherlich keines der drei individuell am schwächsten besetzten Teams der Saison. Im Gegenteil, bei den Andalusiern tummeln sich dieses Jahr wieder diverse talentierte Akteure im Kader, einige stehen bei großen Vereinen unter Vertrag, seien es Chelsea, United oder Barcelona. Granada hat schon die letzten Jahre viel mit Leihspielern gearbeitet, als Teil des Pozzo-Imperiums schob man gerade mit Udinese und Watford regelmäßig Spieler hin und her. Dieses Jahr, unter neuem Besitzer, hat man es allerdings leicht übertrieben. Der Kader bestand durchgehend zu mindestens 50% aus Leihspielern, von denen einige im Winter nochmals ausgetauscht wurden, 19 waren es insgesamt, auf der anderen Seiten standen nur ganze fünf Spieler des Kaders auch schon letztes Jahr bei den Nazaríes unter Vertrag. Und so präsentierte man sich letztlich auch, wie ein zusammengewürfelter Haufen einigermaßen talentierter Individualisten, der Abschlüsse allerhöchstens aus Einzelaktionen kreiert. Ein Haufen, der zunächst einmal Paco Jémez vorgesetzt wurde, dem für seine wilden taktischen Ideen viel gefeierten Ex-Trainer von Rayo Vallecano. Doch weder er noch seine Nachfolger konnten mit dem Kader etwas anfangen, von Spieltag fünf ab stand man durchgehend auf einem Abstiegsplatz, nach nur sechs Spielen musste Jémez gehen, es dauerte bis zum 14. Spieltag ehe man den ersten Sieg einfuhr. Unter allen drei Trainern wurde das Team zudem regelmäßig durcheinandergewürfelt, ich bin mir nicht sicher, ob schon zwei Mal die gleiche Elf auf dem Platz stand diese Saison. Insgesamt 35 verschiedene Spieler setzten die Coaches Jémez, Alcaráz und Adams ein, nur drei davon, inklusive Keeper Ochoa, erhielten über 55% der Spielzeit, eine wahnsinnige Statistik, die das Entstehen eines eingespielten Teams eigentlich unmöglich machte.

 

Die Geschichte wird nicht besser, wenn man bedenkt, dass Granada selbst diese Saison sechs Spieler verliehen hat, drei davon an CD Leganés, die eigentlich das team to beat wären, wollte man diese Saison die Klasse halten. Alle drei trugen letztlich dazu bei, dass Leganés nun Granada hinter sich lässt und im Gegensatz zu ihnen die Klasse wohl hält. Dies gilt übrigens auch für Mittelstürmer Miguel Guerrero, vor der Saison noch aussortiert beim voraussichtlichen dritten Absteiger Sporting de Gijón. Die Madrider haben damit in ihrer ersten La Liga-Saison vorgemacht, dass neben einer gewissen Klasse auch eine vernünftige Kaderplanung für den Verbleib in der Liga äußerst hilfreich ist.

 

 

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