Kein Spieler hat so eine außergewöhnliche Biografie, wie John Guidetti. Der Mann, der einst als der neue Zlatan gehandelt wurde, hat einiges überstanden. Wir haben ihm ein Porträt gewidmet.

Während seine Mitspieler mit Schweden bei der EM 2012 in der Gruppe D den letzten Platz erreichen, liegt John Alberto Fernando Andres Luigi Olof Guidetti oder kurz John Guidetti zu Hause im Bett.

Einige Monate zuvor hatte er auf einer Party anlässlich seines 20. Geburtstages an einem Hot-Wing geknabbert und sich dabei einen verheerenden Virus eingefangen, der sein zentrales Nervensystem angegriffen hat. Eine Woche später spürt er sein rechtes Bein nicht mehr.

Danach verläuft die Karriere des ehrgeizigen Torjägers nie mehr so, wie sie sich zu entwickeln schien.

Wahlheimat Kenia

Alles angefangen hat in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo sein Vater als Entwicklungshelfer arbeitet und er nach dem Umzug seiner Familie aufwächst.

Seine Mutter ist Schwedin, sein Vater hat italienische und brasilianische Wurzeln, geboren ist Guidetti 1992 in Schweden. So kommt es, dass der junge Guidetti in den Slums und auf den Plätzen von Nairobi das Fußball-Handwerk erlernt und sich zumeist gegen ältere Mitspieler durchzusetzen versteht.

Wie sehr ihn diese Zeit geprägt hat, offenbart er oft in Interviews: “Ich habe bei jeder Station etwas dazugelernt. In Afrika spielst du manchmal mit Schuhen, manchmal auch barfuß, mal auf Rasen, dann auf Asche. Manchmal ist der Ball rund, manchmal aber auch nicht. Bei Manchester City hingegen ähnelt der Platz einem grünen Teppich und die besten Spieler der Welt spielen dir den Ball millimetergenau vor die Füße“. Zudem engagiert er sich in Kenia mit seiner eigenen Stiftung.

Zurück in Schweden schießt sich Guidetti beim IF Brommapojkarna mit 15 in die erste Mannschaft und von da aus in die Jugendmannschaft von Manchester City, sowie in die schwedische Junioren-Nationalmannschaft. Den Sprung in erste Mannschaft Citys schafft Guidetti jedoch nicht, nachdem Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ManCity übernommen hatten.

Fortan wandert er von 2010 bis 2015 als Leihspieler von Verein zu Verein: Bei seinem Heimatclub IF Brommapojkarna in der ersten schwedischen Liga kann zwar er mit 3 Toren und 4 Vorlagen in 8 Spielen sein Können abermals unter Beweis stellen. Daraufhin folgt jedoch eine Leihgabe an den FC Burnley, wo er in lediglich 5 Einsätzen einmal trifft.

Durchbruch bei Feyenoord

Erst bei der dritten Station als Leihspieler gelingt ihm mit 19 Jahren der Durchbruch. Für Feyenoord Rotterdam schießt er in 23 Spielen 20 Tore und bereitet 6 Treffer vor. Während er zuerst nur als sicherer Elfmeterschütze in Erscheinung tritt, kommt Guidetti nach und nach in Fahrt.

Ihm gelingen drei Dreierpacks hintereinander – darunter ein von den Feyenoord-Fans noch immer gefeierter beim 4:2 Derbysieg gegen Ajax Amsterdam. Auch Bayern München zeigt damals Interesse und lässt ihn beobachten.



Die letzten Spiele verpasst Guidetti jedoch aufgrund des Virus und macht fortan von April 2012 bis Januar 2013 kein Spiel mehr. Zurück bei ManCity muss er wenige Monate später erneut aufgrund einer Knie-Op zwangsweise pausieren.

Über ein enttäuschendes Intermezzo bei Stoke gelangt Guidetti zu Celtic Glasgow. Dort erhält er wieder mehr Einsatzzeiten und trifft am Anfang beachtenswert durch direkte Freistöße.

In Erinnerung bleibt Guidetti vor allem bei den Rangers-Fans, die er vor dem Old-Firm-Derby im Fernsehen mit dem Schmähgesang “Guidetti schießt den Ball ins Netz, er ist ein Superschwede und die Hunnen sind tot” anstachelte. Im Verlauf der Saison baut Guidetti ab und sitzt am Ende nur noch auf der Bank oder auf der Tribüne.

Mit Eigenwerbung nach Spanien

In 35 Spielen kann er 15 Treffer erzielen und 10 weitere auflegen. Nach den Leihgaben wird sein Vertrag mit ManCity nicht verlängert. In die U21 EM mit Schweden startet er vereinslos. Nach dem Gewinn der EM (2 Tore, 1 Vorlage) lässt er sich zu dem Witz verleiten, er würde weniger als ein Cheeseburger kosten.

Tatsächlich geht Celta Vigo auf die untypische Werbung ein und verpflichtet ihn ablösefrei für fünf Jahre. Dort kommt er in 95 Partien auf 22 Tore sowie 8 Vorlagen und blüht vor allem in der Europa League auf. Mittlerweile ist er an Alaves ausgeliehen.



Mittelstürmer der alten Schule

Guidetti ist ein robuster Mittelstürmer, der es versteht, den Ball im Strafraum oder vor der gegnerischen Abwehrkette zu behaupten. Wenn er nicht weiter auf die Außenbahnen passt, um sich anschließend im Zentrum wieder anzubieten und zu vollstrecken, kommt seine exzellente Schusstechnik zum Vorschein.

Diese besteht meist aus einem raschen Antritt und einem genauen, wie harten Torabschluss. Somit strahlt Guidetti auch außerhalb des Strafraums immer Torgefahr aus.

Eine weitere Stärke, die mit seiner Schusstechnik eingeht, ist seine Gefahr bei Standards. Elfmeter verwandelt er meist wuchtig und seine Freistöße sind auch aus weiterer Entfernung immer gefährlich. Seine fehlende Beweglichkeit macht er mit einem physisch-robusten Spiel gepaart mit Dribblings wett. Er ist daher auch im Eins-gegen-Eins schwer vom Ball zu trennen.

Der Mann, dem die Band Badpoiken einst einen EDM-Hit widmete und damit wochenlang in den schwedischen Charts stand, wird seinen Weg machen. Egal, wo er spielt und egal, wie er spielt: Alle Menschen, die ihn auf seinem bisherigen Karriereweg begleitet haben, wissen ihn wegen seines humorvollen Charakters zu schätzen.

Doch ob John Guidetti der nächste Zlatan Ibrahimovic oder der neue Wayne Rooney wird, sei dahin gestellt.

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