La nueva Promesa – Juan Fernando Quintero

Verratti weg, Insigne weg, Immobile weg. Pescara stand im Sommer vor der scheinbar unmöglichen Aufgabe diese drei Leistungsträger zu ersetzen. So durchforstete man eifrig den Markt, von Russland bis Belgien und Schweden. Fündig wurde man auch außerhalb Europas, in Kolumbien. Der bisher in Europa gänzlich unbekannte Juan Fernando Quintero wurde von Atlético Nacional ausgeliehen. Der Transfer erregte damals wenig aufsehen, auch wenn die Verantwortlichen von Pescara bereits wussten, was sie für ein Talent geholt hatten. Quintero wurde als neuer Verratti bezeichnet. „Ich bin kein Verratti. Ich bin Trequartista und will Tore machen“, stellte die Neuverpflichtung aber gleich fest.

Mit 10 Jahren wurde Quintero entdeckt und vom Envigado FC verpflichtet. Von Medellín aus wechselte Quintero in die Vorstadt, wo er 2009 mit nur 16 Jahren sein Debüt in der höchsten Kolumbianischen Liga gab. In Envigado hatte man bereits Erfahrung mit talentierten Fußballern, auch James Rodriguez und Freddy Guarin lernten dort das Kicken. Schnell wurde „La nueva Promesa“ zum Stammspieler und erreichte mit dem Abstiegskandidaten einen guten Platz im Mittelfeld der Liga. Im Dezember 2010 folgte aber der erste große Rückschlag in seiner Karriere, in einem Spiel gegen Deportivo Pasto brach er sich sowohl Schien- als auch Wadenbein. Durch diese lange Verletzung verpasste Quintero die U20 Meisterschaft Südamerikas und die in Kolumbien ausgetragene U20-Weltmeisterschaft. Erst im August 2011 konnte er wieder spielen, dann aber gleich so gut, dass er sich gleich für einen Wechsel zurück nach Medellín empfehlen konnte. Bei Atlético Nacional hielt es Quintero jedoch nur ein halbes Jahr, dann brach er auf nach Pescara um erste Erfahrungen im europäischen Fußball zu sammeln. Dass Pescara ein guter Platz für junge Spieler ist, hat sich scheinbar schon bis nach Kolumbien durchgesprochen und erleichterte ihm die Entscheidung. In Pescara setzte man viel Vertrauen in Quintero und dieses Vertrauen will er auch zurückzahlen mit guten Leistungen. Richtig auffällig wurde Pescaras Nummer 93 (mit der er aufgrund seines Geburtsjahrs 1993 spielt) erstmals in Runde vier, als er einen Freistoß gegen Bologna verwandelte. Es blieb vorerst sein einziges Tor in der Serie A, doch der junge Kolumbianer hat neben seinem guten Schuss und dem starken linken Fuß noch andere Stärken. Während Pescara letztes Jahr noch einen 6er als Spielmacher hatte (Verratti), gibt es nun mit Quintero einen offensiven Spielmacher. „Das Kind“, wie er von den Mitspieler in Pescara genannt wird, ist ein sehr passstarker Spieler, bei dem auch lange Bälle punktgenau ankommen. Eine seiner großen Stärken ist natürlich auch seine hervorragende Technik. Mit Defensivaufgaben muss sich Quintero in Pescara nicht viel beschäftigen, in der Regel halten ihm gleich mehrere lauf- und zweikampfstarke Spieler (Cascione, Bjarnasson, Lund Nielsen) den Rücken frei.

2013 hat Quintero noch kein Spiel für Pescara bestreiten können, da er mit Kolumbien bei der U20-Meisterschaft Südamerikas dabei war. Als Spieler, der bereits im A-Nationalteam spielte, war er in seiner Mannschaft der Star und der Spieler mit der größten Erfahrung. Bereits im ersten Spiel gegen Paraguay wurde er zum Man of the Match gewählt. „Unser Traum ist es sich für die U20-Weltmeisterschaft in der Türkei zu qualifizieren“, sagte Juan Quintero vor dem Turnier, die Mannschaft erreichte sogar noch mehr und konnte das Turnier gewinnen, während Brasilien und Argentinien übrigens schon in der Gruppenphase ausschieden. Und wer wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt? Natürlich Juan Fernando Quintero. Mit fünf Toren, darunter ein traumhaftes 130 km/h Freistoßtor gegen Argentinien, war er auch einer der besten Torschützen des Turniers, Torschützenkönig wurde aber mit sieben Treffern Uruguays Nicolas Lopez, der ebenfalls in der Serie A aktiv ist (Lopez wechselte im Sommer zur Roma).

Während die Top-Klubs der Serie A Quintero schon lange beobachten, hat er bei diesem Turnier auch international auf sich aufmerksam machen können. Manchester United und Barcelona wurden im Jänner mit Juan Fernando Quintero in Verbindung gebracht, ungefähr 10 Mio. € müsste man für ihn bezahlen. Sein trockener Kommentar zu den Gerüchten: „United? Nein, ich mag Inter.“ In Italien fühlt sich Quintero sehr wohl, aber wenn ein großer Klub anklopft, kann er schwer nein sagen. Am liebsten wäre ihm aber Inter, wegen den vielen Südamerikanern. „Ich werde mich mit meiner Familie und mit meinem Agent beraten. Ob ich schon 10 Mio. € Wert bin weiß ich nicht, ich muss noch viel lernen und hart an mir arbeiten.“

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