La Liga-Saisonvorschau 2017/18

Wir schreiben das Jahr 2017. Ganz Europa investiert, um im Konzert der Großen die erste Geige spielen zu können. Ganz Europa? Nein, ein kleines spanisches Ländchen hält sich diesen Sommer auffällig zurück. Ausgerechnet die Liga, in der  Real Madrid mehrmals neue Maßstäbe in Sachen Transfers setzte, hat diesen Sommer  bislang weniger Geld ausgegeben als die Bundesliga, Serie A oder auch Ligue 1 und als einzige europäische Top-Liga, selbst ohne den Neymar-Transfer, einen Transferüberschuss. Von den Sieben international vertretenen Teams investierte bislang lediglich Villarreal mehr als durch Verkäufe eingenommen wurde. Krise? Nicht wirklich, viele Teams haben sich dennoch klug verstärkt. Und natürlich ist der Transfersommer auch noch nicht vorbei, auch wenn der die Saison dieses Wochenende startet. Welche Aussichten haben die Teams für die kommende Saison?

LaLiga nur auf Rang 5: Die Transfer-Ausgaben der Ligen

Wenn es einmal gut läuft, dann aber so richtig. Seit gut anderthalb Jahren ist Zinédine Zidane nun Trainer bei Real Madrid und gefühlt macht der Franzose gemeinsam mit den sportlichen Verantwortlichen seitdem alles zu Gold, was er in die Hände nimmt. Unter seiner Leitung verteidigten die Königlichen vergangene Saison als erster Verein überhaupt ihren Titel in der Champions League, nach fünfjähriger Durststrecke wurde außerdem wieder mal die spanische Meisterschaft gefeiert. Und derzeit scheinen nicht nur die Ergebnisse zu stimmen, sondern auch die zahlreichen Handgriffe der langfristig ausgelegten Transferpolitik. Während der Stamm um Weltstars wie Sergio Ramos und Marcelo, die Mittelfeld-Virtuosen Luka Modric und Toni Kroos sowie der Angriff um Weltfußballer Cristiano Ronaldo auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskunst agiert, drängt eine ganze Schar hoch veranlagter junger Kicker nach, um in Zukunft ihre Plätze im weißen Dress einzunehmen.

So legte Marco Asensio eine herausragende erste Saison bei den Merengues hin, die Neuzugänge Dani Ceballos und Théo Hernandez wollen es ihm in diesem Jahr nachmachen. Und dann wären mit den zuvor ausgeliehenen Jesús Vallejo und Marco Llorente zwei weitere Youngster, die das Zeug haben, in einigen Jahren den Stamm der Madrilenen zu bilden. Angesichts der zahlreichen Optionen hat Zidane stets die Qual der Wahl, hinter einer mehr oder weniger festen Startelf ergeben sich unzählige Möglichkeiten, die selbst dem stets so gelassen wirkenden Franzosen einiges Kopfzerbrechen bereiten dürften.

Die Übersicht: So haben die LaLiga-Klubs 2017/18 eingekauft

Dass sich angesichts des Konkurrenzkampfes niemand zurücklehnen kann, wurde spätestens in der heißen Phase der Saisonvorbereitung deutlich: Zunächst gelang im europäischen Supercup durch ein 2:1 über Manchester United die Titelverteidigung, kurz darauf ließ man dem FC Barcelona im nationalen Supercup in der Gesamtabrechnung mit 5:1 keine Chance. 17 Spieler setzte Zidane in den drei Spielen ein, enttäuscht wurde er von niemandem. Neben dem gesunden Konkurrenzdenken sind viele der Stärken des aktuellen Real Madrid im mentalen Bereich zu finden: Zidane hat die Mannschaft herausragend im Griff, versteht die Moderation des Kaders in Perfektion und treibt auch Spieler wie Isco, die lange mit sich und den hohen Erwartungen zu kämpfen hatten, zu Höchstleistungen. Hinzu kommt ein herausragendes Kollektiv und der unverändert bestehende Siegeswille, was die Königlichen zumindest auf nationaler Ebene in diesem Jahr zum absoluten Favoriten auf den Titel macht. „Zum ersten Mal in neun Jahren fühle ich mich Real Madrid unterlegen“ bewertete Gerard Piqué die Lage nach dem Supercup und machte damit deutlich, dass selbst die eingefleischtesten Culés derzeit einsehen müssen, dass der Weg zu Titeln aller Art nur über den Erzrivalen aus der Hauptstadt führt.

Navas – Marcelo, Ramos, Varane, Carvajal – Kroos, Casemiro, Modric – Cristiano Ronaldo, Benzema, Bale

 

Der Neymar-Transfer war sicherlich der Aufreger des Transfersommers. In Barcelona, immer noch einer der erfolgreichsten Fußballclubs der letzten Jahre, ist man es nicht gewohnt, einen Shooting-Star ziehen lassen zu müssen. Die Nachfolgersuche gestaltet sich indes trotz oder auch wegen der Neymar-Millionen schwierig, während das Team zugleich in Unform ist und in der Supercopa von Rivale Madrid die Grenzen aufgezeigt bekommt – in Barcelona herrscht vor dem Saisonstart nicht die allerbeste Laune.

Dabei bietet der Abgang von Neymar sportlich sogar Chancen, die Fokussierung auf das berüchtigte Sturm-Trio war beileibe nicht unumstritten. Doch eine der Auswirkungen des Standings der Offensivkräfte war, dass man einem Reservisten für die Flügel kaum Spielzeit bieten konnte, wodurch jetzt kein möglicher hochveranlagter Nachfolger bereit steht und man händeringend nach einer Verstärkung sucht. Während die Verhandlungen um Coutinho und Dembélé seit Wochen in der Schwebe sind, wurde kurzerhand der Brasilianer Paulinho aus China geholt, für 40 Millionen eine ebenso teure wie angesichts des ohnehin schon sehr breit aufgestellten Mittelfelds äußerst unnötig scheinende Verpflichtung. Rechts hinten soll Benficas Nélson Semedo mit Aleix Vidal und dem vermutlich wieder mehr ins Mittelfeld rückenden Sergi Roberto konkurrieren.  Auch in der Innenverteidigung könnte sich noch einmal etwas tun, Iñigo Martínez von Real Sociedad wird hier gehandelt. Barca wird die Transferphase diese Saison in jedem Fall voll ausreizen, Nizzas Serri sowie zuletzt sogar Lorenzo Insigne sind weitere Kandidaten, auch Abgänge dürfte es noch einige geben.

Fest steht, dass mindestens noch ein offensiver Hochkaräter kommen muss, schon allein, damit die Vereinsführung ihr Gesicht wahren kann, aber auch, weil die Personaldecke im Angriff wirklich dünn ist. Welcher Spielertyp das sein soll hängt auch von Ernesto Valverde, zuvor Athletic Bilbao, ab, der das Team im Sommer neu übernahm und dessen Spielidee noch nicht so wirklich klar ist. Aktuell heißt der wahrscheinlichste Kandidat nach wie vor Ousmane Dembélé. Trotz der aktuellen Lage hat man in Barcelona immer noch ein Team mit diversen Top-Spielern sowie einem Lionel Messi. Man wird auch nächste Saison wieder um alle großen Titel mitspielen, wenn es Valverde gelingen sollte, ein Team aufzubauen, dass sich nicht nur auf seinen Top-Star verlässt, sondern auch eigenständig funktioniert.

Ter Stegen – Alba, Umtiti, Pique, Semedo – Iniesta, Busquets, Rakitic – Dembélé, Suarez, Messi

 

Ein großer Umbruch prägt die neue Saison bei Atlético Madrid, doch die entscheidende Veränderung im Vergleich zum letzten Jahr liegt nicht rein fußballerisch begründet, sondern im Umzug aus dem altehrwürdigen Vicente Calderón ins neugebaute Estadio Wanda Metropolitano, ab sofort die neue Heimstätte der Colchoneros. Nach 51 Jahren im wohl stimmungsvollsten Stadion Spaniens verlässt Atlético den Manzanares und macht sich auf zu neuen Ufern. Ein derart extremer Einschnitt wurde in sportlicher Hinsicht in diesem Sommer nicht verzeichnet, vielmehr setzte der Verein gezwungenermaßen auf Kontinuität in der letzten Saison von Erfolgstrainer Diego Simeone, der sich ab der folgenden Spielzeit nach einer neuen Herausforderung umsehen wird.

Simeone will das erste Jahr im neuen Stadion mitgestalten und vertraut dabei weitestgehend auf das Personal, das dem Klub derart erfolgreiche letzte Jahre im Vicente Calderón beschert hatte. Etwas anderes bleibt ihm allerdings auch nicht übrig, eine Transfersperre zwingt den Klub dazu, auf den eigenen Bestand zu vertrauen und erst im Winter personell nachzulegen. Für den Januar steht dann der bis dahin bei Las Palmas geparkte spanische Nationalspieler Vitolo bereit, auch der schon einmal bei Atlético erfolgreiche Diego Costa ist weiter ein heißer Kandidat für einen Winter-Wechsel, sofern sich an den verhärteten Fronten mit dem FC Chelsea noch etwas tut.

Ohne neue Namen machten die Rojiblancos in dieser Transferperiode aus der Not eine Tugend, freie Gelder wurden vor allem in den Bestand des Kaders investiert. Dass umworbene Stars wie Koke, Saúl oder Antoine Griezmann dank verbesserter Verträge auch weiterhin für Atlético spielen, kostete den Klub rund 50 Millionen Euro, doch eine derartige Investition scheint sinnvoller als jeder mögliche Neuzugang. Zahlreiche Abgänge, speziell die zuvor ohnehin verliehenen Théo Hernández und Óliver Torres, spülten insgesamt 70 Millionen Euro in die Kassen.

Durch das Fehlen namhafter Zu- und Abgänge wird die erweiterte Startelf in der neuen Saison keine sonderlichen Veränderungen aufweisen. In der Vorbereitung machte der in der Defensive flexibel einsatzbare Lucas Hernandez einen Schritt nach vorne, er steht hinten links hinter Filipe Luís für den Posten bereit, den sein Bruder Théo durch den Wechsel innerhalb der Hauptstadt freiließ. Auch wenn Atlético in der Vorbereitung in sechs Spielen nicht verlor, waren die Eindrücke gemessen an den hohen Ansprüchen wechselhaft. Einmal mehr wird es darauf ankommen, wie gut die eingespielte Defensive arbeitet und wer vorne gemeinsam mit Griezmann die entscheidenden Impulse setzt.

Angesichts der praktisch nicht vorhandenen sportlichen Veränderungen bleibt auch die Erwartungshaltung vor der letzten Saison von Simeone dieselbe: Der Posten der dritten Kraft in Spanien soll ein weiteres Mal behauptet werden, außerdem soll das Wanda Metropolitano auch auf internationaler Ebene mit einer erfolgreichen ersten Spielzeit eingeweiht werden. Ein Angriff nach oben wie bei der Meisterschaft 2014 wäre erneut eine Sensation und nur dann möglich, wenn die beiden heißesten Titelkandidaten erheblich schwächeln.

Oblak – Filipe, Savic, Godín, Vrsaljko –  Koke, Saúl, Gabi, Ferreira Carrasco – Torres, Griezmann

 

Ein Jahr lang durfte sich Trainer Jorge Sampaoli beim FC Sevilla austoben, dann zog der exzentrische Tüftler an der Seitenlinie auch schon wieder weiter zur argentinischen Nationalelf. Schon zu Beginn seines Engagements im letzten Jahr hatte der 57-Jährige mit einem schnellen Wechsel zur Auswahl seines Heimatlandes kokettiert, in diesem Sommer konnten die Verantwortlichen ihm diesen Wunsch nicht mehr abschlagen. Seinem Nachfolger, Landsmann Eduardo Berizzo, hinterließ er immerhin einen vielseitigen Kader, der die Spielzeit auf Platz vier abschloss und nach dem Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation erneut gute Chancen besitzt, die Gruppenphase der Königsklasse zu bestreiten.

Um den Kader für Berizzos Spielsystem flott zu machen und den Abgang von Flügelstürmer Vitolo zu kompensieren wurde kräftig investiert, wichtigste Neuerung ist die Heimkehr von Spielgestalter Éver Banega, den es nach nur einem Jahr bei Inter Mailand schon wieder an den Guadalquivir zog. Doch der Argentinier ist nicht der einzige wiedergekehrte „verlorene Sohn“, auch Jesús Navas kam, gemeinsam übrigens mit Nolito, von Manchester City und soll die Außenbahn beleben. Besonders kostspielig war darüber hinaus der Transfer von Angreifer Luis Muriel, der für 20 Millionen geholt wurde, um das Sturmproblem des vergangenen Jahres zu lösen. Weitere insgesamt 20 Millionen wurden in der Defensive in die Transfers von Innenverteidiger Simon Kjaer und Rechtsverteidiger Sébastien Corchia investiert.

Für Toto Berizzo ergeben sich damit auf allen Positionen viele Möglichkeiten, ganz besonders im Mittelfeld, dem Prunkstück des Kaders. Dort ist nicht nur die Rückkehr von Banega ein Segen, eine entscheidende Rolle würde auch der Verbleib des weiter wechselwilligen Steve N’Zonzi spielen, schließlich fungiert der französische Hüne offensiv wie defensiv in einer Schlüsselrolle. Zu den beiden gesellt sich ein nach schwerer Verletzung genesener und formstarker Michael Krohn-Dehli, der schon bei Celta unter Berizzo brillierte. Außerdem stehen die Argentinier Franco Vázquez in offensiver sowie Neuzugang Guido Pizarro in defensiver Rolle bereit.

Auch wenn Sevilla und Berizzo noch in einer Findungsphase stecken, die der Trainer bei inzwischen „70, fast 80 Prozent“ sieht, sind die Aussichten in Nervión durchaus positiv. Spielerisch waren bereits gute Eindrücke zu erkennen, die Mannschaft scheint die Ideen ihres neuen Taktgebers zu verinnerlichen und dank der gelungenen CL-Qualifikation mit Rückenwind in die Saison zu starten. Wenn N’Zonzi bleibt und sich die Tendenzen bestätigen ist erneut mit den Andalusiern als heißem Kandidaten auf Rang vier zu rechnen.

Rico – Escudero, Pareja, Lenglet, Corchia – Krohn-Dehli, N’Zonzi, Banega  – Nolito, Muriel, Navas

 

Villarreal hat diesen Sommer den Abgang von gleich mehreren Leistungsträgern zu verkraften, zögerte aber nie lange, Geld in die Hand zu nehmen und sofort einen Nachfolger zu präsentieren. Am schwerwiegendsten dürfte dennoch der Verlust von Mateo Musacchio sein. Der Argentinier gehörte zum Stamm von sechs eher defensiven Spielern, die sich im einen Zweitligajahr Villarreals zusammenfanden und seither das Grundgerüst dieser sehr erfolgreichen Mannschaft bildeten und den Club zurück ins internationale Geschäft führten. Tatsächlich ist er nach fünf Jahren der erste dieser sechs Spieler, der den Verein verlässt. Abgesehen davon war Musacchio, wenn er denn mal fit war, einer der besten Innenverteidiger, die La Liga zu bieten hatte. In seine Fußstapfen soll nun Rúben Semedo treten, der von Sporting kam.

Ein echter Coup gelang den Submarinos dafür mit Pablo Fornals. Der 21-Jährige vom FC Málaga wurde gerüchteweise bereits vom FC Arsenal gejagt, entschied sich allerdings für eine Rückkehr in die Heimat und zu dem Club, für den er bereits in der Jugend aktiv war. Ganz klar ist noch nicht, wo er eigentlich spielen soll, hat er doch seine Stärken eindeutig in der Zentrale, wo das Gespann aus Kapitän Bruno Soriano und Manu Trigueros allerdings seit Jahren gesetzt ist. So ist es möglich, dass er in der Tradition auf den Flügel gestellter zentraler Mittelfeldspieler, die Trainer Fran Escribá von seinem Vorgänger Marcelino übernommen hat, dem Vorbild von Spielern wie Roberto Soriano oder Jonathan dos Santos folgt. Dos Santos, der im Sommer seinem Bruder Giovanni in die MLS folgte und dessen Kaderplatz Fornals nun mehr oderweniger übernimmt, wurde in Villarreal auch vorwiegend im rechten Mittelfeld eingesetzt. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Escribá die bewährte Zwei Stürmer-Taktik aufgibt und angesichts der inzwischen wirklich hervorragenden Möglichkeiten in der Zentrale auf ein Dreier-Mittelfeld umstellt.

Ein etwas überraschender Abschied war der von Roberto Soldado, der in Villarreal trotz einiger Verletzungen wieder aufgeblüht war, den es nun jedoch in die Türkei zog. Auch hier stand mit Carlos Bacca prompt hochkarätiger Ersatz parat, der Kolumbianer kommt zunächst per Leihe von Milan, die Kaufoption in Höhe von angeblich 16 Millionen dürfte angesichts seines Alters wohl nur gezogen werden, wenn er wirklich vollkommen einschlägt. Eine ähnliche Summe legte man diesen Sommer für einen weiteren Stürmer hin. Enes Ünal ist allerdings zehn Jahre jünger, gilt als die Sturmhoffnung der Türkei und kam von Manchester City. Die Optionen im Sturm sind groß, die Platzhirsche Bakambu und Sansone haben durchaus Konkurrenz bekommen.

Die Qualifikation fürs internationale Geschäft ist mit diesem Kader mal wieder Pflicht für das Gelbe U-Boot, Platz Vier und damit die Champions League sind machbar, falls Sevilla unter neuem Coach noch etwas Anlaufzeit braucht.

Asenjo – Jaume Costa, Ruiz, Semedo, Gaspar – R.Soriano, Trigueros, Bruno, Fornals – Bakambu, Bacca

 

Eine gute vergangene Saison –  eine recht ruhige Transferphase. Shooting-Star Oyarzabal ist immer noch da, ebenso Abwehrchef Martínez. Als einziger Stammspieler verließ Yuri Berchiche den Verein Richtung Paris. Auch hier ließ man sich nicht verrückt machen und setzt auf interne Lösungen, Yuris Vorgänger Alberto de la Bella kehrt nach Leihe zurück, als sein Herausforderer tritt der portugiesische U21-Nationalspieler Kévin Rodrigues an. Mit dem PSG-Geld konnten Madrids Diego Llorente für die Innenverteidigung sowie Adnan Januzaj verpflichtet werden, der vor nicht allzu langer Zeit noch als Uniteds große Zukunftshoffnung gepriesen wurde. Die Verpflichtung des Belgiers könnte schon mal ein Vorgriff auf den Winter sein, wenn Carlos Vela den Verein in Richtung MLS verlässt. Der Abschied des Mexikaners wird ein schwerer sein, auch wenn seine Leistungen die letzten Jahre häufig schwankten. Sechs Jahre lang war er Leistungsträger, Torjäger, mitunter genialer Spielmacher und sowieso immer Publikumsliebling, selbst wenn es mal nicht so klappte.

Eine fast noch emotionalere Geschichte ist die Rückkehr von Imanol Agirretxe. Das Eigengewächs war im Herbst 2015 in der Form seines Lebens, erzielte 12 Tore in 14 Partien, ehe das Knie nicht mehr mit machte. Eineinhalb Jahre laborierte er an verschiedenen Verletzungen, Anfang August stand er zum ersten Mal wieder auf dem Platz. Der 30-jährige dürfte damit fast die am meisten gefeierte „Neuverpflichtung“ der Basken sein. Man geht damit mit fast der gleichen Mannschaft in die Saison wie vergangenes Jahr und das Ziel kann eigentlich nur eine Wiederholung der Selben sein.

Rulli – De la Bella, Martinez, Navas, Odriozola – Zurutuza,Illaramendi – Oyarazabal, Prieto, Vela (Januzaj) – Willian José

 

Traditionell wenig trat sich mal wieder in Bilbao. Die Basken sind aufgrund ihrer Vereinspolitik ein Verein, der selten für viel Trubel auf dem Transfermarkt sorgt, man verleiht häufig einige Spieler, für die es in diesem Moment nicht reicht, über die man aber dennoch die Kontrolle behalten möchte, auch das eine Folge der Basken-Politik. In diesem Sommer hatte man mit Álex Berenguer und Mikel Merino zwei ausgemachte Transferziele, beide entschieden sich jedoch anders und so kam am Ende  … niemand. Also wirklich niemand, keine einzige externe Verpflichtung steht bei Athletic zu Buche. Von den zurückgekehrten Leihspielern dürfte lediglich Mikel Vesga eine größere Rolle spielen. Der Mittelfeldakteur, zuletzt für Absteiger Sporting Gijón unterwegs, verdrängte in der Vorbereitung Mikel San José auf die Bank. Sorgen macht nach wie vor die Situation des krebserkrankten  Yeray Álvarez, dessen Rückkehr nach wie vor nicht sicher ist. Die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers scheint dennoch nicht geplant, als Vertreter steht Xabier Etxeita bereit, im Zweifel müssen Bóveda oder San José aushelfen.

Die Basken wollen sich weiterhin teuer verkaufen, den Großen das Leben schwer machen und am Ende der Saison nimmt man die Europa League doch immer gerne mit.

Arrizabalaga – Balenziaga, Laporte, Etxeita, de Marcos – Vesga, Beñat – Muniaín, R.García, Williams – Aduriz

 

Überschwänglicher Jubel brandet auf, als Sergio García bei seiner Präsentation Anfang Juli aus dem Spielertunnel schreitet und den Rasen des RCDE-Stadiums betritt. Der 34-Jährige winkt den Fans auf der Tribüne zu, klopft sich auf die Brust, dorthin, wo das Wappen von Espanyol Barcelona prangt. Zwei Jahre nach seinem Wechsel nach Katar ist der Angreifer zurück bei Espanyol, wird von seinen Kollegen sogleich wieder zum Kapitän gewählt. Die Rückkehr des früheren spanischen Nationalspielers ist nicht bloß ein Wechsel wie jeder andere, sie ist auch ein Zeichen.

Vor zwei Jahren mussten die Katalanen ihre offensive Lebensversicherung ziehen lassen, angesichts zahlreicher finanziell lukrativer Anfragen war der Topscorer nicht länger zu halten. Nun, zwei Jahre später, haben sich die Zeiten geändert. Seit dem Einstieg der Investoren der Rastar-Group im vergangenen Jahr drängt Espanyol wieder zurück ins obere Tabellendrittel in Spanien, verpflichtete dafür vor der vergangenen Saison Trainer Quique Sánchez Flores, der Schritt eins des Dreijahresplans souverän erfüllte und einen erfolgreichen Einstand hinlegte. Vornehmlich Routiniers wurden dazu im letzten Jahr geholt, aufstrebende Talente wie Aarón Caricol und Marc Roca ergänzten das Aufgebot.

Dank einer guten Mischung gelang Platz acht, besser hatten die Pericos zuletzt 2005 mit Rang fünf abgeschnitten. Angesichts eines Rückstands von sieben Punkten bis zu den internationalen Rängen zeigte das erste Quique-Jahr auch gleich die Herausforderung für das Folgejahr auf: Den Abstand auf Europa weiter zu verkleinern, vielleicht sogar diesmal schon bei den Top Sieben anklopfen. Ob Sergio García mit 34 und nach zwei Jahren im Emirat sportlich die entscheidende Figur dabei sein wird, lässt sich durchaus bezweifeln. Doch mit der Symbolik des Rückkehrers, als Identifikationsfigur und Persönlichkeit innerhalb der Mannschaft spielt er eine wichtige Rolle, auch ohne lediglich an Toren und Vorlagen gemessen zu werden. Ohnehin hielten sich die Verantwortlichen bei der Spielersuche diesmal deutlich zurück, nur Abwehrspieler Naldo von FK Krasnodar kostete Ablöse, mit 2,5 Millionen Euro allerdings auch nicht allzu viel. Ablösefrei kam hingegen Esteban Granero von Real Sociedad, wo er verletzungsbedingt nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen konnte.

Doch damit ist der 30-Jährige bei Espanyol in guter Gesellschaft. Auch Pablo Piatti, Javi Fuego und José Manuel Jurado waren bei ihren vorigen Vereinen nicht mehr glücklich, blühten im letzten Jahr aber wieder auf und bilden damit auch die Basis für das neue Jahr. Ob Eingespieltheit und punktuelle Verstärkungen reichen um den nächsten Schritt zu gehen wird sich zeigen, schließlich haben viele Konkurrenten im Rücken den Transfermarkt deutlich intensiver beackert. „Die Ziele, die wir früher hatten, waren andere. Der Verein wächst rasant, ist ambitioniert und wir sind guter Dinge, dass wir die Ansprüche erfüllen können“, fasste Sergio García die Veränderungen im Vergleich zu seiner ersten Etappe in Blau-Weiß zusammen. Ob er damit Recht behält und selber aktiv zum Wachstum beitragen kann, wird sich zeigen.

Diego López – Aarón Caricol, Naldo, David López, Javi López – Piatti, Roca, Javi Fuego, Jurado – Gerard Moreno, Leo Baptistao

 

23 Tage war es im vergangenen Sommer her, dass Deportivo Alavés die Rückkehr ins Oberhaus unter Trainer Pepe Bordalás perfekt gemacht hatte, da wurde der Erfolgstrainer vor Beginn der Saisonvorbereitung abserviert. Intern trauten ihm die Verantwortlichen nicht zu, den Kader auch in Liga eins zu führen. Ein Jahr später gehen die Basken die Saison schon wieder mit einem neuen Trainer an, diesmal allerdings, weil mit Mauricio Pellegrini der Erfolgstrainer des vergangenen Jahres aus eigenem Antrieb das Weite suchte und nach einer herausragenden Saison mit Platz neun und dem Einzug ins Pokalfinale die Finanzkraft des FC Southampton vorzog.

Auf Bordalás und zuletzt Pellegrino folgt nun Luis Zubeldía. Ein gewagtes Experiment mit ungewissem Ausgang. Schließlich steht dem Argentinier nicht nur seine erste Station in Europa bevor, mit gerade einmal 36 Jahren geht er auch als jüngster unter den 20 Trainern in die Saison. Doch an Erfahrung mangelt es ihm nicht, nach einer schweren Knieverletzung startete er seine Trainerkarriere bereits 2008 im Alter von 27 Jahren und arbeitete in Lateinamerika seitdem in vier Ländern mit durchaus vorhandenen Referenzen.

Dass die Vorbereitung eher stotternd verlief, Schwächen in der Defensive und fehlende Durchschlagskraft in der Offensive erkennbar waren, ist mit Blick auf die Bewegungen im Kader allerdings noch nicht als Zeichen gegen den jungen Trainer zu werten. Er muss einen gewaltigen Umbruch bewältigen, bei dem ihm zuvor ausgeliehene Leistungsträger wie Théo Hernandez, Victor Camarasa, Marcos Llorente oder Deyverson, die Vorgänger Pellegrino zur erfolgreichen Saison verhalfen, nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch Édgar Méndez, Zouhair Feddal und Kiko Femenía entschieden sich für lukrativere Angebote und verließen den Verein, sodass nahezu die komplette Stammformation des letzten Jahres ersetzt werden muss. Nur noch vier Spieler, die im Pokalfinale gegen Barcelona Ende Mai in der Startelf standen, stehen weiterhin unter Vertrag.

Angesichts der zahlreichen Abgänge ist die Liste der Neuzugänge lang und vielseitig, gesetzt wurde vor allem auf junge Spieler und, anders als im letzten Jahr, nicht ausschließlich auf Leihen. Insgesamt sechs Spieler wurden bislang gegen Zahlung einer Ablösesumme verpflichtet, darunter die zuvor bereits ausgeliehenen Rodrigo Ely und Rubén Sobrino, außerdem Flügelstürmer Burgui, der chilenische Innenverteidiger Guillermo Maripán und der spanische Junioren-Nationalkeeper Antonio Sivera. Ablösefrei kamen Enzo Zidane von Real Madrid sowie Wakaso Mubarak hinzu, auf Leihbasis ergänzen außerdem Flügelstürmer Alfonso Pedraza und der erfahrene Tomás Pina im Mittelfeld den Kader.

In der Summe sind zehn Spieler des 23er-Kaders neu hinzugekommen, an einer tauglichen Sturmspitze fehlt es allerdings weiterhin. Für Zubeldía wird es keine einfache Aufgabe werden, die Neuen zu integrieren und viele an die Startformation heranzuführen, während er selber erst noch in den spanischen Fußball hineinfinden muss. Besonders die ersten Heimspiele werden dabei eine echte Herausforderung, in Mendizorrotza geht es zunächst gegen Barcelona, Villarreal, Real Madrid, Real Sociedad und Valencia. Entsprechend muss Alavés angesichts lösbarer Auswärts-Aufgaben die letztjährige Stärke in der Fremde bestätigen, um nicht schon früh in den Tabellenkeller zu rutschen und dort den Rest der Saison zu verbleiben.

Pacheco – Pedraza, Ely, Alexis, Vigaray – Ibai, Wakaso, Manu García, Burgui – Sobrino, Christian Santos

 

Platz 18 in der Debütsaison, Platz 14 im schweren zweiten Jahr und Platz zehn in der abgelaufenen Saison. Seit dem erstmaligen Erstliga-Aufstieg 2014 hat sich SD Eibar in beachtlicher Manier in La Liga etabliert und mit gewaltigen Schritten im Tabellen-Mittelfeld festgesetzt. Nachdem im ersten Jahr nur der Zwangsabstieg von Elche den Abstieg verhinderte, waren es in den beiden Folgejahren die sportlichen Meriten von Trainer José Luis Mendilibar und Fran Garagarza, die erst für den Klassenerhalt und anschließend für den Sprung in die obere Tabellenhälfte sorgten.

Genau diese Tendenz soll nun auch im dritten Jahr unter Mendilibar und im insgesamt vierten Jahr in Eibars Erstliga-Historie fortgesetzt werden. Wie vergangene Saison schuf man im Sommer bereits gute Voraussetzungen, indem man in vielen Fällen den lukrativen Angeboten für Leistungsträger widerstehen konnte und lediglich Innenverteidiger Florian Lejeune für 10 Millionen Euro ziehen ließ. Weitere Säulen wie Kapitän Dani García, Kreativspieler Pedro León oder Torjäger Sergi Enrich konnten gehalten werden, indem Garagarza auf die Ausstiegsklausel verwies und zum Beispiel bei Dani García sogar vorzog, ihn nächstes Jahr ablösefrei ziehen zu lassen, statt nun ein Angebot über fünf Millionen Euro aus Málaga anzunehmen.

Den Abgang von Lejeune soll der Portugiese Paulo Oliveira kompensieren, weitere Zugänge wie Torhüter Marko Dmitrovic, Linksverteidiger José Ángel, Mittelfeldspieler Joan Jordán oder Angreifer Charles sollen den Konkurrenzkampf weiter schüren. Als einer der Gewinner der Vorbereitung gilt Jordán, im letzten Jahr einer der stärksten Mittelfeldspieler im Unterhaus, der sich zum Start gar einen Platz in der ersten Elf ausrechnen darf.

Auch im vierten Jahr glänzt man in Eibar mit Zurückhaltung und stiller Arbeit, die zuletzt immer größere Früchte trug. In der kommenden Spielzeit scheint erneute eine gute Basis vorhanden, die Trainer Mendilibar noch mehr Tiefe im Kader bietet und dafür sorgen sollte, dass für die Basken auch diesmal ein Platz fernab der Abstiegsränge herausspringt.

Riesgo – José Ángel, Ramis, Paulo Oliveira, Capa – Inui, Escalante, Dani García, Pedro León – Kike, Enrich

 

Der erfolgreiche Abschluss einer komplizierten Saison, der Verbleib nahezu aller Leistungsträger und ein hoch dekorierter neuer Trainer, der nach einer gelungenen Vorbereitung für Zuversicht vor dem Saisonstart sorgte. Ein Einblick in die Gefühlslage in Málaga – im vergangenen Jahr. Was 2016 noch rosarot erschien, ist zu Beginn der Spielzeit 2017/2018 plötzlich tief schwarz. Nachdem Trainer Míchel nach seiner Einstellung im März eine schwierige Spielzeit äußerst positiv zu Ende brachte, schien der Klub nach den gewohnten Turbulenzen einmal mehr auf einem guten Weg. Doch im Sommer wurden mit der offensiven Lebensversicherung Sandro Ramírez sowie mit Ignacio Camacho und Pablo Fornals die beiden tragenden Säulen im Mittelfeld für insgesamt rund 30 Millionen Euro abgegeben. Die auf Schlüsselpositionen neu formierte Mannschaft verlor acht ihrer neun Testspiele und ist noch immer nicht endgültig fertiggestellt.

Darüber hinaus entwickelte sich im Sommer auch ein Machtkampf zwischen Míchel, Sportdirektor Francesc Arnau sowie Präsident Abdullah Al Thani, der das Chaos an der Costa del Sol perfekt macht. Al Thani, im letzten Jahr nach vielen Versäumnissen erstmals als fürsorglicher Präsident bekannt, ist inzwischen in alte Muster verfallen, sorgt durch ständige Polemik bei Twitter für Unruhe und steht durch seine Abwesenheit nahezu allen geplanten Spielertransfers im Weg. So muss Míchel derzeit den Kader verwalten der ihm eben zur Verfügung steht, seine Wunschspieler kamen in vielen Fällen nicht oder wechselten, wie im Falle von Betis-Zugang Javi García, zur Konkurrenz. Noch belasteter als das Verhältnis zwischen Präsident und Trainer ist die Beziehung von Al Thani zu seinem vor anderthalb Jahren installierten Sportdirektor, den er im Zuge des Abgangs von Fornals bei Twitter öffentlich bloßstellte.

All die Unruhe schlägt sich auch auf die Eindrücke auf dem Rasen nieder, wo defensiv zu viele Wackler zu erkennen waren und die offensive Ausbeute mit insgesamt bloß drei Treffern einer Katastrophe gleicht. Im Vergleich zum vergangenen Jahr kommt die Startelf stark verändert daher, Torhüter Roberto, Innenverteidiger Paul Baysse, Mittelfeldspieler und Trainersohn Adrián Gonzalez sowie Angreifer Borja Bastón besitzen die Klasse um sofort zu helfen, andere wie Abwehrspieler Diego González und der aus Argentinien verpflichtete Mittelfeldspieler Emanuel Cecchini müssen sich erst noch herantasten. So gibt es vor dem ersten Saisonspiel am Montag viel Unruhe, schlechte Eindrücke aus der Vorbereitung und noch kein erkennbares Gerüst, geschweige denn ein funktionierendes Offensivspiel. Grundsätzlich reicht die Qualität des Kaders für einen Platz im gesicherten Mittelfeld, weiter hoch kann es nur dann gehen, wenn alle Neuzugänge voll einschlagen und Akteure wie Jony, Keko oder Juanpi, die im letzten Jahr unter ihren Möglichkeiten agierten, diesmal ans Limit gehen können.

Roberto – Juankar, Luis Hernández, Baysse, Rosales – Kuzmanovic, Recio – Ontiveros, Juanpi, Mula  – Borja Bastón

 

Es ist Mitte August, der Saisonstart steht vor der Tür und beim FC Valencia hat die Transferphase gefühlt mal wieder gerade erst begonnen. Die Liste der Spieler, die den Verein noch verlassen dürften ist lang und mit Garay, Nani, Orellana und Cancelo auch durchaus namenhaft bestückt. Letzterer steht vor einem Wechsel zu Inter Mailand, von wo auch die wahrscheinlichsten Zugänge kommen werden, Jeison Murillo und Geoffrey Kondogbia stehen wohl kurz vor der Unterschrift. Der Kolumbianer Murillo soll nach dem Abgang von Garay die Innenverteidigung bilden zusammen mit Gabriel Paulista, ebenfalls erst heute pünktlich zum Saisonstart unter Vertrag genommen. Er trifft dort auf seinen ehemaligen Trainer bei Villarreal, Marcelino García Toral, auf den einiges an Integrationsarbeit zukommen wird. Doch zumindest hat Valencia nach zwei chaotischen Jahren, dem zuzutrauen ist, das Team wieder auf Kurs zu bringen. Über Marcelinos Ordnungssinn und sein schon dogmatisches 4-4-2 haben wir uns bereits zu seiner Villarreal-Zeit ausführlich ausgelassen. Auch in Valencia scheint er diesen Weg weitergehen zu wollen, inklusive der obligatorischen zentralen Mittelfeldspieler auf dem Flügel, in diesem Fall ist diese Rolle dem Senkrechtstarter der vergangenen Saison, Carlos Soler zugedacht.

Die größte offene Frage dürfte noch die Besetzung des anderen Flügels sein, fast alle möglichen Kandidaten scheinen vor dem Absprung zu stehen (Nani, Orellana, Cancelo), während Santi Mina eher im Sturm gebraucht wird, wo für zwei Positionen sonst nur noch Rodrigo und der nun fest verpflichtete Simone Zaza zur Verfügung stehen. Mit Nacho Gil und Rafa Mir ständen Leute aus dem eigenen Nachwuchs bereit oder aber, man wird auf den letzten Metern des Transferfensters noch einmal aktiv. Bereits länger fest steht der neue Keeper. Der Brasilianer Neto, zuletzt Juves Nummer Zwei hinter Buffon, kam schon Anfang Juli für Sechs Millionen Euro und ersetzte seinen Landsmann Diego Alves.

Wenn es Marcelino tatsächlich gelingt, Ruhe und Stabilität in den Verein zu bringen, kann und muss Valencia auch wieder ein Kandidat auf das internationale Geschäft sein. Nachdem man dieses Zwei Jahre in Folge verpasst hat, ist der Hunger auf große Europapokalnächste im Mestalla groß, die Konkurrenz kann sich warm anziehen.

Neto – Gaya, Paulista, Murillo, Montoya – Soler, Kondogbia, Parejo, Mina – Zaza, Rodrigo

 

Little Denmark in Galicia. Bereits drei dänische Nationalspieler verpflichtete Celta die vergangenen zwei Jahre. Nun schaute man erneut in den Norden und präsentierte … einen Slovaken. Stanislav Lobotka vom FC Nordsjaelland ist einer der beiden Königstransfers des Sommers, daneben kommt Maxí Gómez direkt aus Uruguay. Beide sind Anfang 20 und zeigen, dass Celta auch im Angesicht  der Transfereinnahmen der letzten Jahre der Devise treu bleibt, junge Spieler zu verpflichten und zu entwickeln. Für Gómez könnte diese Entwicklung schneller kommen als gedacht angesichts einer starken Vorbereitung und der Verletzung von Mittelstürmer John Giudetti, der noch mindestens einen Monat ausfällt. Lobotka hat da deutlich mehr Konkurrenz, neben den Stammkräften Wass und Hernandez kehrt auch Jozabed Sánchez endlich fest auf die La Liga Bühne zurück und bietet dem neuen Coach Juan Carlos Unzué eine Auswahl im Mittelfeld, die sein Vorgänger Eduardo Berizzo selten hatte.

Überhaupt ist die Personalie Unzué vielleicht die interessanteste des Sommers in Galizien. Mit dem Navarrer, der als Co-Trainer unter Luis Enrique und zuvor schon als Torwart-Trainer unter Pep Guardiola und Frank Rijkaard aktiv war, betritt ein weiterer Coach aus der Barcelona-Schule die La Liga-Bühne. Auch wenn sich davon in der Vorbereitung noch wenig zeigte, auf interessanten Fußball darf man sich von den Celestes weiterhin einstellen, eine erneute Qualifikation für den Europapokal wäre allerdings wieder eine Überraschung

Blanco – Jonny, Cabral, Roncaglia, Mallo – Hernandez, Radoja, Wass – Sisto, Giudetti, Aspas

 

Was macht man, wenn nicht nur der Trainer den Verein verlässt, sondern auch einer der beiden Schlüsselspieler der vergangenen sehr erfolgreichen 1,5 Jahre? Richtig, nichts. Der Abgang von Roque Mesa zu Swansea riss ein riesiges Loch ins Mittelfeld der Kanaren. Angeblich diskutierten Trainer und Vereinsführung daraufhin mögliche Neuverpflichtungen – und entschieden sich dagegen. Um so bemerkenswerter als das Mesas ehemaliger Partner in der Zentrale, Vicente Gomez, zum Saisonbeginn verletzt ausfällt und der mögliche Vertreter Javi Castellano selbst erst von einer Verletzung zurückkommt, die ihn beinahe die komplette letzte Saison außer Gefecht setzte, ganze 93 Ligaminuten standen für ihn zu Buche. Und so war ein Nachwuchsspieler der Gewinner der Vorbereitung. Fabio Gonzalez überzeugte als Verbindungsspieler zwischen Offensive und Defensive auf ganzer Linie und wird die Saison wohl mit dem A-Team bestreiten. Zumindest bis zur Rückkehr von Vincente Gomez könnte ihm sogar ein Stammplatz beschieden sein. Weitere Versuche, die Baustelle zu beheben, könnten sein, Alvaro Lémos auf die Sechs zu stellen oder das Team im noch klassischeren 4-1-4-1 als unter Setién mit fünf Offensivkräften aufzustellen, wobei dies bedeuten würde, dass der verbliebene Schlüsselspieler Jonathan Vieira eine noch tiefere Rolle einnehmen müsste als gewohnt.

Neben der Großbaustelle Mittelfeld gab es allerdings auch positive Schlagzeilen. Mit dem spanischen Nationalspieler Vitolo gelang den Kanaren ein nicht für möglich gehaltener Zugang. Diesen zog es im Sommer von Sevilla zu Atlético, die jedoch aufgrund von Sanktionen in dieser Transferphase keine neuen Spieler registrieren dürfen. Die Folge, eine halbjährige Leihe in die Heimat, Vitolo stammt von Gran Canaria und spielte bereits in der Jugend für Las Palmas. Dazu kommen zwei Neue leihweise vom Investorenclub Maldonado. Insbesondere Jonathan Calleri ist kein unbekannter. Er stürmte für Argentiniens Olympiateam, wurde hochgepriesen, sein erster Europaausflug zu West Ham ging allerdings gründlich daneben. Nun soll er bei Las Palmas Kevin-Prince Boateng ersetzen, der dort vergangene Saison zumeist die Stürmerposition bekleidete.

Erwähnenswert vielleicht noch die Torhüterposition. Nach dem Abgang von Javi Varas griff man in der zweiten italienischen Liga bei Spezia Calcio zu. Leandro Chichizola soll als Stammkeeper in die Saison gehen. Zumindest mal ein Zeichen, dass man allerorts die Augen offen hält. Insgesamt wird es schwer werden ohne Erfolgstrainer und einen der Stars die erfolgreichen Jahre seit dem Aufstieg zu wiederholen, als man eigentlich nie in Abstiegsgefahr geriet. Unter dem neuen Coach Manolo Márquez muss sich das Team erstmal finden und wird wohl um den Klassenerhalt kämpfen

Chichizola – D.Castellano, Bigas, Lemos, Simón – Fabio, Gómez, Vieira – Vitolo, Calleri, Tana

 

Tabellarisch seit dem Wideraufstieg im grauen Mittelfeld, doch auf dem Transfermarkt sorgt Real Betis mal wieder für Wirbel wie ein ganz Großer. Mit Quique Setién ist ein neuer Trainer da, der zuletzt bei Las Palmas mit deutlich geringeren Mitteln sehr gute Arbeit leistete, doch die Einkaufpolitik wirkt chaotisch wie eh und je. Dabei gelangen einige wirklich hervorragende Schnäppchen, viele der Neuen sind bekannte Spieler aus allerlei Ligen Europas und doch bleibt am Ende ein Zweifel, ob dabei ein Team herauskommt, das sich in der oberen Tabellenhälfte festsetzen kann, wo der Verein angesichts der Möglichkeiten und der Fanbasis hingehören würde. Dieser Eindruck wird nicht besser angesichts einiger schwerwiegender Abgänge. Top-Talent Dani Ceballos, der bei Madrid unterschrieb und Rubén Castro, zuletzt mit seinen Toren jahrelang die Lebensversicherung der Béticos, der einen seltsamen halbjährigen Leihwechsel nach China abschloss, sind dabei nur die gravierendsten. Ebenso verließen Rechtsverteidiger Cristiano Piccini sowie Abwehrchef Germán Pezella den Club. Für die letzten beiden wurden die England-Legionäre Barragán und Jordi Amat, die beide eine eher unglückliche Rückrunde auf der Insel erlebten, leihweise in La Liga zurückgeholt, zudem kam für die Innenverteidigung der Ligaerprobte Marokkaner Zouhair Feddal von Alavés.

Die Mittelfeldzentrale wurde komplett neu Aufgestellt, mit Javi García und Andrés Guardado kamen erfahrene Akteure, dazu mit Victor Camarasa ein  ehemaliger spanischer Juniorennationalspieler, der letzte Saison bereits mit Alavés eine hervorragende Saison spielte und für den man immerhin Sieben Millionen Euro an Aufsteiger Levante überwies. Für eine ähnliche Summe verpflichtete man zudem den Akteur von dem man sich wohl im Verbund mit Camarasa die Ceballos-Nachfolge erhofft. Der algerische Nationalspieler Ryad Boudebouz vom HSC Montpellier soll künftig auf der Zehn das Spiel der Andalusier lenken. Weiter ging die wilde Einkauftour mit Barcas Flügelflitzer Cristian Tello, zuletzt in der Serie A für die Fiorentina aktiv, während man im Sturm für die Castro-Nachfolge Sergio León präsentieren konnte. Der 28-jährige Spätstarter wurde von der halben Liga gejagt, nachdem er letztes Jahr einer der wenigen Lichtblicke bei Absteiger Osasuna war, nun soll er in Andalusien gemeinsam mit Antonio Sanabria für mindestens ein halbes Jahr die unmögliche Aufgabe übernehmen, Rubén Castro zu ersetzen.

Viele der neuen sind Rückkehrer in La Liga, man setzt eindeutig auf Erfahrung und Bekanntes, um endlich weiter oben mitspielen zu können. Wie Coach Setién spielen lassen will ist angesichts der diversen Optionen schwer zu sagen, viel Zeit für Misserfolge wird er in jedem Fall erfahrungsgemäß kaum bekommen.

Adán – Durmisi, Mandi, Feddal, Barragán – Guardado, J.Garcia – Tello, Boudebouz, Joaquín – León

 

Der Top-Transfer, auf den in A Coruña alle warten, ist immer noch nicht fix. Lucas Pérez war Top-Torjäger der Galizier, eher er vergangenen Sommer doch recht überraschend zum FC Arsenal wechselt. Etwas weniger überraschenderweise konnte er sich dort nicht durchsetzen und steht jetzt nach der Verpflichtung von Lacazette, endgültig vor dem Aus. Sein Ziel soll dabei die Rückkehr nach Nordspanien sein, wo er vor kurzem noch seine erfolgreichste Zeit hatte. Dies würde den Weg frei machen, für den aktuellen Top-Stürmer dort. Florin Andone soll seinerseits den Weg auf die Insel anstreben, der FC Burnley soll auch für den rumänischen Nationalspieler bereit sein, eine zweistellige Millionensumme zu zahlen. Im Zweifel wurde bereits vorgesorgt und mit Adrián López ein Stürmer verpflichtet, der seine La Liga Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat und nun vom FC Porto bereits die Dritte Saison in Folge zurück nach Spanien verliehen wird.

Dahinter zieht entweder der Mitunter geniale Emre Colak die Fäden oder man bietet ein körperlich sehr präsentes Mittelfeld aus Guilherme, Borges und Mosquera auf. Eine neue interessante Option ist zudem Uruguays fast U20-Weltmeister, der aus dem Nachwuchs von Real Madrid ausgeliehen wird. Des Weiteren mit an Bord: Fabian Schär von der TSG Hoffenheim. Der Schweizer Nationalspieler  dürfte aber auch in Galizien mehr Konkurrenz finden als ihm lieb ist, Arribas und Sidnei sind ein eingespieltes Duo. Als eine der wenigen Mannschaften in La Liga dürfte bei Deportivo eine Schwachstelle die Torwart-Position sein. Germán Lux kehrte im Sommer nach Argentinien zurück und Ersatzkeeper Przemyslaw Tyton überzeugte vergangene Saison nicht wirklich. So scheint nun der 33-jährigen Rubén Martínez das Vertrauen zu bekommen. Seine letzte Saison: Hinrunde als 3. Keeper bei Depor, Rückrunde als Nummer Zwei auf Leihe bei Anderlecht. Mit einer stabilen Defensive vor sich und vorne wohl auf jeden Fall mindestens einem starken Torjäger könnte Deportivo tatsächlich einmal eine Saison frei von Abstiegssorgen erleben.

Rubén – Luisinho, Sidnei, Arribas, Juanfran – Guilherme, Borges – Bakkali, Colak, Gil – Andone/Lucas

 

Schon der erstmalige LaLiga-Aufstieg von CD Leganés im vergangenen Sommer war eine echte Überraschung des spanischen Fußballs, umso größer war ein Jahr später das Erstaunen, als sich die Pepineros zum Ende der Saison 16/17 als 17. tatsächlich im Oberhaus halten konnten. Mit 35 Punkten aus 38 Spielen hatte man den Klassenerhalt in erster Linie der unterirdischen Saison der drei Absteiger zu verdanken, dennoch stand am Ende ein gewaltiger Erfolg für den kleinen Madrider Vorortklub.

Damit sich die letztjährigen Erfolge im beschaulichen Estadio Butarque wiederholen, nahm Lega im Sommer mehr Geld als je zuvor in die Hand, investierte besonders in die Stärkung der Defensive. Nach zahlreichen Leihen im letzten Jahr wurden die erhofften Leistungsträger nun fest verpflichtet, so wie die schon im letzten Jahr geliehenen Rechtsverteidiger Tito und Innenverteidiger Dimitrios Siovas, dem mit Ezequiel Muñoz ein hochklassier Nebenmann an die Seite gestellt wurde. Für 600.000 Euro, 3 Millionen und 2,5 Millionen wurde der defensive Dreizack eingekauft, sodass Trainer Asier Garitano im hinteren Bereich auf eine sichere Bank bauen dürfte.

Vorne blieb der Kader hingegen nahezu unangetastet, wichtig war vor allem der Verbleib des offensiven Mittelfeldspielers Gabriel sowie Standard-Spezialist Alexander Szymanowski. Sie beide sollen nach Möglichkeit einem Torjäger zuarbeiten, doch den sucht man in den Reihen der Pepineros bislang noch vergebens. Weder Miguel Ángel Guerrero noch Mamadou Koné ließen bislang erkennen, dass sie ausreichende Qualität für diese Rolle besitzen, doch eine bessere Alternative ließ sich bislang nicht finden. Wie schon letztes Jahr muss Leganés abwarten, welche günstige Gelegenheit sich möglicherweise zum Ende der Transferperiode noch ergibt, wodurch das Aufgebot zum Start noch erkennbare Defizite aufweist.

„Wir gehen in guter Form in die Saison und ich werde niemals nach Ausreden suchen. Wenn es bei diesem Kader bleibt, werden wir damit am ersten Spieltag, am zweiten und am 38. alles geben“, zeigte sich Trainer Garitano vor dem Start entschlossen, ließ gleichzeitig aber auch seinen Wunsch nach weiteren Verstärkungen anklingen.

Die zweite Saison im Oberhaus wird für Leganés definitiv schwerer als die erste, schließlich wird es im Keller nicht nochmal ein solches Freilos geben wie im letzten Jahr. In der Defensive scheint die Mannschaft gut gerüstet um das Ziel Klassenerhalt anzugehen, doch nur, wenn vorne noch ein Mann mit Klasse kommt, wird man sich in Butarque auch ein weiteres Mal entscheidend behaupten können.

Cuéllar – Rico, Muñoz, Mantovani, Zaldúa – Rubén Pérez – Szymanowski, Gabriel, Eraso, Omar – Guerrero

 

In souveräner Manier dominierte Levante im vergangenen Jahr die Segunda División, stieg am Ende mit satten 16 Punkten Vorsprung auf einen Aufstiegs-Relegationsplatz auf. Dennoch ebbten die früh aufkommenden Diskussionen um Trainer Juan Ramón López Muñiz erst dann ab, als die beeindruckenden Zahlen auch dem letzten Kritiker kaum mehr Argumente für ein Votum gegen den 48-Jährigen gaben. Genau genommen erst, als der Aufstieg bereits Wochen vor Saisonende endgültig feststand. Dennoch steht Muñiz weiterhin unter genauer Beobachtung, umso mehr in Liga eins, wo Levante nach dem direkten Wiederaufstieg nun einem erneuten Abstieg entgehen will.

Angriffsfläche bot Muñiz nicht im Hinblick auf seine Ergebnisse, dafür aber mit der Art und Weise, wie diese zustande kamen. Tatsächlich spielten die Granotas selten wie der klare Ligaprimus, vielmehr lebte man von einer sicheren Defensive, dem hochwertigen Mittelfeld um den früheren U21-Nationalspieler José Campaña sowie Torjäger Roger Martí, dessen 22 Saisontreffer zahlreiche wichtige Punkte bescherten. Dem Spiel an sich fehlte es häufig an kreativen Impulsen, an Intensität und taktischer Raffinesse. Nicht ganz aus der Luft gegriffen wirkte daher der Vorwurf, die individuelle Klasse habe die Mannschaft zurück in La Liga gehievt, nicht etwa die gute Arbeit des Trainers.

Im Oberhaus wird dieser Qualitätsvorteil nun nicht mehr bestehen, ganz im Gegenteil. Mit Blick auf die individuelle Klasse geht Levante als Abstiegskandidat in die Saison, nicht zuletzt, weil sich Roger in der Vorbereitung schwer am Knie verletzte und wegen eines Kreuzbandrisses weite Teile der Spielzeit verpassen wird. Mit dem Geld, das es für die Verkäufe der im letzten Jahr an Alavés ausgeliehenen Victor Camarasa und Deyverson gab, wurden zahlreiche Baustellen des Kaders angegangen, vor allem mit der Verpflichtung junger Spieler: Cheick Doukouré und Enis Bardhi im Mittelfeld sowie Ivi und Emmanuel Boateng. Sie alle kamen allerdings erst spät, verpassten weite Teile der Vorbereitung. Per Leihe ergänzten immerhin Alex Alegría und Sasa Lukic den Kader, doch auch auf sie trifft ein großes Problem zu: Potenzial ist durchaus vorhanden, doch es fehlt bislang an konkreten Leistungsnachweisen auf allerhöchstem Niveau. Die Neuen können einschlagen, doch ihr Leistungsvermögen ist ungewiss.

Dementsprechend geht Levante als Aufsteiger einer schwierigen Saison entgegen. Als Pluspunkte lassen sich die unaufgeregte Art von Trainer Muñiz und dessen gute taktische Arbeit in der Defensive werten, auch das Umfeld mit seiner euphorischen Haltung und einem neuen Rekordabsatz bei den Dauerkarten bieten einen guten Rahmen. Doch in rein sportlicher Hinsicht wird es für die Granotas ein harter Kampf, in der Endabrechnung nicht einen der letzten drei Tabellenplätze zu belegen.

Raúl Fernández – Toño, Postigo, Chema, Iván López – Lerma, Doukouré – Ivi, Campaña, Morales – Alex Alegría

 

Der größte Gefallen, den Manchester City dem FC Girona, einem in den letzten Jahren immer stärker eingebundenen Mitglied des Imperiums der City Group, tun konnte, war ein Testspiel. Zum Abschluss der Saisonvorbereitung gastierte die Auswahl von Trainer Pep Guardiola Anfang der Woche im beschaulichen Estadi Montilivi und ließ sich in B-Besetzung mit 1:0 besiegen. Bei den Katalanen, die zum ersten Mal in der 77-jährigen Vereinsgeschichte in La Liga antreten, entfachte der Sieg über das fußballerische Schwergewicht eine Menge positiver Energie, die es vor dem Auftakt zu Hause gegen Atlético Madrid gebraucht hatte. Dass Sportdirektor Quique Cárcel anschließend zu bedenken gab, dass am Kader noch „eine ganze Menge zu machen“ wäre, ging in der allgemeinen Freude ein wenig unter.

Auch wenn die Vorfreude im Umfeld auch zuvor riesig war, das um gut 4.000 Plätze auf eine Kapazität von 13.500 Zuschauern ausgebaute Stadion in der Regel ausverkauft sein wird, fehlte es nach einer schwachen und komplizierten Vorbereitung noch am entscheidenden Erfolgserlebnis. Doch die für viele Aufsteiger typische „Euphoriewelle“, die etwas verlorene positive Dynamik nach dem Aufstieg hielt wieder Einzug und sorgte dafür, dass die vielen Defizite der vorigen Wochen ein wenig in den Hintergrund rückten.

Denn anders als in den Vorjahren, in denen Cárcel mit exzellenter Personalpolitik einen starken und auf jeder Position doppelt besetzten Kader auf die Beine stellte, waren ihm diesmal von Beginn an die Hände stark gebunden. Begründet liegt die Zurückhaltung in den Interessen des Kooperationspartners aus Manchester, der in Girona ein Farmteam aufbauen will und bisher bereits fünf Spieler per Leihe nach Katalonien beorderte. Weitere sollen noch folgen, allerdings in Abhängigkeit von den Planungen der Skyblues, die sich weiterhin nach jungen Investments umsehen, deren Marktwert sich in Spanien steigern lässt. Der bisher beste Griff ist dabei Rechtsverteidiger Pablo Maffeo, der bereits in der vergangenen Rückrunde an Girona verliehen war und eine exzellente Vorbereitung absolvierte. Wie viel beispielsweise vom 19-jährigen Brasilianer Douglas Luiz zu erwarten ist, den City direkt nach seiner Verpflichtung für 12 Millionen Euro nach Katalonien beorderte, wird sich zeigen.

Girona muss letztlich schauen, was noch vom himmelblauen Laster fällt, um sich in der Endphase der Transferperiode entscheidend zu verstärken. Gerade in der Offensive drückt der Schuh, mit Cristhian Stuani stand lange Zeit lediglich ein Mittelstürmer zur Verfügung, ehe einen Tag vor dem Saisondebüt der Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga, Olarenwaju Kayode, aus Manchester ausgeliehen wurde. So erweist sich der Deal mit der City Group bisher als äußerst zweischneidiges Schwert, schließlich kann der Klub die eigentliche Politik, die ihn in den letzten Jahren so stark machte, nur bedingt weiterführen.

Entsprechend kommt es umso mehr auf die Qualitäten von Erfolgstrainer Pablo Machín an, der den Klub bei seiner Ankunft im März 2014 vor dem fast sicheren Abstieg in Liga drei bewahrte und anschließend in seinem 3-5-2 zu einem Topteam der Segunda División entwickelte. Gerade in der Defensive ist die Mannschaft nur schwer zu bespielen, mit Torhüter Gorka Iraizoz und den erfahrenen Innenverteidigern Bernardo Espinosa und Marc Muniesa hat die Defensive an Qualität gewonnen, davor agiert mit Pere Pons ein wahrer Staubsauger im defensiven Mittelfeld, dessen erste Schritte im Oberhaus mit Spannung zu beobachten sein werden. Neben dem 23 Jahre alten Eigengewächs, nach einer jüngsten Vertragsverlängerung bis 2020 an den Klub gebunden, werden mit Borja García und Portu auch weitere Leistungsträger des letzten Jahres das Mittelfeld bekleiden.

Während die Defensive und das Mittelfeld bis auf einen Posten auf der linken Außenbahn qualitativ und quantitativ gut besetzt sind, ist Girona in der Offensive noch auf die Gnaden von Manchester City angewiesen, um den Kader gerade in der Sturmspitze weiter zu verstärken. Wenn sich dort noch ein, zwei gute Griffe tätigen lassen, bestehen dank einer guten Basis und der Arbeit von Trainer Machín durchaus Chancen auf den Klassenerhalt.

Iraizoz – Muniesa, Alcalá, Espinosa  – Aday, Borja García, Pons, Granell, Maffeo – Portu, Stuani.

Über die Relegation schaffte der Club aus dem Großraum Madrid den direkten Wideraufstieg. Damit es nicht gleich wieder nach unten geht wurde kräftig aufgerüstet. Mit Alejandro Faurlín verließ lediglich ein wichtiger Leistungsträger aus der Aufstiegssaison den Club, auf der anderen Seite stehen 17 Neuzugänge für ein Transfervolumen von geschätzten 12 Millionen Euro. Die Einkaufsphase scheint abgeschlossen, der Kader umfasst derzeit 26 Spieler, nicht eingerechnet die bereits aussortierten van den Bergh, Feltscher und Yoda. Trainer Pepe Bordalás scheint auf einen starken Konkurrenzkampf wert zu legen, denn die im Kader Verbliebenen sind fast durchgehend Stammspieler der Aufstiegssaison. Einige davon wurden nun fest verpflichtet, darunter die Ex-Béticos Portillo, Pacheco und Chuli. Dazu kommt mit Innenverteidiger Bruno González ein weiterer Spieler von den Andalusiern. Neben Betis bediente man sich auch traditionell wieder bei den großen Nachbarn aus Madrid, wo es erfahrungsgemäß nicht alle Talente schaffen. Dieses Jahr sind es Emiliano Velázquez, Álvaro Jiménez und Stürmer Amath Ndiaye, die den Umweg Getafe versuchen. Top-Torjäger Jorge Molina, übrigens ebenso ein Mann mit Betis-Vergangenheit, bekommt außerdem Konkurrenz durch Ángel Rodriguez, letztes Jahr ebenso wie Molina selbst einer der erfolgreichsten Torjäger der Segunda División in Diensten von Real Zaragoza.

Im Kader steckt einiges an Potential. Dass dies für den Klassenerhalt nicht ausreicht, sah man letzte Saison am Beispiel Granada. Trainer Bordalás steht vor allem vor der schwierigen Aufgabe, einen Stamm an zuverlässigen Spielern zu finden. Fast unvermeidlich, dass dabei auch der ein oder andere talentierte Neuzugang auf der Strecke bleibt.

Guaita – Antunes, Bruno, Cala, Damian Suárez – Bergara, Shibasaki – Pacheco, Fajr, Portillo – Molina 

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