Vor ein paar Stunden hat Leeds United ein neues Logo vorgestellt. Das Logo ist zwar kein absoluter Reinfall und war eigentlich gut gemeint, doch zeigt eine kleine Identitätskrise auf und es hagelte Kritik. Marco, der Leeds United-Fan ist, hat einen Blick auf den Vorgang geworfen und was es bedeutet, ein geliebtes Logo zu verlieren.

Seit Kindheitstagen bin ich Leeds United-Fan. Es war Liebe auf dem ersten Blick als ich im Alter von 5-6 Jahren vor dem Fernseher saß und einer mir unbekannten Mannschaften in gelben Trikots zujubelte, von der mir mein Vater einst einreden wollte, dass es sich um Real Madrid handle, da sie an dem Tag in ihren typisch weißen Trikots spielten. Doch ich erkannte das Logo, liebte und merkte mir es. Bis heute liebe ich dieses Logo. Der maritime Touch bedingt durch die White Rose of Yorkshire, die mich als Kind an ein Schiffsrad erinnerte und die seltene Farbkombination brannten sich in mein Hirn ein. Dabei sah die Logos davor ganz anders aus. Die vorherigen Logos bestanden entweder aus der White Rose of Yorkshire, dem Kürzel „LU“ oder einem Logo mit einem Pfau. Doch für mich war das Leeds-Shield etwas Besonderes.

Ich stehe Re-Designing im Grunde sehr positiv gegenüber, insofern sie gut umgesetzt wurden. Das Juventus-Logo beispielsweise ist zwar designtechnisch ein sehr gutes und einzigartiges, wirkt jedoch zu agentur-artig und hat meiner Meinung nach die Verbindung zum Fußball verloren. Das neue Leeds United-Logo wirkt jedoch nicht nur wie ein Firmenlogo, sondern ist auch das Design beliebig austauschbar und keinesfalls einzigartig.

Seit der Übernahme von Andrea Radrizzani ist Leeds nicht nur wieder auf einem guten Weg, sondern der Verein, die Fans und die Community steht im Vordergrund. Was könnte man sich als Fan mehr wünschen? Radrizzani verbringt Zeit mit den Fans, kaufte die Elland Road mit den Worten „it’s our home“ und versucht die Leidenschaft der Fans auch in den Verein und die Spieler zu bringen. So scheinbar auch die Idee beim neuen Logo.

Über die letzten sechs Monate wurden 10.000 Fans befragt, deren Antworten an eine Agentur weitergegeben wurden, die daraus ein Logo erschaffen sollte. Man kann sich wohl denken wie oft „Leidenschaft“, „Kampfgeist“ und „doing it for the badge on the shirt, not for the name on the back“ genannt wurden. Für jede Agentur ist schnell klar: Wir brauchen etwas das sehr typisch für den Verein ist. Typisch für Leeds United-Fans und Eigengewächse ist der Leeds-Salute. Ein Klopfen auf das Herz oder Logo mit der Seite der rechten Faust. Was anfangs eher unter Fans sehr verbreitet war, kam schließlich immer öfter zu beliebten Spielern, die meist aufgrund ihrer Leidenschaft oder ihres Kampfgeistes beliebt waren – etwas wofür das neue Leeds United scheinbar stehen soll. Mittlerweile wurden gar Neuverpflichtungen mit Videos vorgestellt, in denen sie den Leeds-Salute machen. Selbst wenn der Spieler nur verpflichtet und sofort an Kooperationsverein Cultural Leonesa verliehen wurde. Es wirkte schon fast wie ein propagandistische Marketing-Strategie. „Unser Salute“, „our home“, „we are Leeds“, …

Das Logo ist, sicherlich bedingt aufgrund von Andrea Radrizzanis Herkunft, sehr amerikanisch angehaucht und wirkt nach einem schmerzhaften Versuch die Identität des Vereins mit etwas Offensichtlichem, das in den letzten Jahren viel zu oft für Marketing-Zwecke benutzt wurde, einzufangen: dem Leeds-Salute. Die Idee ist eigentlich eine sehr gute und zeigt nur, wie sehr Radrizzani und seine Kollegen probieren ihren eingefangen Eindruck in ihre Taten umzusetzen, doch der Schuss ging leider gewaltig nach hinten los.

Ein weiteres Problem ist das Statement der LUFC Trust, die noch Anteile am Verein hält. Die Trust vertritt die Meinung der Fans und hat einen Platz am Board des Vereins, doch in ihrem Statement sagten sie, dass ihnen gestern das neue Logo vorgelegt wurde und obwohl es ihnen nicht gut „gefiel, aber Geschmäcker ja verschieden seien“, war ihre Meinung irrelevant, da gute Argumente vorgelegt wurden und ja genügend Fans befragt wurde. Jedoch sollte die Trust die Meinung der Fans vertreten, dafür ist sie schließlich da. Zwar ist es wirklich lobenswert, dass Fans überhaupt befragt wurden, doch die Suche nach Schlagwörtern, damit eine Werbeagentur ein Profil erstellen kann, und das fertige Logo dann der Trust vorzulegen, die damit gar keine Möglichkeit mehr hatten ein Veto einzulegen, ist eine Art, die einen sehr bitter Beigeschmack hinterlässt. Es wirkt dadurch als wäre die Meinung der Fans nur peripher von Wert und entzieht der Trust damit auch jeglichen Mehrwert. 

Der Aufschrei war groß und binnen drei Stunden nach Veröffentlichung des Logos wurden auf change.org bereits 16.000 Unterschriften zum erneuten Wechsel des Logos unterschrieben. Womöglich eine Chance für den Verein sich stärker zu positionieren und mit den Fans näher zusammenzurücken. Ein neues Logo oder eine Auffrischung wäre sicherlich nicht uninteressant, auch wenn natürlich einige Kritiken nie verstimmen werden, da der Mensch ein Gewohnheitstier ist und für manche jegliche Änderungen ein No-Go sind. Nichtsdestotrotz gibt es auch positive Beispiele, bei denen ein Logo-Fauxpas am Ende ein gutes Ende nahm, so beispielsweise bei Everton. Die Toffees kritisierten das Logo, die Zahl der Merchandise-Produkte ging stark zurück und Fans boten ihre Hilfe. Nur ein paar Monate später wurde ein neues Logo geschaffen, mit dem (fast) alle Seiten glücklich waren.

Es war ein gutgemeinter Versuch, der nach hinten losging. Nun heißt es gemeinsam eine Lösung zu finden. In dem Sinne: Marching on together. 
 
 

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Written by Marco
Co-Gründer von Cavanis Friseur, schreibt hauptsächlich über den englischen Fußball und ist riesiger Leeds United-Fan.