Am 30. Oktober 2014 war es soweit: Nur drei Tage nachdem sich die Chivas USA aufgelöst hatten, wurde Los Angeles ein zweites MLS-Team zugesagt.

Leitende Köpfe hinter dem Verein waren zu diesem Zeitpunkt Henry Nguyen (u.a. geschäftsführender Gesellschafter der „IDG Ventures Vietnam“), Peter Guber (CEO der „Mandalay Entertainment Group“ und Mitbesitzer der Golden State Warriors (NBA)) und Tom Penn (Mitbegründer und Präsident des „Sports Leadership Institutes“).

„Wir denken, dass das Team einer der aufregendsten Vereine der MLS werden kann“, so Nguyen auf der Pressekonferenz 2014. Schaut man sich den weiteren Verlauf des „Franchises“ an, so kann man sagen, dass Nguyen Recht behalten sollte.

Nach und nach interessierten sich immer mehr Größen aus Industrie und Sport für den Verein aus der Weltmetropole. Mittlerweile besteht die „Ownership-Group“ aus 30 Personen. Zu den bekanntesten zählen der ehemalige Basketballprofi Earvin „Magic“ Johnson und Schauspieler und Comedian Will Ferrell. Aufgrund der Vielzahl von potenten Mitbesitzern spielt Geld natürlich eine eher untergeordnete Rolle bei LAFC.

Neben den eigenen Geldern, konnten sie ebenfalls einige große Sponsoren an Land ziehen. „YouTube“, „Google“, „Delta Airlines“, „Heineken“ und „Toyota“ zählen zu den Hauptsponsoren des Vereins.

Größter Sponsor des LAFC dürfte jedoch die „Banc of California“ sein. Das US-amerikanische Kreditinstitut sicherte sich die Stadionnamensrechte für 15 Jahre. Das Gesamtvolumen des Sponsoringvertrags beläuft sich auf 100 Millionen US-Dollar.

Spielerverpflichtungen ließen trotz großen Budgets recht lange auf sich warten. Erst am 23. März 2017 wurde mit Carlos Alvarez der erste Spieler der Vereinsgeschichte vorgestellt. Der in LA geborene Mittelfeldspieler wurde direkt an LAFCs Farmteam Orange County in die USL verliehen. Jedoch wurde der 27-Jährige noch vor Saisonstart entlassen.

Mittlerweile verdient er seine Dollars wieder in der USL. Diesmal bei den Las Vegas Lights. Da die Transfers wie erwähnt längere Zeit auf sich warten ließen, wurde die Stimmung im Umfeld des LAFCs etwas unruhig. Gerade die Fans des LA Galaxys blickten hämisch zu ihren Nachbarn. Doch das lange Warten sollte sich letztendlich auszahlen.

Am 27. Juli 2017 präsentierte man mit Bob Bradley den ersten Trainer der Vereinsgeschichte. Mit dem Vater von Toronto-Kapitän Michael Bradley verpflichtete man einen Trainer mit einer Menge Erfahrung. Elf Trainerstationen konnte der 60-Jährige vorweisen.

Unter anderem als Nationaltrainer der US-Amerikanischen, sowie Ägyptischen Nationalmannschaft. Seine größten Erfolge waren der MLS Cup Gewinn 1998 mit Chicago Fire, sowie der US Open Cup Gewinn 1998 und 2000 (ebenfalls mit Chicago). Als Nationaltrainer gewann er 2007 den CONCACAF Gold Cup mit den USA.

Einen Monat später gab Carlos Vela selbst via „Twitter“ bekannt, dass er sich LAFC anschließen wird. Damit wurde der 28-jährige Mexikaner der erste „Designated Player“ der Vereinsgeschichte. Medienberichten zu Folge lag die Ablöse bei rund fünf Millionen Euro.

Die Verpflichtung des mexikanischen Nationalspielers war das erste große Ausrufezeichen des Clubs. Danach legten sich die Verantwortlichen richtig in’s Zeug und stellten eine sehr ausgewogene Mannschaft zusammen. Mit Benny Feilhaber, Jordan Harvey und Dejan Jakovic verpflichtete man absolute MLS-Veteranen.

Als Kapitän holte der LAFC Laurent Ciman aus Montreal. Der Wechsel des 32-jährigen Belgiers sorgte allerdings für Wirbel: Wie der kanadische Journalist Patrick Leduc dem belgischen TV-Sender „RTBF“ mitteilte, wurde der Wechsel Cimans ohne dessen Einwilligung durchgeführt. Dies ist in der MLS möglich, da die Spieler ihre Verträge mit der Liga selbst abschließen und diese lediglich die Rechte an die Vereine „verteilt“. Im Gegenzug erhielt Montreal Angreifer Raheem Edwards und Abwehrspieler Jukka Raitala.

Hinzu kommen auch private Gründe. Ciman wechselte 2015 nach Montreal, da seine Tochter an Autismus erkrankte und sich in Montreal ein renommiertes Behandlungszentrum für an Autismus erkrankte Menschen befindet. Mittlerweile haben sich die Wogen allerdings wieder geglättet. Ciman fühlt sich wohl in Los Angeles und seine Tochter verkraftete den Umzug bestens.

Als zweiten „Designated Player“ verpflichtete der LAFC den 20-jährigen Uruguayer Diego Rossi für zwei Millionen Euro. Dass der ehemalige U20-Nationalspieler sein Geld wert ist, zeigte er bereits in den vergangene fünf Spielen. Vier Tore und zwei Vorlagen konnte Rossi bislang verbuchen und liegt damit zusammen mit Vela auf Platz 1 der internen Scorerliste.

Mit dem Saisonverlauf ist man in LA bislang recht zufrieden. Drei Siege (darunter ein 5:1 gegen Real Salt Lake City) konnte Bradley mit seiner Mannschaft bisher einfahren.


Video: Carlos Vela und LA FC im Porträt

Allerdings stehen diesen auch zwei Niederlagen entgegen. Weltweit hat dort natürlich die 3:4-Niederlage gegen Stadtrivalen Los Angeles Galaxy im ersten „El Trafico“ für Aufsehen gesorgt. Dies war das erste Spiel von Superstar Zlatan Ibrahimovic, welcher auch gleich zwei Tore zum Sieg seiner Mannschaft beisteuerte. Besonders bitter: LAFC führte zwischenzeitlich mit 3:0.

Im darauffolgenden Spiel gab es die erste Klatsche. 0:5 musste man sich gegen Atlanta United geschlagen geben. Das letzte Spiel gegen die Vancouver Whitecaps konnte man dann aber wieder mit 2:0 für sich entscheiden. Vela und Rossi konnten jeweils ein Tor beisteuern.

Insgesamt sieh man bei LAFC wo der Weg der MLS hingehen soll: Weg von den Verpflichtungen von alten, satten Europäern, hin zu jungen, hungrigen Spielern. Oder wie bei Vela, hin zu Spielern im besten Fußballalter.

Schafft man es den Schwung aus den ersten Spielen mitzunehmen und bleiben Leistungsträger wie Vela und Rossi fit, wird der Einzug in die MLS Cup Playoffs reine Formsache sein.
 


Dies war ein Gastbeitrag von Dominic Becker
Dominic Becker ist 23 Jahre alt, seit einigen Jahren US-Datenscout bei Transfermarkt und verfolgt den US-Fußball mittlerweile aktiver als die deutschen Bewerbe.

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