Mein Jahr mit Alvaro Morata – 3 Tore für ein Halleluja

In unserem Format „Mein Jahr mit …“ begleiteten wir in der Vorsaison von uns ausgewählte Vereine und berichteten über diese in regelmäßigen Abständen. In diesem Jahr werden wir dieses Format auf einzelne Spieler übertragen. In unregelmäßigen Abständen werden wir uns zum Leistungsstand der Akteure äußern. Wir analysieren ihre Leistungen, geben Prognosen und setzen uns kritisch mit ihnen auseinander.

Im Sommer wechselte Alvaro Morata für 62 Millionen Euro von Real Madrid zum FC Chelsea. Es ist bereits das zweite Mal, dass er seinen Kindheitsverein verlässt, aber auch dieses Mal ist er wieder mit Trainer Antonio Conte vereint. Das erste Mal ging es nach Italien, wo er, entgegen aller Erwartungen, mehr als nur Back-Up war, sondern voll einschlug und zum neuer Top-Stürmer wurde. Trotz großem Interesse von Manchester United & Co entschied er sich für eine Rückkehr zu Real. Dort reichte es dennoch nicht für einen fixen Stammplatz, also zog es den spanischen Stürmer diesen Sommer erstmals auf die Insel, wo er nun mit Antonio Conte vereint für die Blues stürmen soll. Der Italiener hatte zuvor große persönliche Probleme mit Diego Costa, der vor kurzem seine Rückkehr zu Atletico Madrid fixierte.

Nach einem tollen Start in die Saison liegt nun für die restlichen Spiele mein Fokus auf Alvaro Morata, der in seinen ersten fünf Premier League-Spielen für die Londoner auf 5 Scorerpunkte (3 Tore, 2 Vorlagen) kam. Vor dem sechsten Spiel der Saison waren alle Augen auf den Neuzugang gerichtet, denn zuvor war der Abgang von Diego Costa bestätigt worden. Der Ex-Atletico-Stürmer hatte in seinen ersten sechs Liga-Spielen 8 Scorerpunkte erreicht – mehr als jeder andere in der Vereinsgeschichte zuvor. Ob Morata mit Diego Costa mitziehen oder ihn gar überholen kann?

Das erste Spiel – der 6. Spieltag

Es mag nicht Moratas erstes Spiel gewesen sein, aber es war das erste Spiel, mit dem wir diese Reihe beginnen wollen.
Antonio Conte schickte gegen Stoke sein altbewährtes 3-4-3 aufs Feld, jedoch wurden zwei absolute Leistungsträger geschont: Cesc Fabregas und Eden Hazard. Aber auch die restliche Startelf sorgte für einige Überraschungen. So bildeten Azpilicueta, Christensen und Rüdiger die Dreierkette – eine sehr spielstarke Innenverteidigung. Nicht ganz so spielstark ist dafür das Mittelfeldduo vor ihnen. Kanté und Bakayoko sind zwar zweikampfstarke Spieler, doch dafür im Spielaufbau schwächer. Auf den Flügeln fand man auf der rechten Victor Moses, auf der linken Seite Marcos Alonso. Das Angriffstrio bestand aus Willian, Pedro und Mittelstürmer Alvaro Morata. Auch die Gegner aus Stoke-on-Trent agierten übrigens in einem 3-4-3.

Ich musste nicht lange auf ein erstes Tor von Alvaro Morata warten. Genauer gesagt nur 83 Sekunden. Mit seinen ersten Ballberührungen erzielte der Spanier das 0:1 für Chelsea. Der Stürmer stand auf einer Linie mit den Verteidigern, antizipierte den langen Pass von Azpilicueta hervorragend, nahm den Ball perfekt an und spielte ihn geschickt an Butland vorbei ins lange Eck. Auch im späteren Spielverlauf stand Alvaro Morata oft auf einer Linie mit den Verteidigern und lauerte auf einen Laufpass. Dies hatte zur Folge, dass der Spanier wenig eingebunden wirkte. Generell zeigte er wenig Intensität und setzte die Verteidiger bei gegnerischem Ballbesitz kaum unter Druck, was jedoch eine taktische Vorgabe des Trainers gewesen sein dürfte.

Trotz des frühen Gegentreffers machte Stoke viel Druck und so zog sich Chelsea vermehrt zurück in die eigene Spielhälfte. Morata war damit immer öfter am Mittelkreis zu finden und wurde im Umschaltspiel oft mit schnellen Pässen – hoch oder flach – angespielt, die dieser prallen ließ, sich frei lief und entweder durch die Mitte zog oder auf den Flügel auswich, um Löcher in die Verteidigung zu reißen, damit die schnellen Willian und Pedro, durch die Mitte ziehen können.

Im Spielverlauf war interessant zu sehen, dass er oft mit seinen Offensivkollegen Positionen wechselte und so oftmals Willian im Zentrum zu finden war, während sich der Spanier auf dem Flügel positionierte.

Tief stehen, lange Pässe, viele Konter

Aufgrund der immer stärker werdenden Heimmannschaft wurde Chelsea jedoch immer defensiver und setzte vermehrt auf Konter und lange Pässe, womit auch von Morata weniger zu sehen war. Er agierte als Solospitze, war wenig eingebunden und bewegte sich auch in ballfernen Situationen recht wenig. Erst bei einem direkten Zuspiel oder wenn das Spiel deutlich an Tempo aufnahm wurde auch Morata aktiver und zeigte in der Offensive Präsenz. Contes Fokus dürfte damit aufgrund des Spielverlaufs auf Konter gelegen zu haben.

Wie oben bereits erwähnt war Morata im Umschaltspiel auch oftmals am Flügel zu finden. Zwar ist er im Lauf ein sehr schneller Spieler und nutzt seine Geschwindigkeit im 1-gegen-1 sehr gut, um an dem Gegner vorbeizukommen, dafür hat er, wenn er ins Stehen kommt, große Probleme, sich gegen einen Verteidiger durchzusetzen. Wenn es dann zusätzlich keine idealen Anspielstationen gibt versucht es Morata meist mit einem schnellen Antritt und einer darauffolgenden Flanke, die vom Gegner recht einfach geblockt wird.

Ersteres sah man beim Stand von 0:2 – das zwischenzeitlich von Pedro durch einen groben Fehler von Darren Fletcher erzielt wurde – als Morata im vollen Lauf gegen Fletcher und Johnson Richtung Tor zog. Von der linken Seite zog er im hohen Tempo an Glen Johnson vorbei, der Morata jedoch knapp auf den Fersen blieb. Fletcher blockierte ihm den Weg, doch Morata las das Spiel perfekt, blickte sich kurz um, sah, dass Johnson ihn versuchte auf der linken Seite zu überholen, also machte er eine geschickte Finte, schickte den Außenverteidiger auf die Innenseite, während Morata bereits wieder einen Haken nach außen machte. Johnson wurde so vom langsamen Fletcher blockiert, während der Stürmer diagonal Richtung Tor laufen konnte. Während der Winkel immer spitzer wurde, deckte Butland zwar die Ecken perfekt ab, aber blieb zu weit im Tor und Morata wartete den richtigen Moment ab, um ihn am englischen Keeper ins lange Eck zu schießen.

Hier die oben beschriebene Situation, in der Morata Glen Johnson nach innen ziehen lässt und dann einen Haken antäuscht.

Stoke machte weiter Druck, aber auch Chelsea bewies nun etwas mehr Mut. In der Offensive rotierten Willian, Pedro und Morata weiterhin. Interessant war dabei zu sehen, dass Morata einerseits eine gute Beobachtungsgabe hatte und versuchte neue Optionen zu schaffen, indem er sich anders positionierte, zugleich jedoch Probleme in der Positionsfindung hatte. So versuchte Morata stets sich anders bei Flanken zu positionieren – mal vor dem Verteidiger, um selbst für Torgefahr zu sorgen, oft hinterlief oder umkreiste er jedoch auch spontan den Verteidiger, um für die lange Flanke eine Kopfball in Richtung Mitspieler zu köpfen – was meist jedoch nicht belohnt wurde und zu einem Ballverlust führte, da seine Mitspieler nicht zum Ball kamen.

Auch in anderen Situationen merkte man noch, dass Morata doch erst neu in der Mannschaft ist. So in einigen Einwurfsituationen als sich Morata schnell für eine andere Richtung entschied und der Ball so direkt zum Gegner geworfen wurde. Dies wird sich aber sicher im Laufe der Saison bessern und könnte viele neue Optionen bieten.

Wenig später legte Alvaro Morata noch eins drauf und erzielte den zweiten Hattrick seiner Profi-Karriere. Während die Stoke-Defensive tief stand zeigte der eingewechselte Cesc Fabregas einen Geistesblitz und sah den von weit hinten kommenden Azipilicueta. Er spielte einen hohen Pass über die Verteidigung während Morata und Moses im passiven Abseits standen, auf den sich freilaufenden Azpilicueta. Der spanische Verteidiger passte den Ball mit der Brust zu Alvaro Morata, der sich lang strecken musste und den Ball an Jack Butland vorbei ins leere Tor spielte. 

Gut zu sehen, wie Fabregas, bevor er noch den Ball hat, Azpilicueta sieht und ihn dann anspielt.

Das Spiel endete 0:4 für den amtierenden Meister gegen die Potters, kurz vor Schluss hätte Morata beinahe sogar noch ein viertes Tor erzielt. Es mag keine Glanzleistung der Blues gewesen sein, aber sie zeigten Effektivität und passten sich ideal an ihren Gegner an. 
Diego Costa hat spielerisch große Fußstapfen hinterlassen, doch der Spanier hätte den in Brasilien geborenen Stürmer wohl bisher kaum besser verdrängen können. Nach dem Spiel gab es Standing Ovations für Alvaro Morata und wenn er seine Formkurve beibehalten kann, dann wird es diese auch in den kommenden Spielen geben. Und dank seiner drei Treffer ist er nun auch gleichauf mit Diego Costas und hält nun bei 8 Scorerpunkten in 6 Liga-Spielen.

In den nächsten Tagen warten jedoch etwas härtere Brocken auf Chelsea – gestern ging es in der Champions League gegen Atletico Madrid gegen die man einen 1:0-Rückstand durch ein Tor von Morata und ein Tor in der 94. Minute von Batshuayi drehten, und am Samstag trifft man auf Guardiolas Manchester City. 

Alvaro Moratas Leistungen gegen Stoke City auf einem Blick

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