Nottingham Forest und die Champions League

Nach fünf Jahren Zweitklassigkeit schaffte Nottingham Forest 1977 den Weg zurück in die First Division, die damals höchste Liga Englands. Innerhalb von nur drei Jahren gewannen die Garibaldi Reds die englische Meisterschaft, den Ligapokal und zweimal den Europapokal der Landesmeister.

44 Tage bei Leeds

1975 stellte Nottingham Brian Clough, der nach nur 44 Tagen im Amt bei Leeds entlassen wurde, als neuen Trainer vor. Nach dem Aufstieg in die First Division galt Forest als Abstiegskandidat, doch entgegen aller Erwartungen legte das Team um Brian Clough und seinen Co Peter Taylor einen tollen Start hin. Jahre später folgten weitere tolle Einkäufe, wie beispielsweise Tormann Peter Shilton, die die bereits fantastische Mannschaft weiter verstärkten.

Die mit tollen Individualisten gespickte Mannschaft wusste perfekt zu harmonieren und hatte mit John Robertson einen herausragenden Spieler. Die Aufgabe war recht simpel: “Spielt den Ball so oft es geht zu John Robertson”. Vom linken Mittelfeld aus sollte der Schotte viele Angriffe einleiten oder selbst versuchen ein Tor zu erzielen.

Die ersten Titel

Nur kurze Zeit nach dem Aufstieg dominierte man die First Division. Vor allem der Sieg gegen die Red Devils im Old Trafford, in dem man vier Tore erzielte, gilt bis heute als eines der besten Spiele der Vereinsgeschichte. Auch im Ligapokal war man sehr erfolgreich. Mit dem 1:0-Sieg im Wiederholungsspiel gegen Liverpool holte man den ersten Titel seit 19 Jahren. Wenig später sollte mit dem Sieg der Meisterschaft der bereits nächste Titel folgen.

Als Neulinge startete man in den Europapokal der Landesmeister. Dort bekam man Liverpool zugelost, die sich nicht nur im Cup geschlagen geben mussten, sondern auch in der Liga immer die Nachsicht hatten und daher doppelt motiviert waren. Doch die Debütanten ließen sich nicht unterkriegen und zeigten auch auf internationaler Bühne wer den Ton angibt. Mit Peter Shilton, Larry Lloyd und mit Kenny Burns hatte Forest eine starke Defensive, gegen die man nur schwer Tore erzielen konnte. “Tore schießen ist unsere Stärke, aber Verteidigen ist unsere Spezialität”, so Clough einst. Liverpool hatte zwar die besseren Spieler, doch Nottingham war eine bessere Einheit, harmonierte besser und die Reds unterschätzen Forest.

Der 999.999 Pfund-Mann und der Europapokal

Im Februar 1979 stellte man einen neuen Transferrekord auf – man verpflichtete Verteidiger Trevor Francis. Erstmals wurde ein Spieler für mehr als eine Millionen Pfund verpflichtet. Zuvor lag die Rekordablöse bei 500.000 Pfund, was zur damaligen Zeit ein enormer Sprung war. Brian Clough war die Summe eher unangenehm und sprach daher über Francis stets vom “999.999 Pfund-Mann”.

Im Europapokal der Landesmeister schaffte man es ins Halbfinale, doch der deutsche Meister, der 1. FC Köln, wusste dagegenzuhalten und holte in England ein 3:3. Viele gaben die Engländer bereits auf, doch Clough – ehrgeizig wie immer – motivierte seine Spieler, verlor nicht den Fokus und besiegte die Deutschen. Nach dem Spiel schaute er beim Interview nur cool in die Kamera und sagte: “Ich hab euch doch gesagt, dass ihr blöd seid, wenn ihr uns jetzt schon abschreibt” und feierte mit seinem Mannschaft das Erreichen des Finals des Europapokals der Landesmeister. In diesem sollten sie auf Malmö zu treffen, wo sie die Schweden in einem umkämpften Spiel mit 1:0 besiegten und so erstmals in der Vereinsgeschichte einen internationalen Titel holten.

Die ganze Stadt feierte die Stars, doch in den Medien galten sie entweder als One-Hit-Wonder oder dass viele von ihnen bereits zu alt sind und ihre beste Zeit hinter sich hätten. In der darauffolgenden Saison wurde deswegen von vielen ein deutlicher Einbruch prophezeit.
Doch es kam ganz anders: die Mannschaft spielte nicht nur noch unterhaltsamer sondern gar noch besser.

Vor’m Finale mal richtig entspannen

Im Europapokal fiel man nicht nur durch tolle Leistungen auf, sondern auch durch interessante Regenerationsmethoden. So war man vor dem Viertelfinale im Amsterdam im Rotlichtviertel oder flog vor dem Europapokalfinale in Madrid nach Mallorca um dort Urlaub zu machen. “Wer kein Talent hat, sollte sich nicht entspannen. Wer jedoch Talent hat, kann dieses nur zur Gänze abrufen, wenn man auch voll entspannt ist”, begründete der Engländer seine kuriose Vorgehensweise. Und er sollte recht behalten: das Finale gegen den HSV konnten sie mit 1:0 gewinnen.

Nach der Titelverteidigung des Europapokals verließen mehr und mehr Spieler den Verein und die großen Erfolge blieben aus. Vor allem nach dem Abgang von Co-Trainer Peter Taylor im Jahr 1982 gingen die Leistungen stark nach unten. Brian Clough blieb jedoch beim Verein und konnte 1989 und 1990 den Ligapokal gewinnen, doch in seinem letzten Jahr als Trainer von Forest, im Jahr 1993, stieg er mit der Mannschaft aus der First Division ab.

Übernahmen und Abstiegssorgen

Nach dem plötzlichen Tod von Besitzer Nigel Doughty im Jahr 2012, der in seinen 13 Jahren als Besitzer des Vereins rund 130 Millionen Euro in den Verein gesteckt hatte, stand der Verein ohne Geldgeber da und entkam gerade noch so dem Abstieg in die dritte Liga. Im Sommer 2012 wurde Forest von Fawaz Al-Hasawi aus Kuwait übernommen. Es folgten viele Trainerentlassung und Parallelen zu den Vorkommnissen bei 1860 München – viele Versprechen, keine Erfolge.

Ende Mai dieses Jahres wurde der Verein für 50 Millionen Pfund von Evangelos Marinakis, Präsident und Besitzer von Olympiakos Piräus, übernommen. Ein paar Tage davor hatte der Verein noch in letzter Sekunde den Klassenerhalt geschafft, nachdem man nur aufgrund der besseren Tordifferenz in der Liga blieb. Mit dem Griechen holt man sich jedoch einen sehr dubiosen Mann ins Boot. Die UEFA untersuchte ihn voriges Jahr nachdem es Vorwürfe von Spielmanipulationen gab, die Marinakis bei BBC jedoch mit den Worten leugnete, dass diese Gerüchte nur von „neidischen Leuten“ erfunden wurden, die seinen „Erfolg in Griechenland zerstören wollen“. Der neue Besitzer versprach den Fans Nottingham Forest so schnell wie möglich wieder dort hin zu bringen „wo sie hingehören, und das ist die Premier League“. Doch die bisherigen Transfers sahen eher mau aus. Trainer Mark Warburton bekam mit Barrie McKay einen ehemaligen Kollegen aus Glasgow und mit Jason Cummings einen jungen Stürmer aus der schottischen Liga, das wars dann aber auch schon wieder. Keine großen Investitionen für einen Verein, der gerade in größter Abstiegsnot war. Forest wird damit voraussichtlich auch nächste Saison nicht unter den besten Teams der Liga zu finden sein.

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