Premier League-Saisonvorschau 2017/18

In wenigen Tagen beginnt die neue Premier League-Saison und wie jedes Jahr werfen wir einen Blick auf die 20 Mannschaften. Hier sind unsere Analysen in alphabetischer Reihenfolge.

Es ist Jahr für Jahr mühselig, Arsenals Aussichten auf die Saison adäquat einschätzen zu können. Sie haben zwar stets einen ordentlichen Kader, der gut und gerne um den Titel mitspielen könnte. Das hat Arsenal in den letzten Jahren auch gemacht – zumindest bis zum Winter. Dort fallen den Gunners regelmäßig die Spieler mit Verletzungen aus. Brace yourselves! Winter is coming! Es hat selbst für Außenstehende etwas Frustrierendes, wenn Kaderpotential so dermaßen verschwendet wird bzw. Spieler nicht entsprechend trainiert werden, um fit zu bleiben. In diesem Jahr versucht es Arsenal einmal mehr mit einem Angriff auf Platz Eins, nachdem man erstmals seit einer halben Ewigkeit nicht mehr in der Champions League spielt. Im Grunde sind die Londoner ein Schaf im Wolfspelz. Ein selbsternanntes Spitzenteam, das aber wenn wir ehrlich sind, seit Jahren keine realistische Chance auf den Meistertitel hat.

Dabei begann der Transfersommer für Arsène Wengers Team gar nichts so schlecht: man tütete den Kolasinac-Deal zeitnah ein, ohne dabei eine Ablöse an Schalke 04 zahlen zu müssen. Auch sonst deutete alles darauf hin, dass es ein ordentlicher Transfersommer werden wird, holte man in Lacazette den langersehnten Topstürmer für durchaus marktgerechte 53 Mio. Euro. Zu ihm sei gesagt, dass er Arsenal in den nächsten drei bis vier Jahren weiterhelfen wird und das Angriffsspiel der Gunners zweifelsohne auf ein neues Niveau heben wird. Fraglich ist jedoch, ob es nachhaltig ist, einen Stürmer zu verpflichten, der 26 Jahre alt ist und enorm von seinem Tempo lebt. Es wird spannend zu beobachten sein, inwieweit sich Lacazette auch mit 30 Jahren noch einbringen kann, wenn seine körperliche Frische langsam nachlässt.

Von Lacazette bis Morata – Hier gibt’s eine Übersicht mit allen Premier League-Transfers 2017/18

Bei den Verhandlungen mit Monacos Lemar kam dann wieder das altbekannte Arsenal zum Vorschein: viele Spekulationen und wenig Zielstrebigkeit gepaart mit schlechtem Timing. Als Monaco noch Bakayoko und Mendy im Kader hatte, verpasste man es bei Lemar Ernst zu machen. Die Monegassen werden ihren Offensivmann nun vermutlich nicht mehr für die damals kolportierte Ablöse von 50 Mio. Euro ziehen lassen. So wurde aus einer guten Ausgangslage eine schlechte. Fraglich, ob die Londoner nochmals auf dem Transfermarkt aktiv werden. Ein Abgang von Alexis Sánchez steht schon länger im Raum, sollte er noch in diesem Sommer gehen, wird es ganz schwer, nochmals einen vergleichbaren Ersatz zu finden, der unter 100 Mio. Euro kosten wird. Ansonsten ist der Kader ordentlich aufgestellt. Überlegenswert wäre eine Verpflichtung eines zentralen Mittelfeldspielers – Jorginho oder Kampl wären sicherlich ideal, um den spielerisch wie taktisch schwachen Coquelin zu ersetzen bzw. einen Ersatz für den oft verletzten Ramsey zu finden.

Insgesamt ist von Arsenal weniger zu erwarten, als von den anderen Teams aus den Top 6. Sie wirken weniger gefestigt als die Konkurrenz und ihnen fehlt augenscheinlich eine klare Spielidee. Gegen Teams aus unteren Tabellenregionen könnte man durchaus konstant punkten, da man im Zweifel die individuelle Klasse eines Özils oder eines Lacazettes in die Waagschale werfen kann. Es ist auch durchaus möglich, dass die Gunners wieder stark in die Saison starten und dann zum Jahreswechsel alle Leistungsträger fit bleiben, sodass sie lange um den Titel mitspielen. Die Chance dafür ist aber sehr sehr gering. Platz Vier wäre eine Überraschung.

Wohl kaum eine andere Saisonvorschau eines kleineren Vereins macht mehr Spaß als die von Bournemouth. Die Cherries haben mit Platz 9 eine tolle Saison hinter sich und dürften sich auch diese Saison wieder in dieser Gegen ansiedeln. Grund dafür? Die punktuell hervorragend Verstärkungen auf wichtigen Positionen – grandiose Kaderplanung der Cherries. Mit Asmir Begovic hat man einen herausragenden Tormann geholt, der die Bournemouth Defensive weiter verstärken wird. Vor Begovic findet man wieder die alte Verteidigung aus dem soliden Francis, Cook, einen der wahrscheinlich unterschätztesten Innenverteidiger der Vorsaison, Rückkehrer Nathan Aké und Daniels.

Eddie Howe dürfte wohl in einem 4-4-1-1 spielen lassen, wobei Stanislas (rechts) und Gradel, Pugh oder Ibe (links) auf den Flügeln spielen sollen. Es könnten aber noch Verstärkungen kommen. Während Max Gradel in der Saisonvorbereitung zurück zu alter Form fand stieg auch das Interesse von Toulouse wieder. Sollte er den Verein verlassen, so dürfte man sich wieder bei Demerai Gray versuchen, den man bereits vor 1 ½ Jahren holen wollte. Am interessantesten dürfte aber wohl das zentrale Mittelfeld sein. Während Leihspieler Jack Wilshere zurück bei den Gunners ist, bleibt nun eine große Lücke im Mittelfeld. Mit Harry Arter hat man einen großartigen Mann für diese Position, doch er braucht einen variablen Partner und diesen dürfte man wohl in den eigenen Reihen finden: Youngster Lewis Cook, vor einem Jahr von Leeds United geholt, bekam vorige Saison nur wenig Spielzeit, doch der junge Engländer avancierte nicht grundlos bereits im Alter von 17 Jahren zum Stammspieler bei Leeds und hob vor ein paar Wochen als Kapitän der englischen U20-Nationalmannschaft den WM-Pokal in die Höhe. Der schnelle und technisch starke Mittelfeldmann dürfte noch weiter gereift sein, dürfte in diesem Sommer vom Abgang von Wilshere profitieren und könnte dem Spiel der Cherries enorm weiterhelfen.

Im Angriff hat man viele großartige Spieler, wie Josh King, der in der Vorsaison einige Topvereine mit seinen Toren auf sich aufmerksam machte, aber auch Neuzugang Jermain Defoe, der nun wieder dort ist, wo seine Karriere richtig in die Gänge kam. King dürfte als hängende Spitze spielen und Defoe etwas weiter vorne. Hinter diesen beiden fantastischen Stürmern hat man aber noch eine Vielzahl an weiteren großartigen Alternativen wie Callum Wilson, der wenn er fit bleibt immer für ein Tor gut ist oder Lys Mousset, dem nachgesagt wird, dass er diese Saison große Chancen auf den Durchbruch hat. Und dann gibt es ja noch Benik Afobe. Die Cherries haben alles richtig gemacht und Eddie Howe verbessert seine Mannschaft Stück für Stück.

Nachdem Brighton 2016 noch am letzten Spieltag und dann in den Play-Offs den Aufstieg in die Premier League scheiterten, war es 2017 so weit. Die Jungs um Anthony Knockaert und Trainer Chris Hughton schrammten zwar knapp an der Meisterschaft vorbei, aber zum ersten mal in der Klubgeschichte schaffte der Club von der Südküste den Sprung in die Premier League. Als Verein, der neu aus der Championship kommt ist es immer schwer die Balance zwischen neuen Spielern und dem Aufstiegskader zu schaffen. Die Diskrepanz in den Geldern zwischen Premier League und Championship machen das ganze eher noch schwieriger. Anstatt sich bei mittelklassigen Vereinen in England umzusehen, schwenkte Brighton den Blick ins Ausland.

Die Seagulls sicherten sich die Dienst von Standardkönig Pascal Groß (26) aus Ingolstadt und einige Wochen später auch die von Markus Suttner (30). Dazu kam noch Torhüter Matthew Ryan (25) aus Valencia, Rechtsverteidiger Ales Mateju (21) aus Pilsen und Isaiah Brown (20) auf Leihbasis von Chelsea. Zusammen mit den etablierten Spielern wie Anthony Knockaert wird man nun versuchen irgendwie in der Liga zu bleiben und das wird keine einfache Aufgabe werden. Man hat zwar einige sinnvolle und preisgünstige Transfers getätigt und hat nun einige Spieler, die definitiv gutes Premier League Niveau haben. Insgesamt ist das Niveau des Kaders aber noch nicht auf einem Level bei dem man am Ende “We’re staying up!” singen kann.

Dass Burnley auch diese Saison in der Premier League spielt, damit hatten wohl vor einem Jahr die wenigsten gerechnet. Der Vorjahres-Aufsteiger überraschte viele und vor allem Michael Keane und Andre Gray wussten herauszustechen. Sean Dyche hat auch dieses Jahr wieder keinen schlechten Kader, auch wenn der Abgang von Keane zu Everton sehr schmerzt und nur schwer kompensierbar ist. Ersatz hat man übrigens keinen geholt. Dafür wusste man sich auf anderen Positionen zu verstärken, so holte man den talentierten Linksverteidiger Charlie Taylor (23) von Leeds United, den zentralen Mittelfeldspieler Jack Cork von Swansea und den erfahrenen Walters von Stoke. Alles keine Überflieger, aber womöglich genau das richtige für Trainer Sean Dyche.

Mit Tom Heaton haben sie einen guten Tormann, doch vor sich macht uns die Viererkette, bestehend aus Lowton, Mee, Tarkowski oder womöglich Long und Charlie Taylor, große Sorgen. Trotz Einnahmen in Höhe von 30 Millionen Euro für Michael Keane entschied man sich keinen Innenverteidiger zu holen, was diese Saison ein großes Problem darstellen könnte, auch wenn man mit Charlie Taylor einen wirklich guten Linksverteidiger geholt hat, der nicht nur defensiv sondern auch offensiv mit seinen weiten Flanken für Gefahr aufzeigen wird und viele, die die Championship nicht verfolgen, überraschen dürfte. Umso besser sieht dafür das Mittelfeld aus. Im 4-4-2 kämpfen gleich drei Spieler (Walters, Arfield, Gudmundsson) um den Platz im rechten Mittelfeld, aber auch im zentralen Mittelfeld hat man mit Jack Cork, Jeff Hendrick und Steven Defour drei sehr gute Optionen, während im linken Mittelfeld Brady gesetzt sein dürfte. Im Angriff hat man mit Gray einen tollen Stürmer doch er bräuchte einen ordentlich Sturmpartner … gerade als wir diese Zeilen vollendeten kamen die Nachrichten, dass der Stürmer kurz vor einer Unterschrift bei Watford stehen soll. Es zeigte sich vor allem in den Auswärtsspielen in der Vorsaison immer wieder, dass weder Vokes noch Barnes gute Premier League-Stürmer sind. Es würde sich eigentlich ein 4-3-3 anbieten, womit man das Problem des fehlenden Sturmpartners los wäre, doch Sean Dyche scheint seiner Verteidigung und seinem 4-4-2 zu vertrauen. Sollte der Abgang von Gray fixiert werden, so kann man in den nächsten Tagen sicherlich noch mit 1-2 Transfers rechnen.

Der Vorjahresmeister war auf dem Transfermarkt bisher recht zurückhaltend. Im Grunde hat man sich nur in der Innenverteidigung in der Breite verstärkt. Christensen kehrte von seiner Leihe aus Mönchengladbach zurück und Antonio Rüdiger kam für 35 Mio. Euro aus Rom. Bedenkt man, dass die Blues im gleichen Atemzug Nathan Ake und Kurt Zouma abgegeben haben, wirkt die Verpflichtung des deutschen Nationalspielers ein wenig verwirrend. Schließlich kennt Ake Verein und Liga und ist gerade in Sachen Spielaufbau wesentlich stabiler als Rüdiger. Was für ihn spricht ist seine körperliche Präsenz und seine Vielseitigkeit mit der er in der Defensive eingesetzt werden kann. Aber in der Gesamtbetrachtung hätte sich Chelsea das Geld auch sparen können und in andere Kaderteile investieren können.

Im Mittelfeld hat man sich nämlich trotz der Verpflichtung Bakayokos nicht verstärkt. Mit ihm holte man für viel Geld eine jüngere Version von Matic. Der Franzose ist ein robuster Sechser, der sich eher über Zweikämpfe definiert, als über spielgestaltende Elemente. Mit Kanté hat Chelsea aber bereits einen solchen Spielertypen, der seinem Landsmann ähnlich wie bei Matic im letzten Jahr defensive Arbeit abnimmt. Beide zusammen auf dem Feld sind zwar defensiv sehr stabil, aber im Spiel nach Vorn könnte es zu Problemen kommen. Unter dem Strich hat Conte für die Doppelsechs drei Akteure zur Verfügung und nur Fábregas kann durch Kreativität überzeugen.

Übersicht bei Transfermarkt.de: Alle Premier League-Kader

Dies wird vielleicht die größte Herausforderung für Chelsea sein: Hazard und Fábregas waren im letzten Jahr die einzigen Kreativpunkte in der Offensive. Waren diese wie im Spiel gegen Manchester United kaltgestellt, taten sich die Blues schwer, konstant Chancen zu kreieren. Zwar ist Neuzugang Morata diesbezüglich sehr stark, aber er ist weniger der Umsetzer kreativer Momente, als der Auslöser. Will heißen, dass er dank seiner guten Bewegungen und seinem Gespür für Gruppendynamik kreative Momente provoziert und sie nicht direkt ausführt. Insofern täte Chelsea ein weiterer Kreativposten gut. Unklar ist jedoch, wer das sein könnte.

Die Blues werden in der kommenden Saison nicht so problemlos durch die Liga flanieren wie im letzten Jahr. Aufgrund der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Champions League dürften die Spieler nicht mehr so frisch sein, wie sie es über weite Strecken der letzten Saison waren. Hinzukommt die angesprochene Unterbesetzung im Zentrum. Sollte einer der drei Sechser ausfallen, ist schnell mal finito la musica. So schlecht sie auch auf dem Transfermarkt bisher gehandelt haben, traut man Conte durchaus zu, dass er mit guter Trainingssteuerung und entsprechender Rotation das Team mindestens auf Platz Vier führen kann. Kommt noch ein angesprochener spielstarker Sechser, ist Chelsea auch in diesem Jahr ein Kandidat auf den Titel.

Bis Weihnachten 2016 war Crystal Palace die erfolgloseste Mannschaft aller englischen Profivereine – kein anderer Verein holte im Kalenderjahr 2016 weniger Punkte als die Eagles. Mit Feuerwehrmann Sam Allardyce wurde ein Trainer geholt der, wie schon so oft, den Klassenerhalt schaffte, doch danach wieder ging – ein Mann, der scheinbar nur für Heldentaten geboren wurde. Doch dann kam ein Bruch, mit dem wohl niemand gerechnet hat: man ernannte Frank de Boer zum neuen Trainer. Weg mit dem altmodischen Kick’n’Rush von Big Sam, her mit dem Ballbesitz und Total voetbal von Frank de Boer. Und was das gleich für ein Kickstart war.

Die Eagles waren fast unschlagbar in der Saisonvorbereitung und es gab einige interessante Sachen, wie beispielsweise Sechser Milivojevic als Innenverteidiger – und das gar nicht schlecht! Bei den Eagles wird man eine Dreierkette aus Dann und Riedewald, sowie einem weiteren Spieler sehen. In der Vorbereitung hatte wie bereits erwähnt Milivojevic seine Sache sehr gut gemacht, aber auch Ward, der eigentlich Außenverteidiger ist, probierte sich als Innenverteidiger und Delaney. Aber es könnte sogar sein, dass man sich noch Verstärkung holt, so kursieren derzeit die Namen Bruno Martins Indi und Calum Chambers in London herum. Im Mittelfeld des 3-4-3s werden Andros Townsend und entweder Schlupp oder der Holländer Patrick van Aanholt die Flügelspieler geben, während man in der Zentrale mit Cabaye, Puncheon, Loftus-Cheek und Milivojevic viele interessante Optionen hat. Zuletzt sah man immer öfter Cabaye und Loftus-Cheek, die im Spiel von Frank de Boer zwei sehr interessante Personalien sein dürfte. In der Offensive werden vor allem Zaha und Puncheon am Flügel für viel Gefahr sorgen. Mit ihrer Schnelligkeit, grandiosen Technik und Ausdauer dürften sie ebenso perfekt ins System passen wie Cabaye und Loftus-Cheek im zentralen Mittelfeld. Sturmtank gibt dann Christian Benteke, der unter dem ehemaligen Ajax-Trainer seinen 2. Frühling erleben könnte. Der Belgier hatte bisher – trotz seiner Tore – immer wieder Probleme bei Palace, doch der neue Spielstil dürfte dem bulligen Stürmer sehr entgegenkommen.

Crystal Palace könnte diese Saison einer der interessantesten Mannschaften der Liga werden. Man hat die richtigen Spieler für Frank de Boer und wenn wirklich noch ein Innenverteidiger der Klasse Chambers/Martins Indi folgen sollte, dann dürfte wohl wirklich nur mehr die Position des Tormanns eine Schwachstelle sein, obwohl selbst hier immer wieder der unzufriedene Adrian von West Ham gefordert wurde.

Über die Toffees haben wir vor ein paar Wochen eine große Vorschau geschrieben, die ihr hier lesen könnt. Everton hat sich auf jeden Fall fantastisch verstärkt und könnte diese Saison die Großen ärgern. Mehr dazu gibt es aber in unserem Text, wo wir Everton eine große Analyse gewidmet haben. Hier geht es zur Vorschau.

„David Wagner! He’s better than Klopp“ – das ist einer der Songs, den man von den Huddersfield Town-Fans hört. Nun, dass man die zwei in den selben Topf wirft, ist naheliegend: während Jürgen Klopp Borussia Dortmund zum Erfolg führte, bekleidete Wagner das Amt des U23-Trainers.

Im Oktober 2015 übernimmt Klopp den Liverpool FC, ein Monat später heuert Wagner bei den Terriers an und schafft mit dem Außenseiter in der Folgesaison via Play-Off den Aufstieg in die Premier League.

Die gemeinsame Vergangenheit sieht man teilweise auch auf dem Platz: das gemeinsame und kompakte Verteidigen und das Gegenpressing sind Facetten die auch Huddersfield auszeichnen. Einen Unterschied, den man ausmachen kann ist, dass die Terriers etwas geduldiger aufbauen und die reine Ballzirkulation öfters als taktisches Mittel einsetzen. Der wichtigste Spieler ist der australische Lenker und Ideengeber Aaron Mooy, den man nach einer Leihe diesen Sommer fix von Manchester City verplichten konnte. Nicht ganz unwichtig für den unerwarterten Erfolg waren auch die 10 Tore aus dem Sturmzentrum von Nakhi Wells. Tore und Assists kann man sich auch von den Transfer von Steven Mounie (Montpellier), Tom Ince (Derby County) und Laurent Depoitre (Porto) erwarten.

Der Abgang von Danny Ward, der walisische Torhüter der letzte Saison von Liverpool FC ausgehliehen war, wurde mit Jonas Lössl (Leihspieler von Mainz) aufgefangen. Wagner setzt bevorzugt auf sein Wissen vom deutschen Markt und verpflichtet Spieler aus Deutschland: Christopher Schindler (1860 München) und Michael Hefele (Dynamo Dresden) bilden das Abwehrzentrum, Chris Löwe (Kaiserslautern) ist gesetzt auf der Linksverteidiger-Position und Elias Kachunga (Ingolstadt) ist auf dem rechten Flügel ein Leistungsträger – auch Collin Quaner und Jon Gorenc-Stankovic gehören zum Kader. Taktisch gehört David Wagner auch in der obersten Spielklasse zu den besten Trainern, ob die individuelle Klasse reicht um den Klassenerhalt zu schaffen wird man sehen.

Vor einem Jahr Meister, vorige Saison gerade noch so die Kurve gekratzt – was kann man sich diese Saison erwarten? Eine gute Frage, denn hinter keiner Mannschaft dürften so viele Fragezeichen stehen, wie hinter Leicester City. Wird man wieder eine Fünferkette sehen? Geht es nun deutlich leichter ohne die Doppelbelastung? Was passiert mit Mahrez? Fragen über Fragen. Und obwohl sich der Kader namentlich wirklich unglaublich liest und Shakespear schon fast ein Luxusproblem hat, könnte ihnen genau das noch zum Verhängnis werden. Man hängt noch immer etwas an Erfolgsmannschaft von damals und wagt wenige Veränderungen, so zeigten sich Vardy und Morgan oft außer Form, auch Drinkwater zeigte sich verändert, ebenso Danny Simpsons. Das zeigte sich vor allem wenn man auf größere Gegner traf, während man gegen kleinere Mannschaften in der Vorsaison stets punktete, doch gegen starke Vereine meist hohe Niederlagen kassierte und vorgeführt wurde.

In der Vorbereitung wurde viel probiert: Die Fünferkette aus der Vorsaison, ein 3-4-3, ein 3-5-2, ein 4-3-3, … man hat Leicester in den verschiedesten Formationen und Aufstellungen gesehen. Letztendlich dürfte die Wahl auf das stabilere 4-3-3 gefallen sein, vielleicht jedoch auch das klassische 4-4-2. Aber selbst dann gibt es noch ein paar Fragezeichen. Nach dem Abgang von Zieler ist die Tormannfrage im Gegensatz zur Vorsaison keine Frage mehr, der Däne ist gesetzt. Die Defensive hat man hingegen in verschiedensten Variationen gesehen. Während Robert Huth noch bis Oktober verletzt ausfallen, dürften Neuzugang Maguire, Morgan und Benalouane rotieren und sich auf Links wieder Fuchs und Chilwell duellieren. Im 4-3-3 sehe man Iborra, Ndidi und Drinkwater im Mittelfeld, bei 4-4-2 Mahrez – insofern dieser doch bleibt – Iborra oder Drinkwater und Ndidi, der sich bereits jetzt in die Herzen der Foxes gespielt hat und auch diese Saison einer der wichtigsten Spieler sein dürfte. Auf Links dürfte wieder Marc Albrighton spielen, der auch weiterhin einer der unterschätztesten Spieler sein dürfte. Offensiv gibt es nun viele Optionen: Vardy, Slimani, Musa, Okazaki, Ulloa und jetzt sogar noch Iheanacho. Im Falle eines 3er-Sturm könnte der Neuzugang von Manchester City als Flügelstürmer agieren, während Vardy in der Mitte und Mahrez auf dem anderen Flügel zu finden wäre, ebenso jedoch im 4-4-2 dürften, wo Iheanacho als hängende Spitze und Vardy oder Slimani als Stürmer agieren würden.

Leicester City dürfte von allen Teams am schwierigsten einzuschätzen sein und obwohl man über einige gute Spieler verfügt hat man ein wahres Luxusproblem. Shakespears Aufgabe ist es nun die richtige Elf zu finden, sollte ihm dies gelingen heißt es wie im Vorjahr gegen die Kleinen brav punkten, dafür müssen sie gegen größere Vereine solider auftreten. Mit Iheanacho und Iborra hat man zwei großartige Spieler verpflichtet und vor allem das Mittelfeld-Duo Iborra-Ndidi dürfte kommende Saison viel Spaß machen.

Zieht es Coutinho nach Barcelona? Kann man Van Dijk von Southampton loseisen? Ist der Transfer von Naby Keita noch ein Thema bzw. gibt es für beide einen Plan B? Fragen über Fragen, die eine genauere Prognose sehr kompliziert gestalten. Die Vorbereitung verlief gut, mit einigen sehr guten Leistungen, aber vor allem das Spiel gegen Atletico de Madrid beim Audi Cup erinnerte wieder an die vielleicht größte Schwäche der letzten Saison: die Ratlosigkeit wie man tiefstehende, kompakte Gegner bespielen soll.

Personell gibt es einige interessante Entwicklungen: von Hull verpflichtete man Andy Robertson, der Alberto Moreno sehr ähnelt, aber laut Kommentaren von Klopp hat sich Alberto Moreno ausgerechnet jetzt wieder ins Rampenlicht gespielt und ist wieder ein Thema für die kommende Saison, im Gegensatz zu Mahmadou Sakho und Lazar Markovic, die noch abgegeben werden soll. Mohamed Salah wurde vom AS Rom verpflichtet und kann vor allem mit seiner Schnelligkeit (auch mit Ball) und seinen Läufen in die Tiefe die Fans beeindrucken. Ein Abgang von Sturridge hätte eigentlich niemanden überrascht, aber der befindet sich wieder in guter physischer Verfassung und einen fitten Sturridge gibt man nicht gerne ab, auch wenn man mit Dominic Solanke ein vielversprechendes Stürmertalent von Chelsea verpflichten konnte. Einige Youngster wie Marko Grujic, Trent Alexander Arnold und Joe Gomez werden in der neuen Saison wohl auch auf einige Einsatzminuten kommen.

Klopp wird vermutlich auch weiterhin hauptsächlich auf ein 4-2-3-1 bzw. 4-3-3 setzen. In der Vorbereitung spielte nicht selten ein sehr spielstarkes 3er Mittelfeld und auch Wijnaldum spielte mal auf der 6, aber ein möglicher Abgang von Coutinho und die Tatsache, dass Lallana bis mindestens Oktober ausfällt, wirft einige neue Fragen auf. Seit der Verpflichtung von Salah spielt Mané auf links und um den Platz in der Mitte hat Firmino die besten Karten, aber ein fitter Sturridge, Origi und Solanke sind auch sehr gute Optionen auf der 9 und deshalb könnte auch eine 4-Raute-2 Formation angewendet werden.

Eine Klopp-Mannschaft tut sich immer etwas leichter gegen mitspielende Mannschaften und deshalb hat man in der Champions League-Quali gegen Hoffenheim auch sehr gute Chancen. Die vermeintlich größte Schwäche (s.o.) wollte man individuell durch die Verpflichtungen von Salah und Naby Keita relativieren: Salah ist da, Keita wird fast unmöglich und ein Abgang von Coutinho wäre ein sehr größer Dämpfer.

Dass City in Guardiolas zweiter Saison weiter am Kader wird feilen müssen, war ohnehin klar. Zahlreiche Verträge von alteingesessenen Spielern wie Sagna, Navas, Zabaleta und Clichy wurden nicht verlängert. Oberste Prämisse war in diesem Sommer, den Kader zu verjüngen und ihn vor allem in der Defensive zu verstärken. Mendy, Walker und Danilo kamen insgesamt für 138,5 Millionen Euro nach Manchester. Die Ablösesummen sorgten vielerorts für Skepsis und Stimmen wurden laut, Guardiola müsse sich seine Stars wieder zusammenkaufen, um erfolgreich zu sein. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Citizens seit 2012 kein Geld mehr für Außenverteidiger ausgegeben haben und hier entsprechend nachrüsten mussten. Sie zahlten in diesem Sommer schlichtweg die Zeche für ihr schlechtes Wirtschaften auf dem Transfermarkt in den letzten Jahren.

Neben der Qualität, die vor allem Walker und Mendy als klassische Außenverteidiger mitbringen ermöglichen sich für Guardiola viele neue Möglichkeiten: Beide Neuzugänge sind kraftvolle Außenverteidiger die den Flügel ebenso im Alleingang beackern können. Durch ihre Präsenz kann City fortan seine Ballkünstler Sterling, De Bruyne und beide Silvas ins Zentrum schieben. Dreierketten dürfte man bei City künftig wesentlich öfter sehen als noch im letzten Jahr. Danilo hingegen ist ein hervorragender Kaderspieler, der laut Guardiola auf vielen verschiedenen Positionen spielen kann. Insofern war seine Verpflichtung für 30 Mio. Euro durchaus sinnvoll.

Ein weiterer Neuzugang in der Defensive ist Keeper Ederson. Der Brasilianer soll jene Lücke schließen, die man sich mit der Verpflichtung Claudio Bravos aufgerissen hat. Auch hier soll wieder Konstanz her und es gehört mittlerweile zum Selbstverständnis der Skyblues, dass man überall hochklassig besetzt ist. Der 23-Jährige ist eines der größten Talente auf seiner Position. Er besitzt eine gute Strafraumbeherrschung und ist auf der Linie reaktionsschnell. Sein Spiel mit Ball am Fuß kann besonders bei Kurzpässen unter Druck verbessert werden, dafür hat Ederson bei langen Bällen eine unheimliche Präsenz und Kraft. In den Testspielen sah man häufig, wie er den Ball gezielt von einem Strafraum zum anderen schlug. Auch das ist eine neue Waffe für Guardiola.

Der Transfer von Bernardo Silva für 50 Mio. Euro war fast schon ein Schnäppchen. Der Portugiese ist ein perfekter Spieler für Guardiolas Spielweise: wendig, ballsicher, er besitzt eine gute Orientierung im Raum und entwickelt Zug zum Tor. Er wird sich definitiv zeitnah durchsetzen – Top-Deal!

Wohin also mit Manchester City? Sie werden wieder um die Champions-League-Plätze mitspielen, ohne Zweifel. Ihr Kader und ihre Anlage wirken gefestigter als bei manch anderem Kandidaten. Bleibt man frei von größeren Verletzungssorgen und rotiert entsprechend in den Wintermonaten, ist City ein heißer Anwärter auf die obersten drei Plätze. Für die Meisterschaft könnte es jedoch ebenso reichen wie für ein Absacken auf Platz vier oder fünf. Alles steht und fällt mit der Fitness von Schlüsselspielern wie Gündoğan, De Bruyne und beiden Silvas.

Hat ein bisschen was von Déjà-vu: Bereits im letzten Sommer gab United viel Geld für einen Innenverteidiger, einen zentralen Mittelfeldspieler und einen Offensivmann aus. Ähnlich wie City leiden die Red Devils seit zwei Jahren an schlechten Transferaktionen aus der Vergangenheit. Pogba war der Anfang, nun setzte man mit Lukaku einen weiteren Big Point in Sachen Transferausgaben. Der Belgier wird sich schnell ans Team gewöhnen und zeitnah auch zum wichtigen Bestandteil des Vereins avancieren. Bei diesem Transfer ging es jedoch vorrangig darum, ein Zeichen an die Konkurrenz zu senden. Aus rein sportlicher Sicht wäre man sicherlich günstiger weggekommen, indem man beispielsweise mit Rashford als Mittelstürmer geplant hätte. Aber gut, wenn das Geld nicht drückt…

In der Innenverteidigung hingegen ist man gerade dabei eine ähnliche Ära wie Vidic-Ferdinand aufzubauen: Bailly und Lindelöf sind junge hochklassige Innenverteidiger, die in allen Belangen hervorragend ausgebildet sind. Sie sind in der kommenden Saison der Schlüssel für Uniteds Erfolg. Im Spielaufbau können sie Pogba bzw. Matic entlasten und im Defensivspiel sind sie rigoros.

Die Verpflichtung Matics wirkt ebenfalls etwas abstrus. Obwohl der Serbe ein sehr guter Spieler ist, der mit einer breit gefächerten Produktpalette zu überzeugen weiß, passt er nicht wirklich zum Kader Uniteds. Oder anders ausgedrückt: Der vorhandene Kader und Mourinhos Vorliebe für bestimmte Spieler passt nicht zu Matic.

Gehen wir davon aus, dass die Red Devils mit einer Doppelsechs spielen, muss Matic als Linksfuß als linker Sechser spielen, eben dort, wo er stets gespielt hat und wo er auch seine besten Leistungen zeigte. Für diese Position ist allerdings auch Pogba vorgesehen, da dieser gerne das Spiel diagonal ankurbelt. Beide gemeinsam als Doppelsechs aufzustellen gestaltet sich demnach schwierig, da sich Passwinkel, Bewegungsmuster sowie Blickwinkel für einen von beiden drastisch ändern werden. Schiebt man Pogba auf die Zehn und Matic spielt neben Herrera oder Carrick auf der Sechs, ergibt sich ein ähnliches Problem, da sich Pogba gerne links aufhält, sich fallen lässt und dann mit Druck nachschiebt – ähnlich wie Matic. Am sinnvollsten wäre ein Dreiermittelfeld mit Matic auf der Sechs und Pogba zusammen mit Herrera auf der Acht. Wäre da nicht noch Fellaini, der für Mourinho anscheinend ein Halbgott mit Afro sein muss, so oft wie er in wichtigen Spielen zum Zug kam. Worauf ich hinaus will: Der Matic-Deal ergibt irgendwo Sinn, aber er passt nicht sonderlich zum Rest des Kaders.

United wird auch in diesem Jahr um die Champions-League-Plätze spielen. Man hat einen breiteren Kader als in der letzten Saison und hat zudem mit Andreas Pereira einen Rückkehrer, der mit seinem Talent problemlos in der Premier League und der Champions League eingesetzt werden kann, um den Stars eine Pause zu gönnen. Weiterhin sind Mourinho-Teams dafür bekannt, dass sie im zweiten Jahr ihren Zenit erreichen. Schließlich wurde der Portugiese in jedem seiner Vereine, die er als Cheftrainer betreute im zweiten Jahr Meister. In diesem Jahr ist es jedoch leistungsmäßig zu eng, als dass eine Garantie dafür getroffen werden könnte. Platz Vier sollte aber mindestens drin sein.

Nur eine Saison verbrachte Newcastle United in der Championship und kehrt nun als Meister in die Premier League zurück. Der große Klub, der im St James Park spielt und mit seinen zahleichen Fans wertet die Liga in Punkto medialer Attraktivität eindeutig auf, ob das auch der Fußball tut, wird sich zeigen. In England werden den Trainern meistens mehr Kompetenzen zugeschrieben als in den meisten anderen Ländern, der Manager ist oft auch de facto der Sportdirektor. Diese Rolle mag Rafael Benitez, dessen CV keine eindeutige Sprache spricht: In Liverpool ist er eine Legende und auch seine Zeit bei Valencia war äußerst erfolgreich, bei Inter Mailand und Real Madrid hingegen, muss man die positiven Aspekte wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Die Weichen bei den Magpies hat er Richtung Legende gestellt, aber die Bedingungen rund um den Besitzer Mike Ashley und den kritischen Fans sind nicht leicht.

Newcastle spielt in einem klassischen 4-4-1-1 mit einer Doppelsechs und einer hängenden Spitze, die um die 9 rumkreist. Das Spiel von Newcastle ist klassisch englisch sehr flankenlastig und auch lange Bälle hinter die Abwehr sind keine Seltenheit. Im Spiel gegen den Ball formiert man sich bevorzugt in einem 4-4-2 im Mittelfeld. Der Schlüsselspieler ist Jonjo Shelvey, der sich als 6er die Bälle von den Verteidigern abholt und dann lange Pässe in die Spitze spielt – als typischer Englischer Mittelfeldspieler verfügt er über eine sehr gute Technik bei langen Bällen und bei Schüssen. Neben ihm spielten entweder der passsichere Jack Colback oder der physisch starke Mohamed Diame. Der wendige Stürmer Dwight Gayle wird oft mit langen Bällen gesucht und erzielte in der Aufstiegssaison 23 Treffer. Ayoze Perez fungiert hinter Gayle, ab und zu spielt auch der Mitrovic. In einer Benitez Mannschaft sind auch die Außenverteidiger sehr wichtig, die meisten asymmetrisch agieren (letzte Saison: Yedlin offensiver, Dummett absichernd).

Die letzen paar Monate nutzte man um sich auf dem Transfermarkt zu bedienen und der vielleicht interessanteste Transfer ist die Leihe von Mikel Merino vom BVB, der sehr viel Potential aufweist. Auch Florian Lejeune (Eibar) sollte sich einen Stammplatz in der Innenverteidigung erspielen. Als Konkurrenz für Yedlin verpflichtete Benitez seinen Landsmann Javier Manquillo und die Verpflichtungen von Atsu (letzte Saison ausgeliehen von Chelsea) und Jacob Murphy (Norwich) sollen einerseits den abgewanderten Yoan Gouffran (Göztepe) ersetzen und Spielern wie Matt Ritchie (26 Scorerpunkte) Einsatzminuten streitig machen.
Newcastle hat mehr Budget und einen namhafteren Kader als Mannschaften wie Huddersfield Town, aber ob sich diese simple Spielweise auch so auf dem Platz im Endeffekt durchsetzt, ist zweifelhaft.

Southampton steht für kontinuierlich gute Arbeit: die eingehenden Transfers machen in der Regel Sinn, die Verkäufe bringen Geld und die Akademie spuckt immer wieder Talente aus. Diese ganze gute Arbeit bringt aber auch paradoxerweise einige negative Aspekte mit sich: jährlich wandern die gut eingekauften bzw. ausgebildeten Spieler ab und auch die Trainer sind heiß begehrt. Letzte Saison zog es Koeman nach Everton und der Niederländer wurde ersetzt von Claude Puel zusätzlich verließen mit Sadio Mané (Liverpool), Graziano Pellé (Luneng/China), Victor Wanyama (Spurs) und José Fonte (West Ham – Januar) vier absolute Leistungsträger den Klub. Das Geld wurde reinvestiert, die Saison beendete man trotz Doppelbelastung (Europa League) auf dem guten achten Platz und die Saints erreichten das League Cup Finale gegen Manchester United, aber trotz allem verließ Puel den Klub und nun sitzt der von Deportivo Alavés kommende Mauricio Pellegrino am Steuer.

Southampton steht spätestens seit Pochettino für solides Ballbesitzspiel und gutes Pressing, Koeman setzte vermehrt auf einen starken Flügelfokus und Púel versuchte davon wieder etwas abzuweichen. Letzte Saison war die Mannschaft defensiv sehr stabil und zeigte sich taktisch flexibel: die Raute, ein 4-3-3 und die Doppelsechs wurden regelmäßig genutzt. Ein großer Schwachpunkt war die Chancenauswertung (vor allem vor der Verpflichtung von Gabbiadini) und nach dem Abgang von Fonte gepaart mit der Verletzung von van Dijk (der gerade kräftig an einem Wechsel zu Liverpool schraubt) auch an der Endverteidigung. Southampton setzt auf Kontinuität und eine hohe Intensität mit einer offensiven Ausrichting wird auch von Pellegrino zu erwarten sein.

Die Innenverteidigung ohne Van Dijk und trotz der Verpflichtung von Jan Bednarek (Lech Posen) könnte noch eine Verstärkung gebrauchen, aber die Flügelverteidigung und vor allem das ganze Mittelfeld (im Sommer weiter verstärkt von Mario Lemina, der von Juventus verpflichtet wurde) sind auch in der Breite sehr stark besetzt und mit Gabbiadini besitzt Pellegrino auch eine sehr brauchbare 9. Generell besitzt Southampton sehr viele Spieler die bei der kleinsten Weiterentwicklung ohne weiteres auch für die Top 6 ein Thema sind. Man darf auch gespannt darauf sein ob der hochtalentierte Sofiane Boufal jetzt in seiner zweiten Saison in der Premier League explodiert.

Gerüchte rund um Abgänge gibt es bis auf Van Dijk zurzeit nicht, auch wenn es niemanden überraschen würde, wenn noch ein bis zwei Spieler in den letzten Wochen wechseln, aber an sich könnte das der breite Kader gut kompensieren. In die Top 6 eindringen kann Southampton vermutlich nicht, aber wie jede Saison wird man in der Lage sein einige Mannschaften mit größeren Budgets hinter sich zu lassen.

Während sich die Fans euphorisch geben und Marko Arnautovic (bisher) nicht nachtrauern, dürfte es in Wahrheit um einiges schwieriger werden als viele denken – zwar wurde mit Choupo-Moting vor ein paar Tagen ein fantastischer Ersatz geholt, doch Stoke hatte bereits voriges Jahr große Probleme und konnte sich nur dank großen Momenten der austro-schweizerischen Flügelzange vor dem Abstiegskampf retten – und das obwohl die Potters vorige Saison die 5. wenigstens Tore geschossen haben.

Trainer Mark Hughes hat in der Saisonvorbereitung gesagt, dass er diese Saison nicht vorhabe viele große Transfers zu tätigen, sondern viel mehr den jungen Spielern eine Chance geben möchte. Und tatsächlich: mit Kurt Zouma wurde ein hervorragender Innenverteidiger ausgeliehen, der nach einer schweren Verletzung nun wieder in Form kommen soll und mit Darren Fletcher ein erfahrener Mann fürs Mittelfeld, sonst kamen nur junge Spieler. Stoke City hat in der Vorbereitung viel ausprobiert. 4-5-1, 4-4-2 und ziemlich oft das 3-4-2-1, was es letztlich tatsächlich werden dürfte. Mit Jack Butland verfügen die Potters über einen tollen Tormann, der diese Saison sehr wichtig für sie werden dürfte. Größere Sorgen dürfte man sich jedoch um die Verteidigung machen. Mit Zouma hat man zwar einen grandiosen Verteidiger geholt, doch unter Mark Hughes hatten bisher viele gute Verteidiger wie Wollscheid oder Muniesa so ihre Probleme, auch wenn Zouma natürlich ein anderes Kaliber ist.

Neben ihm werden der inkonstante Shawcross und der anfällige Cameron spielen. Von rechts nach links spielen dann Diouf, der sich als Wingback gar nicht schlecht schlägt und Johnson verdrängen konnte, Gianelli Imbula oder Darren Fletcher, Joe Allen und Erik Pieters. Vor ihnen werden Shaqiri und Bojan als Art hängende Spitze und situative Flügelstürmer agieren und den schnellen Berahino unterstützen. In der Vorbereitung konnte sich auch immer wieder Ramadan statt Bojan versuchen, der heuer tatsächlich seinen Durchbruch schaffen könnte. Vor einigen Tagen ließ Stoke jedoch eine Transferbombe platzen: die Potters verpflichteten Choupo-Moting von Schalke 04 und verstärken ihre Offensive. Der schnelle Offensivmann dürfte wohl den Platz von Bojan Krkic einnehmen und mit Shaqiri die Flügelzange bilden.

Stoke verfügt über so manch sehr guten Spieler, aber auf einigen Positionen fehlt es ihnen an Qualität. Der simple Spielstil kombiniert mit dem einseitigen Kader, der Offensivschwäche und der überschaubaren Defensivqualtitäten könnten Stoke diese Saison weiter hinten landen lassen, also so mancher Fan wahrhaben wil. Die Stoke-Fans sind euphorisch und schielen auf eine Platzierung im oberen Mittelfeld doch in Wahrheit dürften man sich diese Saison wohl etwas weiter hinten anstellen müssen.

Nachdem die Swans in der letzten Saison erst auf den letzten Drücker die Klasse halten konnten, soll es in diesem Jahr endlich wieder ruhiger werden im Schwanenland. Dafür trennte sich Trainer Clement von „Altlasten“ wie Barrow, Bastón, Amat und Cork. Dafür kam zum einen Roque Mesa von Las Palmas. Über den 28-jährigen Spanier berichteten wir bereits weit vor der Verpflichtung. Aufgrund seiner Fähigkeiten, die sehr breit gefächert auf hohem Niveau sind, ist es fast schon lachhaft, dass er für 12,5 Mio. Euro nach Wales wechselte. Mit seinen Qualitäten hätte er durchaus Champions-League-Teams wie Arsenal oder Liverpool weiterhelfen können. Er ist der Spielmacher auf der Sechs, den Swansea seit einigen Jahren vermisst. Zusammen mit Altmeister Britton könnte er ein sehr spielstarkes und intelligentes Mittelfeld bilden mit dem sich ein dominantes Ballbesitzspiel aufziehen lässt. Entsprechend kann der Transfer getrost als einer der Top-Deals des Sommers gefeiert werden.

Eine weitere gute Verpflichtung war die von Tammy Abraham. Der 19-jährige Stürmer kommt zunächst auf Leihbasis von Chelsea zu den Swans. Obwohl er großgewachsen ist und ein wenig schlaksig wirkt, besitzt er eine sehr gute Technik, ist dribbelstark und verfügt über einen hervorragenden Torriecher. Bereits bei der U21-EM wirkte er sehr zielgerichtet und reif. Insofern ist Abraham ein Stürmertyp, der zum einen physisch zu überzeugen weiß und andererseits auch technisch versiert genug ist, um sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Dies macht ihn zu einem perfekten Stürmer für…eigentlich jede Mannschaft. Für Swansea ist diese Vielseitigkeit Gold wert, vor allem, weil es auch in diesem Jahr wieder gegen den Abstieg gehen wird. Aufgrund des Spielerkaders und der defensiven Stabilität, die Clement seit seinem Amtsantritt im Januar eingeführt hat, dürfte man vielen Konkurrenten einen Schritt voraus sein.

In der Offensive lief in der vergangenen Saison zu viel über Sigurdsson, der den Verein wohl verlassen wird. Ihn zu ersetzen mag auf den ersten Blick schwer sein, da er an vielen Treffern unmittelbar beteiligt war. Andererseits war dies fast ausschließlich nach ruhenden Bällen. Ansonsten hat sich der Isländer häufig Künstlerpausen genommen, die dem Team nicht immer gut zu Gesicht standen. Sein Ersatz müsste einfach ausgedrückt ein guter Freistoßschütze sein, der zusätzlich gefährlich bei Weitschüssen ist. Schaffen es die Swans, einen solchen zu verpflichten, steht einer Saison im gesicherten Mittelfeld nichts im Wege.

Die Spurs zählen seit drei Jahren zu den ansehnlichsten Teams Europas. Unter Pochettino entwickelten sie eine markante Spielweise von der sogar Pep Guardiola jüngst schwärmte. Auf dem Transfermarkt waren die Londoner bisher sehr zurückhaltend: Zugänge gibt es aktuell keine, dafür gab man Walker an ManCity ab. Ersatz soll wohl intern in Trippier gefunden sein. Weiterhin ist man an Toljan dran, aber auch hier gibt es nichts Konkretes.

Der Kader der Spurs ist an sich gut aufgestellt, einzig im Mittelfeldzentrum fehlt es an einem starken Passgeber der das Spiel in tiefen Zonen an sich reißt. Dembele ist zwar ein hervorragender Dribbler, aber ihm fehlt es an Kreativität und Durchschlagskraft in den vorderen Zonen. Wanyama ist ein guter Zweikämpfer und Schlachtross im Mittelfeld, aber auch er ist kein typischer Spielmacher. Eric Dier ist ein Innenverteidiger, der im Mittelfeld spielt, mehr nicht. Die Offensive wird auch in der kommenden Saison das Prunkstück sein. Eriksen, Kane, Dele und Son verspricht viel Kreativität und Torgefahr. Die Abläufe im Angriffsspiel werden mit jedem Jahr besser und Pochettino scheint dahingehend stets Fortschritt erzielen zu wollen.

Fällt jedoch einer der genannten Offensivspieler länger aus, könnte die Durchschlagskraft der Spurs sehr schnell lahmen. Denn obwohl sie im Angriff klare Abläufe haben, sind sie noch sehr abhängig von einem Geistesblitz Deles oder, dass Kane mal wieder einen Hammer raushaut. Ersatzspieler Janssen und N’Koudou wirkten in ihrer ersten Saison noch etwas fehl am Platz. Ein talentierter Offensivspieler täte den Spurs demnach nicht schlecht. *hust* Ross Barkley! *hust* Insbesondere in Hinblick auf die Dreifachbelastung muss Pochettino künftig mehr rotieren und brauch hierfür entsprechendes Spielermaterial, will man sich in der Champions League in diesem Jahr besser präsentieren.

Im Zweifel wird der Argentinier aber die Premier League der Champions League vorziehen, das war bereits in den letzten beiden Jahren so. Tottenham will in diesem Jahr unbedingt die Liga gewinnen, nachdem man in den letzten beiden Jahren eigentlich überragend spielte und nur das Pech hatte, dass beide Meister nicht im internationalen Geschäft vertreten waren und sich auf die Liga konzentrieren konnten. Das wird in diesem Jahr nicht so sein. Es ist davon auszugehen, dass sich der künftige Meister aus einem der letztjährigen Top6 herausbildet. Nichtsdestotrotz wäre es für die Spurs ratsam, wenn sie nochmals auf dem Transfermarkt aktiv werden würden. Ein Rechtsverteidiger muss her, der ähnlich wie Walker physisch stark ist und weiterhin braucht man noch einen Spielmacher, der es Dembele ermöglicht, weiter vor dem Tor zu agieren. Oder man holt Barkley, der eben viele Probleme lösen würde. So oder so wird sich Tottenham auch in diesem Jahr wieder gut in der Premier League präsentieren. Verstärkt man sich auf den angesprochenen Mannschaftsteilen, können sie sogar wieder lange um den Titel mitspielen. Wenn nicht sogar mehr…

Schalke-Fans kennen das: Nach einer unbefriedigenden Saison wird der Trainer ausgetauscht und alle sind wieder in Aufbruchstimmung. Der Kader soll umgekrempelt werden und jeder steht hinter dem neuen Mann um ihn dann ein Jahr später wieder vom Hof zu jagen.

Mit Marco Silva soll nun alles anders werden. Nach Quique Sánchez Flores und dem Missverständnis Walter Mazzari ist der Portugiese, der mit Hull nur knapp am Klassenerhalt scheiterte der dritte Trainer seit dem Aufstieg in die Premier League. Guckt man sich Silvas Zeit bei Hull (21 Punkte aus 18 Spielen mit einem schlechten Kader) an, sieht das nach einer sinnvollen Verpflichtung aus.

Ein großes Problem für Watford in den vergangenen Jahren war der alternde Kader und das Fehlen von (jungen) englischen Spielern. Vor allem letzteres versucht man eindrucksvoll zu beheben. Mit Will Hughes (22) und Nathaniel Chalobah (22) bekommt der Verein aus dem Vorort von London ordentlich frisches Blut im Mittelfeld. Dazu kommen Kiko Femenía (26) von Alaves, Daniel Bachmann (23) von Stoke und Tom Cleverley (27) von Everton. Zudem soll man gerade in Verhandlungen mit Burnley Andy Gray stehen. Für zusammen etwas mehr als 20 Millionen sieht das von außerhalb nach gut ausgegebenem Geld aus. Trotzdem ist der Kader mit 29 Spielern immer noch ziemlich aufgebläht und vor allem in der Defensive stimmt die Altersstruktur nicht wirklich. Wenn Watford noch auf dem Transfermarkt tätig wird, dann wahrscheinlich in der Innenverteidigung. Der aktuelle Kader dürfte aber gut genug sein um locker in der Premier League zu bleiben und das sollte bei den TV-Einnahmen in der Liga auch das Hauptziel.

Obwohl West Brom die letzte Saison auf Platz 10 beendete, gelten sie auch dieses Jahr für viele wieder als Underdogs. Konstanz und Kontinuität sind die Zauberwörter bei den Baggies, geht man doch beinahe unverändert in die neue Saison. Die einzigen Neuzugänge sind Offensiv-Allrounder Jay Rodriguez, der unter Tony Pulis auf noch mehr Spielzeit hofft, sowie der ausgeliehene Innenverteidiger Ahmed Hegazy der aus Kairo zur Mannschaft stößt.

In der Vorbereitung blieben größere Experimente aus. Man probierte wie in der Vorsaison die Fünferkette, aber ebenso ein 4-2-3-1 und ein 4-3-3. Mit dem von Southampton verpflichteten „Jay-Rod“ hat man nun offensiv viele Möglichkeiten und zeigt sich variabel, so gab es bereits ein interessantes 5-3-1-1 zu sehen mit Livermore, Yacob und Phillips im zentralen Mittelfeld, Rodriguez als hängender Spitze und Rondon als Sturmtank. Ebenso könnte man Rodriguez aber am Flügel oder gar als Sturmpartner von Rondon sehen. Sehr wahrscheinlich ist jedoch das 4-2-3-1 mit dem starken Ben Foster im Tor, der in der Vorsaison die Form seines Lebens hatte, und eine Viererkette bestehend aus Dawson, Neuzugang Hegazy, dem starken Evans und Nyom. Vor ihnen bilden Livermore und Yacob das zentrale Mittelfeld, während Phillips, Chadli und Rodriguez Rondon in der Offensive unterstützen sollen. Auch wenn viele West Brom dieses Jahr erneut nicht auf dem Zettel haben werden, so sollten die Baggies bei ähnlichen Leistungen auch dieses Jahr wieder eine tolle Saison haben.

Was für ein Kader. Man möchte fast gar nicht glauben, dass diese Mannschaft voriges Jahr nur auf Platz 11 landete, doch wie immer in der Premier League: auch die Konkurrenz kann sich eben sehen lassen, da machen es eben Kleinigkeiten bereits aus. Dieses Jahr will man jedoch nichts dem Zufall überlassen. Die Hammers haben einen fantastischen Kader und viele Optionen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen, wie beispielsweise Leicester City, dürften ihr Gerüst schon halbwegs stehen. Mit Joe Hart hat man einen großen Namen geholt, doch der Engländer zeigte nur in vereinzelten Spielen sein Können. Sollte es auch in London nicht laufen, so hat man mit Adrian einen guten Ersatzmann. Die Hammers werden voraussichtlich in einem variablen 4-2-3-1 bzw. 4-3-3 spielen. Wenn Slaven Bilic es schafft, dass die Verteidigung perfekt harmoniert, dann dürten sich wohl einige Spieler an der Verteidigung der Hammers die Zähne ausbeißen, denn dort findet man einige Bestien. Auf der rechten Seite ist Pablo „Harder than Jaap Stam“ Zabaleta gesetzt sein, ebenso Ogbonna und Reid in der Innenverteidigung. Einzig auf der linken Seite dürften sich Cresswell und Masuaka duellieren, auch wenn der Engländer die Nase vorne haben dürfte. Und selbst auf der Bank findet man noch großartige Spieler, wie den schnellen Sam Byram, der jederzeit Zabaleta ersetzen kann, oder auch Jose Fonte und Collins.

Im Mittelfeld fehlt derzeit der verletzte Kouyate, er dürfte später mit Noble und Obiang viel rotieren. Vor den beiden zentralen Mittelfeldspielern wird die Geheimwaffe der Hammers spielen: Manuel Lanzini. Der Argentinier ist einer der talentiertesten in den Reihen der Londoner und ist nicht nur im Spiel sondern auch bei Standardsituationen stets brandgefährlich. Hinzu kommen noch großartige Flügelspieler wie Antonio, Feghouli, Ayew, Snodgrass (der den Verein jedoch wahrscheinlich bald wieder verlassen wird) und Neuzugang Marko Arnautovic. Hier gibt es viele Optionen und es wird immer zu Rotationen kommen, aber grundsätzlich kann man mit Arnautovic auf links und Andre Ayew auf rechts rechnen. Auch im Angriff hat man sich verstärkt. Während Carroll und Sakho derzeit verletzt ausfallen übernimmt Neuzugang Chicharito die Rolle der Solospitze. Der Mexikaner wird auch bei den Hammers für Furore sorgen. Mit etwas Konstanz und Glück könnten die Hammers diese Saison viel erreichen.

 

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