Roberto Martinez & Everton – eine Geschichte mit Happy End?

Roberto martinez

Roberto Martinez – wohl kaum ein anderer Name in England findet so selten Erwähnung und polarisiert doch so sehr. Bereits bei seinem Amtsantritt als Trainer bei Swansea waren viele Fans verärgert. Jedoch nicht die in Swansea, sondern ein paar Kilometer weiter, an der Grenze zwischen England und Wales – in Chester. Der Spanier unterzeichnete im Mai 2006 einen Zwei-Jahres-Vertrag als Spieler bei Chester, nachdem er zuvor seinen Vertrag bei Swansea nicht verlängerte. Nur neun Monate später beendete er seine Karriere als Spieler, um als Trainer bei Swansea, damals noch in der League One (der dritten Liga) anzuheuern. Die Fans von Chester waren erbost über den Spanier, dass er den Verein einfach im Stich ließ.

Judas – Teil I

Ganz anders waren die Reaktionen auf der anderen Seite der Grenze. Der Spanier übernahm im Februar 2007 das Ruder bei den Walisern, krempelte den Verein um und verhalf den Schwänen beinahe zum Aufstieg in die Championship. Erst am letzten Spieltag platzten die Träume, als man sich mit 6:3 gegen Blackpool geschlagen geben musste und so die Saison nur einen Platz hinter den Play-Offs beendete. Was beim ersten Versuch nicht gelingen wollte, sollte beim zweiten Versuch klappen. Bereits im Oktober wurde Martinez zum Trainer des Monats ernannt, nachdem er die Waliser zu einer der stärksten Mannschaften der Liga formte und mit ihnen die League One anführte. Mit einem guten Mix aus jungen Spielern, erfahrenen Spielern und spanischen Legionären wusste Roberto Martinez eine taktisch versierte Mannschaft zu formen, die vor allem mit einer beeindruckenden Offensive zu überzeugen wusste. In seiner ersten ganzen Saison als Trainer wurde Martinez mit Swansea bereits Meister und zum Trainer des Jahres der League One gewählt. Die Waliser schossen mit 82 Toren die mit Abstand meisten Tore der Liga und auch mit 42 Gegentoren stand man defenisv nicht schlecht da. Erstmals seit 24 Jahren schaffte Swansea es wieder in die Championship. Anders sah das jedoch in Chester aus. Während er mit den Walisern den Aufstieg in die zweite Liga Englands schaffte, stiegen die Blues aus der League Two ab. Der Abstieg bedeutete den finanziellen Tod des Vereins. Nicht selten fallen an der Grenze zu Wales die Namen „Martinez“ und „Judas“, wenn man Fans über die Auflösung und Neugründung des Vereins reden hört.

Der Sprung von der League One in die Championship ist groß, vielen Vereinen fehlt es an Qualität, noch mehreren an Geld. So auch Swansea. Der Großteil des eingenommen Geldes durch den Aufstieg wurden in einen Spieler gesteckt, der heute vielen ein Begriff sein dürfte: Nathan Dyer. Der Flügelspieler kam von Southampton, die zuvor in die League One abgestiegen waren. Viele glaubten, dass die Waliser am Ende der Saison weit unten in der Tabelle sein würden, aber die beinahe unveränderte Mannschaft wusste erneut zu überzeugen. Martinez und seine Mannschaft zogen ihr Spiel durch, zählten für viele nach einigen Spieltagen als Geheimtipp der Liga – und das in einer der sicherlich schwierigsten Championship-Saisonen die es je gab. In einem unglaublichen Lauf von 30 Spieltagen setzte es nur vier Niederlagen. Dennoch reichte es – wie in seiner ersten Saison bei Swansea – nur knapp nicht für einen Play-Off-Platz. Nur sechs Punkte fehlten den Schwänen am Ende für einen Play-Off-Platz. Doch die Fans wissen die Arbeit – vor allem im taktischen und analytischen Bereich – des 34-Jährigen zu schätzen und er avanciert zum Publikumsliebling. Logisch, dass Celtic und Wigan am Spanier interessiert waren. Swansea verlassen? – Kein Thema. Man müsse ihn „dazu zwingen“ den Verein zu verlassen, sonst werde man ihn nicht los, wie Martinez in einem Interview einst sagte. Auch für Geld nicht, denn ein Wechsel zu größeren Vereinen nur des Geldes wegen sei für ihn verwerflich. Die Fans waren stolz auf ihren Trainer.

Judas – Teil II

Nur wenige Tage später wurden Roberto Martinez und sein vierköpfiges Trainerteam bei Wigan Athletic vorgestellt. Bereits als Spieler war Martinez von 1995 bis 2001 in Wigan, nun ist er wieder zu Hause. „Die Geschichte von Wigan Athletic ist eine unglaubliche. Als ich 1995 hier herkam, wusste ich, dass das Projekt etwas ganz spezielles ist, auch der Besitzer war ganz besonders, aber ich hätte niemals gedacht, dass wir solche Höhen erreichen werden. Das bedeutet, es ist jetzt noch wichtiger jetzt weiter daran zu arbeiten zu wachsen.“ Rund zwei Millionen Euro soll das Jahresgehalt des Spaniers betragen haben und zudem bekam er eine Drei-Jahres-Jobgarantie, egal ob der Verein absteigen sollte oder nicht. Während Martinez auf Wolke Sieben zu schweben schien, waren die Swansea-Fans von ihrem Ex-Trainer enttäuscht. Ähnlich wie damals bei Chester fühlten sich die Fans hintergangen und im Stich gelassen. Aber für Martinez sollte es sich erneut als der richtige Schritt erweisen. Erstmals in seiner Karriere konnte er sich seinen Kader so gestalten, wie er das wollte. In seinem ersten Sommer als Trainer der Latics investierte er 18,5 Millionen Euro, um die 26 Millionen schweren Abgänge von Lee Cattermole und Antonio Valencia zu kompensieren. Unter anderem holte er sich Jason Scotland aus Swansea, der in 90 Spielen für Swansea 45 Tore erzielte, womit sich Martinez nicht minder sympathischer machte bei den Swansea-Fans. Schlagzeilen machte er jedoch, als er fünf Millionen für einen 18-jährigen Iren von Hamilton Academical verpflichtete: James McCarthy. Wie Jason Scotland sollte auch dieser junge Spieler ein stetiger Wegbegleiter von Roberto Martinez sein.

Seine erste Saison in der Premier League verlief anders als bei seinen vorigen Stationen. Während er stets kleinere Mannschaften trainiere und diese immer zu stark aufspielenden Mannschaften formte, fiel es dem Spanier dieses Mal deutlich schwerer. Früher stets eine der offensivstärksten Teams der Liga, lag Wigan diese Saison bloß auf Platz 15 wenn es nach der Anzahl der Tore geht. Nach Burnley bekam man mit 79 Gegentoren sogar die zweitmeisten. Am Ende reicht es für Platz 16 und somit für den Klassenerhalt. Das erste Jahr war schwer, aber sehr lehrreich, und das Ziel war erreicht. Dem Spanier wurde aber klar, dass es einiges zu ändern gilt.

Der Verein wurde erneut umgekrempelt, die Verträge von Stammspielern Paul Scharner und Mario Melchiot wurden nicht verlängert, dafür holte man mit Mauro Boselli einen argentinischen Stürmer, der den Latics zu vielen Siegen verhelfen sollte. Seine Ablöse betrug rund 9 Millionen Euro. Viele gute Neuzugänge, wenige Abgänge – Martinez hoffte mit einem fast unverändertem Kader einen neuen Weg einschlagen zu können. Und tatsächlich: Das geforderte Spiel von Roberto Martinez schien nun besser zu funktionieren, auch die Defensive wirkte stabiler, doch am Ende fehlte es erneut an Qualität. Der Transfer von Mauro Boselli erwies sich als großer Flop, die Wigan-Fans wählten den Einkauf von Boselli im Februar 2012 zum größten Flop der Vereinsgeschichte. Aber nicht nur er, auch andere Spieler wollten nicht ganz auf Touren kommen. Das womöglich negative Highlight der Saison war aber das League Cup-Spiel gegen Swansea. Die Latics konnten zwar das Achtelfinale mit 2:0 gewinnen, die Waliser begrüßten ihren Ex-Trainer jedoch unter Pfiffen, Beschimpfungen und Schmähgesängen. In Summe reichte es, wenn auch unter besseren Performances, erneut nur für Platz 16.

Die nächste Saison sollte besser werden. Obwohl es ein Angebot von Aston Villa gab verlängerte Martinez seinen Vertrag bei den Latics, doch Stammspieler N’Zogbia war nicht zu überzeugen – er wechselte für rund 11 Millionen Euro zu Aston Villa. Statt jungen Spielern sollten nun erfahrene Spieler der Mannschaft zu einem Schub verhelfen. Nach fünf Punkten aus den ersten drei Spielen, folgten acht Niederlagen am Ende. Im März, am 27. Spieltag, setzte es ausgerechnet gegen seine Ex-Mannschaft Swansea eine 0:2-Niederlage die alles verändern sollte. Auf dem letzten Platz liegend, mit den wenigsten Toren der Liga – in 11 Spielen ohne Torerfolg – und mit nur 20 Punkten, schien die Ära Martinez vor dem Ende zu stehen. Es zwar Zeit für Kreativität. Roberto Martinez engagierte einen Vereinskoch und ließ die Ernährung der Mannschaft umstellen. Auch das Essen vor den Spielen verbot er. Die Spieler sollen konzentrierter sein und dafür braucht es Blut, doch je voller der Magen ist, desto weniger Blut ist im Hirn, sondern in der Magengegend. In seinem Heimkino sah er sich die Aufnahme der letzten Spiele an, immer und immer wieder. Jedes Detail schrieb er sich auf, analysierte jede Bewegung und gab die Infos an seine Spieler weiter. Die Ideen schienen zu greifen. In den letzten 11 Spielen ging die Mannschaft sieben Mal als Sieger vom Platz und in den ersten beiden Spielen nach der Niederlage gegen Swansea mit einem Unentschieden. Einzig gegen Chelsea und Fulham setzte es 2:1-Niederlagen. Wigan beendete die Saison auf Platz 15 mit 43 Punkten. Ganz England war beeindruckt vom Erfolgslauf der Latics.

Obwohl die Saison fast ein schlechtes Ende nahm, war es sicher die wichtigste Saison für den Spanier. Es braucht mehr als nur als Taktik oder Analyse. Auch Ernährung, Schlaf, Fitness und Wohlbefinden sind ein wichtiger Faktor. Seitdem trifft der Spanier seine Entscheidung erst dann, wenn er sich richtig gut fühlt. Beispielsweise lehnte er ein Angebot von Liverpool ab, nachdem die Reds Kenny Dalglish entließen, da er sich noch nicht bereit dafür fühlte. Um die Stimmung im Team nicht zu verändern wurden kaum neue Spieler geholt. Ivan Ramis und Arouna Kone sollten die Mannschaft verstärken, mit Miyaichi und Fyvie wurden zudem zwei jüngere Spieler geholt, wobei Miyaichi vor allem den Abgang von Moses zu Chelsea kompensieren sollte. Bereits nach wenigen Spieltagen musste man aber feststellen, dass die Abgänge von Moses, Rodallega und Diamé doch mehr schmerzten als gedacht. Bis Neujahr setzte es in der Saison 2012/13 in 20 Spielen 12 Niederlagen. Erneut war man nur knapp vor den Abstiegsplätzen – das Jahr 2012 beendete man auf Platz 16 mit 18 Punkten. Um der Mannschaft die nötige Routine zu verleihen wurde mit Paul Scharner ein Spieler verpflichtet, der das DW Stadium bereits bestens kannte. Doch trotz aller psychologischen Tricks pendelte die Mannschaft ab dem Jahr 2013 nur mehr zwischen Platz 19 und 17 herum, wobei letzterer das rettende Ufer gewesen wäre. Die Mannschaft hatte das Pech am Schuh, oft bekam man erst in letzter Sekunde den Ausgleich oder bekam ein Tor fälschlicherweise aberkannt.

Das genickbrechende Spiel war sicher jenes gegen Tottenham. Die Spurs gingen zwar bereits nach neun Minuten durch Gareth Bale in Führung, doch die Latics gaben nicht auf und glichen nur 104 Sekunden später aus. Mit dem Ausgleich übernahm Wigan auch das Spiel oder „Wigan was magnificent“ wie Martinez nach dem Spiel sagte. Zurecht ging man auch in der 49. Minute in Führung. Man spielte die Spurs förmlich an die Wand, aber in der Nachspielzeit erzielte Boyce erneut den Ausgleich, wenn auch dieses Mal für das andere Team. Nach einem 2:3-Sieg gegen West Brom folgte eine 2:3-Niederlage gegen Swansea. Während man in der Liga nicht richtig in Fahrt kommen wollte, konnte man jedoch im FA-Cup einen historischen Erfolg feiern. In einem spannenden Spiel gegen Manchester City besiegte man die Citizens mit 0:1 durch ein Tor von Watson in der 91. Minute. Die Fans jubelten, die Spieler wurden gefeiert. Vor allem Callum McManaman wurde eine große Zukunft nachgesagt und wurde zum Spieler des Tages gewählt. Die Euphorie war groß, aber nur drei Tage nachdem Wigan erstmals in der Vereinsgeschichte den FA-Cup gewinnen konnte, stiegen die Latics auf Platz 18 liegend ab. Ihnen fehlten am Ende nur zwei Punkte auf Aston Villa, wäre das Eigentor gegen Tottenham also nicht passiert, wäre vielleicht Aston Villa abgestiegen und nicht Wigan. Dennoch war Martinez‘ Zeit bei Wigan in Summe ein Erfolg. Unter Vorgabe vom Präsidium musste er die Gehälter immer weiter kürzen, bis sie seit seines Amtsantritts um 22% gekürzt waren und dennoch hatte er es stets geschafft mit der Mannschaft die Klasse zu halten.

Judas? – dieses Mal nicht!

„Ich glaube nicht, dass ich der richtige Mann bin um Wigan zurück in die Premier League zu führen“ – mit diesen Worten verabschiedete sich Roberto Martinez bei den Wigan-Fans. Trotz seiner Liebe zu Wigan nahm nicht jeder seinen Abgang so einfach auf. Wie bereits bei seinen letzten Vereinswechseln musste sich Martinez einiges gefallen lassen – vielleicht auch ein Zeichen, dass seine passionierte Arbeitsweise und seine Loyalität sehr vermisst werden. Doch nun lag sein Fokus auf Everton. Auch wenn die Toffees vor rund einem Jahrhundert als „The School of Scientists“ bekannt wurden, da so für die damalige Zeit sehr modernen Fußball spielten, so pflegte David Moyes, der zuvor zu Manchester United abgewandert war, doch sehr simplen Fußball und wenig spektakulären Fußball. Mit Roberto Martinez kam nun ein Trainer, der etwas vollkommen anderes verkörpert. Der 40-Jährige steht für Offensivfußball vom Feinsten, viele Kombinationen und viel Ballbesitz.

Der Spanier hatte große Ziele, die Vorfreude der Fans war groß. „Ich darf Everton jetzt nicht in der Champions League sehen, weil es gibt Vereine die finanziell ganz anders arbeiten können, aber mit Zeit kann man im Fußball alles erreichen. Wenn ich die finanziellen Mittel, um für die Champions League mitzuspielen bekommen würde, wäre das unser absolutes Ziel. Das haben wir hier aber nicht. Was wir aber haben ist ein unglaublicher Grundstein und wir müssen unserem Traum folgen, es nach Europa und in die Champions League zu schaffen. Wir wissen, dass es nicht einfach gegen Mannschaften wird, die das gleiche Ziel mit besseren finanziellen Mitteln haben.

“Um dieses Ziel zu erreichen musste jedoch akribisch gearbeitet werden. Wie bei all seinen anderen Stationen wurde taktisch und analytisch auf höchstem Niveau gearbeitet, aber bei Everton ging er noch einen Schritt weiter. „Sie [Luella, seine Tochter] hat unser Leben verändert, aber irgendwie hat sie es auch einfacher gemacht. Unser Leben ist jetzt strukturierter. 17 Uhr ist Badezeit, 22 Uhr ist Schlafenszeit. So eine Struktur braucht man auch auf dem Platz. Ein Spieler muss acht Stunden schlafen und wenn ich nachweisen kann, dass er nicht für acht Stunden geschlafen hat, dann bekommt er eine Strafe.“

Für so manchen mag es vielleicht etwas übertrieben wirken, aber Martinez weiß was er tut und die Spieler stehen dahinter. Der Spanier machte während seiner Zeit bei Real Zaragoza seinen Bachelor in Physiotherapie und beschäftigte sich auch noch später mit Ernährungswissenschaften. Der disziplinierte Spanier achtet sehr auf die Gesundheit seiner Spieler, kaum ein anderer Verein wird womöglich bessere Werte aufweisen können, als die Spieler der Toffees. Ein Faktor, der für den Spielstil von Roberto Martinez sehr wichtig ist. Sein Spiel ist vor allem auf Ballbesitz und Flügelläufe ausgerichtet, das liegt vor allem an den gefährlichen Flügelspielern Leighton Baines und Kevin Mirallas. In den beiden vorigen Saisonen war Everton das Team mit den meisten Angriffen über Links, nur ein Viertel aller Angriffe kommen aus dem Zentrum.

Doch Fitness ist nicht alles. Wer bei Everton spielt, soll es als Privileg sehen. Roberto Martinez versucht jedem seiner Spieler klarzumachen, dass es nicht selbstverständlich ist hier zu sein. Everton ist ein Verein mit großer Vergangenheit und um ein Teil der Geschichte des Vereins zu werden, muss man hart an sich arbeiten. „Aber viele kannten die Geschichte des Vereins nicht mal“, also gab es bei jeder Busfahrt für seine Spieler ein Quiz zur Geschichte des Vereins. „Sie lernen die Vergangenheit und die Geschichte des Vereins kennen. Man kann viel aus der Vergangenheit lernen. Ich sehe mir auch oft ältere Spiele von meinen Spielern an.“ Damit will er mehr über seine Spieler erfahren und sie versuchen besser einzusetzen.

Aber während der Spanier früher viel experimentierte und probierte, scheint er sich nun festgefressen zu haben. Das strukturierte Spiel der Toffees will nicht mehr gelingen, der Spielaufbau wirkt träge und fehlerhaft. Zwar fielen in den letzten Wochen immer wieder wichtige Spieler verletzt aus, wodurch oft umgestellt werden musste, dennoch scheinen nun die einfachsten Abläufe nicht mehr zu funktionieren. Aus dem Team der Stunde wurde eine Mannschaft, die Woche für Woche weiter abbaut und sich anscheinend nicht aus der Krise befreien kann. Aus Spielern, die die Fans begeisterten, wurden Spieler, die schwerstens außer Form sind. Vor allem Howard, der eine überragende Weltmeisterschaft spielte, Barry und Jagielka dürften ihren Zenit überschritten haben. Obwohl man mit Joel Robles, Stones und Besic drei gute Ersatzmänner zur Hand hätte, scheint Martinez stur zu bleiben.

In den letzten Wochen hat man immer wieder gesehen, dass junge Spieler wie beispielsweise Besic dem Mittelfeld der Toffees deutlich mehr Dynamik verleiht als ein Gareth Barry. Gleiches gilt für die Innenverteidigung. Mit Jagielka, Distin, Alcaraz hat man drei Innenverteidiger, die zu alt und zu steif sind und nicht mehr die nötige Qualität haben, um ganz oben mitzuspielen, obwohl ein Jagielka wahrscheinlich bei einem guten Mann neben sich, sicherlich wieder aufblühen könnte. Doch stattdessen vertraut Roberto Martinez auf seine alten Mannen und lässt lieber seinen ehemaligen Wigan-Verteidiger Alcaraz spielen.

Auf den Flügel sieht das dafür zumindest schon etwas besser aus. Während Coleman und Baines vom offensiven Spielstil deutlich profitieren, scheint aber vor allem Leighton Baines defensiv viele Probleme zu haben.

Schon hinten fangen die Probleme an und im Mittelfeld setzen sie sich fort. Kevin Mirallas hat Probleme bei der Abstimmung mit seinem Hintermann Coleman und konnte bisher nur selten überzeugen, ebenso andere Flügelspieler wie McGeady oder Pienaar, und jetzt seit neuestem der stark außer Form spielende Aaron Lennon. Einzig Steven Naismith scheint zu funktionieren und auch Chelsea-Leihgabe Christian Atsu konnte hin und wieder überzeugen, aber erneut: Roberto Martinez bleibt stur. Alles bleibt beim jungen Ross Barkley hängen. Der Mittelfeldmann verfügt über enormes Potenzial und ist technisch einer der besten Spieler der Premier League, doch mental kein Spieler, der diese unstrukturierte Mannschaft leiten kann. Barkley ist ein Freigeist, ein Rebell, ein funktionierender Ablauf und Struktur sind genau das, was er braucht und nicht das, was er mit sich bringt. Und letztlich hat man vorne noch Romelu Lukaku, der – wie bereits zum Ende der vorigen Saison – immer mehr außer Form kommt und die wenigen Chancen die er bekommt auch nicht macht.

Nun liegt es an Roberto Martinez wieder zu experimentieren und jungen Spielern wie Luke Garbutt, der diese Saison ein paar wirklich überzeugende Performances bot, John Stones, womöglich der kommende Top-Innenverteidiger Englands und Muhamed Besic, ein dynamischer Wirbelwind im Mittelfeld, der in Zukunft noch viele Fans begeistern könnte, eine Chance zu geben. Obwohl sie noch recht unerfahren sind, bringen sie diszipliniert das Spiel von Martinez auf den Platz und bringen zudem frischen Wind in die Mannschaft. Wind, den der Verein derzeit dringend notwendig hat. Die Toffees liegen derzeit auf Platz 13, aber mit einem tollen Lauf in den verbleibenden Rückrunden und etwas Rückenwind, sollte man zumindest noch in der oberen Tabellenhälfte landen können.

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