Nach einem titellosen Jahr stehen die Zeichen bei Atletico vor dieser Saison voll auf Veränderung. Wiedermal erweist sich der ewige Trainer Diego Simeone als die einzig wahre Konstante bei den Colchoneros.

Nachdem der unter anderem langjährige Leitwolf und Kapitän Diego Godin, Topstar Antoine Griezmann, die Routiniers Felipe Luis und Juanfran, sowie die talentierten Rodri und Lucas Hernandes dem Verein den Rücken kehrten, hatte Simeone zwar einerseits randvolle Kassen, aber musste auch andererseits tiefe Lücken stopfen.

Nach der Vorbereitung in der man den Stadtrivalen Real mit 7:3 nach einer 6:0 Pausenführung vernichtend schlug und gegen den italienischen Serienmeister Juventus 2:1 gewann, könnte die Euphorie um den Verein kaum größer sein.

Das ist nicht zuletzt der Ankunft des kommenden Weltstars Joao Felix und seiner brillanten Amerikatour geschuldet.

Während Reals Querelen wegen Bale und Barcelonas Transfersaga rund um Neymar konnte Atletico eine ruhige Vorbereitung absolvieren.

Die Rojiblancos wollen den Titel und selten wirkten die Chancen darauf so groß, wie in diesem Jahr.

Lest auch die anderen Teile unserer Saisonvorschau!

Die Transfers

 

Die zahlreichen Abgänge, insgesamt waren es deren 14, spülten insgesamt 311,10 Millionen Euro in die Clubkassen.
Ersetzt wurden sie mit acht echten Neuzugängen und Leihrückkehrer Sime Vrsalko.

Auf den Königstransfer Felix, dessen Ausstiegsklausel Atletico 126 Millionen kostete, folgten Verstärkungen für alle Mannschaftsteile.

Besonders in der Defensive wurde – wegen der zahlreichen Abgänge – massiv nachgerüstet.

Für insgesamt 87 Millionen verpflichtete man von Espanyol den spanischen Nationalspieler Mario Hermoso und Portos Felipe für die Innenverteidigung, Sao Paulos Linksverteidigerhoffnung Renan Lodi und den englischen WM-Helden Kieran Trippier, der bei Tottenhams Finalrun in der Champions League nicht mehr die größte Rolle gespielt hatte.

Mit den erfahrenen Felipe und Trippier soll die Routine der Vereinslegenden Godin, Juanfran und Felipe Luis kompensiert werden.

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Hermoso und Lodi werden das Team für eine lange Zeit verstärken und bieten noch Entwicklungsportal.

Beide bringen ein hervorragendes Aufbauspiel mit, hatten in der Vergangenheit aber teilweise Konzentrationsprobleme und zeigten Schwächen im Tackling.

Wo, wenn nicht unter Diego Simeone sollten sie den entscheidenden Schritt Richtung Weltklasse gehen.

Insbesondere Hermoso bringt Qualitäten ins Team, die Atletico vorher gefehlt haben. Er ist der einzige Linksfuß unter den vier zentralen Verteidigern.

Im letzten Jahr dribbelte er mehr als Savic, lieferte mehr Vorlagen als Jimenez und spielte mehr Key Pässe als beide.

Im Mittelfeld bietet sich ein ähnliches Bild. Hector Herrera, der wie Felipe aus Porto verpflichtet wurde, bringt vor allem eine Menge Erfahrung mit.

Als Box to Box Spieler ist er in der Lage das ganze Feld zu bearbeiten. Bei Porto spulte er regelmäßig die meisten Kilometer ab.

Seine weiteren Stärken liegen im Passspiel und im Kopfballspiel. Herrera könnte Koke und Saul defensiv entlasten und die Freiheit verschaffen ihre offensiven Qualitäten noch mehr einzubringen.

Ein weiterer Neuzugang im defensiven Mittelfeld ist Marcos Llorente. Vom Stadtrivalen verpflichtet wird er den großartigen Rodri ersetzen, den es nach nur einem Jahr zu Peps Manchester City zog.

Ein Trainer, dessen Ideen deutlich besser zu ihm passen als Simeones. Llorente ist zwar längst nicht der elegante Passspieler wie Rodri, bringt aber typische Atletico Qualitäten zurück ins Mittelfeld des Hauptstadclubs.

Was Rodri fehlte lässt sich am besten mit „Muscle-Power“ beschreiben. Sein Spiel war nicht kräftig, sein Körper konnte keinen Eindruck schinden und ihm fehlte die Wucht. Attribute, die Marcos Llorente zu eigen sind.

Zusätzlich zu einem sicheren Spielaufbau, gefährlichen Distanzschüssen und der Fähigkeit wichtige Fouls zu ziehen, um in den richtigen Situationen Angriffe des Gegners zu unterbinden, bietet Llorente alles, was Atletico wieder zu dem Team machen könnte, das ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt hat.

Torres, Forlan, Agüero, Diego Costa, Griezman: Eine eindrucksvolle Reihe, in die mit Felix der nächste Klassestürmer einreihen könnte, der sich bei Atletico zu einem Weltklassemann entwickelt.

Nach einer begeisternden Debütsaison bei Benfica, war ganz Europa hinter dem Teenager her.

Am Ende bekam Atletico den Zuschlag. Viele hätten Felix lieber noch länger im vertrauten Umfeld in Portugal gesehen.

Auch das Atletico für einen Spieler, der erst seit einem Jahr wirklich Profi war, 126 Millionen Euro gezahlt hat, wurde kritisiert.

Von außen wird ein enormer Druck aufgebaut, den sein Landsmann Jose Mourinho folgendermaßen erklärt: „Aufgrund seines Talents und wegen seines hohen Preises muss er hier liefern. Ich glaube, dass er sich nicht vor der Verantwortung drücken kann, denn es ist egal, ob er 18, 20 oder 25 ist“

Bei Benfica spielte Felix besonders stark nachdem Bruno Lage ihn vom Flügel in die Mitte zog. Als Hängende Spitze in einem 4-4-2, in dem er fast alle Freiheiten genoss, zeigte er sich als großartiger Dribbler, Kombinationsspieler und eiskalter Vollstrecker.

Als Griezman Erbe, der bei Atletico eine ähnliche Rolle einnahm, könnte er genau diese Qualitäten in Atleticos Offensive einbringen.

Mit Galavorstellungen in der Vorbereitung hat er bewiesen, dass genau diese Erwartungen nicht überzogen sind.

Felix ist ein absolutes Juwel und nicht wenige sehen in ihm einen zukünftigen Weltfußballer-Kandidaten.

Bis jetzt zeigte er in seinem Spiel keine Schwächen. Eine größere Verantwortung in einer besseren Liga werden Prüfsteine auf seinem weiteren Weg.

In Ergänzung zu Felix wird Atletico ein heftiges Interesse an James Rodriguez nachgesagt.

Ein Transfer scheint allerdings eher unwahrscheinlich. Einerseits weil Stadtrivale Real sicher kein großes Interesse hat, den Konkurrenten weiter zu stärken. Andererseits, weil James nachgesagt wird, dass er am liebsten wieder mit seinem sportlichen Ziehvater Carlo Ancelotti zusammenabeiten würde.

 

Wie sie spielen werden

 

Einige der Sommerneuzugänge bringen typische Atletico Qualitäten zurück in die Mannschaft.

Die Abgänge stellen in vieler Hinsicht das Ende einer Ära dar. Es wird Simeones Aufgabe mit den neuen Spielern die typische Eingeschworenheit Atleticos zurückzugewinnen.

Nachdem Griezman neben seinen unbestritten herausragenden Fähigkeiten als Fußballer in den letzten Jahren auch für viel Unruhe gesorgt hat, wird sein Abgang der Teamchemie eher zuträglich sein.

Im Tor wird weiter der herausragende Slowene Oblak stehen. Er gehört zu den besten Torhütern der Welt.

Vor ihm heißt der neue Chef Jose Maria Gimenez. Der kopfballstarke Innenverteidiger wird seinen Landsmann Godin beerben und soll in seine Führungsrolle hereinwachsen.

An seiner Seite herrscht ein offener Dreikampf unter Stefan Savic, Hermoso und Felipe.

Wahrscheinlich wird im ersten Spiel gegen Getafe Felipe von Anfang an spielen.

Auf den Außenverteidigerpositionen werden Trippier und Lodi die erste Wahl sein.

Das Vierermittelfeld bietet vor dem Saisonauftakt den größten Raum für Spekulationen. In der Zentrale ist mit Koke und Herrera zu rechnen. Thomas Partey und Llorente stehen jedoch als relativ gleichwertige Optionen bereit.

Auf der rechten Außenbahn ist Saul gesetzt. Links konkurrieren Thomas Lemar und Vitolo um den verbleibenden Platz.
Simeones Lieblingsschüler Correa steht indes vor einem Abgang zum AC Mailand.

Im Sturm werden nach Diego Costas Sperre wohl Morata und Felix beginnen.
Morata, der bei Atletico wieder in die Spur fand, möchte im nächsten Jahr unbedingt mit Spanien zur EM. Seine Leistungen in dieser Saison werden der Gradmesser dafür sein.

Vermutlich wird Atletico in dieser Saison wieder mehr zu ihrem erfolgreichen Konterspiel der erfolgreichsten Simeone Jahre zurückfinden.
Llorente und Herrera bringen dem Mittelfeld die Giftigkeit und Härte vergangener tage zurück.

Gegen tiefstehende Teams bietet besonders Joao Felix neue Optionen. Sein hervorragendes Kombinationsspiel und die tollen Steckpässe sind nahezu unmöglich zu verteidigen.

Atleticos Titelchancen

 

Die Vorbereitung hat rund ums Wanda Metropolitano eine große Euphorie entstehen lassen.

Selten in den vergangenen Jahren standen die Chancen so gut, dass Atletico in der Liga ganz vorne mitmischt.

In Barcelona hat Messi erneut angekündigt, dass das größte Ziel die Champions League ist.

Nach acht Meisterschaften in den letzten zehn Jahren, könnte La Liga in den entscheidenden Wochen im Frühjahr die geringste Priorität sein.

Bei Real ist die Situation noch ungewisser. Nach dem tiefen Umbruch und mit Zinedine Zidane schien die Mannschaft noch nicht allzu eingespielt.

Dazu kommt, dass viele der Neuzugänge jung sind und sich erstmal an den Druck beim größten Club der Welt gewöhnen müssen.

Obwohl auch Atletico viel verändert hat, könnte genau darin die große Chance liegen.
Kontinuität herrscht nämlich vor allem in den Ideen des Trainers, Diego Simeone, der neben Messi mittlerweile die größte Konstante in La Liga ist.

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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga.