Trotz einiger namhafter Abgänge ist Benfica auch diese Saison der große Favorit auf den Meistertitel in Portugal.

Trainer Bruno Lage verlor zwar mit Jonas und Joao Felix einerseits den besten Torjäger der vergangenen Jahre und andererseits den vielleicht besten Teenager der Welt, kann aber trotzdem auf ein hochtalentiertes und eingespieltes Team zurückgreifen.

Insgesamt nahm der Verein im Sommer 188,2 Millionen Euro durch Spielerverkäufe ein. Davon wurden bislang 43,5 Millionen reinvestiert. Weitere Transfers sollen noch folgen.

Im letzten Jahr feuerte man nach einem turbulenten Start den ehemaligen Erfolgscoach Rui Vitoria.

Besonders die Beförderung des Reservetrainers Lage, der in 28 Spielen im Schnitt unglaubliche 2,43 Punkte pro Spiel holte, sorgte am Ende dafür, dass Benfica am Ende trotzdem den Titel feiern konnte.

Weil Porto mitten in einem Umbruch steckt und Sporting keine wirkliche Konkurrenz zu sein scheint, sind die Erwartungen enorm.

Im ersten Pflichtspiel der Saison gewann Benfica mit einem 5:0 gegen Sporting den Supercup.

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Die Mannschaft

 

Von Benficas Arbeit bei der Entwicklung von Spielern haben in den letzten Jahren viele profitiert.

Der Verein lässt sich das zwar gut bezahlen, stand in der Vergangenheit aber häufig vor dem Problem, dass Jahr für Jahr mehrere Leistungsträger ersetzt werden mussten.

Zwar verlor man mit Joao Felix einen der überragenden Offensivakteure der vergangenen Saison, doch der Rest der Mannschaft konnte zusammengehalten werden.

Zusätzlich zu den 126 Millionen, die sich Atletico den Transfer des künftigen Superstars kosten ließ, nahmen die Aguias noch über 50 Millionen Euro für drei Spieler ein, die im letzten Jahr gar nicht mehr zum Team gehörten: Luca Jovic, Raul Jimenez und Andre Carillo.

Gut für Lage, der rund um die erfahrenen Anführer Samaris und Pizzi weiter auf die Stammspieler aus der letzten Saison zurückgreifen kann, die durch einen scheinbar unerschöpflichen Pool aus Talenten ergänzt werden.

Das Tor wird der in Stuttgart geborene Odisseas Vlachodimos hüten.

Nachdem die Bemühungen um Mattia Perin nach dessen erneuter Verletzung eingestellt wurden, ist man trotzdem noch auf der Suche nach einem Konkurrenten, der den Griechen unter Druck setzen soll.

Obwohl der routinierte Jardel Mannschaftkapitän ist, scheinen sich die 22jährigen Ruben Dias und Ferro die Plätze in der Innenverteidigung gesichert zu haben.

Die beiden Eigengewächse überzeugen besonders im Spielaufbau.

Solange Rechtsverteidiger Andre Almeida verletzt ausfällt, werden zwei junge Spieler ihn als rechten Verteidiger vertreten müssen.

Der 19 Jahre alte Nuno Tavares durfte gegen Sporting spielen und lieferte eine tadellose Leistung ab. Er ist links und rechts in der Viererkette einsetzbar.

Sein Konkurrent, der Nigerianer Tyronne Ebuehi stand im selben Spiel erstmals im Benfica Kader. In der vergangenen Saison konnte er wegen einer Knieverletzung keine einzige Partie absolvieren.

Auf der anderen Seite ist indes Alejandro Grimaldo gesetzt. Mehrfach wurde er schon von Manchester City und Barcelona umworben.

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Bei Os Escarnardos ist der Standardspezialist einer der absoluten Leistungsträger und nicht aus der Startelf wegzudenken.

Im Zentralen Mittelfeld, ist das Team besonders gut besetzt. Seit Lages Amtsantritt feierte besonders der bereits ausgebootete Andreas Samaris einen zweiten Frühling.

Sein etatmäßiger Nebenmann Gabriel, der besonders durch seine hervorragenden Diagonalbälle ein existenzieller Bestandteil der Meistermannschaft war, verletzte sich indes im Supercup am Außenband.

Um seinen Platz werden Neuzugang Chiquinho und die Nachwuchshoffnungen Florentino Luís und Gedson Fernandes konkurrieren.

Die besten Chancen darf sich dabei derzeit Florentino ausrechnen.

Auf den offensiven Flügelpositionen sind Pizzi und Rafa Silva absolut gesetzt. Ihre großartige Harmonie setzte sich indes auch gegen Sporting vor, als Sie sich gegenseitig mehrere Tore auflegten.

Ihre Konkurrenten Zivkovic und Cervi werden sich hinten anstellen müssen.

Die einzige Position, auf der ein Neuzugang in der Startelf stehen wird, ist die vakante Stürmerrolle neben dem Torschützenkönig Haris Seferovic.

Mit Raul de Tomas und Vinicius wurden zwei neue Stürmer verpflichtet. De Tomas, der letztes Jahr für Rayo 14 Tore in La Liga erzielte, hat derzeit die Nase vorn.

In der Vorbereitung überzeugte er besonders mit seinen aberwitzigen Dribblings. Der 24jährige hat alle Möglichkeiten in den nächsten Jahren in Portugal zu einem Stürmer der Weltklasse zu reifen.

 


Eine der interessantesten Personalien im Kader wurde bisher noch gar nicht genannt: Mit Jota steht ein Spieler vor seiner ersten Profisaison, dem sogar noch mehr Talent als Joao Felix nachgesagt wird.

Er ist in der Lage jede Position in der Offensive zu spielen und wird schon bald begeistern.

Wie sie spielen

 

Als Lage in der letzten Saison zum Interimstrainer der ersten Mannschaft ernannt wurde, hatte Benfica schon drei Spiele verloren.

Porto thronte auf dem ersten Platz und schien auf dem besten Weg den zweiten Titel in Folge zu holen.

Unter Lage gewannen die Hauptstädter dann 18 der 19 verbleibenden Spiele und am Ende auch den Titel mit zwei Punkten Vorsprung auf Porto.

Besonders offensiv war Lages Team der Konkurrenz geradezu grotesk überlegen.
Dass Benfica am Ende 103 Tore erzielen konnte, war direkt auf den Trainer zurückzuführen.

Als erste Amtshandlung warf er Vitorias 4-3-3 über Bord und ersetzte es durch ein 4-4-2 mit zwei Sechsern, zwei offensiveren Flügelstürmer, einer hängenden und einer echten Spitze.

Das neue System beinhaltete einige Rollen, in denen manche Spieler nahezu perfekt aufgehoben waren.

So wurde zum Beispiel Felix vom Flügelspieler in die Mitte neben Seferovic gezogen, wo er mit intelligenten Läufen, starken Dribblings und Steckbällen und einem starken Stellungsspiel stets für Torgefahr sorgen konnte.

Ein Profil, das in der neuen Saison besonders zu den Fähigkeiten von de Tomas passen wird. Der kombinations- und dribbelstarken Stürmer ist prädestiniert, um eine gute Bindung zwischen Seferovic und dem Mittelfeld zu schaffen.

Auch auf Jota darf man im Laufe der Saison auf dieser Position gespannt sein. Die großen Freiheiten in der Mitte des Platzes sind eine tolle Chance für ihn, um seine Fähigkeiten direkt ins Spiel einzubringen.

Pizzi, der unter Vitoria lange im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, zog Lage auf die rechte Offensivseite.

Seine größten Qualitäten hat er unbestritten in der Vorwärtsbewegung. Näher am letzten Drittel konnte er nun seine Torgefahr deutlich besser ausspielen.

Dafür überlud Benfica gerne den rechten Flügel, indem Seferovic eng auf die rechte Seite zog und Rafa in die Mitte nachrückte. Gleichzeitig hinterlief Außenverteidiger Almeida.

Felix hingegen orientierte sich auf die ballferne Seite.

Die schnellen Kombinationen wurden stets von einem der Sechser abgesichert, der nach Bedarf versuchte, verlorene Bälle direkt zurückzuerobern, um den Druck hoch zu halten.

Der größte Gewinner dieser Umstellungen war Andreas Samaris, der eigentlich bereits gehen sollte, aber nun einen neuen Vertrag erhielt.

Er überzeugte besonders durch seine Absicherung, die viel Druck von den oft aufgerückten Außenverteidigern nahm, und gleichzeitig seinem Nebenmann, dem tiefen Spielmacher Freiheiten verschaffte.

Eine Position, auf der in der letzten Saison Gabriel gesetzt war. Seine Aufgabe bestand vor allem darin mit exakten Diagonalbällen den Ball auf die Seite zu spielen, die von den vorderen Vier überladen wurde. Nach seiner Verletzung ist diese Rolle vakant.

Die offensiven Außenverteidiger waren ein weiteres Puzzlestück für Benficas Torgefahr. Almeida und Grimaldo lieferten 11 respektive 12 Asissts.

Gegen den Ball verteidigt Benfica mit einem flachen 4-4-2. Die Stürmer versuchen dabei den geordneten Spielaufbau des Gegners zu unterbinden.

Wenn das nicht gelingt versuchen die Sechser sofort Druck auf die ballführenden Mittelfeldspieler des Gegners auszuüben.

Mit den Zugängen von de Tomas, Vinicius, Jhonder Cadiz und Jota wurde dringend benötigte Tiefe im Sturm geschaffen.

Gerüchte um Luca Waldschmidt und ein Angebot für Giovanni Lo Celso untermauern, dass Benfica trotzdem noch weiter auf dem Transfermarkt aktiv sein will und wird.

Gabriels und Almeidas Verletzungen werden zusätzliche Versuche intensivieren.

Will man in der Champions League endlich mal wieder ins Viertelfinale vorstoßen, werden weitere Zugänge nötig sein.

Die aufregendsten Youngster

 

Der junge Kader ist mit hervorragenden Talenten gespickt.

Mit Dias und Ferro (beide 22), Florentino und Gedson (19 und 20) stehen vier Eigengewächse im Kader, die schon in der letzten Saison eine Rolle in der ersten Mannschaft spielten.

Während Dias und Ferro gesetzt sind, müssen sich die beiden Mittelfeldspieler Florentino und Gedson in den Fokus des Trainers spielen.

Die besseren Chancen sind dabei eher Florentino auszurechnen, der im Super Cup von Beginn an spielte und in der letzten Saison besonders in der Rückrunde immer mehr Spielanteile bekam.

Seine größten Stärken sind sein Tackling und das abfangen von Bällen. Er hat ein gutes Passspiel und bringt trotz seiner jungen Jahre eine beeindruckende Körperlichkeit mit.

Mit seinen Fähigkeiten ist er der optimale Nachfolger von Samaris und wird in dieser Saison eine Menge Spielzeit bekommen.

Anders sieht es indes bei Gedson aus, der unter Vitoria hervorragend in die letzte Saison kam. Unter Lage spielte er weniger, was einerseits mit Formschwankungen, aber in erster Linie mit den neuen taktischen Anforderungen zu tun hatte.

Um statt Samaris zu spielen denkt er zu offensiv, auf den Flügeln konnte er zwar durchaus überzeugen, ist aber Rafa und Pizzi noch unterlegen. Und in der tiefen Spielmacherposition wären seine Stärken verschwendet.

Gedson ist ein starker Dribbler und kombiniert gerne auf engstem Raum. Gefragt sind aber vor allem saubere Diagonalbälle auf die Außenbahnen.

Neu im Kader sind Jota (20) und Tavares (19).

Tavares ist ein auf beiden Seiten einsetzbarer Außenverteidiger, der als Back Up zu vielen Einsätzen kommen wird. Am Anfang der Saison wird er den verletzen Almeida vertreten.

Jota hingegen wird zugetraut der nächste ganz große Star aus dem Benfica-Stall zu werden.

Seine Stärken liegen insbesondere im Dribbling. Mit großer Geschwindigkeit schafft er es fast jeden Gegenspieler im 1 gegen 1 zu überwinden, was ihm Vergleiche zu Eden Hazard einbrachte.

Ihn werden wir auf jeder Offensivposition bewundern dürfen und es würde mich nicht wundern, könnte er leistungstechnisch in die Fußstapfen eines Felix treten.

Fazit

 

Benficas aufregender Fußball unter Lage und die große Zahl an jungen Talenten macht das Estadio da Luz zu einem der interessantesten Schauplätze der nächsten Saison.

Benfica sind die ambitionierten Ziele absolut zuzutrauen. Dass Überraschungen mitunter auch in Europa möglich sind, zeigte die letzte Saison von Ajax.

In unserer Serie über den portugiesischen Rekordmeister werden wir die Mannschaft eng durch die Saison begleiten.

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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga.