Kaum ein Verein hat eine derart unruhige Transferperiode hinter sich wie der FC Bayern München.

Eine Pleite auf dem Transfermarkt jagte die nächste, während sowohl Spieler als auch Trainer Niko Kovac unmissverständlich Verstärkungen forderten.

Das Sportliche stand zunächst hinten an. Der FC Bayern steht – stand heute – vor einer schwierigen Saison.

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FC Bayern Saisonvorschau:

Uli Hoeneß hat sich an diesem 24. Februar dieses Jahres sicher keinen Gefallen getan. In der Talkrunde des Sport1-“Doppelpass“ gerät der Präsident unter Dauerbeschuss.

Ein ums andere Mal muss er sowohl die Mannschaft, als auch Trainer Niko Kovac und die Transferpolitik des Vereins verteidigen.

Dabei lässt er sich zu einer Aussage hinreißen, die den Verein noch Monate später verfolgen wird: „Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison!“, kündigt er stolz an.

Sechs Monate später berichten die Zeitungen erneut von dieser Aussage. Der Hintergrund dieser Berichterstattung sind jedoch nicht getätigte Transfers des Rekordmeisters.

Ein halbes Jahr nach der Ankündigung des Präsidenten scheint sich der FC Bayern verrannt zu haben. Angefangen bei Timo Werner über Nicolas Pépé und Hakim Ziyech, bis hin zur Posse mit Leroy Sané: Die Münchner handelten sich in diesem Sommer mehr Körbe ein als betrunkene Erstsemester auf dem Oktoberfest.

Das hat nicht nur zur Folge, dass der deutsche Rekordmeister vor mehreren europäischen Topclubs die Lederhosen herunterlassen muss, um den viel zu kleinen Kader zu verstärken. Vielmehr ist es die Unruhe, die schon seit Beginn der Vorbereitung rund um den Verein herrscht.

 

Niko Kovac hängt immer noch am seidenen Faden

 
Zur Erinnerung: Es ist nicht lange her, da spekulierte Deutschland über eine mögliche Entlassung oder einen Rücktritt des Cheftrainers der Bayern.

Nach einer sportlich nicht vollends überzeugenden Saison vermieden die Vereinschefs in etwa so lange ein Bekenntnis zu Kovac, wie sie gerade auf der Suche nach Neuzugängen sind.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der 47-Jährige spätestens in dieser Saison überzeugen muss. Eine weitere derartige Hängepartie im Kampf um die deutsche Meisterschaft wie im Vorjahr werden die Vereinschefs nicht dulden.

Auf einen stärkeren und vor allem breiteren Kader kann Kovac dabei jedoch nicht bauen. Die Abgänge von Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha waren lange geplant.

Besonders auf den Außenpositionen klafft hier nun eine Lücke, die mit der Leihe von Ivan Perisic zum einen nicht nur sehr dürftig, sondern auch nur mit der C-Lösung bekleidet wurde.

Im Zentrum wurde James Rodriguez trotz Kaufoption nicht verpflichtet, einen Ersatz gibt es, stand heute, noch nicht.

Einzig und allein in der Abwehr hat der FC Bayern nachgerüstet: Neben dem 80-Millionen-Neuzugang Lucas Hernandez kam Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart.

Somit wurden die Abgänge von Mats Hummels und Rafinha quantitativ gleichwertig ersetzt: Die Positionen in der Innenverteidigung und die des Linksverteidigers sind nun doppelt besetzt, während es im Kader der Münchner derzeit keinen gelernten Ersatz für Joshua Kimmich gibt, jedoch dürfte Pavard wie bereits in der Nationalmannschaft sein Backup sein.

So befinden sich im Kader der Bayern derzeit 19 Feldspieler, darunter auch die einst wechselwilligen Jerome Boateng und Renato Sanches.

Zu diesen Feldspielern zählen unter anderem auch Jann-Fiete Arp, Lars-Lukas Mai und Sarpreet Singh.

Alle zusammen kommen gerade einmal auf 20 Bundesligaspiele. Der Kader des Rekordmeisters ist auf Kante genäht, Verletzungen könnten auf einigen Positionen verheerende Folgen haben.

 

Die Transferposse – kommt da noch was?

 
Vor dem DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus versprach Niko Kovac weitere Neuzugänge: „Unsere drei Chefs arbeiten fleißig daran und Sie können sich sicher sein, dass wir bis zum 2. September noch etwas bekommen werden.“, so der 47-jährige.

Einerseits sind diese Verstärkungen dringend notwendig, andererseits stellt sich die Frage, was dieses „etwas“ sein wird. Seit Monaten sind die Münchner Teil der Spekulationen um Ousmane Dembélé, Gareth Bale oder Philippe Coutinho.

Mit der Zeit schwindet jedoch die Hoffnung, dass in diesem Sommer an der Säbener Straße noch ein Großkaliber präsentiert wird.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bayern in der Breite noch nachlegen müssen, um in drei Wettbewerben konkurrenzfähig zu sein. Nach der Verpflichtung von Perisic steht nun auch ein Transfer von Mario Mandzukic im Raum.

Zwar hat sich dieser schon auf europäischer Bühne bewiesen, eine A-Lösung für die Problempositionen auf den Flügeln wäre allerdings auch er nicht.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Kader überhaupt einen internationalen Topspieler braucht.
 

Die Qualität der ersten Elf stimmt

 
Es ist natürlich utopisch, dass der FC Bayern ohne Verletzungen durch die Saison kommt.

Besonders bei in der Vergangenheit von Verletzungen geplagten Spielern wie Kingsley Coman oder von Kreuzbandrissen Rekonvaleszenten wie Corentin Colisso oder Lucas Hernandez ist das Risiko hoch, dass sie den Bayern nochmals für einige Zeit fehlen könnten.

Dennoch verfügt die erste Elf der Münchner über eine hohe Qualität. Mit Serge Gnabry und Kingsley Coman hat der Rekordmeister immer noch über eine „Flügelzange“ von internationaler Klasse.

Generell steht mit Niklas Süle, Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Serge Gnabry ein großer, wichtiger Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft im Kader der Bayern – was dem Selbstverständnis des Vereins entspricht.

Sollte der FC Bayern fit und vollständig in ein Spiel gehen, ist die Favoritenrolle immer noch schnell verteilt.

Auch auf europäischem Niveau sind die Münchner damit konkurrenzfähig. Dennoch ist das eine Utopie, da die lange Saison ihren Tribut zollen wird.

 

Ein Sommer mit schweren Folgen?

 
Sollte der FC Bayern also bis zum 2. September nicht die angekündigten Neuzugänge, oder weiterhin nur C-Lösungen wie Ivan Perisic präsentieren können, wird dem Rekordmeister eine schwere Saison bevorstehen.

In diesem Fall würde nicht nur die sportliche Qualität leiden – auch das nationale und internationale Ansehen des Vereins würde dadurch beschädigt werden.

Die kleinlaute Entschuldigung bei Manchester City nach den Aussagen Kovacs zu einem möglichen Transfer von Leroy Sané waren schon beispielhaft für das derzeitige internationale Standing der Münchner.

Im Kader des Rekordmeisters macht sich indes Unzufriedenheit breit, was sich über die gesamte Saison ziehen und Abgänge zur Folge haben könnte.

Hier spielen vor allem das Selbstverständnis und die dazu passenden Aussagen von Uli Hoeneß eine große Rolle: Der FC Bayern verkauft sich derzeit als „Big Player“, handelt aber nicht wie einer.

Die Signalwirkung dessen auf eigene, aber auch fremde Spieler könnte verheerende Folgen für die nächsten Jahre haben.

All das könnte am 2. September hinfällig sein, wenn Hasan Salihamidzic bis dahin Leroy Sané, Ousmane Dembélé oder Philippe Coutinho präsentiert hat.

Dann würden wir wohl mal wieder davon sprechen, dass Uli Hoeneß doch irgendwie Recht behalten hat, und der FC Bayern mal wieder FC Bayern-Dinge gemacht hat.

Derzeit scheint diese Aussicht jedoch eher unwahrscheinlich zu sein. Der Rekordmeister zeigt sich nach Jahren der Dominanz wieder verwundbar.

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Oliver Gewald
Written by Oliver Gewald
Kreisligacoach, der auf Taktiktrends aus der ganzen Welt steht. "Mike Hanke Fußballgott!"