Manchester United benötigt wieder einmal einen frischen Anstrich und eine Umstrukturierung. Und jetzt, da Ole Gunnar Solskjær in seine erste komplette Saison als Trainer eintritt, hat United viel zu verbessern, verglichen mit einer insgesamt enttäuschenden letzten Saison.

Nach der Entlassung von José Mourinhos genoss Solskjær die ersten positiven Monate, gewann an Boden im Rennen um die Top vier, trieb Schlüsselspieler zu guten Leistungen an und gewann wichtige Schlüsselspiele.

Lest auch die anderen Teile unserer Saisonvorschau!


 

Manchester United Saisonvorschau

 
Aber die gute From und das Glück schlugen bei United schnell um, die sie am Ende der Saison plagten. Mit dem Ausscheiden aus der Champions League und dem FA-Cup sowie schlechten Leistungen in der Premier League, die ihren Teil dazu beitrug, dass United nicht unter den ersten Vier landete.

Aber jetzt ist die Gelegenheit für einen Neuanfang mit neuen Ideen und neuen Spielern, um das Team zu verstärken, auch wenn es Zeit braucht, die Erwartungen zu erfüllen.

Zunächst einmal sollte geklärt werden, was Ole Gunnar Solskjær überhaupt auszeichnet.

Zu Beginn seiner Trainerlaufbahn leitete er drei Jahre lang die Nachwuchsmannschaften von Manchester United, bevor er nach Molde und dann nach Cardiff City wechselte. Die Waliser feierten damals mit ihm ihre Debütsaison in der Premier League, bevor er nach Molde zurückkehrte und schließlich als Trainer der ersten Mannschaft von United nach England zurückkam.

Solskjær spielt gerne schnellen, auf den Umschaltmoment basierenden Fußball. Manchester United soll nach seiner Auffassung die Breite im Offensivspiel nutzen und sich wünschen, dass sie auch im eigenen Ballbesitz weiträumig agiert.

Der Norweger wird auch die Möglichkeiten, die in der Jugendakademie zur Verfügung stehen, angemessen nutzen wollen: Stürmer Mason Greenwood, Innenverteidiger Axel Tuanzebe, Flügelspieler Tahith Chong und der offensive Mittelfeldspieler Angel Gomes spielten während der Vorbereitung eine ordentliche Rolle.
 

Wie gut war das Transferfenster?

 
United hat in diesem Sommer drei Neuzugänge verbuchen können. Daniel James startete mit einem 15 Mio.-Transfer von Swansea City, woraufhin Aaron Wan-Bissaka vom Crystal Palace für fast 60 Millionen Euro geholt wurde.

Vor wenigen Tagen lotste man noch Harry Maguire von Leicester City zu einer Rekordsumme von über 80 Millionen Euro ins Theatre of Dreams.

Daniel James ist ein idealer Transfer für eine langfristige Planung, wenn man bedenkt, wie alt er ist und wie er zu Solskjær Taktik passt. Der 21-Jährige ist im breitangelegten Offensivspiel der Red Devils auf dem Flügel geeigneter als zum Beispiel Juan Mata.

James ist ein sehr schneller Flügel, der rechts oder links spielen kann, und ist am besten in Kontermannschaften aufgehoben. United hat ein ziemlich hohes Tempo und James wird sich genau anpassen.

ManU musste auf der rechten Defensivseite auf jeden Fall nachlegen, das war vor dem Sommer bereits klar. Mit einem vielversprechenden, aber defensiv wackligen Diogo Dalot und einem alternden Ashley Young als Stammspieler musste man sich verstärken.

Mit Aaron Wan-Bissaka kam der perfekte Mann hierfür. Er ist sehr guter Allrounder, aber aus defensiver Sicht besonders beeindruckend. Wan-Bissaka bietet eine ausgezeichnete Positionierung und wurde letzte Saison wurde selten ausgedribbelt, als er überragende 129 Tackles zeigte.

Die Schnelligkeit von Wan-Bissaka bei den Übergängen wird es auch dem Rechtsverteidiger ermöglichen, die Innenverteidigung zu unterstützen, wenn United Konter verteidigen muss.

Wan-Bissaka ist auch im offensiven Sinne nützlich. Für Crystal Palace spielte er eine durchaus tragende Rolle bei eigenen Gegenangriffen; bei einem 0:2-Sieg gegen Fulham machte er einen Lauf auf der rechten Seite und legte Wilfred Zaha das 0:2 auf.

Wan-Bissaka wird sowohl das Tempo bieten, um sich effektiv zu überlappen, als auch Wan-Bissaka war ein Flügelstürmer auf Jugendebene, bevor er auf Full-Back wechselte, und sorgte als United-Angriff für Überlastungen in weiten Teilen.

Interessant wird sein, wie sich Wan-Bissaka an verschiedene Fußballstile anpassen wird. Solskjærs United wird bestrebt sein, mehr vom Spiel zu haben als Palace und von hinten zu eröffnen, so dass der Rechtsverteidiger mehr vom Ball in tieferen Zonen haben wird.

Die strategische wie positionelle Ausrichtung Uniteds ist flexibel und wird beide Außenverteidiger auch in die Mitte schieben lassen, um den Aufbau in zentralen Bereichen zu unterstützen und das Mittelfeld zu dominieren, während Flügel usw. höher bleiben können.

Aus defensiver Sicht wird United nicht wie Crystal Palace in der vergangenen Saison tief verteidigen, sondern hoch und aggressiv gegen die gegnerische Verteidigung bzw. das Mittelfeld pressen.

Von allen Neuzugängen, die United getätigt hat, war Harry Maguire wohl der notwendigste.

Viele der Probleme, mit denen United in der vergangenen Saison konfrontiert war, waren Probleme in der Verteidigung. Seien es die fehlende Verbindung zwischen Verteidigung und Angriff, die schlechte Struktur oder mangelnde Verteidigung gegen Gegenangriffe.

Nicht nur die Gewöhnung an Solskjærs Taktik, sondern auch Harry Maguire könnte viele der Probleme der Abwehr aus der letzten Saison lösen, sowohl mit als auch ohne Ball.

Im Gegensatz zu den anderen Innenverteidigern, die Manchester United zur Verfügung stehen, ist Maguire im Ballbesitz weitaus sicherer. Vor allem darin, den Ball von der Verteidigung ins Mittelfeld zu tragen.

Der Engländer kann ein hohes Pressing umspielen – was wichtig ist, da das aggressive Anlaufen mittlerweile ein so wichtiger Teil des englischen Fußballs ist – und Ballbesitz im Mittelfeld schaffen. Maguire gewann in der vergangenen Saison 17 offensive Zweikämpfe, mehr als alle anderen Innenverteidiger von Uniteds.

Wenn der Mannschaftsverbund höher schiebt, werden die Angreifer versuchen, den Ball aus tieferen Positionen zu erhalten, und Maguire war dafür bei Leicester herausragend.

Beim 3:0-Sieg gegen Arsenal, hatten Leicester’s Innenverteidiger auch die Möglichkeit, diagonale Pässe in die Breite zu spielen, da die Außenverteidiger die Tiefe gaben.

Maguire spielte in der vergangenen Saison 191 erfolgreiche lange Bälle. Gegen Arsenal funktionierten diese wie ein Schweizer Uhrwerk. Diese Art von Wechsel aus der Tiefe würde zu den Stürmern von United passen, die den Ball gerne in den Lauf fordern. Rashford, Martial und Daniel James können hier ihre Stärken ausspielen.

Der Neuzugang ermöglicht United nicht nur einen variableren Aufbau, sondern auch positionell. Obwohl Solskjær wahrscheinlich ein flexibles 4-2-3-1 nutzen wird, konnte sich Maguire bei der Weltmeisterschaft 2018 in einem Dreierketten-System durchsetzen.

Solskjaer verstrickte sich in der letzten Saison mit einer Dreierkette, obwohl es diesmal mit einer verbesserten letzten Linie besser ausgeführt werden kann. Maguire kann die letzte Linie anführen. Diese Art von Führungsqualitäten sind genau das, was United braucht, um Zusammenhalt und Struktur für seine Verteidigung zu finden.
 

Wird Paul Pogba bei Manchester United bleiben?

 
Spekulationen gab es um Paul Pogba immer wieder, ob er Manchester United in diesem Transferfenster verlassen wird oder nicht. Real Madrid gilt hier als heißer Abnehmer, aber nun scheint es, dass die Madrilenen aufgrund des Kaufrausches Anfang des Sommers sich Pogba nicht mehr leisten können.

Ajax‘ Donny van de Beek wurde als Alternative gehandelt, während Solskjær einerseits erklärt hat, dass Pogba sicher bleiben wird und andererseits: Kann es sich Manchester United ehrlich leisten, Pogba zu verkaufen?

United würde den Franzosen aus spielerischer Sicht vermissen und mit Zeitdruck händeringend nach einem Ersatz suchen müssen. Obwohl man Berichten zufolge ein Angebot für Christian Eriksen von Tottenham Hotspur gemacht hat, wäre es albern ihn zu verkaufen.

Schafft man es, Paul Pogba zu halten und ihn bei Laune zu halten, haben die Red Devils durchaus die Möglichkeit die Top Vier anzugreifen.

Insbesondere hinter Manchester City, Liverpool und den Spurs ist das Verfolgerfeld offen wie lange nicht. Die hohen Ausgaben und Gerüchte um Spieler wie Dybala und Bruno Fernandes schüren Hoffnungen bei den Fans und sorgen andererseits für viel Kritik.

Zu den hohen Summen für Maguire und Wan-Bissaka sei nur so viel gesagt: Beide sind fertige Premier-League-Spieler, kennen die Liga und sind Engländer. Qualität hat seinen Preis und Manchester United hatte in der Vergangenheit oft Probleme mit Spielern, die aus anderen Ligen kamen und Probleme hatten sich anzupassen.

Für Ole Gunnar Solskjær wird diese Saison die wohl wichtigste seiner noch jungen Trainerkarriere werden.

Share: