Nachdem die Saison 2018/19 für Paris Saint-Germain vielversprechend begonnen hatte, folgte wie so oft in den letzten Jahren ein peinliches Aus in der Champions League, die ja bekanntermaßen PSGs Steckenpferd ist.

Die Finalniederlage im Coupe de France gegen Stade Rennes – inklusive Neymar-Ohrfeige gegen einen Zuschauer – hinterließ einen üblen Beigeschmack und verstärkte das Bild eines kollabierenden Teams, das ohnehin vornehmlich aus stets wechselbereiten Legionären besteht.

Zwar wurden im Sommer überlegte Transfers getätigt, die grundlegenden Probleme des ambitionierten Projekts bleiben aber bestehen.

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PSG Saisonvorschau

Zum ersten Mal seit geraumer Zeit gaben die Hauptstädter nicht mehr auf dem Transfermarkt aus als sie einnahmen.

Mit Lo Celso, Diaby, Nkunku, Weah (und vorrausichtlich auch NSoki) wurden vielversprechende Talente verkauft. Die Altstars Buffon und Alves verließen den Klub ablösefrei.

Dafür kamen mit Gueye, Sarabia und Herrera etablierte Spieler im besten Fußballer-Alter. Die Message ist klar: Der unmittelbare Erfolg steht über allem. Eine vereinsspezifische Identität lässt sich so aber freilich nicht entwickeln.

Einzig die Verpflichtung von Innenverteidiger Diallo kann als Investition in die langfristige Zukunft betrachtet werden.

Doch wie weit man bei den Besitzern der QSI (staatliche katarische Investorengruppe) überhaupt in die Zukunft plant, ist unklar. Ein Engagement über die WM 2022 in Katar heraus, ist zumindest fragwürdig.

Der neue alte Sportdirektor Leonardo, der den glücklosen und wenig beliebten Antero Henrique beerbt, fand bei seinem Amtsantritt im Juni einen Kader vor, der für verschiedene Phasen des katarischen Investments steht und daher nicht allzu überlegt zusammengestellt war.

Vor diesem Hintergrund wurden vergleichsweise vernünftige Akquisitionen durchgeführt.

Punktuelle Verbesserungen

Insbesondere Ander Herrera und Pablo Sarabia sind echte Schnäppchen. Ersterer kam nach einer insgesamt eher enttäuschenden Zeit ablösefrei von Manchester United und soll Adrien Rabiot ersetzen helfen.

Letzterer hingegen verstärkt die Hauptstädter im Gegenzug für die Ausstiegsklausel von 18 Millionen € an den FC Sevilla, und wurde damit klar unter Marktwert verpflichtet.

Die beiden können sich genauso wie die anderen beiden Neuzugänge Idrissa Gana Gueye und Abdou Diallo Hoffnungen auf einen Stammplatz machen.

Gueye wurde für 30 Millionen € von Everton verpflichtet und polstert das nur dünn besetzte defensive Mittelfeld um Leandro Paredes aus. Diallo dagegen (32 Millionen € Ablöse an den BVB) verschärft den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung.

Doch trotz der zwei Neuzugänge bleibt das defensive bzw. zentrale Mittelfeld ein Problem. Im Vergleich zu anderen Anwärtern auf die europäische Krone fehlt hier schlicht die Weltklasse.

Einzig Marco Verratti kann sich dieses Prädikat hin und wieder verdienen, ist aber letztlich zu inkonstant und seine Entwicklung seit einiger Zeit in Stagnation begriffen.

Der passstarke Sarabia ist eine von vielen starken Optionen im Prunkstück der Mannschaft: dem Angriff. Dort könnte er die ab und an schwache Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm beheben helfen.

Doch ob er dort auch mit einem der besten Spieler der Welt um Spielzeit kämpfen wird, ist noch ungewiss.

Ein Schatten über Paris

Die Wechselsaga um Neymar schwebt schon seit geraumer Zeit unheilvoll über dem Prinzenpark. Schon wenige Wochen nach dessen spektakulärer Ankunft in Paris machten Gerüchte um einen Wechsel zu Real Madrid die Runde.

Inzwischen ist der FC Barcelona die wahrscheinlichste Option für den Exzentriker. Wenn auch sich die Königlichen aus Madrid weiter Hoffnungen machen.

Mit dem brasilianischen Stürmerstar hat sich PSG 2017 einen Spieler in den Klub geholt, der sich von Anfang an als bedeutsamer als sein Arbeitgeber empfand. Und vielleicht hatte er damit nicht einmal so unrecht.

Die Fabelsumme von 222 Millionen € machte PSG hochgradig erpressbar.

Das Spiel der Rouge et Bleu wurde komplett auf den teuersten Neuzugang der Fußballgeschichte zugeschnitten, Rekordtorschütze Cavani im Zuges des Penaltygate vor den Kopf gestoßen und Megatalent Kylian Mbappé im Angriff oft sträflich vernachlässigt.

Quelle: https://www.instagram.com/p/BZjZZZHDTy8/?igshid=1tqkfl7zd226y

Nach zwei Jahren hinterlässt der Brasilianer verbrannte Erde. Er hat gezeigt, dass er nicht in der Lage ist der Anführer einer Spitzenmannschaft zu sein. Wenn auch die unüberlegt zusammengestellten Kader sicherlich keine Hilfe waren.

Ein Abgang Neymars in dieser Transferperiode muss nicht nur erklärtes Ziel seiner potenziellen Abnehmer, sondern auch von Paris Saint-Germain selbst sein.

Denn sportlich ist PSG keinen Schritt weiter als 2017. Nur ein Kalkül des historischen Transfers ist aufgegangen: Publicity für die Investoren aus Katar.

Die Pariser wirkten ohne ihren designierten Superstar oft balancierter und der Angriff für den Gegner schwerer ausrechenbar.

Ohnehin gehört die Zukunft Mbappé und dieser muss Jahr für Jahr von einem Verbleib in la ville lumière überzeugt werden.

Erfolg auf der europäischen Bühne ist das einzige Argument, das noch zählt.

Tuchels schwierige Mission

Doch wie soll dieser bewerkstelligt werden? Grundsätzlich wird ein Abgang Neymars dem Team fußballerisch tendenziell eher von Nutzen sein.

Ein auf dem linken Flügel isolierter Neymar der seine Mätzchen abzieht mag zwar für Highlight-Clips zuträglich sein, nicht jedoch für Erfolg in der Königsklasse.

Aber es gibt auch einige Fallstricke für den deutschen Übungsleiter Thomas Tuchel. Donatello Mbappé hat im letzten Jahr bewiesen, dass er als zentraler Stoßstürmer am besten funktioniert.

Doch diese Position hält unser Namenspatron Edinson Cavani, der in sein letztes Vertragsjahr geht.

Aller Voraussicht nach wird der Weltmeister vom linken Flügel starten und im Spielverlauf immer wieder in die Mitte ziehen, wo er seinen primären rechten Fuß zur Geltung bringen kann.

Neymars Abgang könnte die ordentliche, aber nicht überragende Feinabstimmung zwischen El Matador und dem 20-Jährigen verbessern helfen.

Auf der rechten Seite wird wohl Ángel Di María beginnen. Der Argentinier blühte unter Tuchel auf und ist der perfekte Mitspieler für Mbappé und Cavani.

In der Abwehr muss Tuchel Spielzeit für gleich fünf etatmäßige Innenverteidiger schaffen. Marquinhos wird wahrscheinlich desöfteren auf der Sechserposition zum Einsatz kommen.

Im Vierkampf zwischen Kapitän Silva, Diallo, Kehrer und Kimpembe werden die beiden letztgenannten vermutlich den Kürzeren ziehen.

Während Kehrer als defensiv eingestellter Rechtsverteidiger dem offensiv orientierten Thomas Meunier Konkurrenz machen kann, wird Spielzeit für den fehleranfälligen Weltmeister Kimpembe rar gesät sein.

Auf der Torhüterposition gibt es zum ersten Mal seit Jahren eine klare Nummer Eins.

Auch wenn die Antwort auf die Frage, ob Alphonse Areola ein ausreichend guter Keeper ist, noch nicht überzeugend beantwortet wurde.

Trainer auf Abruf?

Es bleibt festzuhalten, dass der Druck auf Spieler und Trainer immens ist. Der mögliche Wechsel Neymars nach Spanien wird dahingehend keine Abhilfe tun.

Kylian Mbappé äußerte zuletzt leise Zweifel am Projekt und auch die arabischen Geldgeber werden zunehmend ungeduldig.

Leichtigkeit, wenn es sie denn seit 2011 je im Parc des Princes gab, ist jedenfalls nicht zu spüren.

Darüber hinaus soll Trainer Tuchel nicht die Ideallösung von Sportdirektor Leonardo sein. Der Brasilianer hat angeblich Massimiliano Allegri als potenziellen Nachfolger im Visier.

Misserfolge kann sich dieser Tage also niemand im Verein leisten.

Da hilft es nicht gerade, dass es PSG bisher nicht vermocht hat, eine interne Winning Culture zu etablieren.

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Amadeus Marzai
Written by Amadeus Marzai
Die-Hard Fan von La Celeste, Edinson Cavani und den Toronto Raptors. Schaut auch gerne mal über den europäischen Fussball-Tellerrand hinaus.