#SaveParma

Samstag Abend sollte in der 24. Runde der Serie A Sampdoria auf den Stadtrivalen Genoa treffen. Aufgrund starker Regenfälle musste das Match wegen Unbespielbarkeit des Platzes auf Dienstag verschoben werden. Es war bereits die zweite Spielabsage in dieser Runde. Erst kurz zuvor wurde beschlossen, dass das Spiel zwischen Parma und Udinese nicht stattfinden kann. Im Gegensatz zum Derby della Lanterna wird die Partie allerdings nicht einige Tage später nachgeholt, sondern wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund sind große finanzielle Probleme für den Klub aus der Emilia Romagna. Wer weiß, ob das Spiel also überhaupt noch stattfinden wird.

Letzten Dienstag erschienen Berichte, denen zu Folge Parma die Sicherheitsleute nicht bezahlen kann. Dem Match am Wochenende würde daher eine Absage drohen. Eine mögliche Lösung wäre ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewesen, um die Kosten zu minimieren. Später folgten Berichte, dass Parmas Bürgermeister der Partie eine Absage erteilt hat, was er daraufhin wieder dementierte. Am Freitag war immer noch nicht klar, ob das Spiel stattfinden wird oder nicht. Udinese stand schon kurz vor der Abreise, als eine offizielle Entscheidung eintraf. Parma könne nur für Elektrizität und Flutlicht sorgen, allerdings nicht für die Sicherheit. FIGC Präsident Tavecchio sprach nach Absprache mit den Spielern ein Machtwort. „Fußball ohne Fans ist nichts“, begründete Parmas Kapitän Lucarelli die Entscheidung gegen eine Partie vor leeren Rängen. Statt des Spiels fand Sonntag in Parma daher nur ein Protestmarsch von etwa 1.000 Fans statt. Einige der Fans brachten Schilder wie „chiuso per rapina” – “wegen Raubes geschlossen ” – an der Stadionmauer an.

Bei den Berichten zum Spiel gegen Udinese merkt man schnell wie groß die Verwirrung und wie ernst die Lage bei den Ducali derzeit ist. Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, dass Parma mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der in den 90er Jahren mit drei europäischen Titeln so erfolgreiche AC Parma, musste sich 2004 nach der Pleite des Parmalat-Konzerns auflösen. Aus der Konkursmasse heraus entstand darauf der FC Parma als Nachfolgeverein, der weiterhin in der Serie A antreten durfte. Enrico Bondi hat den Verein übernommen und Schulden abgebaut, während er in den Medien stets für seine Arbeit gelobt wurde, war er bei den Fans jedoch aufgrund seiner sparsamen Art nicht gerade beliebt. Einige forderten sogar den Verkauf des Vereins, der schließlich 2007 folgte. Der damals 31-jährige Unternehmer und bisheriger Besitzer des Viertligisten Carpenedolo Tomasso Ghirardi übernahm gemeinsam mit der Banca Monte Parma für 30 Mio. € den Klub. Damals war der Verein noch souverän geführt und von Bondi „wieder gesäubert“.

2007-2008 stieg Parma ab, schaffte aber sofort den Wiederaufstieg in die Serie A. Ghirardi baute den FC Parma wieder auf und landete bis auf 2012-2013 jedes Mal in der oberen Tabellenhälfte. Mit einer vom Kader her mittelmäßigen Mannschaft konnte Parma in der Saison 2013-2014 ordentlich überraschen. Vor allem nach der Umstellung von der 3-5-2 Grundformation auf ein 4-3-3 schien das Team quasi perfekt zu harmonieren. Roberto Donadonis offensives System funktionierte: Cassano ließ sich gerne zurückfallen, Parolo attackierte die dadurch frei werdenden Räume, Flügelstürmer Biabiany und Schelotto rückten in Mitte und machten Platz für die teils extrem hoch stehenden Außenverteidiger. In der Abwehr schienen Paletta und Lucarelli unüberwindbar. Nach der Umstellung auf das 4-3-3 folgten 17 Spiele ohne Niederlage und so winkte auch Platz 6, der zur Teilnahme an der Europa League Qualifikation reicht. In Runde 37 spielte Parma 1-1 auswärts bei Torino und musste dadurch in der letzten Runde auf einen Umfaller der Turiner in Florenz hoffen. Parma gewann souverän gegen Livorno und erledigte seine Aufgabe, Torino dagegen hatte seine Schwierigkeiten, geriet zwei Mal in Rückstand, konnte aber beide Male wieder ausgleichen. In der Nachspielzeit entschied Schiedsrichter Nicola Rizzoli auf Elfmeter für Torino, Antonio Rosati konnte den Elfmeter von Cerci jedoch parieren und brachte durch dieses Drama den FC Parma auf den Europa League Platz. Im Stadio Ennio Tardini feierten die Spieler, „ein Traum wird wahr“ stand auf ihren Trikots. Sportlich lief es sehr gut für den Verein.

Doch seit dem Tommaso Ghirardi den Verein übernommen hatte explodierten die Schulden. Enrico Bondi hat den Verein 2006-2007 mit einer Bruttoverschuldung von 16,1 Mio. € verkauft, unter Ghirardi stiegen die Schulden nun aber schnell an, 2007-2008 waren es bereits 38,1 Mio. €. 2008-2009 waren es schon 86,2 Mio. €, 2009-2010 109 Mio. €, 2010-2011 136,5 Mio. €, 2011-2012 175,1 Mio. €, 2012-2013 175,1 Mio. € und schließlich 197,4 Mio. € zur Saison 2013-2014. Die Nettoverschuldung liegt bei 96 Mio. €. Unter Ghirardi stiegen die Einnahmen im Vergleich zu den Ausgaben nur äußerst gering. Die Gelder, die eine Teilnahme an der Europa League bringen würde, kamen daher äußerst gelegen.

Zwei Tage nach dem 38. Spieltag und den Feierlichkeiten kam allerdings eine Nachricht, die andeuten sollte in welchen Schwierigkeiten sich Parma befindet und die diese Situation auch noch deutlich verschlimmerte: Der Verband verweigerte dem Klub eine Lizenz für die Europa League. Grund dafür waren Steuerschulden in Höhe von angeblich 300.000 €. Der Klub gab sich überrascht und zuversichtlich, die Lizenz doch noch zu erreichen und legte sofort Berufung ein. Doch es blieb dabei, eine Woche später stand fest, dass der Verband seine Entscheidung nicht ändern wird, obwohl sich der Verein sportlich gesehen die Teilnahme sicher verdient hätte. „Europa League sul campo“ hätten sich andere italienische Vereine nach so einer Entscheidung wohl auf ihr Trikot drucken lassen.

Tommaso Ghirardi war durch diese Entscheidung so verärgert, dass er sofort seinen Rückzug aus dem Fußball beschloss. „Ich habe abgeschlossen mit dem Fußball. Der Verein steht ab sofort zum Verkauf“, verkündete er. Vielleicht wusste er auch einfach, wie es, ohne die Einnahmen aus dem internationalen Geschäft, finanziell um seinen Klub steht. Ghirardi zog sich also zurück, der bisherige Sportdirektor Leonardi sollte den Klub nun weiter leiten. Seit dem leidet Leonardi unter gesundheitlichen Problemen. Wegen Herzproblemen wurde er zwei mal ins Krankenhaus geliefert,  wegen Depressionen, wurde er nun angeblich in eine Klinik gebracht.

Leonardi hatte im Sommer auch so einiges zu tun, im Prinzip war es seine Aufgabe so viele Spieler wie möglich los zu werden. Um die Schulden in Grenzen zu halten war es für Parma wichtig Transfergewinne zu erzielen. Vereine wie Udinese oder Genoa sind bekannt dafür am Transfermarkt besonders aktiv zu sein, Spieler zu verpflichten und sie anschließend zu verleihen, um sie später gewinnbringend zu verkaufen. Doch was Parma im Sommer 2013 tat stellte die Transferaktivitäten aller anderen italienischen Klubs in den Schatten: In gleich 300 Transfers war man verwickelt, am Ende hatte man 230 Spieler unter Vertrag. Der Großteil dieser zumeist ablösefrei verpflichteten Spieler wurde in die Serie B und Lega Pro verliehen. Jedoch ist in diesen Ligen dank einer Regeländerung mittlerweile vorgesehen, dass der Stammverein der Spieler auch weiterhin die Gehälter zahlt. Insgesamt stellte dies also einen ordentlichen Aufwand für den FC Parma dar, weshalb Leonardi den Spielerpark im Sommer 2014 um immerhin 100 Spieler reduzierte.

Auch einige Stammspieler verließen den Verein. Amauri und Molinaro gingen zu Torino, Parolo zu Lazio, Gargano zurück zu Napoli, Schelotto zu Chievo, Marchionni zur Sampdoria. Dazu kamen Verletzungen bei Cassani und Paletta sowie Herzprobleme bei Biabiany. Donadoni probierte herum, wechselte zwischen 3-5-2 und 4-3-3, testete auch ein 4-4-2, fand aber nicht das richtige Rezept. Abgänge wie Parolo und Marchionni konnten nicht ersetzt werden. Nach der Euphorie der vergangenen Saison, folgte schnell die Ernüchterung. Die Enttäuschung, der sportlich verdienten Europa League beraubt worden zu sein, steckte zu Saisonbeginn wohl immer noch in den Köpfen der Spieler fest. Pietro Leonardi stellte eine allgemeine Negativität fest, die auch von ihm ausging. Das Problem sei vor allem ein Psychologisches. Nun steht Parma mit lediglich 10 Punkten am letzten Tabellenplatz, niemand in Europa hat derzeit weniger Punkte.

Da kein Käufer in Sicht war, hatte Ghirardi in der Zwischenzeit im September den Rücktritt vom Rücktritt bekannt gegeben. Bewegung in die Sache kam erst im November, als eine russisch-zypriotische Holding Interesse an einem Kauf zeigte. Am 15. November kam es jedoch zu einem Punkteabzug für Parma, als Strafe für ausstehende Gehälter und Steuerschulden wurde dem Klub ein Punkt abgezogen. In einer Pressemittelung machte der Klub die Verhandlungen um einen Verkauf dafür verantwortlich: „Ein wesentlicher Part der Verhandlungen war eine Übereinstimmung, dass der Klub bis zum 10. November übernommen wird, um die Zahlungen bis zum 15. November garantieren zu können.“ Trotz der schwierigen Situation sei die Zukunft des Klubs allerdings nicht in Gefahr.

Es sollte noch ein Monat dauern bis Ghirardi den Verkauf des Klubs abschließen konnte. Kolportiert wurde ein Verkaufspreis um die 7 Mio. €, wie sich später herausstellte wechselte Parma letztendlich für lediglich einen symbolischen Euro den Besitzer. Nur wer der neue Besitzer eigentlich ist, wusste damals niemand so recht. Auch nach der Übernahme sickerten nur ganz langsam Informationen durch. Namen, geschweige denn die Pläne der neuen Besitzer, kannte man nicht. Es stellte sich heraus, dass die russisch-zypriotische „Dastraso“-Holding erst kurz zuvor gegründet wurde und ein Stammkapital von bescheidenen 1000€ aufwies. Zuerst sollte Pietro Doca, ein Unternehmer aus Piacenza und Verhandlungsführer der Investoren, Vereinspräsident werden, danach übernahm für kurze Zeit der Anwalt Fabio Giordano. Alle Namen deuteten letztlich auf den albanischen Öl-Milliardär Rezart Taci hin. Doch obwohl Taci über ein geschätztes Vermögen von 1,5 Milliarden verfügt, änderte sich in Parma eigentlich nichts. Taci ließ sich in Parma nie blicken, dafür wurde aber der Albaner Emrir Koda, Manager in Tacis Ölfirma, zum neuen Präsidenten ernannt. Koda gestand den Spielern, dass der Klub in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten sei und er nicht weiß, wann er die Gehälter zahlen könne.

Medien spekulierten nach der Übernahme, dass der FC Parma im Jänner nun ordentlich zuschlagen könnte am Transfermarkt. Zwar stand man laut Kodra kurz vor einer Verpflichtung von Mario Balotelli, am Ende wurden aber nur Varela von Porto und Cebolla Rodriguez von Atletico Madrid ausgeliehen. Von der finanziellen Situation ihres neuen Vereins wussten beide nichts.

Gegen Ende des Transferfensters folgte noch eine große Überraschung. Antonio Cassanos Vertrag wurde einvernehmlich aufgelöst. Der Grund: Er hat diese Saison noch kein Gehalt bekommen. Erst jetzt begriffen viele den Ernst der Lage. Cassano wurde für seine Entscheidung teilweise kritisiert, doch wenn der Verein sich nicht an seine vertraglichen Abmachungen hält, ist es das gute Rechte der Spieler den Verein zu verlassen. Auch wenn man wie Cassano 1,5 Mio. € im Jahr verdient, wartet man nur ungern über ein halbes Jahr lang auf sein Gehalt. Cassano blieb nicht der einzige Spieler, der die Gialloblu verließ. Die Leihspieler De Ceglie und Aquah verließen den Verein, Paletta wurde an Milan verkauft,  Felipe löste seinen Vertrag ebenfalls auf und trainiert derzeit bei Inter. Pozzi wurde an Chievo verliehen, mit Kaufoption in Höhe von 1.000 €.

Nichtmal die mysteriöse Investorengruppe blieb beim Verein, nach kaum zwei Monaten verließ sie das sinkende Schiff schon wieder. Die Schulden waren ihr einfach zu hoch. Investiert haben die Investoren letztlich keinen Cent. Erneut wechselte der Klub für 1 € den Besitzer, dieses Mal übernahm eine italienisch-slowenische Gruppe rund um Giampietro Manenti den Verein.

„Wir wollen die Situation so schnell wie möglich lösen“, sagte Manenti der Gazzetta dello Sport. „es wird nicht einfach, aber wir müssen es probieren. Wir müssen es tun“, gab er sich kämpferisch. Als Manenti übernahm war die Situation bereits kritisch, bis 16.2 hatte er Zeit, um die ausstehenden Gehälter zu bezahlen, ansonsten könnten ab diesem Zeitpunkt alle Spieler den Verein verlassen. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Manenti präsentierte den Spielern einen Kontoauszug mit 100 Mio. €, um sie zu beruhigen. Doch von diesem Geld haben die Spieler immer noch keinen Cent gesehen. Auch alle anderen Mitarbeiter, also jene die weitaus weniger verdienen als die Profifußballer, warten weiterhin auf ihre Gehälter. Jeden Tag vertröstete Manenti die Leute aufs Neue, das Geld müsse innerhalb der nächsten zwei Tage kommen. „Ich bin kein Verrückter, ich habe dieses Geld wirklich zur Verfügung“, beteuert Manenti. Er werde die Schwierigkeiten erklären, wenn die Situation geklärt ist. Der 16. Februar ist bereits vorbei, ohne das Zahlungen eingetroffen sind, doch Manenti hat Glück: Die Spieler stehen zwar nicht hinter ihm, aber hinter dem Verein. Einige von ihnen starteten in sozialen Medien die Kampagne #SaveParma. Kapitän Alessandro Lucarelli sprach am Sonntag in der Gazzetta dello Sport überraschend ehrlich über die Situation und erklärte die Sichtweise der Spieler:

“Seit zwei Jahren waren die Dinge seltsam. Der Klub zögerte die Gehaltszahlungen immer bis zum letzten Tag hinaus, das machte uns skeptisch. Im November erklärte uns Ghirardi, dass die Gehälter wegen den gescheiterten Verhandlungen mit Rezart Taci nicht gezahlt wurden. Wir sagten ihm, dass er unser Präsident sei und uns daher bezahlen muss, er antwortete aber, dass er keinen weiteren Euro mehr in den Verein stecken werde. Wir fühlten uns betrogen und verarscht von Ghirardi.

 Trotz allem haben wir Spieler entschieden unsere Rechte nicht wahrzunehmen und den Klub nicht in die Insolvenz zu schicken. Den Klub Pleite gehen zu lassen, würde bedeuten mindestens 200 Familien, die für Parma arbeiten, nach Hause zu schicken. Ich denke dabei nicht an die Spieler, sondern an jene, die für 1.000 € im Monat arbeiten. Wir fühlen uns für sie verantwortlich.

 Aber nun ist die Zeit abgelaufen. Die Idee eines Insolvenzverfahrens ist lange vorbei. Wir arbeiten mit der Spielergewerkschaft, dem Verband und der Stadtverwaltung. Wir werden direkt mit dem Konkursverfahren beginnen. Wir müssen diesen Prozess schneller durchführen, um unseren Klub zu retten. Die Anhörung zum Konkurs am 19. März soll vorverlegt werden.

 Ich frage mich, wie es erlaubt sein kann, dass ein Unternehmen mit 1.000 € Kapital und ein weiteres mit 7.500 € einen Serie A Klub kaufen kann. Wie kann es erlaubt sein, dass der Klub zwei mal für 1 € verkauft wird? Wir wollen Gewissheit, dass solch eine Situation nie wieder passieren kann. Die Regeln müssen geändert werden.

Ich habe im Fußball noch nie eine so schreckliche Geschichte gesehen wie diese. Die Liga und der Verband tragen eine große Verantwortung dafür. Erst am Freitag kamen sie, um uns zu sehen. Wo waren sie davor? Wir wollen wissen, ob sie jetzt hier sind für Parma oder für die Serie A. Ich habe den Eindruck sie wollen nur sicherstellen, dass wir die Saison zu Ende spielen, damit alles „regulär“ bleibt. Sie sollten wissen, dass wir niemanden etwas garantieren. Wenn wir uns auf den Arm genommen fühlen, dann sind wir bereit Spiele zu boykottieren. Wir würden auf den Platz gehen und nach 10 Minuten wieder abtreten. Sie spielen mit den Leben von Menschen, hier muss also Respekt sein. Sie haben uns hier gelassen, um zu sterben, gut, dann sterben wir gemeinsam. Auf jeden Fall bin ich nun bereit mit Parma auch in den Amateurfußball zu gehen und weiterhin die Kapitänsschleife zu tragen. Parma ist nun in mir. “

Das Interview von Alessandro Lucarelli zeigt in welchem Chaos sich der Verein seit einiger Zeit befindet. Der Fall wirft einige Fragen auf, Antworten gibt es derzeit nur wenige. Wie konnten unter Ghirardi die Schulden so explodieren? Warum durfte der Verein im Jänner noch zwei neue Spieler verpflichten? Oder warum hat der Verband nicht früher eingegriffen? 300.000 € Steuerschulden führten zur Verweigerung der UEFA-Lizenz, 90 Mio. € anderer Schulden störten lange Zeit niemanden. Dabei war es kein Geheimnis, dass die Ausgaben des Vereins doppelt so hoch wie die Einnahmen sind. Doch erst jetzt, wo das Geld an allen Enden fehlt, Autos gepfändet wurden und es nichtmal mehr warmes Wasser gibt, greift der Verband mit einem Plan um Parma zu retten ein. Wie Lucarelli wohl richtig erkannt hat, geht es dem FIGC wohl kaum um den Verein. Es geht viel mehr um den Ruf und das Ansehen der Liga. Könnte Parma die Saison nicht fertig spielen, würde dies die Tabelle verfälschen. Bisherige Ergebnisse, darunter z.B das Unentschieden gegen die Roma, würden bestehen bleiben, ausstehende Spiele mit 0-3 gewertet werden. Auf die Serie A, die derzeit ohnehin nicht das beste Image hat, würde das sicher kein gutes Licht werfen. Und es würde wohl auch zu Problemen mit den Inhabern der Übertragungsrechte führen, weshalb der Verband nun überlegt den Gialloblu 5 Mio. € zu borgen, um ein weiteres Antreten sicherzustellen.

Der Abstiegskampf spielt mittlerweile keine Rolle mehr, sowohl aus sportlichen als auch aus finanziellen Gründen glaubt niemand mehr an einen Verbleib in der Serie A. Ein Antreten in der Serie B wäre schon ein Erfolg. Sollte der Klub wirklich Pleite gehen, müsste Parma in der Serie D, der obersten Amateurliga, neu beginnen. Und danach sieht es derzeit leider auch aus. “Wir haben eine sehr schlechte Meinung über Manenti”, gibt Mittelfeldspieler Galoppa offen zu. Das nächste Spiel bei Genoa findet vorraussichtlich statt – die Spieler werden die Kosten dafür selber tragen und mit Privatautos anreisen – doch ob Parma die Saison wirklich zu Ende spielen kann und was danach passiert, steht derzeit noch in den Sternen. Spieler, Vereinsmitarbeiter und Fans sind bis dahin die Leidtragenden dieser schwierigen Situation. Während die Fans als außenstehende mitleiden, geht es für die Spieler nur noch um die Ehre. Wenn schon sterben, dann gemeinsam und in Würde!

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