Serie A Saisonvorschau

Italien text fragezeichen

Es geht wieder Los in der Serie A. Vorbei ist es mit dem Calcio estivo, dem eher mühsamem Kick bei hohen Temperaturen in teils exotischen Ländern in der Vorbereitung. Einige interessante Spieler haben die Liga verlassen, aber viele interessante Spieler sind auch neu nach Italien gewechselt. Die Vorfreude in diesem natürlich immer noch sehr fußballverrückten Land ist groß, die Aboverkäufe sogar gestiegen. Einiges hat sich getan im Sommer, viele Entwicklungen werden sich aber aus der vergangenen Saison fortsetzen. Mailand ist nun im Kommen. Die Dreierkette hat quasi ausgedient, Viererketten dominieren wieder das Land. Rauten sind jetzt im Trend. Was sonst für Änderungen zu erwarten und wie die Teams einzuschätzen sind, sein nun näher ausgeführt:

Juventus

Der Titelkandidat Nummer eins heißt auch diese Saison wieder Juventus. Die Weiß-Schwarzen aus Turin konnten zuletzt vier Meistertitel in Folge feiern und erreichten vergangene Saison sogar das Champions League-Finale, welches jedoch gegen Barcelona verloren wurde. Der Rekordmeister fand mit der Verpflichtung von Antonio Conte als Trainer im Sommer 2011 zurück zu alter Stärke und baute unter Anderem durch das ebenfalls 2011 fertiggestellte Juventus Stadium seine Vormachtstellung im italienischen Fußball zuletzt weiter aus. Der Abgang des dreifachen Meistertrainers Conte wurde trotz aller anfänglicher Kritik mit Massimo Allegri stark abgefangen.

Massimo Allegri übernahm eine perfekt funktionierende Mannschaft von Antonio Conte und führte dessen Entwicklung geschickt weiter. Er behielt die Grundprinzipien bei, etablierte ein 4-3-1-2 als neues Grundsystem, welches perfekt zum vorhandenen Spielermaterial passte, und behielt Contes 3-5-2 als Alternative dazu. Allegri zeigte dabei eine sehr gute Einschätzung seiner Spieler und überzeugte durch eine sehr homogene Spielerwahl. Nach den Transfers beharrt Allegri nun auch nicht stur auf seiner Mittelfeldraute, sondern zeigt sich weiterhin flexibel. So könnte man Juventus in der kommenden Saison vermehrt in einer 4-3-3 oder 4-3-2-1 Grundordnung sehen.

Personell gibt es einige Veränderungen bei Juventus. Mit Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Carlos Tevez verließen drei extrem wichtige Stützen den Verein. Mit Alex Sandro, Daniele Rugani, Sami Khedira, Paulo Dybala, Mario Mandzukic und Simone Zaza kamen dafür einige talentierte Neuzugänge nach Turin. Dabei machte Juventus erneut eine sehr gute Figur auf den Transfermarkt, können sich die Ablösesummen für die neuen Spieler wirklich sehen lassen, einzig die 30 Millionen Euro für Dybala sind ein gewisses Risiko, bei den allgemein hohen Summen am internationalen Transfermarkt aber durchaus akzeptabel, und auch die Ablöse für Alex Sandro scheint in Anbetracht dessen restlicher Vertragslaufzeit etwas hoch. Mit Khedira hat man, sofern fit, einen sehr starken Spieler ablösefrei geholt, mit Daniele Rugani hat man sich das womöglich größte Innenverteidigertalent Italiens sehr preiswert gesichert.

Leicht wird es dennoch nicht, die Abgänge zu ersetzen. Arturo Vidal und Carlos Tevez waren absolute Weltklasse, Andrea Pirlo schon etwas am Abbauen, aber immer noch von enormer Qualität und Wichtigkeit für das Spiel der Bianconeri. Den Abgang von Mittelfeldregisseur Andrea Pirlo soll Claudio Marchisio kompensieren. Marchisio, ursprünglich eher offensiver, dynamischer Mittelfeldspieler, kam bereits in der vergangenen Saison als Pirlo Ersatz zum Einsatz und machte als tiefliegender Spielmacher eine überraschend starke Figur. Spielerisch dürfte der Pirlo-Abgang also nicht groß ins Gewicht fallen, wie man auch vergangene Saison schon in den Partien ohne Pirlo erkennen konnte. Unter Anderem in der Champions League gegen Borussia Dortmund zeigte Juventus auch ohne seinen Mittelfeldregisseur eine enorm spielstarke Leistung, auch dank der guten Qualitäten der Verteidiger im Spielaufbau. Ohne Pirlo könnten nun Leonardo Bonuccis Fähigkeiten im Spielaufbau nicht nur mehr gefragt sein, sondern auch stärker zur Geltung kommen. Zudem verstärkt mit Daniele Rugani ein sehr moderner Innenverteidiger die Hintermannschaft und stellt eine sehr interessante Alternative für Allegri dar, die sich langfristig wohl durchsetzen wird in Turin.

In der Vorbereitung und in der Supercoppa gegen Lazio hatte Juventus spielerisch sehr gute Ansätze, zum Teil aber auch noch seine Probleme. Im Mittelfeld änderte sich nun die Rollenaufteilung ein wenig und die Abläufe passten noch nicht ideal. Spielt Juventus im 3-5-2 oder 4-3-3/4-3-2-1 ist mit Marchisio vor der Abwehr zu rechnen, Paul Pogba als halblinker Achter und Sami Khedira, den fälschlicherweise einige als Sechser einplanen, als halbrechter Achter auf der Position, die in der Vergangenheit zumeist Marchisio inne hatte. Marchisio interpretierte diese Rolle vor allem sehr balancierend und unscheinbar, stets beschäftigt mit seinen intelligenten Bewegungen die teils eher wilden Läufe seiner Kollegen Vidal oder Pogba auszugleichen. Offensiv kam er vor allem über seine Dynamik, so wie es auch Khedira tun könnte. Die ersten zwei Monate der Saison muss Allegri jedoch auf den verletzungsanfälligen Deutschen verzichten, mit dem 22-jährigen Stefano Sturaro steht jedoch ein sehr ähnlicher Spielertyp zur Verfügung.

In der Offensive gibt es durch die Verpflichtungen von Dybala, Zaza und Mandzukic nun noch mehr Möglichkeiten für Allegri. Für die Position als Zehner stehen derzeit die Argentinier Roberto Pereyra und Paulo Dybala bereit, jedoch ist Juventus hier immer noch auf der Suche nach einem Neuzugang. Juventus sucht aber nicht unbedingt nach einem Trequartista, Allegri bevorzugt einen Spieler, der mehrere Rollen in der Offensive einnehmen kann, um auch 4-3-3 spielen zu können. Neben Dybala steht derzeit nur der junge Kingsley Coman als vernünftiger Außenstürmer im Kader von Juventus. Für eine mögliche Doppelspitze kann Allegri zwischen Dybala, Zaza, Mandzukic und Morata wählen und hat dabei eine sehr interessante Auswahl an verschiedenen Spielertypen. Die schlechtesten Karten werden dabei Simone Zaza zugeschrieben, der Mandzukic recht ähnlich, dabei aber noch robuster und dynamischer und für ein Konterspiel, möglicherweise in der Champions League, besser geeignet ist. Beim 2:0-Sieg in der Supercoppa gegen Lazio entschied sich Allegri überraschenderweise für Kingsley Coman als Sturmpartner für Mario Mandzukic.

Für die Offensive ist weiterhin noch eine top Verpflichtung zu erwarten und in der Defensive wurde gerade erst der Transfer des technisch versierten, offensivstarken Außenverteidigers Alex Sandro fixiert. Trotz der Verluste der wichtigen Säulen Pirlo, Vidal und Tevez scheint Juventus daher nicht wirklich schwächer zu sein, im Gegenteil, mit intelligenten Transfers wurden die Abgänge kompensiert und zudem ist das Team reicher an Varianten geworden. Allegri dürfte mit diesem Spielermaterial wohl weiterhin gut umgehen und erneut die stärkste Mannschaft der Serie A formen können.

Roma

Größter Konkurrent für Juventus ist wohl weiterhin die AS Roma. Die Roma mischte 2013 erstmals wieder im Titelkampf mit, als sie von Rudi Garcia übernommen wurde. Unter dem Franzosen erwischten die Römer einen hervorragenden Saisonstart, blieben lange ungeschlagen, aber mussten sich im Endeffekt gegen ein 102 Punkte erreichendes Juve geschlagen geben. Daraufhin bliesen die Römer zum Angriff auf den Scudetto, enttäuschten in der vergangenen Saison aber ein wenig und blieben hinter den hohen Erwartungen zurück.

Vor allem in der ersten Hälfte der Rückrunde tat sich die Mannschaft von Rudi Garcia schwer. Die Roma verlor zwar nur selten, konnte aber kaum Spiele gewinnen und schaffte es zum Beispiel zwischenzeitlich in neun Partien gleich acht Mal Unentschieden zu spielen. Die Roma hatte dabei enorm hohe Spielanteile, konnte aus dem vielen Ballbesitz aber nur sehr wenig Kapital schlagen und ließ den Ball hauptsächlich nur sinnlos zwischen Abwehr und abkippenden Sechsern zirkulieren. In der Offensive hatten die Spieler von Rudi Garcia sehr viele Freiheiten, konnten sehr fluide agieren, doch was im Sturm häufig zu interessanten Überladungen führte, hinterließ im Mittelfeld beziehungsweise in der Abwehr oft sehr unpassenden Verbindungen im Spielaufbau, die Garcia nicht in den Griff bekam.

In den Vorbereitungsspielen ergab sich nun ein recht ähnliches Bild wie in der vergangenen Saison. Am grundlegenden Spielstil hat sich weiterhin nichts verändert und die Roma hat weiterhin sehr hohe Ballbesitzzahlen. In der neuen Saison dürfte die Roma sogar noch verstärkt in ruhe mit flachen Kurzpassspiel von hinten aufbauen. In den Testspielen war dabei die erhöhte Tormanneinbindung sehr auffällig. Statt dem fußballerisch sehr limitierten, alternden Morgan De Sanctis steht nun Wojciech Szczęsnyim Tor, der sich mit dem Ball am Fuß weitaus wohler fühlt, wodurch er auch wohl die besten Karten auf den Stammplatz im Tor der Roma hat. Unter Druck dient er stets als sichere Anspielstation und versucht das Spiel schnell auf die andere Seite weiterzuleiten. Auch wenn der Gegner sehr hoch presst wird dabei versucht eine spielerische Lösung zu finden und den langen Ball zu vermeiden. Die tiefe Torwartkette sah in der Vorbereitung ganz nett aus, allerdings resultieren die Aufbauversuche unter erhöhtem Druck in einer sehr hohen Anzahl an Ballverlusten im ersten Drittel. Dabei wird die Entwicklung nun sehr interessant zu sehen sein. Die Frage ist, wie erfolgsstabil die Roma auch unter so hohem Druck das Spiel aufbauen kann beziehungsweise wie viel Risiko man in den Pflichtspielen überhaupt nimmt. Mit Leandro Castan kehrt dabei immerhin noch ein spielstarker Innenverteidiger nach längerer Verletzungspause zurück und auch Manolas ist ein Innenverteidiger, der mit dem Ball gut umzugehen weiß.

Doch gerade in Anbetracht der durchaus guten spielerischen Qualitäten der Innenverteidiger ist es schade, dass sie in der letzten Saison quasi von ihren eigenen Mittelfeldspielern aus dem Spiel genommen wurden. In der Vorbereitung zeigt sich dabei wieder ein ähnliches Bild, das Abkippen von Daniele De Rossi wird weiterhin schwach eingebunden und auch Miralem Pjanic positioniert sich stets sehr tief, während Radja Nainggolan als halblinker Achter eine recht hohe Position einnimmt. Mit dem mittlerweile erneut verletzten Rückkehrer Kevin Strootman würde sich jedoch eine weitere interessante Variante für das Mittelfeld ergeben. Der Niederländer ist strategisch besser als der wilde Nainggolan und mit Strootman als Stammspieler hatte die Roma 2013/2014 auch seine stärkste Phase.

Weiterhin sehr durchwachsen scheint auch das Pressing der Roma. Rudi Garcia versucht weiterhin ein Offensivpressing zu spielen und agierte dabei sehr flexibel und meist sehr mannorientiert, wobei das Pressing immer noch eher schlecht organisiert wirkt. Auffällig waren in der Vorbereitung nun auch noch die Mannorientierungen der Flügelstürmer auf die gegnerischen Außenverteidiger, wodurch oft Fünfer- oder Sechserketten entstanden, durch die die Roma nicht nur schlecht Zugriff hatte, sondern auch schlecht auf die Offensive umschalten konnte.

Interessant ist, was die Roma bisher für einen Mercato hingelegt hat. Durch die Verkäufe von Andrea Bertolacci und Alessio Romagnoli haben die Römer sehr viel Geld eigenommen, mit Spielern, die in der vergangenen Saison gar nicht in Rom (sondern beide in Genua) spielten. Dadurch stand sehr viel Geld zur Verfügung, um sich ordentlich zu verstärken. Die wesentlichsten Neuzugänge sind nun Wojciech Szczęsny, Mo Salah, Iago Falque, Edin Dzeko und womöglich Lucas Digne, die Rudi Garcia einige neue Möglichkeiten bieten.

Nach dem Ashley Cole wohl immer noch ein Trauma von Arjen Robben hat und der an Watford verkaufte Jose Holebas sehr durchschnittlich war, würde mit Lucas Digne, sofern er jetzt wirklich kommt, nun endlich ein brauchbarer Außenverteidiger im Kader der Roma stehen. Der talentierte Digne kennt Rudi Garcia noch aus gemeinsamer Zeit bei OSC Lille und ist offensiv weitaus stärker als die bisherigen linken Verteidiger der Giallorossi. Nach dem die Roma stets mit asymmetrischen Außenverteidigern agierte und das 4-3-3 durch den sehr hochschiebenden rechten Verteidiger, Maicon oder Florenzi, und dem eher verhalten agierenden linken Verteidiger zu einem 3-3-4 wurde, ergeben sich nun durch Digne neue Möglichkeiten und auch mehr Gefahr von der linken Seite aus.

Durch die vielen qualitativ hochwertigen Offensivkräfte gibt es auch für den Dreiersturm viele Optionen. Derzeit sind es so aus, als würden mit Edin Dzeko, Mo Salah und Iago Falque drei Neuzugänge die meiste Einsatzzeit bekommen. Auch Juan Iturbe, Adem Ljajic, Alessandro Florenzi, Gervinho (der vielleicht noch verkauft wird) und natürlich Vereinslegende Francesco Totti könnten im Angriff spielen und haben viel Qualität.

In der vergangenen Saison agierte die Offensivreihe immer fluider und machte einen sehr guten Eindruck. Die drei Offensivkräfte wechselten ihre Positionen ständig, überluden zu dritt im Verbund eine Seite und ließen sich gerne auch mal weiter ins Mittelfeld zurückfallen, was von so intelligenten Spielern wie Adem Ljajic oder zukünftig auch Iago Falque wohl besser ausgeführt wird als von Juan Iturbe oder Victor Ibarbo, die sich sehr schwer taten. Auf einen klassischen Mittelstürmer wurde dabei weitestgehend verzichtet, er passte auch gar nicht ins Konzept von Rudi Garcia, der stattdessen sogar Flügelstürmer Iturbe im Zentrum aufstellte, auch wenn die Position im Angriff wie schon erwähnt innerhalb der Spiele häufig gewechselt wurden. Dass die letzten Mittelstürmer der Roma eher eine Enttäuschung waren, ist daher kein Zufall. Seydou Doumbia konnte bei der Roma nichts zeigen, Mattia Destro wurde unter Garcia nur als Joker gebraucht. Die Einbindung von Edin Dzeko wird daher ein sehr interessantes Thema werden. Wirklich nötig war der Transfers eines so hochkarätigen Mittelstürmers gar nicht, entgegen der verbreiteten öffentlichen Meinung funktionierte die Angriffsreihe ganz gut und die eher magere Torausbeite lag eher an den Problemen im Spielaufbau und fingen schon weiter hinten an. Dennoch ist der Bosnier ein Spieler, mit dem die Roma einen großen Qualitätssprung machen kann. Durch den neuen Mittelstürmer hat Garcia nun sehr viel Möglichkeiten, statt Dzeko könnte natürlich auch der stark zurückfallend agierende, spielerisch viel stärkere Totti auflaufen oder der französische Trainer entscheidet sich wieder für eine unüblichere Lösung und stellt Iturbe auf, der letztes Jahr enttäuschte, aber im Sturmzentrum noch seine besten Partien absolvierte.

So besitzt die Roma eine qualitativ sehr starke Mannschaft und ist nach diesem Mercato in wirklich allen Bereichen auch in der Breite super aufgestellt. Damit sollte Rudi Garcia die Römer erneut unter die Top drei führen, doch um wirklich entscheidend um den Titel mitzuspielen, müsste er noch gewisse taktische Probleme in den Griff bekommen, wonach es derzeit nicht so ganz aussieht.

Napoli

Größere Ambitionen hatte zuletzt auch die SSC Napoli, die sich im zweiten Jahr unter Rafa Benitez mehr erhofft hatte, im Endeffekt aber sogar knapp einen Champions-League-Platz verpasste. Nach dem Wechsel von Walter Mazzarri auf Benitez kam es zu einem großen Bruch in der Spielphilosophie, der auch einen ordentlichen Kaderumbau zur Folge hatte. Im ersten Jahr unter Benitez landete Napoli auf Platz drei, was angesichts der überragenden Saison von Juventus und Roma von den Fans als akzeptabel betrachtet wurde. Im zweiten Jahr konnte sich die Mannschaft von Benitez jedoch kaum weiterentwickeln und fiel hinter Piolis Lazio auf Platz vier zurück. Der spanische Trainer verlängerte daraufhin seinen Vertrag nicht mehr, um bei Real Madrid anzuheuern. Als neuen Trainer hat sich Präsident Aurelio De Laurentiis einen Mann ausgesucht, der die Spielweise Napolis erneut radikal ändern wird.

Mit Maurizio Sarri wechselte einer der interessantesten Trainer Italiens zu den Süditalienern. Der in Neapel geborene Sarri coachte in der vergangenen Saison zum ersten Mal einen Klub in der Serie A und tat dies auf sehr beeindruckende Art und Weise. Mit dem als Fixabsteiger abgestempelten Empoli spielte er einen sehr modernen Fußball und konnte überraschend früh den Klassenerhalt sichern (über Sarris Empoli wurde dabei hier und hier bereits ausführlich berichtet). Sarri zog dabei auch das Interesse von Milan auf sich, die Chance bei einem italienischen Topklub zu arbeiten hat er sich nach seiner Zeit in Empoli jedenfalls redlich verdient.

In Empoli ließ Sarri in allen Spielen der vergangenen Saison ein 4-3-1-2 spielen und dieses Standardsystem hat der Trainer auch bereits bei Napoli implementiert. Dazu hat sich Sarri auch seinen Key Player aus Empoli mitgenommen. Mirko Valdifiori war beim Empoli FC der Taktgeber um den herum Sarri seine Mannschaft aufbaute und wird nun auch bei Napoli das Herz der Mannschaft sein. Valdifiori war eine der größten Entdeckungen der vergangenen Serie A Saison, der 29-jährige spielte 2014/2015 erstmals in der höchsten italienischen Spielklasse und schaffte dabei auch den Sprung ins Nationalteam. Valdifiori hat Andrea Pirlo als großes Vorbild und ähnelt ihm auch in einigen Aspekten, wobei das prägendste Element in Valdifioris Spiel die enorm vielen direkten Vertikalpässe nach vorne sind. In der vergangenen Saison spielte Valdifiori im Schnitt die zweitmeisten Pässe der Liga und brachte diese mit einer Genauigkeit von 79 % an den Mann, was bei den vielen risikoreichen Pässen ein sehr hoher Wert ist. Mit dem 29-jährigen hat Napoli also für lediglich 5,5 Millionen Euro einen der besten Sechser der Liga und den wichtigsten Mann für Sarris Spielphilosophie geholt.

Noch auf der Suche nach Spielermaterial ist der neue, von Überraschungsteam Carpi gekommene, Sportdirektor Guintoli in der Abwehr. Die von Rafa Benitez hinterlassene Innenverteidigung entspricht nämlich nicht den Wünschen von Sarri, der im Gegensatz zu Benitez auf moderne, spielstarke Innenverteidiger setzt und nicht auf Holzfüße wie Miguel Britos und Kalidou Koulibaly. Auch mit Raul Albiol scheint der neue Trainer nicht glücklich zu sein. Daher wurde bereits der Rumäne Vlad Chiriches von Tottenham geholt, die Verpflichtung eines zweiten Innenverteidigers scheiterte jedoch bisher. Napoli wurde mit mehreren aufbaustarken Innenverteidigern in Verbindung gebracht, am Stärksten war das Interesse an Nikola Maksimovic, für den man die von Torino geforderten 25 Millionen Euro jedoch nicht zahlen will. Als sehr mühsam stellte sich auch die Suche nach einem rechten Verteidiger heraus, wo man den von Empoli geholten Elseid Hysaj anscheinend nur als Backup einplant und sich in langwierigen Verhandlungen bezüglich Jacopo Sala von Hellas Verona und Sime Vrsaljko von Sassuolo befindet. Zudem ist auch ein Abgang von Linksverteidiger Faouzi Ghoulam noch nicht ganz vom Tisch, wobei der im Winter geholte Ivan Strinic hier problemlos spielen könnte. Wichtig wäre es vor allem noch einen Innenverteidiger zu finden, der statt Raul Albiol spielt. Ein Verteidiger wie der kurz mit Napoli in Verbindung gebrachte Andrea Ranocchia wäre hierbei ideal, da Maurizio Sarri dessen Schwächen sicher ausmerzen könnte.

Während es in der Verteidigung also personeller Natur her noch mangelt, sieht es im Mittelfeld und im Angriff schon weitaus besser aus. Neben dem bereits angesprochenen Valdifiori wurde mit Allan von Udinese einer der besten Mittelfeldspieler der Serie A geholt. Er wird in der Mittelfeldraute als halbrechter Achter eingesetzt, auf der anderen Seite wird der früher als offensiver Mittelfeldspieler agierende Kapitän Marek Hamsik eingesetzt werden. Er ist in Sarris System als Zehner wohl nicht geeignet, da er zu simpel über seine Dynamik kommt und der Trainer dribbelstarke Spieler auf dieser Position bevorzugt. Für diese Position hat Sarri nun die Qual der Wahl, Lorenzo Insigne, Dries Mertens, Manolo Gabbiadini und Jose Callejon stehen hier theoretisch zur Verfügung.

In Empoli war die Mannschaft vergangene Saison sehr darauf ausgelegt, Platz für den offensiven Mittelfeldspieler zu schaffen und ihn zum Abschluss zu bringen. Dabei agierten die Stürmer sehr ausweichend, damit Saponara zentral in die Spitze gehen konnte. Der bei Milan enttäuschende Saponara hat davon sehr profitiert, konnte einige Tore erzielen und hatte im Schnitt die meisten Schüsse abgegeben. In der Vorbereitung bei Napoli waren nun die gleichen Abläufe zu sehen und der Trequartista konnte bereits groß aufspielen, teilweise agierte er aber auch etwas ausweichender. Dieser war in der Vorbereitung zumeist Lorenzo Insigne, der gemeinsam mit Manolo Gabbiadini wohl am besten für diese Rolle geeignet ist. Nachdem Insigne unter Benitez noch nicht überzeugen konnte und auch noch mit einem Kreuzbandriss lange ausfiel, ist daher heuer einiges von ihm zu erwarten. Der 1,63 cm große Offensivspieler könnte unter Sarri nun den großen Durchbruch schaffen.

Als Sturmduo sind wohl Gonzalo Higuain und Manolo Gabbiadini eingeplant. Interessant wird dabei die Rolle von Higuain, der wohl nicht so weiträumig und ausweichend wie etwa Maccarone bei Empoli spielen kann. Manolo Gabbiadini dagegen eignet sich perfekt für die gewünschte Stürmerrolle von Sarri. Auch Jose Callejon scheint ein hierfür sehr passender Spieler zu sein, welche Rolle er in den Plänen des Trainers spielt, ist aber schwierig zu sagen, da eigentlich wohl mit einem Abgang des Spaniers gerechnet wurde

Mit den vielen Offensivkräften hat Sarri einige sehr schöne Optionen für die Offensive. In der Vorbereitung zeichnete sich dabei das alte System aus Empoli, mit den ähnlichen Offensivabläufen ab. Unklar ist noch, wie gut Higuain dabei eingebunden wird. Der Argentinier verpasste auch einen großen Teil der Vorbereitung, da er wegen der Copa America in Chile erst später ins Training einstieg. Da bei dem bereits bekannten 4-3-1-2 ein wenig die Gefahr droht, zu ausrechenbar zu werden, plant Sarri laut eigener Aussage auch an einem 4-3-3 und 4-3-2-1 als Alternativsystem. Vom Spielermaterial erscheint beides sehr passend, gerade ein 4-3-2-1 könnte dabei auch den Prinzipien von Sarri sehr nahe liegen. Etwas besorgniserregend ist weiterhin die Suche nach Verteidigern. In Empoli war Sarris Viererkette extrem gut eingestellt, allerdings hatte er dort zwei Jahre lang die selbe Verteidigung zur Verfügung, während er bei Napoli in der Vorbereitung noch nicht mit allen Abwehrspielern arbeiten konnte.

Lazio

Erneut einen Champions-League-Platz möchte Lazio erreichen. Lazio beendete die vergangene Saison auf Platz drei und erreichte damit die beste Platzierung seit der Saison 2006-2007. Das Erreichen des Champions-League-Startplatzes war durchaus eine große Überraschung, landeten die Römer in den beiden Jahren zuvor lediglich auf Platz sieben und neun.

Nach diesen enttäuschenden Jahren wurde Stefano Pioli als Trainer verpflichtet und angesichts dessen bisheriger Erfolge glaubten nur wenige an einen Aufwärtstrend bei Lazio. Der 49-jährige trainierte zuvor nur schwächere Teams der Serie A, und das mit eher mäßigem Gelingen. Doch bei Lazio schaffte er es, dass schon in den Jahren zuvor vorhanden Potential der Mannschaft zu entfalten.

Unter Stefano Pioli spielte Lazio stets ein 4-3-3 oder ein 4-2-3-1, wobei die Abläufe variierten und Pioli meistens sehr flexible Gegneranpassungen vornahm. Diese Flexibilität war womöglich die größte Stärke in der vergangenen Saison. Im Gegensatz zu den Zeiten unter Reja und Petkovic funktionierte Lazios Ballbesitz weitaus besser, die Angreifer agierten sehr fluide und auch die drei Mittelfeldspieler tauschten häufig ihre Positionen, so kippten zum Beispiel statt Biglia auch Parolo und Cataldi gerne mal ab, wobei dies stets ganz gut eingebunden war. Mit den schnellen, technisch starken Offensivspielern präsentierte sich Lazio wie schon vor Pioli weiterhin sehr gefährlich im Umschalten auf die Offensive. Die defensiven Abläufe waren von Gegner zu Gegner etwas unterschiedlich, wobei die Mannorietierungen in der Abwehr und im Mittelfeld ein prägendes Merkmal waren.

An diesen beschriebenen taktischen Merkmalen dürfte sich kaum etwas geändert haben, wie bereits in den ersten Pflichtspielen gegen Juventus in der Supercoppa und in der Champions-League-Qualifikation gegen Bayer Leverkusen ersichtlich war. Sollte Sechser Lucas Biglia nicht noch unerwartet zu Manchester United oder einem anderen Topklub wechseln, wird Lazio auch mit dem selben Stammpersonal wie in der vergangenen Saison in die Meisterschaft starten. Erneut setzten Präsident Claudio Lotito und Sportdirektor Igli Tare auf Kontinuität und ließen es am Transfermarkt sehr ruhig angehen. Abgegeben wurden lediglich Ergänzungsspieler wie Diego Novaretti oder der durchaus starke Außenverteidiger Luis Cavanda. Bereits vergangene Saison bei Lazio aktive Spieler wie Dusan Basta und Mauricio wurden fix verpflichtet, die einzigen echten Neuzugänge sind Ricardo Kishna und Sergej Milinkovic-Savic. Beides sind wohl noch keine Spieler für die Startelf, aber sehr interessante Back-Ups mit großem Potential. Kishna konnte seine Qualitäten bereits bei Ajax unter Beweis stellen, Milinkovic-Savic kam für neun Millionen Euro von Genk und wurde bei der U20-WM als drittbester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Ein anderer Neuzugang ist jedoch eigentlich keiner, Stefano Mauri spielt nämlich schon eine gefühlte Ewigkeit bei Lazio. Der Vertrag des Offensivspielers lief heuer aus und wurde nicht verlängert, erst jetzt holt man den 35-jährigen doch wieder.

Stefano Mauri wurde unter Pioli als Zehner, als einrückender Linksaußen oder im Sturmzentrum eingesetzt, passt dabei sehr gut zur gewünschten Flexibilität des Trainers. Im Sturmzentrum könnte er nun öfter eingesetzt werden, da mit Mirko Klose und Filip Djordjevic beide Mittelstürmer verletzt sind. Ein möglicher Transfers eines weiteren Stürmers, etwa Alessandro Matri oder Mario Balotelli, ist wohl von der Qualifikation für die Champions League abhängig.

Große Veränderungen im Kader gibt es bei Lazio also keine, mit einem Abgang von Biglia ist wohl eher nicht mehr zu rechnen und auch Felipe Anderson wird den Klub nicht verlassen. Der Kader ist weiterhin gespickt mit einigen unterschätzten Spielern, großen Talenten wie Felipe Anderson oder Danilo Cataldi, doch qualitativ sind Roma und Napoli voraus, womöglich auch die Mailänder Klubs. Im Gegensatz zu Inter, Milan und Napoli hat Stefano Pioli jedoch eine eingespielte, bereits gut funktionierende Mannschaft und damit die Kontinuität als klaren Vorteil. Ein weiterer Qualitätssprung ist bei Lazio also wohl nicht zu erwarten, ob es erneut für einen mit der Champions League verbundenen Top-drei-Platz reicht, ist sehr stark von der wohl etwas schwieriger einzuschätzenden Konkurrenz abhängig.

Milan

Einen ordentlichen Qualitätssprung kann man dagegen von Milan erwarten. Gut, nach Platz zehn und der schwächsten Platzierung seit 1998 ist eine Leistungssteigerung auch leicht möglich. Vor allem nach dem die Mailänder heuer auch mal wieder groß investiert haben am Transfermarkt.

Hauptsache billig war in den vergangenen Jahren das Motto bei Milan, ablösefrei oder Leihe mit Kaufoption (bevorzugt bezahlbar in gefühlt 34 Raten in 17 Jahren) die bevorzugten Transfervarianten von Sportdirektor Adriano Galliani. Die Folge waren Neuzugänge wie Bakaye Traore, Valter Birsa oder Kevin Constant. Nach dem Einstieg des thailändischen Geschäftsmannes Bee Taechaubol sieht es finanziell wieder rosiger aus in Mailand und Galliani durfte wieder mehr Geld in Neuzugänge investieren. 88 Millionen Euro gab Milan für neue Spieler aus, nur rund zehn Millionen Euro wurde durch Abgänge eingenommen.

Neben mehreren Spielern hat Milan heuer auch mal wieder einen halbwegs vernünftigen, recht modernen Trainer geholt. Sinisa Mihajlovic wurde von der Sampdoria abgeworben, bei der der Serbe vergangene Saison einen guten siebten Platz erreicht hat. Für Mihajlovic war dies die erste wirklich erfolgreiche Trainerstation in Italien, nach dem er in Bologna, Catania und Florenz nicht wirklich überzeugen konnte und sich nirgends länger als ein Jahr hielt. Bevor er 2013 zur Sampdoria kam, war er ein Jahr lang Coach des serbischen Nationalteams und hospitierte in dieser Zeit bei einigen interessanten Trainern. Dabei dürfte Mihajlovic einiges gelernt haben. Seine Spielweise zeichnete sich etwa durch ein für italienische Verhältnisse sehr mutige und offensive Spielweise, starkes Gegenpressing und eine in Italien untypisch hohe Intensität aus.

Wofür Pippo Inzaghi, der Psychologie als Thema seiner Trainerarbeit auswählte, steht, ist nach einem Jahr gar nicht so einfach zu sagen. Inzaghi versuchte offensiv zu spielen und legte einen großen Wert auf das offensive Umschalten, doch seine Zeit war auch von ständigen Änderungen geprägt. Das richtige Rezept fand Inzaghi dabei aber letztlich nie. Er spielte bei Milan hauptsächlich mit einer 4-3-3-Grundformation, trat aber auch zum Teil im 4-2-3-1 oder 4-3-1-2 auf. Genau diese drei Systeme ließ auch Mihajlovic vergangene Saison in Genua spielen, das 4-3-1-2 ist dabei auch als Stammsystem bei Milan zu erwarten. Bei Mihajlovic‘ Samp funktionierten diese Systeme aber um einiges besser als bei Inzaghis Milan, dessen

Kader vergangenes Jahr weitaus mehr als einen zehnten Platz hergegeben hätte. Die Offensive brachte der unerfahrene Trainer jedoch nie in Schwung, die Defensive blieb ein ständiger Unsicherheitsfaktor.

Mihajlovic hatte 2014-2015 die fünftbeste Defensive der Liga, bekam 42 Gegentore in 38 Spielen und erhielt damit acht Gegentreffer weniger als Milan. Daher hat Mihajlovic auch seinen Abwehrchef nach Mailand mitgenommen. Nach langen Verhandlungen wurde Alessio Romagnoli für 25 Millionen + Bonus verpflichtet. Der 20-jährige war vergangene Saison von der Roma nach Genua ausgeliehen und ist neben Daniele Rugani wohl das größte Abwehrtalent Italiens. Neben Romagnoli wurde noch ein anderer, allerdings weitaus unbekannterer Innenverteidiger geholt. Rodrigo Ely wechselte eigentlich schon 2010 aus Brasilien nach Mailand, verbrachte aber mehrere Spielzeiten in der Serie B und war zuletzt in Co-Ownership bei Avellino. Ely überzeugte bereits als 17-jähriger in der Vorbereitung, danach war aber nur noch wenig von dem großen Talent zu hören. Der mittlerweile 21-jährige kam aber auf überraschend viel Einsatzzeit in der Vorbereitung und stand auch beim Cupmatch gegen Perugia in der Startelf. Mihajlovic scheint den jungen Brasilianer gegenüber gestandenen Spieler wie Philippe Mexès, Gabriel Paletta und Alex zu bevorzugen. Auf der Außenverteidigerposition ist Milan prinzipiell mit sehr starken Italienern besetzt, jedoch konnten diese Spieler in den vergangenen Jahren ihr Können nur selten zeigen. Vor allem Mattia De Sciglio hätte sehr großes Potential und seine ersten Leistungen in dieser Saison deuten darauf hin, dass er dies auch wieder besser ausschöpfen kann. Mit Ignazio Abate und Luca Antonelli sind auch die zwei anderen Außenverteidiger potentiell top.

Das Mittelfeld wurde heuer mit Andrea Bertolacci verstärkt, zudem kam mit Jose Mauri ein junges Talent ablösefrei aus Parma. Bertolacci hat wohl neben den altbekannten Nigel De Jong und einem wieder fitten Riccardo Montolivo einem Stammplatz, dafür ist Giacomo Bonaventura oder Keisuke Honda als Zehner zu erwarten. Bonaventura, vergangene Saison noch einer der stärksten Spieler, könnte in der eher weiträumigen Raute von Mihajlovic aber auch einen guten Achter abgeben. Eine interessante Option wäre auch Jeremy Menez auf der Position im offensiven Mittelfeld, um einen Spieler zu haben, der mit Läufen in die Spitze die Angreifer unterstützt und selber gerne abschließt. Eventuell wird mit Roberto Soriano ein weiterer Spieler verpflichtet, den Mihajlovic noch von der Sampdoria kennt.

Menez war in der vergangenen Saison mit 16 Treffern der beste Torschütze der Mailänder. Trotzdem wird es heuer schwer für den Franzosen, hat sich Milan im Angriff doch sehr stark verstärkt. 30 Millionen Euro wurden für Carlos Bacca von Sevilla ausgegeben, für preiswerte acht Millionen Euro gab es Luiz Adriano von Schachtjor Donezk als Sturmpartner dazu. Die beiden Mittelstürmer zusammen ergeben ein eher untypisches Sturmduo, dessen Zusammenspiel im ersten Pflichtspiel der Saison jedoch schon überraschend gut funktionierte. Mit Jeremy Menez hat Mihajlovic aber immer noch eine starke Alternative als hängende Spitze neben einem der beiden.

Als Milan 1998 auf dem zehnten Rang landete, wurde die Mannschaft im Jahr daraufhin gleich Meister. So viel ist heuer aber noch nicht drinnen für die Rossoneri, für die ein Platz für die Champions League schon ein sehr großer Erfolg wäre. Mit den Neuzugängen und dem Trainerwechsel, die ein verändertes Sturmduo und eine neue, unerfahrene Innenverteidigung, mit sich bringen, sollte man dem neuen Milan noch eine gewisse Schonfrist geben. Die Rückkehr ins internationale Geschäft durch einen Platz für die Europa League sollte für die Mannschaft von Mihajlovic aber schon drinnen sein.

Inter

Wie Milan hat war auch Inter sehr aktiv in der Sommerpause und hat einige interessante Transfers getätigt. 65 Millionen Euro wurde bisher ausgegeben, nach dem Verkauf von Mateo Kovacic für 35 Millionen Euro an Real Madrid hat Inter derzeit an die 80 Millionen Euro eingenommen und somit sehr ausgewogen transferiert. Um der Spitze des italienischen Fußballs noch näher zukommen fordert Trainer Roberto Mancini aber immer noch weitere Verstärkungen.

Seit dem Triplesieg unter Jose Mourinho ging es ordentlich bergab mit dem Mailänder Verein, der einerseits einfach an finanzstärke einbüßte, es nach dem großen Triumph aber auch verabsäumte rechtzeitig einen Umbruch einzuleiten. Unter Walter Mazzarri wurde die Situation etwas besser, wobei Mazzarri gewisse taktische Probleme nicht in den Griff bekam und nach langer Kritik in der vergangenen Saison schließlich durch Mancini ersetzt wurde. Der Unterschied zwischen Mancini und Mazzarri ist jedoch ein riesiger, weshalb es nur all zu logisch war, dass es eine Zeit lang dauern wird, bis die Mannschaft Mancinis Vorstellungen umsetzen kann und sich unter dem Trainer letzte Saison letztlich keine besseren Resultate einstellten.

Mancini äußerte bereits früh Bedenken am von Mazzarri hinterlassenem Spielermaterial, woraufhin gleich im Jänner Lukas Podolski, Xherdan Shaqiri, Marcelo Brozovic und Davide Santon geholt wurden. Doch vor allem Podolski und Shaqiri blieben eine große Enttäuschung in der Serie A.

Diesen Sommer wurden nun Miranda, Jeison Murillo, Martin Montoya, Geoffrey Kondobia und Stevan Jovetic geholt. Ein linker Verteidiger und ein Flügelstürmer werden aber weiterhin von Mancini gefordert. Als linker Verteidiger sind etwa Fabio Coentrao und Domenico Criscito im Gespräch, für die Offensive gilt Ivan Perisic von Wolfsburg als Wunschspieler, Genoas Diego Perotti als Alternative. Gerüchte gibt es auch um mehrere Offensivspieler von Napoli.

Ein Flügelspieler wäre sehr wichtig, da Mancini sonst nicht sein gewünschtes 4-3-3 spielen lassen kann. In Ermangelung eines passenden Flügels spielte Inter gegen die starken Gegner in den Testspielen weiterhin das 4-3-1-2 ein, welches die Spieler bereits aus der vergangenen Saison kannten. Die gewünschten taktischen Grundsätze wie der viele Ballbesitz, er geordnete Spielaufbau von hinten heraus und ohne Ball die hoch stehende Abwehrreihe waren schon zu sehen, dennoch verlief die Vorbereitung etwas problematisch, da Mancini einige Spieler nicht zur Verfügung hatte und vorerst beim alten 4-3-1-2 blieb. Obwohl Mancini damit quasi auf Nummer sicher gehen wollte, setzte es gegen Bayern, Milan, Real und Galatasaray Niederlagen und auch beim Trofeo Tim, einem Kurzturnier mit Milan und Sassuolo, blieb Inter sieglos. Im letzten Spiel vor Saisonbeginn erreichte man auch nur ein 0:0 gegen AEK Athen.

Highlight der Saisonvorbereitung war wohl Mateo Kovacic als Sechser in der Raute. Unter Mazzarri wäre dies wohl gar nicht erst möglich gewesen, da dieser eher eine Doppelsechs mit zwei Mal Gökhan Inler bevorzugt und so war die Zeit von Kovacic bei Mazzarri eher traurig. Mit Mancini stand Besserung in Aussicht, doch richtig eingebunden wurde er auch hier nicht. In Interviews betonte Kovacic nun, dass er sich in der Rolle als tiefliegender Spielmacher sehr wohl fühle und spielt dies in den Testspielen auch sehr gut. Zum Einsatz kam er hier jedoch nur, da andere Spieler für diese Position, etwa Gary Medel – der auch bei Mancini immer noch als Sechser und nicht als Innenverteidiger spielt – noch fehlten. Der Transfer zu Real Madrid beendet nun das traurige Kapitel von Kovacic bei Mancini. Dass Inter mit Mateo Kovacic nach zweieinhalb Jahren in denen man in so schlecht einband und zum Teil auf der Bank versauern ließ, 24 Millionen Euro Gewinn macht ist auch ein interessanter Aspekt des Transfers.

Derzeit gibt es also immer noch offene Stellen in Mancinis Elf, sicher ist aber, dass Handanovic im Tor steht und Miranda mit Murillo die Innenverteidigung bilden wird. Rechts hinten wird wohl Montoya spielen, obwohl Mancini mit dem Neuzugang von Barcelona angeblich nicht zufrieden ist, für die andere Seite gäbe es Santon oder D’Ambrosio, ein Neuzugang wird aber noch gesucht. Im Mittelfeld ist Kondogbia (der für 30 Millionen Euro wohl etwas überteuert geholt wurde) gesetzt, Medel könnte vor der Abwehr spielen, mit Freddy Guarin, Marcelo Brozovic oder möglicherweise Hernanes neben sich. Hernanes wird anfangs wohl noch als offensiver Mittelfeld eingesetzt werden, soll in den Plänen von Mancini aber keine große Rolle mehr spielen. Im Sturm steht mit Mauro Icardi immerhin der Torschützenkönig der Liga, der neben sich immerhin Stevan Jovetic hat.

Qualität ist im Kader von Inter mittlerweile wieder ordentlich vorhanden. Was daraus gemacht wird, ist aber noch schwierig einzuschätzen. Die Vorbereitung spricht nicht gerade für eine erfolgreiche Saison, sollte aber auch nicht zu hoch eingeschätzt werden. Mancini kann aus diesem Kader sicher eine interessante Mannschaft formen, wird vom Gefühl aber eher in der Europa als in der Champions League landen.

Fiorentina

Mit nur wenigen Veränderungen hingegen geht die Fiorentina in die neue Saison. Und genau diese wenigen Veränderungen waren auch der Grund für die wohl größte Veränderung, den Abgang von Trainer Vincenzo Montella. Montella übernahm das Team aus Florenz zur Saison 2012-2013, landete seit dem drei Mal in Folge auf Platz vier. Er hatte nun das Gefühl, dass er anstand, dass mit der Viola nicht mehr möglich ist und keine Verbesserungen in Aussicht stehen.

Finanziell ist die der Klub der Familie Della Valle nun mal nicht auf einem Level mit den italienischen Topklubs, viel investieren konnte man auf dem Transfermarkt nicht. Den Zugängen Mario Suarez, Nikola Kalinic, Gilberto und Leihspielern Luigi Sepe und Davide Astori steht der 25 Millione Euro schwere Abgang von Stefan Savic zu Atletico Madrid gegenüber. Ablösefrei verloren die Florentiner Alberto Aquilani, David Pizarro, Juan Vargas und Neto. Mario Gomez wurde an Besiktas verliehen.

Am bedeutendsten ist neben Savic wohl der Abgang von David Pizarro. Der 35-jährige Chilene, den es zurück in seine Heimat zu den Santiago Wanderers zog, war das Um und Auf im Ballbesitzspiel von Montella. Trotz seines Alters brachte der defensive Mittelfeldspieler immer noch super Leistungen und war immer noch einer der stärksten Sechser der Liga. Der Ersatz für Pizarro kommt aber aus den eigenen Reihen und ist vielen wohl noch aus seiner Zeit beim HSV bekannt: Milan Badelj kam vergangene Saison schon häufig zum Einsatz und brachte dabei großartige Leistungen, nach dem Abgang von Pizarro könnte er noch wichtiger werden. Paulo Sousa plant aber möglicherweise auch eine spanische Doppelsechs mit Mario Suarez und Borja Valero.

Weniger nachtrauern wird man Mario Gomez. Er war in Florenz stets von Verletzungen geplagt und konnte seine große Klasse nie wirklich zeigen. Selbst als er fit war, musste er teilweise hinter dem jungen Khouma Babacar auf der Bank Platz nehmen. Ärgerlich ist dieses Kapitel für Vincenzo Montella, der in zwei Jahren quasi nie ein fittes Sturmduo aus Mario Gomez und Giuseppe Rossi zur Verfügung hatte, wodurch ihm in der Offensive stets große Qualität fehlte. Vor allem Rossi spielte groß auf, wenn er mal nicht verletzt war. Derzeit wäre Rossi mal wieder fit, fraglich ist eben nur wie lange dieser Zustand anhält. Doch auch so stehen mit Nikola Kalinic und Khouma Babacar zwei interessante Stürmer im Kader.

Nachfolger für den derzeit vereinslosen Vincenzo Montella ist Paulo Sousa, der in der vergangenen Saison den FC Basel trainierte. Der 44-jährige Portugiese, der als Spieler mehrere Jahre in der Serie A verbrachte und daher auch italienisch spricht, ist vermutlich der perfekte Nachfolger für Montella. Er bevorzugt den selben Ballbesitzfußball wie Montella und zeigte diesen mit Basel auch in der Champions League gegen vermeintlich überlegene Gegner wie Real Madrid und Liverpool. Mit Basel scheiterte er erst im Achtelfinale der Königsklasse am FC Porto und konnte überlegen die Schweizer Meisterschaft gewinnen. Wie auch Montella wechselte Paulo Sousa dabei oft zwischen Dreier- und Vierabwehr, präsentiere sich immer sehr flexibel. Neben dem interessanten 3-4-2-1 Stammsystem, verwendete er auch 4-2-3-1 und 4-3-3 Grundformationen.

In der Vorbereitung konnte die Mannschaft von Paulo Sousa bereits sehr gute Leistungen abrufen, besiegte etwa den FC Barcelona mit 2:1, wobei beide Tore der junge Flügelstürmer Federico Bernardeschi erzielte, dem heuer einiges zuzutrauen ist. Nur wenige Tage später konnte auch gegen Chelsea ein Sieg erreicht werden.

Die Fiorentina ist wohl weder wirklich schwächer, noch wirklich stärker geworden. Am Transfermarkt gab es nur wenige Veränderungen und auch nach dem Trainerwechsel ist zumindest die grundlegende Spielphilosophie gleichgeblieben. Mit Paulo Sousa hat der Verein den idealen Nachfolger für Montella gefunden und hat erneut einen der interessantesten Trainer der Liga. Mehr als Platz vier ist aber nur schwer möglich, aufgrund der stärker gewordenen Konkurrenz wird kaum mehr als ein Europa-League-Platz rausschauen.

Genoa

Einen Europa-League-Platz hatte in der vergangenen Saison auch der Genoa CFC, doch die Wiederholung einer so erfolgreichen Saison wird für den Klub aus Genua schwer machbar sein. Die Genueser landete 2009/2010 auf dem fünften Platz, fielen danach aber zuerst ins Mittelfeld der Liga zurück und zitterten später sogar um den Klassenerhalt. Vergangene Saison konnte Gian Piero Gasperini Genoa aber zurück in die Europa League führen, also zumindest wenn man die dafür benötigte Uefa-Lizenz bekommen hätte. Gasperini führte Genoa einst von der Serie B in die Europa League, nun konnte er nach seiner Rückkehr zum Verein wieder an bessere Zeiten anschließen.

Gasperinis Spielweise blieb dabei wie schon seit Jahren die gleiche. Er lässt sein Trademark 3-4-3 spielen und legt dabei einen großen Wert auf Flügelüberladungen, die in der zentrumsfokussierten Serie A ganz gut funktionierten. Über die Flügel versuchte Genoa simpel in Strafraumnähe zu kommen und dort vergangenen Herbst zu Flanken was das Zeug hält oder mehr über Dribblings in den Sechszehnmeterraum zu kommen, wie man es im Frühjahr vermehrt tat. Defensiv sind vor allem seine Teils extremen Manndeckungen auffällig, wodurch man Gasperini fast schon als Bielsa für Arme bezeichnen könnte.

Gasperini passt sich gerne flexibel an, verfolgt aber stets seine klare taktische Grundausrichtung, die bei Genoa in der vergangenen Saison stark umgesetzt wurde. Problematisch ist bei Genoa jedoch immer der Transfermarkt. In den vergangenen Jahren folgte stets im Winter und im Sommer ein neuer Umbruch, erst jetzt wo Vereinspräsident Preziosi mittlerweile das Geld ausging, ist es etwas ruhiger geworden. Doch die besten Spieler werden nicht lange gehalten, meistens schon beim erstbesten Angebot nach Mailand verkauft. Heuer verlor das Team bereits Andrea Bertolacci und Iago Falque, zudem droht noch ein Verkauf von Diego Perotti, womit Gasperini dann ohne seine drei stärksten Spieler auskommen müsste. Schon im Jänner legte der Verein einen interessanten Mercato hin, als ohne Not einfach mal beide Mittelstürmer, Alessandro Matri und Mauricio Pinilla, abgegeben wurden, ohne dass wirklich Ersatz geholt wurde.

Die aktuellen Transfers sind recht schwierig einzuschätzen, da viele No-Names geholt wurden. Für die offensive wurden aber erneut sehr dribbelstarke Akteure wie etwa Diego Capel geholt, die für Gasperini sehr wichtig sind.

Gasperinis taktisches Konzept hat trotz seiner vorhandenen Schwächen ganz gut funktioniert und auch in der kommenden Saison ist ein ähnlich auftretender Genoa CFC zu erwarten. Das Spielermaterial ist aber schwächer geworden, die Konkurrenz stärker. Zudem bleibt nach der abgelaufenen Saison der Eindruck, dass Genoa grundsätzlich etwas overperformt hat.

Sampdoria

Auch für Sampdoria wird es schwer, erneut eine so starke Saison zu spielen. Unter Mihajlovic landeten die Blau-Weiß-Rot-Schwarzen auf Platz sieben, bekamen aber aufgrund der Unfähigkeit des Stadtrivalens den Startplatz für die Europa League zugesprochen.

Dort blamierte sich das Team gleichmal mit einer 0:4 Heimniederlage gegen Vojvodina Novi Sad in der dritten Qualifikationsrunde und schied daher trotz 2:0-Auswärtssieg im Rückspiel aus. Mihajlovic-Nachfolger Walter Zenga stand dadurch bereits früh in der Kritik, eine Entlassung nach diesen ersten beiden Spielen wäre dem verrückten Sampdoria-Präsidenten Massimo Ferrero auch durchaus zuzutrauen gewesen (Ferrero ist natürlich alles zuzutrauen). Die Entscheidung Walter Zenga einzustellen war schon interessant, trainierte der ehemalige Nationalteamtormann in den letzten Jahren Klubs im nahen Osten und hielt sich 2009 bei seiner letzten Trainerstation in der Serie A nur 13 Spieltage bei Palermo. Davor war Zenga nur Trainer bei Catania, ansonsten führte ihn seine bereits 1998 begonnene Karriere als Coach schon nach Rumänien, Serbien, in die Türkei und USA.

Der derzeit wesentlichste Abgang bei der Samp ist jener von Alessio Romagnoli, wobei auch noch ein Abgang von Roberto Soriano droht. Investiert wurden zehn Millionen Euro in den zuvor nur ausgeliehen Luis Muriel und acht Millionen in Fernando von Schachtjor Donezk. Mit Ervin Zukanovic (für rund drei Millionen Euro von Chievo) und Niklas Moisander (ablösefrei von Ajax) gibt es noch weitere interessante Neuzugänge. Besonders viel Aufmerksamkeit verdient auch die Rückkehr von Antonio Cassano, der sein Verhältnis zur Sampdoria erstmal mit Nutella verglich („wenn man einen Löffel [in Italien gleichbedeutsam mit „Lupfern“]probiert, will man immer mehr“). Cassano verließ vergangene Saison den Pleite-Klub Parma und war nun mehrere Monate lang vereinslos. Bei Walter Zenga könnte er nun als offensiver Mittelfeldspieler in der Raute oder als Teil der Doppelspitze agieren. Für den Sturm liebäugelt Ferrero aber immer noch mit der Verpflichtung eines großen Namens wie Mario Balotelli oder Dimitar Berbatov, was aber als eher unwahrscheinlich einzuschätzen ist.

Vom Kader her hat die Sampdoria immer noch genug Qualität, um in der oberen Tabellenhälfte zu landen, wie bei Genoa könnte es aber auch passieren, dass die Mannschaft im engen Mittelfeld der Liga versinkt. Fraglich ist es, ob Walter Zenga als Trainer den positiven Weg von Sinisa Mihajlovic weitergehen kann.

Torino

Giampiero Ventura konnte Torino nicht nur aus der Serie B in die Serie A führen, sondern den Verein dort sogar im oberen Mittelfeld etablieren. Vorletzte Saison führte er den Klub aus Turin in die Europa League, letzte Saison reicht es nach schwachem Saisonbeginn immerhin für Platz neun.

Nach den schwerwiegenden Abgängen von Alessio Cerci und Ciro Immobile brauchte Torino in der letzten Saison eine gewisse Zeit, um in Schwung zu kommen. Im Herbst probierte Ventura noch herum, bis er schließlich die richtige Abstimmung fand und es im Frühjahr deutlich besser lief.

Ventura, der bereits 1976 im Nachwuchs der Sampdoria seine Trainerkarriere begann, lässt dabei einen sehr interessanten, insgesamt eher ungewöhnlichen Fußball spielen. Prägendes Element ist die tiefste Ballzirkulation der Liga, kein anderes Team hält den Ball so sehr in der eigenen Hälfte in den Reihen. Neben einer tiefen Torwartkette spielt Torino quasi eine höhere Torwartkette mit dem zentralen Innenverteidiger Kamil Glik und überaus tiefer Position, um eine sichere Ballzirkulation zu ermöglichen. Weitere auffallende taktische Elemente sind der sehr hohe Zentrumsfokus, bei dem auch Flanken wenn möglich vermieden werden, und das absolut intensitätslose Spiel gegen den Ball.

Der 67-jährige Trainer hat ein Faible vor spielstarke Innenverteidiger und trainierte zum Beispiel den jungen Leonardo Bonucci sowohl bei Pisa als auch bei Bari (wo er gemeinsam mit Andrea Ranocchia ein absolut legendäres Innenverteidigerduo bildete). In Torino wird diese aufbaustarke Dreierkette von Emiliano Moretti, Kamil Glik und Nikola Maksimovic gebildete. Der mittlerweile 34-jährige Moretti schaffte es verganene Saison sogar erstmals in italienische Nationalteam, Kamil Glik ist der Abwehrchef Polens und für Nikola Maksimovic verlangt Vereinspräsident Urbano Cairo in zähen Verhandlungen mit Napoli ganze 25 Millionen Euro. Zu dieser starken Innenverteidigung kommen noch welche der besten Wingbacks der Liga hinzu. Für 18 Millionen Euro verkaufte Torino Matteo Darmian an Manchester United, wo der beidfüßige Italiener derzeit groß aufspielt. Doch für geeigneten Ersatz wurde bereits gesorgt. U21-Teamspieler Daniele Zappacosta kommt von Atalanta für die rechte Seite, Danilo Avelar von Cagliari für die linke. Avelar legte vergangene Saison unter Zdenek Zeman bei Cagliari eine großartige Entwicklung hin, Zappacosta begeisterte bei Atalanta und zuvor Avellino. Mit Bruno Peres steht aber noch eine weitere Wingback-Maschine im Kader von Ventura. Der Brasilianer ist unglaublich schnell und sehr dribbelstark, auf seiner Position sicher der offensivstärkste Spieler der Liga. Wie auch Darmian zog er das Interesse mehrerer Topklubs auf sich, entsprechende Angebote, um die 20 Millionen Euro würde Torino wohl verlangen, kamen jedoch keine und so bleibt Bruno Peres weiterhin in Turin.

Für das zentrale Mittelfeld wurde mit Daniele Baselli ein weiterer Spieler aus der italienischen U21 von Atalanta geholt. Neben ihm könnten mit Obi von Inter und Acquah von Parma zwei weitere Neuzugänge auflaufen, der junge Marco Benassi sollte sich hier aber wohl durchsetzen. Verloren wurde mit Omar El Kaddouri allerdings der wichtigste Mittelfeldspieler, er kehrt zu Napoli zurück.

Der teuerste Neuzugang ist einer für den Sturm und auch er war mit Italien bei der U21-Europameisterschaft dabei. Andrea Belotti kommt für 7,5 Millionen Euro von Palermo. Der 21-jährige ist ein robuster, dynamischer Stürmer und wird wohl an der Seite von Altstar Fabio Quagliarella stürmen. Maxi Lopez und Josef Martinez, die in der vergangenen Saison zu vielen Einsätzen kamen, stehen weiterhin im Kader. Mit Belotti und Quagliarella hat Ventura nun erneut eine sehr starke Offensive, die durchaus ein wenig an das legendäre Duo Cerci – Immobile erinnert. Belotti hat zwar nicht so viel Potential wie Immobile, bei Ventura ist immer aber durchaus einiges zuzutrauen.

Torino hat mit Giampiero Ventura also einen der besten Trainer der Liga und ein sehr interessantes Spielermaterial. Neben routinierten Spielern wie Moretti und Quagliarella werden mit Maksimovic, Benassi, Acquah und Belotti mehrere junge Spieler in der Startelf stehen (ja, in Italien gelten die alle als jung).  Spieler wie Glik und Moretti sind weiterhin etwas unterschätzt und auch Torino insgesamt bekommt noch die Wertschätzung, die der Verein verdient. Am Transfermarkt machte der Klub von Urbano Cairo erneut eine super Figur. Mit den 18 Millionen Euro von Matteo Darmian konnte man mehrere, gute Neuzugänge finanzieren, bei Bruno Peres und Maksimovic blieb man bei seinen Forderungen hart, schließlich ist der Verein auch nicht unbedingt auf die Einnahmen durch Verkäufe angewiesen. Durch Giampiero Ventura und den insgesamt wohl verstärkten Kader ist mit Torino als stärksten der „Kleinen“ zu rechnen.

Der Abstiegskampf

Bologna, Carpi und Frosinone sind die diesjährigen Aufsteiger aus der Serie B. Während Bologna ein alter Bekannter ist, geben die Provinzklubs Carpi und Frosinone ihr Debüt in der Serie A. Erwünscht sind die beiden Klubs dort nicht von allen, wie ein kontroverses Telefongespräch des mächtigen Lazio-Präsidenten Claudio Lotito zeigte, in dem er sich aufgrund des Aufstiegs solcher Klubs sorgen um seine TV-Gelder machte und meinte, dass diese Klubs die Leute einen scheiß interessieren und die Fans nicht mal wissen, wo diese Orte liegen.

Daher: Carpi ist eine 70.000-Einwohnerstadt in der Provinz Modena in der Emilia-Romagna, Frosinone ist ein Städtchen mit fast 50.000 Einwohner in der Region Latium südlich von Rom. Frosinone, wo Österreicher Robert Gucher Kapitän ist und einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld haben sollte, schaffte den direkten Durchmarsch aus der Serie C in die Serie A, Carpi war vor fünf Jahren noch ein Serie-D-Klub.

Rein vom Spielermaterial her sind diese beiden Vereine ganz klar die schwächsten der Liga. Doch schon Sarris Empoli hat im Vorjahr gezeigt, dass man solche Aufsteiger nicht unterschätzen sollte, egal wie vermeintlich schwach sie scheinen. Da es in Österreich auch nicht so einfach ist an ordentliches Videomaterial zur Serie B zu kommen, ist es auch schwierig die Trainerqualitäten von Roberto Stellone von Frosinone und Fabrizio Castori richtig einzuschätzen (wobei die Tatsache, dass Luca Marrone bei Carpi im defensiven Mittelfeld eingeplant ist, schon mal nicht für Castori spricht). Beide gehen jedenfalls mit etwas veränderten Teams in die Saison und holten einige Spieler für die Serie A, Carpi verlor allerdings Sportdirektor Giuntoli, der mit seinen starken Transfers der vielleicht wichtigste Mann am Aufstieg von Carpi war, an Napoli.

Bologna ist finanziell mittlerweile sehr stark aufgestellt, doch am Transfermarkt lief es bisher dennoch nicht nach Wunsch. Der Klub war an vielen bekannteren Serie-A-Spielern interessiert, holte sich jedoch laufend Absagen ein. Die interessantesten Neuzugänge derzeit sind wohl Lorenzo Crisetig, der von Inter ausgeliehen wurde, Franco Brienza, 36-jähriger offensiver Mittelfeldspieler, der aus Cesena kommt, und Mattia Destro, hoffnungsvolles Stürmertalent, das zuletzt bei Milan enttäuschte. Weitere interessante Transfers könnten noch folgen, wodurch Bologna wohl der Aufsteiger mit den besten Chancen auf den Klassenerhalt ist.

Wie immer voll dabei im Abstiegskampf sollte auch Chievo Verona sein. Chievo hält sich aber stets in der Serie A, meistens durch eine hervorragende Defensive, die in der vergangenen Saison die viertbeste der Liga war. Auch Lokalrivale Hellas wird wohl weiter unten zu finden sein, hätte aber ein potentiell sehr interessantes Mittelfeld mit Ionita, U21-Teamspieler Viviani und dem unterschätzten Isländer Hallfredsson. Vorne spielt Lebensversicherung Luca Toni, entweder in einem Dreiersturm oder möglicherweise nur neben Giampaoli Pazzini, was ein unglaublich kopfballstarkes Sturmduo ergeben würde.

Auch Empoli könnte heuer wieder mehr in den Abstiegskampf rutschen. Die Toskaner verloren Sarri als Trainer und zudem mit Mirko Valdifiori und Daniele Rugani zwei der wichtigsten Spieler. Immerhin konnte im offensiven Mittelfeld Riccardo Saponara gehalten werden, dennoch ist die Mannschaft klar schwächer geworden.

Etwas bessere Karten haben vermutlich Sassuolo, Udinese und Atalanta, auch Palermo ist sehr hoch einzuschätzen. Passieren kann aber viel, im Mittelfeld der Liga geht es schließlich meist sehr eng zu und nach ein paar Punktverlusten finden man sich sehr schnell auf einem Abstiegsplatz wieder.

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