Ein lauter Aufschrei hallte vor etwas mehr als einem Jahr durch Fußballdeutschland, als bekannt wurde, dass im Zuge des ab der Saison 2017/18 geltenden TV-Vertrages die Spieltage der Bundesliga aus Marketing- und Expansionsgründen aufgesplittet werden. Dasselbe Szenario ereignete sich dieses Jahr mit der Champions League. Es ertönten die bekannten Beschwerden über die zunehmende Entfremdung des Königs Fußballs von den Fans. Eine Kritik an Sky hörte man dagegen selten.

Weniger Beachtung fand nämlich, dass sich durch die neuen TV-Verträge auch die Rechtepakete veränderten. Eurosport machte Sky die Freitagsspiele der Bundesliga streitig, DAZN den Großteil der Champions-League-Rechte. Von „Live und exklusiv bei Sky“ blieb nicht mehr viel übrig, was per se nicht negativ ist.

Die neue Konkurrenz wirkt vielmehr belebend, wie das wahnwitzig breite Angebot von DAZN oder die innovative Berichterstattung von Eurosport zeigen. Das Programmkonzept des Branchenprimus erscheint dagegen fragwürdig, teils schon alarmierend.

Zunächst sei gesagt, dass es mich sehr überrascht hat, wie Sky auf den Verlust der Übertragungsrechte für über 40 Bundesligaspiele (insbesondere freitags) in 2017 sowie für über 100 Partien der Champions League in 2018 (von 138 Spielen pro Saison kommen 34 Spiele live auf Sky, 28 davon exklusiv plus die Konferenz – DAZN zeigt 110 Spiele, 104 davon exklusiv) reagierte. Die Werbespots suggerierten den Kunden teilweise, dass zu den jeweiligen Spielzeiten sogar ein Mehr an Angebot entstanden sei.

Die Preise für die Bundesliga- und Sportpakete blieben unverändert, die Werbemaßnahmen nahmen dagegen eklatant zu. Gerade bei der Werbung für die Champions League in den vergangenen Wochen bekam ich den Eindruck, dass Sky tatsächlich Kunden mit einem vermeintlich besseren Paket lockte – wohl auch um auszunutzen, dass keine deutschen Spiele mehr im Free-TV zu sehen sind. Aus Marketinggründen sicherlich clever, aber auch dreist.

Die Sky-Strategie

Bitte nicht falsch verstehen – dieser Beitrag soll weder das Unternehmen oder die dort tätigen Personen beleidigen, noch für andere Angebote werben. Der springende Punkt ist vielmehr, dass trotz dieser Entwicklungen und der neuen Konkurrenz die Qualität des Angebots nicht unbedingt steigt, um es mal freundlich auszudrücken.

Dies betrifft zuvorderst nicht das Verhältnis von Werbung und Berichterstattung, welches gerade in Halbzeitpausen regelmäßig schon zu 2/3 zugunsten von Werbung ausfällt. Schlimmer ist vielmehr, wie die restliche Sendezeit für die Berichte genutzt wird.

In einer klassischen Halbzeitpause werden in zügiger Reihenfolge zwei Tore, eine verpasste Chance und eine strittige Schiedsrichterentscheidung gezeigt. Von einem „Experten“ in zwei gescripteten Sätzen kommentiert und eine vage Standardprognose für die zweite Halbzeit herausgegeben.

Lest dazu auch unseren Kommentar „Wie ihr den Fußball zerstört“. Hier zu lesen

In dieser darf der Kommentator zweimal für den neuesten Blockbuster oder den „Boxkampf des Jahres“ werben. Den man sich mit dem Sky Ticket kaufen soll – während kurz darauf (vielleicht gerade deshalb) SkyGo zum hundertsten Mal abstürzt.

Schließlich kriegt nach einer 50/50-Entscheidung noch der Referee sein Fett für die Szenenauslegung weg, bekommt kurz darauf aber vom zugeschalteten „Schiedsrichter-Experten“ Dr. Markus Merk doch noch seinen Segen für die Auslegung.

Letztere Szene wird nach dem Spiel von den Reportern in den Interviews als Steilvorlage genommen und in der Spielanalyse und den Talkrunden stundenlang durchdiskutiert, ohne dass es noch um das Spiel an sich geht.

Diese Elefantenrunden bei Sky90, der Champions League oder dem Bundesliga-Topspiel sind im Übrigen das Highlight der Chose. In diesen begründen die sogenannten Experten, zumeist altgediente Fußballstars der 90er und 00er Jahre, das Leistungstief eines Spielers mit dessen Instagram-Aktivitäten oder kritisieren Trainer und Sportdirektoren für deren Aufstellung und Kaderplanung, obwohl sie selbst nie erfolgreich in einer solchen Position tätig waren und keine alternativen Vorschläge vorbringen können.

Fehlender Fußballbezug

Daneben sitzen Journalisten, die diese Sätze mit noch weniger Fachkompetenz nachkrähen und gelegentlich noch meinen, mit populistischen Äußerungen die Fanseele gegen die böse, sich vom Zuschauer entfernende Kommerzialisierung des Fußballs verteidigen zu müssen, während sie bei einem Sender sitzen, der genau diese Entwicklung mitträgt. Da kann man mal klatschen.

Und apropos Instagram, die Social Media-Plattform scheint ein Liebling der Produzenten zu sein. Wird doch extra von Skys „Social Media-Experten“ Riccardo Basile in jeder Sendung auf aktuelle Posts und Entwicklungen Bezug genommen. So wissen wir seit den Vorberichten zum Spiel Hoffenheim gegen ManCity, dass die TSG endlich 100.000 Follower hat. Klasse!

Mich verwundert es wenig, dass die Attraktivität der Bundesliga nachlässt. Dies liegt nicht an der Dominanz der Bayern, nicht an den Ultras mit der Pyrotechnik und auch nicht am Video Assistant Referee (ja, der ist nicht an allem schuld). Es liegt an der Tatsache, dass es mittlerweile gefühlt um alles geht, außer um Fußball.

Die ganze Berichterstattung ist zu einem riesigen Tamtam aufgebauscht. Wenn es mal wirklich um Fußball geht, wird oft nur nach Fehlern gesucht, um diese zu kritisieren und drittklassige Meinungen einzuholen.

Fragen von Journalisten zielen vielfach darauf ab, Schlagzeilen zu provozieren und Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen. Dies geschieht nicht nur bei Sky, sondern auch in anderen Formaten, die es offensichtlich nötig haben, sich auf diese Weise zu profilieren, weil sie sonst nichts Interessantes zu bieten haben. Daraus resultieren negative Effekte, die sowohl auf die öffentliche Meinung als auch auf die Spieler und Verantwortlichen selbst abfärben.

Gerade letztere werden dafür kritisiert, dass sie sich zu sehr distanzieren und selten klare Kante zeigen. Freiwillig geschieht dies eher selten, vielmehr ist es eine Reaktion auf jahrelange mediale Vorgehensweisen.

Per Mertesacker sprach vor einiger Zeit über die psychischen Probleme im Umgang mit Druck im Profisport. Druck, der nicht nur intern aufgrund der Konkurrenz herrscht und in gewissem Maße steuerbar ist. Es ist Druck, der extern, teils künstlich durch die Berichterstattung erzeugt wird und für die Beteiligten oft unkontrollierbar ist.

Ich hoffe, dass dies bald auch wieder die hiesigen TV-Sender mehr beherzigen. Die neue Konkurrenz (DAZN, Eurosport) kann da als Vorbild dienen. Weniger Experten, weniger Nebenschauplätze, mehr Format. Auch bei Sky arbeiten zahlreiche fähige Leute, die eine gemeinsame Begeisterung für den Sport teilen.

Die neue „Champions Corner“ mit Florian Schmidt-Sommerfeldt (Schmiso) erscheint beispielsweise vielversprechend und könnte so eine Innovation sein. Zudem wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass sich Sky zur nächsten Saison die Premier League-Rechte EXKLUSIV gesichert hat. Aus meiner Sicht bietet sich hier eine Chance, mit weniger Schnickschnack ein attraktiveres Angebot zu schaffen.

Es ist gar nicht so schwer, sich wieder mehr auf die Sache einzulassen – weder im Fußball, noch in anderen Lebensbereichen. Lasst uns wieder das Spiel genießen. So abgehoben und unattraktiv ist der Sport nicht geworden. Die Champions League ist offen wie selten. Die Bundesliga hat einige aufregende Mannschaften. Die Nationalmannschaft steht vor einem interessanten Umbruch.

Ein Sky-Abo hole ich mir bis auf Weiteres trotzdem nicht. In der Zwischenzeit gehe ich für das Geld lieber in eine schöne Sportsbar unter Leute, mit einem stumm geschalteten Fernseher an der Wand und schaue mir in Ruhe ein Spiel an. Keine Kommentare. Nur Fußball.

Share: