Stadionverwirrung in Cagliari

“Das Stadio Is Arenas ist nicht sicher genug um das Spiel Cagliari gegen Milan abzuhalten” hieß es letzte Woche sowohl von der Lega Calcio als auch von der Preffettura Cagliari. Bereits zu vor hat es bei den Spielen Cagliari – Juventus und Cagliari – Roma Probleme gegeben und das obwohl das Stadion erst im Sommer erbaut wurde. Doch das Stadio Is Arenas ist etwas anders als die meisten neuen Fußballstadien in Europa. Ein komplett neues Stadion, in dem aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht gespielt werden kann, gibt es wohl auch nur in Cagliari, weshalb das Stadio Is Arenas ein sehr interessanter Fall ist, der genauer betrachtet werden muss.

Dafür muss man aber zuerst mal einige Jahre zurückblicken. Die ganze Geschichte begann 1965 mit dem Bau des Stadio Sant’Elia, 1970 wurde dann das Stadion fertiggestellt. Es war ein damals übliches Stadion, im Stile „Kampfbahn“. Groß, rund und mit Laufbahn, so dass es einen schön großen Abstand zwischen Spielfeld und Tribüne gab. Zur Weltmeisterschaft 1990 wurde das Stadion renoviert, eine Tribüne wurde überdacht und vor allem die Parkplatzsituation und die Sicherheitsvorkehrungen wurden verbessert. Ansonsten blieben die Tribünen großteils unberührt, was eine weitere Renovierung etwa 10 Jahre später zur Folge hatte. Es zeigte sich, dass beim Stadionbau wohl nicht die besten Materialien verwendet wurden, der Beton begann zu bröckeln und löste sich ab, später machte sich auch Rost breit. 2002 verwehrte die Lega Calcio die Benutzbarkeit des Stadion aufgrund des schlechten Zustandes verschiedener Tribünen – es bestand Einsturzgefahr. Da der Saisonstart nahte entschied man sich schnell für eine Billiglösung und errichtete neue Tribünen über der Laufbahn im Stadion. Ein Stadion im Stadion quasi. Da die Comune Cagliari aber, wie eigentlich jede italienische Comune, knapp bei Kasse ist, wurden keine weiteren Investitionen getätigt und die alten Tribünen verfielen weiterhin. Logischerweise war Vereinspräsident Massimo Cellino unzufrieden mit der Situation. Man spielte in einem alten, verfallenen Stadion und musste für dessen Nutzung auch noch Pacht an die Comune zahlen.

So wurden Pläne für „Karalis Arena“ in Auftrag gegeben, 23.000 Zuschauer hätten in dem modernen Stadion Platz haben sollen, Kostenpunkt wären etwa 45 Mio. € gewesen. Sofort merkte man, dass hier wirklich Interesse an einem Stadionbau besteht, während andere Vereine in Italien, Siena zum Beispiel, irgendwann mal Pläne vorlegten, diese aber nie ernsthaft verfolgt haben. Blieb nur noch die Frage nach dem Grundstück. Über einen Verkauf des Grundstückes des alten Sant’Elia wurde nie ernsthaft verhandelt, da die Comune dafür satte 50 Mio. € verlangte. Ein Scherz, bedenkt man, dass Juventus damals nur 30 Mio. € für das Delle Alpi zahlen musste. Doch in Cagliari sind freie Grundstücke rar, nicht mal Platz für neue Wohnungen gibt es. Die Comune erwies sich hier auch nicht gerade als Kooperativ, da man an einem neuen Stadion im Besitz des Vereins kein Interesse hat, schließlich ist das Sant’Elia immer noch eine brauchbare Einnahmequelle. Um diese nicht zu verlieren legt sich die Comune, wo es nur geht, quer. Cagliari Calcio sah sich darauf in den umliegenden Gemeinden um, auch dort sah die Auswahl an geeigneten Grundstücken nicht viel besser aus, aber schließlich wurde man in Elmas fündig. Man fragte an, ob es möglich wäre hier ein Stadion zu errichten und kaufte das Grundstück auch, nachdem die Anfrage bestätigt wurde. Alles sah gut aus, bis die „Direzione Aeroportuali Cagliari“ einschritt und vermeldete, dass das Stadion sich zu nahe am Flughafen befinden würde. Angeblich gäbe es aufgrund der Größe des Stadion eine Gefahr beim Starten und Landen der Flugzeuge. Eine Entscheidung, die nicht unbedingt verständlich war (bei vielen Flughäfen gibt es diverse große Gebäude, zum Beispiel Flughafenhotels, in der Nähe, die anscheinend keine Gefahr darstellen), aber die man hinnehmen musste. Ich glaube eher, hier wurde einfach nach einem Grund gesucht um den Stadionbau zu verhindern und dieser wurde natürlich auch gefunden. Seit dem liegt das Projekt auf Eis. Um Druck auf die Comune auszuüben ließ Massimo Cellino seine Mannschaft die letzten drei Spiele der Saison 2011/2012 im über 1.000 km entfernten Triest spielen. Es half leider nichts und so war man im Sommer wieder gezwungen etwas zu unternehmen, da man im alten Sant’Elia nicht mehr spielen darf.

Einen neuen Spielort fand man in der Gemeinde Quartu Sant’Elena, wo man sich entschloss auf einem alten Fußballplatz ein komplett neues Stadion zu errichten. Allerdings ist hier wieder die Gemeinde der Besitzer des Stadions und nicht der Verein, weshalb man sich für eine temporäre Billiglösung entschied. Für nur 1,5 Mio. € errichtete man in kürzester Zeit (geplant Bauzeit war bis Oktober-November, fertig wurde das Stadion schon Anfang September) ein eigentlich akzeptabel aussehendes Stadion aus Stahlrohrtribünen. Die Fans waren damit auch Großteils zufrieden, immerhin sah es so aus, als hätte man nun eine Zeit lang eine Ruhe und könnte ohne Probleme wieder die Spiele der Mannschaft sehen, ohne dabei bis nach Triest reisen zu müssen.

Doch Probleme gab es bereits beim ersten Heimspiel der Saison, in der zweiten Runde gegen Atalanta. „Aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen des noch nicht abgeschlossenem Stadionbaus wird das Spiel vor leeren Rängen stattfinden“, wurde erst wenige Tag vor dem Spiel verkündet. Trotz der geschlossenen Tore machten sich einige Fans auf den Weg zum Stadion in Quartu Sant’Elena und weihten das Stadion eben von außen ein. Als aber das Stadion auch vor dem nächsten Heimspiel beim Sicherheitscheck durchfiel, wollte man das nicht mehr so einfach hinnehmen. Präsident Massimo Cellino war überzeugt von der Sicherheit des Stadions und forderte die Abo-Besitzer auf, einfach trotzdem ins Stadion zu kommen. Eine Aussage mit schweren und meiner Meinung nach auch etwas zu harten Folgen: Spielabsage aufgrund befürchteter Ausschreitungen und eine daraus resultierende Strafverifizierung mit 0-3 für die As Roma.

Danach fand ein normaler Spielbetrieb im Stadion statt, erst als die großen Klubs aus dem Norden nach Cagliari kommen sollten, kamen die Probleme. Gegen Juventus musste man im Ennio Tardini von Parma spielen, da das Stadio Is Arenas angeblich noch immer nicht den Sicherheitsvorkehrungen entsprach.

is arenas

– Das Stadio Is Arenas wie es von Mediaset und Präfekt gesehen wird und wie es wirklich ist.

Beim Spiel gegen den Ac Milan am vergangenen Wochenende drohte ein ähnliches Schicksal, beinahe hätte das Spiel in Turin stattgefunden. Die Lega Calcio verschob das Spiel auf einen neutralen Ort, welcher das Turiner Olimpico sein sollte (natürlich sprach sich auch der Präfekt für ein Spiel auf neutralem Boden in Turin aus), hatte aber nicht mit dem starken Gegenwind der beiden Verein gerechnet. „Wir spielen im Stadio Is Arenas oder gar nicht“, kündigte Cellino an. Während Juventus das Geschenk eines zusätzlichen Heimspiels dankend annahm, zeigte sich Milan sportlich und wollte lieber in Cagliari spielen. „Ich verstehe nicht warum eine Mannschaft wie Napoli in Cagliari spielen konnte, aber Milan nicht. Die Milanisti hatten immer ein gutes Verhältnis zu den Fans der Sarden“, vermeldete sogar Silvio Berlusconi. Ins lächerliche gezogen wurde die Diskussion vom Fernsehsender Mediaset, der über die schlechten Zustände im neuen Stadion berichtete und dazu eine alte Kart-Bahn, irgendwo in Sardinien, filmte. Die Kart-Bahn, auf der offensichtlich schon seit vielen Jahren nicht mehr gefahren wurde, wurde als Anfahrtsstraße zum Stadion bezeichnet, zusätzlich wurden die Leute mit Aufnahmen der sanitären Anlagen auf der Kart-Bahn schockiert. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Aufgrund des Einsatzes der beiden Vereine wurde das Spiel wieder nach Cagliari verlegt und ein kurzfristiger Antrag der Preffettura auf ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde abgelehnt. Am Ende konnte das Spiel ohne Probleme über die Bühne gehen und die Zuschauer im nahezu ausverkauften Stadion sahen ein gutes Spiel der Heimmannschaft, in dem Cagliari Calcio den Gästen aus Mailand ein Unentschieden abringen konnte.

13.2.2013

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