Tale padre tale figlio? Gio Simeone & Co. in der Serie A

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„Wie der Vater so der Sohn“ ist ein Ausdruck, den man insbesondere in Hollywood-Produktionen immer mal wieder hört – aber trifft das auch auf Fußballspieler zu? Natürlich gibt es in diesem Fall, wie eigentlich überall sonst auch, solche und solche. Mal ist der Name zu groß. „Diesem Vergleich standzuhalten, war einfach unmöglich“, sagte Stephan Beckenbauer mal über seinen Vater Franz. Mal wird der Sohn vielleicht sogar noch besser wie bei Cesare und Paolo Maldini. Im vergangenen Sommer kamen gleich vier Sprösslinge ehemaliger Top-Spieler neu in die Serie A: Giovanni Simeone, Ianis Hagi, Federico Chiesa und Federico Di Francesco.

Gio Simeone
Simeone dürfte dabei der bekannteste Name sein. Giovanni ist der älteste Sohn Diego Simeones, seines Zeichens ehemaliger argentinischer Nationalspieler, Profi u.a. bei Inter Mailand und Lazio Rom und mittlerweile überaus erfolgreicher Trainer Atlético Madrids. Große Fußstapfen für den 21-Jährigen, der im Gegensatz zu seinem Vater kein Mittelfeldabräumer, sondern fürs Toreschießen verantwortlich ist. Das macht Simeone, der selbst gern Gio und nicht Cholito (nach seinem Vater Cholo) genannt werden möchte, seit August für den FC Genua. Die Grifone verpflichteten den Stürmer für 3 Millionen Euro von seinem Jugendverein River Plate, erwarben dabei 70 Prozent der Transferrechte.

Diego Simeone ist überaus anerkannt in Italien, entsprechend groß ist auch der mediale Druck auf Gio. So richtig anmerken lassen tut er sich das bisher aber nicht. In bislang acht Spielen erzielte der U20-Weltmeister von 2015 zwei Tore, sein erstes ironischerweise beim 1:1 gegen Pescara. Die Delfini waren im Sommer als erstes an River Plate herangetreten, um Simeone zu verpflichten. Im letzten Moment konnte Genoa-Präsident Enrico Preziosi das Sturmtalent aber noch überzeugen, Ligurien den Abruzzen vorzuziehen.

Trotz des guten Einstandes fordern die Fans, etwa bei „Pianetagenoa“, Geduld mit Simeone. Sein Trainer, Ex-Profi Ivan Juric, schließt sich dem an. Bei „Rai Sport“ sagte er: „Giovanni ist sehr gut in der Box, aber es gibt auch Punkte, in denen er sich verbessern muss. Ich würde es vorziehen, wenn ihr mehr über ihn und weniger über seinen Vater sprechen würdet. Das ist kein einfacher Vergleich für ihn.“

Neben seinem Torriecher zählt „Whoscored“ u.a. noch das Dribbling, sein Kopfballspiel und die Defensivarbeit zu Simeones  Stärken. Als Schwächen werden etwa Luftduelle, Flanken, sein Passspiel und seine noch nicht so ausgeprägte Fähigkeit, Bälle festzumachen, festgemacht. Eins hat Simeone aber sicher von seine Vater geerbt, das bestätigte er selbst sogar schon im Interview mit dem „Corriere Della Serra“: „Ich muss es versuchen und zeigen, dass ich aufgrund meiner eigenen Leistungen hier bin. Was ich von ihm habe? Die ‚Garra‘, die argentinische Art, Entschlossenheit Sturheit und Wut zu definieren.“ Das bestätigt auch sein Genoa-Kapitän und Landsmann, Nicolas Burdisso: „Er hat den Hunger und den Siegeswillen seines Vaters.“

Das zeigte sich schon in der Jugend. Über seine Zeit bei River sagte Simeone bei „Fox Sports“: „Bei River war es nicht leicht, den anderen zu erklären, dass ich nicht nur wegen meiner Abstammung da war.“ Er spielte trotzdem: Zuerst dort, dann für die Seleccion, während seiner Leihe zu Banfield und auch jetzt bei Genoa. Wie das kommt? Simeone gab die Antwort bei Twitter: „Bevor Eisen hart ist, muss es ins Feuer, um noch härter zu werden. Wenn niemand an dich glaubt, bist du der einzige, der das Gegenteil beweisen kann.“ Und auch in Bezug auf seine Karriere-Ambitionen zeigt sich Simeones Entschlossenheit: „Wenn Real Madrid mich anruft? Für jeden wäre das ein Traum, ein Ziel. Aber ich, für meinen Vater und meine Familie, würde gar nicht mit ihnen verhandeln. Das wäre wie ein Betrug.“ Von der Einstellung her steht fest: Wie der Vater so der Sohn.

Ianis Hagi
Während Diego Simeone auf Nachfrage immer wieder betont, Gio keinerlei Druck aufbürden zu wollen, sieht das – ob nun geplant oder nicht – bei Gheorghe Hagi und seinem Sohn Ianis etwas anders aus. Da sagt der Vater, immerhin der größte Fußballer, den Rumänien bislang hervorgebracht hat, auch mal: „Mein Sohn wird besser als ich. In seinem Alter war ich noch nicht so gut.“

Nicht gerade geringe Anforderungen: 122 Länderspiele, Viertelfinale bei der WM 1994, Titel mit Steaua Bukarest, Real Madrid, dem FC Barcelona und Galatasaray. Doch die Voraussetzungen für Sohn Ianis sind gut. Der 17-Jährige wechselte im Sommer für rund 2 Millionen Euro von seinem Jugendklub FC Viitorul, wo er von seinem Vater trainiert wurde, zur Fiorentina.

Hagi, der sowohl auf dem rechten Flügel als auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, brachte es bei Viitorul schon auf 39 Profispiele (4 Tore/2 Vorlagen), war mit 17 Kapitän. Für die Fiorentina stand Hagi bislang siebenmal in der Serie A im Kader, kam beim 5:3 gegen Cagliari zu seinem Kurzdebüt über 14 Minuten und schoss zudem immerhin schon drei Tore in vier Partien für die Primavera.

Er gilt als athletischer und physischer als sein leichtfüßig spielender Vater, der angesprochen auf die Stärken seines Sohnes gegenüber „UEFA.com“ einmal sagte: „Im Gegensatz zu mir ist Ianis beidfüßig, ich spielte ja meist mit meinem linken Fuß. Ich bin sehr stolz auf ihn.“

Langfristig sieht Viola-Geschäftsführer Pantaleo Corvino, der bekannt für sein gutes Auge bei jungen Spielern ist, den in Istanbul geborenen Rumänen im offensiven Mittelfeld leicht hinter dem Mittelstürmer. In einer ähnlichen Position wie sie Josip Ilicic unter Paulo Sousa bekleidet. Einen Fürsprecher hat er auch in Adrian Mutu, der selbst 69 Tore in fünf Jahren bei der Fiorentina erzielte. Auch der heute 37-Jährige wird von „UEFA.com“ zitiert: „Ianis hat alle Qualitäten, um bei Fiorentina den Durchbruch zu schaffen. Es ist der ideale Klub für ihn, in dieser Hinsicht hat sein Vater genau das Richtige getan. Ianis wird von Spiel zu Spiel besser, aber die Serie A ist etwas ganz anders, es liegt jetzt nur an ihm.“

Natürlich sollte man beim Aufbau Hagis Geduld mitbringen. Dass ein 17-Jähriger wie Gigio Donnarumma in der Serie A durchstartet, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das nötige Selbstbewusstsein bringt er aber mit: „Von meinem Vaters habe ich das gute Spielverständnis geerbt, aber ich spiele einen besseren tödlichen Pass. Er hatte seine Qualitäten und ich habe meine. Er war schneller und torgefährlicher, ich spiele lieber Pässe und bereite Tore vor. Ich schieße auch gerne Tore, bin aber mannschaftsdienlicher. Natürlich muss ich mich noch entwickeln.“ Dabei ist ihm eins aber wichtig: „Ich bin Ianis und möchte auch Ianis bleiben.“ – Ein Grundsatz, der insbesondere von medialer Seite immer mal wieder gern vergessen wird.

Federico Chiesa
Hagi ist unterdessen nicht der einzige prominente Sohn im violetten Dress. Auch Federico Chiesa, Sohn des früheren italienischen Nationalstürmers Enrico Chiesa, wurde von Trainer Sousa in den Profikader berufen. Der 18-jährige Offensiv-Allrounder ist ein echtes Eigengewächs des Klubs, für den sein Vater von 1999 bis 2002 spielte. „Chiesino“, wie er genannt wird, spielt bereits seit zehn Jahren für die Fiorentina, durchlief alle Jugendabteilungen.

Zuvor spielte er in der Fußballschule von Settignano. Dort war Alessandro Francini sein Trainer, der gegenüber „Radio Blu“ erklärte: Als ich Federico trainiert habe, war er acht Jahre alt. Aber man konnte sehen, dass er etwas Besonderes hatte.“ Dieses Besondere hat er immer noch. Mit 18 spielt Chiesa für die italienische U20. Ein Leihgeschäft in die Lega Pro oder die Serie B verhinderte Paulo Sousa im Sommer höchstselbst. Und so stellte der Chefcoach sein Talent im ersten Saisonspiel bei keinem geringeren Gegner als Juventus Turin (1:2) in die Startelf – wenngleich er ihn zur Halbzeit wieder runter nahm. Auch gegen Udinese (2:2), Crotone (1:1) und in der Europa League gegen Qarabag Agdam (5:1) durfte Chiesa Erfahrung sammeln, stand ansonsten zumindest in der Liga stets im Kader.

Rein von der Position her müsste Chiesa eigentlich mit Hagi um einen Platz konkurrieren. Seine Stärken gewichten sich jedoch noch ein klein wenig anders. Dazu gehören die Beschleunigung, die Endgeschwindigkeit sowie der Abschluss – und wie es sich für einen Spieler der italienischen Schule gehört auch die Defensivarbeit. Chiesa auf dem Flügel und Hagi auf der 10 könnte in nicht allzu ferner Zukunft das Erfolgsrezept in der Toskana lauten.

Ansprüche in irgendwelche Richtung gibt es von Vater Enrico, bis Sommer 2015 U19-Coach bei der Sampdoria, aber nicht. In „La Nazione“ sagte er: „Er ist ein Junge, der noch viel lernen muss. Wenn er glücklich ist, bin ich es auch.“ Chiesa wäre zum Wohl seines Sohnes sogar lieber gar kein erfolgreicher Fußballer gewesen. Sollte dies seinem Sohn aus welchen Gründen auch immer doch nicht gelingen, ist derweil schon vorgesorgt: Chiesino besuchte die Internationale Schule in Florenz, spricht fließend englisch und schrieb sich mit 17 bereits für Bewegungswissenschaften an der Universität ein.

Federico Di Francesco
Ein wenig weiter in seiner Entwicklung – zumindest als Hagi und Chiesa – ist Federico Di Francesco. Der 22-Jährige, der aus der Jugend Pescaras stammt und seit diesem Sommer für den FC Bologna spielt, ist der Sohn Eusebio Di Francescos, ehemaliger italienischer Nationalspieler, Meister mit der Roma und mittlerweile sehr erfolgreicher Trainer bei US Sassuolo.

1,4 Millionen Euro ließ sich Bologna die Dienste des Flügelstürmers kosten, der aus der Serie B von Virtus Lanciano kam und bis 2021 unterschrieb. Trainer Roberto Donadoni setzt seit dem zweiten Spieltag regelmäßig auf Di Francesco, der gegen Napoli (1:3) und Lazio (1:1) sogar von Beginn an ran durfte. Beim 2:1 gegen Cagliari erzielte er als Joker seinen ersten Treffer in der Serie A.

Während Vater Eusebio als Spieler eher der Kämpfertyp und Führungsspieler war, der offensiv vor allem mit seiner Dynamik glänzte, versteht sich Federico Di Francesco als klassischer Flügelstürmer mit starkem Dribbling, einem soliden Abschluss und einer guten Geschwindigkeit. Ausbaufähig ist vor allem seine Defensivarbeit – ein Aspekt an dem Donadoni sicherlich arbeiten wird.

Erst im September gab Di Francesco sein Debüt für die U21 Italiens und erzielte in bislang drei Partien für die Azzurrini schon zwei Tore. Vor dem Spiel gegen Bologna (1:1) sagte Vater Eusebio nicht ganz unterschwellig: „Sassuolo ist jung und muss aus seinen Fehlern lernen. Wir haben nicht viel Zeit, uns auf Bologna vorzubereiten. Ich habe mir einige ihrer Spielzüge angesehen. Zudem haben sie diesen Jungen im Sturm, der sehr beeindruckend ist.“ …. wen er damit wohl gemeint haben dürfte?

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