The silent wish for relegation

Ruf nach Abstieg

Ein halbes Jahrzehnt ist es nun her, dass Newcastle den Wiederaufstieg in die Premier League geschafft hat. Acht Jahre zudem, dass Mike Ashley den Verein übernahm. Die Ambitionen und die Erwartungen waren groß, doch nun, zwei Spieltage vor Ende der Saison stehen die Magpies nur zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Dabei fing die Geschichte doch so gut an …

Mike Ashley übernahm den Verein im Sommer 2007 von Freddie Shepherd und Sir John Hall. Obwohl man unter seinen Vorgängern die wahrscheinlich beste Zeit der Vereinsgeschichte feierte, als man von 1993 bis 1997 jährlich international vertreten war und in der Saison 2002/03 sogar in der Champions League mitmischte, war die Freude über den neuen Besitzer groß. Shepherd und Hall machten in den Jahren vor der Übernahme einige Fehler und schnell war all der Erfolg wieder fort. Mit Mike Ashley kam ein Multimilliardär, Besitzer von Sports Direct, einer der größten Sportwarenhändler der Welt. Nach der Bestätigung der Übernahme war Ashley immer wieder mit Fans in Pubs unterwegs und wurde im St. James Park, dem Stadion der Magpies, und bei Auswärtsspielen gesichtet. Der Engländer wusste die Sympathien für sich zu gewinnen. Auch mit der Anstellung von Kevin Keegan als Trainer im Jänner 2008 konnte er einen Großteil der Toon-Army, wie die Fans der Magpies bezeichnet werden, für sich gewinnen. Sein Engagement hielt jedoch nicht lange. Bereits im September des gleichen Jahres gab Keegan seinen Rücktritt bekannt, da Mike Ashley ihn bezüglich Kaderplanung anlog. Ashley soll Keegan mehrere Millionen versprochen haben, doch er durfte nie Spieler kaufen. Erstmals gab es Gegenwind für den Verein aus dem Norden, als Fans vor der Geschäftsstelle protestierten. Zur Freude der Fans übernahm zwar mit Alan Shearer eine absolute Vereinslegende das Traineramt, doch auch er konnte den Abstieg des Vereins nicht verhindern. Statt den Glory Days folgte im Sommer 2009 der Abstieg in die Championship. Im diesem Sommer wurde einiges im Verein geändert. Mit Leon Best, Wayne Routledge, Mike Williamson und Danny Simpson kamen einige Spielern zum Verein, die die Mannschaft verstärken sollten. Topverdiener wie Obafemi Martings, Sebastian Bassong, Damien Duff, Michael Owen oder Xisco wurden abgegeben. Doch die wichtigste Verpflichtung war die des Trainer Chris Hughton, unter dem die Mannschaft bis auf acht Spieltage durchgehend als Tabellenführer da stand. Vor allem Kevin Nolan und Andy Carroll machten mit großartigen Leistungen auf sich aufmerksam. Der sofortige Wiederaufstieg war geschafft, die Meisterschaft gewonnen. Die Mannschaft endlich wieder auf dem richtigen Weg. Verständlich, dass die Fans ihren Trainer liebten. Im Sommer 2010 kamen erneut neue Spieler. Mit Hatem Ben Arfa und Cheik Tioté wurden zwei Glücktreffer gelandet, für die man beide nicht viel zahlen musste. In einem abwechslungsreichen Herbst (8. Spieltag: Platz 16, 11. Spieltag: Platz 5) pendelten die Magpies zwischen unterer Tabellenhälfte und Europacup-Startplatz herum. Auf Platz 12 liegend wurde Chris Hughton im Dezember 2010 entlassen und durch Alan Pardew ersetzt, womit sich Besitzer Mike Ashley viele Fans gegen sich aufhetzte. Mit 31. Jänner, wenige Stunden vor dem Schließen des Transferfensters verließ zudem mit Andy Carroll eine wichtige Persönlichkeit den Verein. Zwar nahm man durch seinen Verkauf 45 Millionen Euro ein, doch hatte Newcastle keinen adäquaten Ersatz parat. Trotz eines 3:1-Siegs über Liverpool bei seinem Debüt, konnte Alan Pardew die Mannschaft nicht weiter nach oben bringen. Die Saison beendete man auf Platz 12. Sommer 2011 war die Zeit des Graham Carr, dem Chefscout des Vereins. Ihm gelang es mit Papiss Demba Cissé, Davide Santon, Yohan Cabaye, Sylvain Marveaux und Demba Ba gleich mehrere tolle Spieler zu entdecken und für den Verein zu gewinnen. In Summe gab der Verein nur 26 Millionen Euro aus, somit lediglich knapp die Hälfte des eingenommenen Geldes durch den Verkauf von Andy Carroll. Aber es wurde auch weitere 16 Millionen Euro durch die Verkäufe von José Enrique, Kevin Nolan und Wayne Routledge eingenommen. Es folgte eine Saison in der der Verein auf sich aufmerksam machen konnte. Nach nur fünf Spieltagen lag der Verein bereits auf Platz Vier, wenige Spieltage später konnte man sogar auf Platz Drei vorstoßen und machte sich somit Hoffnungen auf einen Champions League-Platz. Im Winter hatte man zwar einen leichten Durchhänger, aber beendete die Saison schließlich auf Platz Fünf und qualifizierte sich somit für die Europa League. Pardew und Ashley nahmen den Mund sehr voll und versprachen große internationale Erfolge. Die Erwartungen der Fans stiegen. … und wurden nicht erfüllt. Man erhoffte sich große Investitionen von einem Multimilliardär wie Mike Ashley, doch stattdessen kam mit Vurnon Anita bloß ein einziger A-Team-Spieler zur Mannschaft, die Zahl der Spieler die den Verein verließen war aber viel höher, was bedeutete, dass der Kader für den Spielbetrieb unter Doppelbelastung zu klein war. Große Investitionen sehen anders aus. Zudem forderten viele Spieler eine gerechte Entlohnung für ihre Erfolge, doch Besitzer Mike Ashley wimmelte sie ab und sprach lieber von Gehaltskürzungen. Manche von ihnen mussten den Verein später verlassen. Von da an wurde vielen klar, dass Ashley nicht im Sinne des Vereins oder der Fans handle, sondern bloß auf hohe Privateinnahmen aus war. Die Vision Mike Ashleys von da an: junge Spieler kaufen und schnell teuer verkaufen um das eigene Budget aufzustocken.

Die Doppelbelastung für die kleine Anzahl an Spielern war zu viel. Je länger die Saison dauerte, desto schlechter wurde der Tabellenplatz. Selbst Mike Ashley musste einsehen, dass Neuzugänge im Winter von Nöten waren. Erneut erwies sich Graham Carr als toller Scout und lotste mit Debuchy, Yanga-Mbwia, Moussa Sissoko und Yoan Gouffran einige tolle Spieler aus der Ligue 1 zum Verein. Neuzugänge im Wert von rund 22 Millionen durch die der Klassenerhalt kein Thema mehr sein sollte, so zumindest der Plan. Doch während Alan Pardew in guten Zeiten von sich als Startrainer sprach und seine Mannschaft stets lobte, wollte er jedoch keine Fehler einsehen, wenn es mal gegen ihn lief. Zudem stärkte er Ashley stets den Rücken, weshalb das Verhältnis zwischen ihm und den Fans bereits schnell zerrüttet war. Im Winter folgte der Abgang von Demba Ba, doch erneut wurde kein Ersatz geholt. Die Fans protestierten erneut und es wurden immer mehr. Zwei Runden vor Schluss, wie auch in der aktuellen Saison, lag man auf Platz 17. Wie auch in dieser Saison spielte man am 37. Spieltag gegen die Queens Park Rangers, die bereits als Absteiger feststanden. Nur dank eines Sieges, konnten sich Newcastle auf den rettenden 16. Platz kämpfen. Während manche Fans noch immer die Hoffnung hatten, dass Besitzer Mike “CA$Hley” nun investieren würde, hatten viele die Hoffnung bereits aufgegeben. Sie behielten Recht. Im Sommer wurde mit Loic Remy erneut nur ein einziger Spieler, der für die Kampfmannschaft vorgesehen war, verpflichtet, aber selbst der wurde nur ausgeliehen, um die Kosten niedrig zu halten. Im Gegenzug wurde Mittelfeldmotor Yohan Cabaye für 25 Millionen an PSG verkauft. Erneut stellten sich die Fans auf die Straße und protestierten gegen den Besitzer. Sie forderten, dass er zumindest das jährliche Fernsehgeld investieren solle, aber selbst das tat er nicht. Die Fans sahen nur mehr selten Grund zur Unterstützung. Ein Besitzer, der dem Verein das Geld aus der Tasche zieht und für den Spieler nichts mehr als Zahlen sind. Ein Trainer, der dem Besitzer (anfangs noch) den Rücken stärkt(e), sich mit den Fans angelegt hat und die letzten vier Derbys gegen den Erzrivalen aus Sunderland, der keinen Deut besser war als Newcastle, verlor. Auch die Spieler hatten irgendwann keine Lust mehr. Es war ein Teufelskreis. Die Fans kritisierten die Spieler, dass sie keine Ambitionen mehr zeigten alles für den Verein zu geben und die Spieler kritisierten die Fans, den Verein nicht richtig zu unterstützen. So mancher Spieler gab sogar offen zu nicht alles geben zu wollen unter solchen Bedingungen. Keine einfache Situation. Trainer Alan Pardew nahm den Rettungsausgang Richtung Crystal Palace. Während es für den englischen Trainer derzeit nicht besser laufen könnte, könnte es für Newcastle unter John Carver nicht schlechter laufen. Bisher hat jeder Verein, der von Carver trainierte wurde, am Ende der Saison den Abstieg hinnehmen müssen, entweder aus sportlichen Gründen oder aus finanziellen. Und auch dieses Mal sieht es wieder so aus. Während die Magpies am Anfang des Jahres noch im gesicherten Mittelfeld standen, fern von allen Abstiegssorgen war, befindet man sich nun mitten im Abstiegskampf. Nach einem 1:1-Unentschieden gegen West Brom am Wochenende gingen die Emotionen hoch. Coloccini holte sich Gelb-Rot, Torwart Tim Krul unterstellte dem Verteidiger sogar sich absichtlich aus der Verantwortung gezogen zu haben. Das Highlight war jedoch die anschließende Pressekonferenz, als sich Trainer John Carver als den besten Trainer der Premier League bezeichnete. Der Abstieg rückt nun immer näher. Für jeden Fan normalerweise eine sehr dramatische Lage, doch für einige der Toon-Army wäre ein Abstieg sogar wünschenswert. Still und leise steigt die Zahl der Fans, die sich einen Abstieg ihrer Mannschaft wünschen, immer weiter an. Weshalb? – Man erhofft sich einen Abgang von Mike Ashley. Der Besitzer hat es zwar geschafft Newcastle United in die Deloitte Money League zu bringen, somit unter die 20 einkommensstärksten Fußballklubs der Welt, doch sein Umgang mit Spielern, Fans und Legenden hat ihn auch zu einer Hassfigur im Norden Englands gemacht. Zudem hat er mit seinem zweiten Spielzeug, den Glasgow Rangers, ein weiteres Projekt am Laufen, in das er zwar immer wieder viel Geld investiert, aber auch immer wieder viel Geld bekommt. So wie die Toon-Army wissen auch die Rangers-Fans, dass Ashley keineswegs den Aufstieg und die Re-Etablierung im schottischen Fußball vor Augen hat, sondern bloß den großen Profit machen möchte. Die Fans wünschen sich erneut Unabhängigkeit, mit einem Abstieg könnte sich mit Newcastle United zumindest einer der beiden Vereine retten. Umsatzentwicklung von Newcastle United Der Verein würde absteigen, Mike Ashley müsste reinvestieren um den Aufstieg zu schaffen, um so erneut die Fernsehgelder der Premier League einzusahnen. Da er dafür jedoch nicht bereits sein wird, wird er den Verein verkaufen. So zumindest die Idee. Klingt ja an sich ganz gut, aber laut Newcastle United-Experte Harry De Cosemo völliger Schwachsinn. „Es wäre ein Desaster wenn Newcastle absteigen würde. Letztes Mal hatten wir Glück, dass wir einen großen Kader hatten, voll mit Spielern die hierbleiben wollten und aufsteigen wollten. Dieses Mal haben wir Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen oder nur auf den großen Transfer aus sind, also den Verein verlassen wollen. Ashley würde wahrscheinlich den Verein verlassen, das stimmt, aber ich bin mir nicht so sicher, dass jemand der Verein kaufen wird. Es wird sicher viele Interessenten geben, aber Ashley ist – wie immer – aufs Geld aus, er wird viel Geld verlangen. Circa 300 Millionen Pfund.“ Die Magpies sind eindeutig in einer Zwickmühle und wissen sich nicht zu befreien. Derzeit steht der Klassenerhalt noch nicht fest, somit auch nicht der Verbleib von Mike Ashley, doch was feststeht ist, dass Leute wie Mike Ashley vom Fußball ferngehalten werden sollten.

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