Von Lampard zu Fàbregas

Fabregas

Von 2003 bis 2011 spielte Cesc Fàbregas bei Arsenal. Nachdem er sechs Jahre seiner Ausbildung bei La Masia genoss, wechselte er im Alter von 16 Jahren von Barca zu den Gunners. Trotz guter Leistungen in der Jugend der Katalanen schien seine Perspektive auf einen Einsatz bei den Profis gering, aufgrund dessen entschied er sich für einen Wechsel nach England.

Das Wetter, die Sprache, der Spielstil… vieles ist anders in England, aber nach kurzen Anpassungsschwierigkeiten feierte Fàbregas nur anderthalb Monate nach seiner Ankunft bei den Gunners sein Profidebüt im League Cup gegen Rotherham United. Mit diesem Einsatz wurde er zum jüngsten Spieler der je bei Arsenal zum Einsatz kam. Wenig später, beim 5:1-Sieg gegen Wolverhampton, wurde er sogar zum jüngsten Torschützen der Gunners.

Trotz seiner Leistungen im Pokal kam er im Meisterjahr 2003/04 zu keinem Ligaeinsatz. Erst ein Jahr später, als Gilberto Silva, Patrick Vieira und Edu verletzt ausfielen, durfte der junge Katalane in der Premier League ran. Von diesem Zeitpunkt an, arbeitete er sich zu einem der besten Mittelfeldspieler Arsenals der letzten Jahre hoch. National wie international feierte der Spanier mit den Londonern große Erfolge, und das trotz großer Abgänge wie zum Beispiel Thierry Henrys, der vom FC Barcelona abgeworben wurde.

Fàbregas stieg zu einem der Schlüsselspieler der Londoner auf. Nach Vieiras Abgang zu Juve erbte er nicht nur dessen Trikotnummer, er wurde auch zum womöglich wichtigsten Spieler im Mittelfeld. Mit 13 Assists – den zweitmeisten in dieser Premier League-Saison – hatte er großen Anteil an Arsenals grandiosen Leistungen. Viele Preise waren die logische Folge. Von Tuttosport bekam er den Golden Boy verliehen, einen Preis für den beeindruckendsten U21-Spieler in Europa. Dieser Preis wird seit 2003 verliehen und wurde davor von Rafael Van der Vaart, Wayne Rooney und Lionel Messi gewonnen. Außerdem wurde er in das UEFA Team des Jahres gewählt, zum PFA Player of the Year und PFA Young Player of the Year wurde er ebenfalls nominiert, musste sich aber schließlich Cristiano Ronaldo geschlagen geben. Abschließend wurde Cesc Fábregas noch zum Gunner des Jahres gewählt.

Danach verließen immer mehr Stars Arsenal, einzig Fàbregas blieb den Gunners treu. Trotz seines jungen Alters erwies er sich als gestandener Spieler und wurde mit nur 21 Jahren zum Kapitän der Londoner ernannt. Seine Leistungen blieben nicht unbelohnt. Er stieg zum Publikumsliebling auf und wurde in den Jahren 2007/08 und 2009/10 in das PFA Team of the Year gewählt.

Aufgrund dieser Leistungen bemühte sich sein Heimatklub aus Barcelona um eine Verpflichtung. Arsenal lehnte aber damals das Angebot in Höhe von 35 Millionen Euro ab. Trotz einer guten Saison der Gunners – die Mannschaft war bis zum Schluss in allen Bewerben vorne mit dabei – blieb man ohne Titelerfolg. Nach der Saison kam ein Wechsel zu Barcelona doch noch zustande, Fàbregas unterschrieb für 34 Mio. € bei den Katalanen, zudem bezahlte er fünf Millionen Euro der Ablösesumme selbst, indem er auf eine Millionen Euro seines Gehalts verzichtete. Bei seinem Heimatverein angekommen, war er mit seinem Kindheitsidol Pep Guardiola vereint, dieser Übernahme Barca im Jahr 2008. Bereits in seinem ersten Jahr gewann Fàbregas mit dem FC Barcelona die Primera Division, die Supercopa de Espana, die Copa del Rey, den UEFA Supercup, sowie den FIFA Weltpokal.

Nach nur drei Jahren in Spanien ist nun wieder Schluss. Die Kritik in den letzten Monaten war zu groß, der Zeitpunkt für eine Rückkehr damals vielleicht nicht der beste. Zudem hatte er nicht die Freiheiten, die er bei Arsenal hatte. Seine Kreativität war eingeschränkt. Cesc Fàbregas kehrt seinem Heimatverein daher zum zweiten Mal den Rücken und unterschreibt erneut in London. Zur Enttäuschung vieler jedoch nicht bei Arsenal, sondern bei Chelsea. Aber nicht weil er nicht wollte, sondern weil Arsene Wenger der Meinung war, dass er mit Aaron Ramsey und Mesut Özil bereits zwei exzellente Spieler habe und Fàbregas nicht benötige. „Arsenal wäre meine erste Wahl gewesen. Aber sie haben mich nicht unter Vertrag genommen. Das Schicksal wollte nicht, dass sich unsere Wege noch mal kreuzen.“

Aus diesem Grund schlug ausgerechnet Ex-Real Madrid-Coach und Rivale von Arsene Wenger zu. José Mourinho holte den Katalanen für 35 Millionen Euro an die Stamford Bridge. „Ich hatte das Gefühl, mit der Premier League noch nicht fertig zu sein und jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr. Chelsea passt zu mir, hat einen unglaublichen Kader und einen außergewöhnlichen Trainer.“

Das bereits gut besetzte Mittelfeld verlor jedoch diesen Sommer einen seiner besten Spieler: Frank Lampard hatte nach 13 Jahren bei den Blues keinen neuen Vertrag erhalten. Er ist auf gewisse Weise sogar mit Cesc Fàbregas zu vergleichen, denn was der Spanier für die Gunners war, war Frank Lampard für die Chelsea-Fans. Er war der absolute Publikumsliebling und Motor im Mittelfeld. In ein paar Tagen feiert der Engländer seinen 36. Geburtstag, doch der Mittelfeldspieler denkt nicht ans Aufhören.

Ganze 16 Angebote sollen Lampard angeblich vorliegen, viele aus der amerikanischen MLS, besonders New York City FC soll ein großes Thema sein. Vor ein paar Tagen hatte der Spanier David Villa beim neuen Verein unterschrieben. Bei einer so hohen Anzahl von Angeboten, und nach so vielen Spielen muss man sich jedoch fragen: Macht Chelsea nicht einen Fehler einen so wichtigen Spieler einfach gehen zu lassen? Und ist Cesc Fàbregas wirklich der richtige Mann als Nachfolger?

Während der Spanier 2003 sein Quartier in London aufschlug, wurde Frank Lampard gerade zum Barclays Player of the Month gewählt – also zum Spieler des Monats. Während die Gunners Meister wurden, mussten sich die Blues mit dem zweiten Platz begnügen. In der Champions League erreichte Chelsea das Halbfinale, doch musste sich dort dem AS Monaco geschlagen geben. Am Ende der Saison wurde Lampard – hinter Thierry Henry – zum zweitbesten Spieler der Premier League gewählt.

Aber Frank Lampard war nicht immer so erfolgreich. Als er bei seinem Onkel Harry Redknapp unter Vertrag stand, wurde er von den Fans und Journalisten ausgelacht. Der Neid war dementsprechend groß, als das ehemals mollige Kind von Frank Lampard Senior bei West Ham unterkam. Bei einer Pressekonferenz rief ein Fan eine Aussage in den Raum: „Lampard könne doch nicht besser sein als Scott Canham.“ Harry Redknapp, bekannt für sein Temperament, antwortete lautstark. „He will go right to the very top, right to the very top!” – die Journalisten konnten sich das Lachen nicht verkneifen.


Jahre später sollte sein Onkel Recht behalten. Nach 18 Jahren in der Premier League kann man von einem der vorbildlichsten Profis Englands sprechen. Einer der konstantesten Spieler, mit einem skandalfreien Privatleben. Ein Musterprofi. Zurückblickend muss man fast sagen, dass seine Leistungen – abgesehen von den Chelsea-Fans – nicht gebührend respektiert wurden. In fast zwei Jahrzehnten in der Premier League erzielte er für West Ham und Chelsea insgesamt 250 Tore. Bei den Blues ist er mit 211 Toren sogar der erfolgreichste Torschütze der Vereinsgeschichte. Nach 577 Spielen in der Premier League – den zweitmeisten hinter Ryan Giggs (632) – ist Schluss. „Der beste Spieler der Welt“ (Zitat von José Mourinho) muss Chelsea nun verlassen. Und das obwohl er mit fast 36 Jahren noch zu einer Weltmeisterschaft mitfährt.

Und jetzt soll ausgerechnet der 27-jährige Cesc Fàbregas in seine Fußstapfen treten. Der Spanier tritt damit ein großes Erbe an, doch Chelsea machte einen guten Schritt. Der Ex-Barca-Spieler ähnelt seinem Vorgänger im Spiel mit dem Ball sehr. Auch er war bereits Publikumsliebling und übernahm mit jungen Jahren die Rolle des Mittelfeldmotors. Beide sind sehr smarte Typen, fallen in der Öffentlichkeit kaum bis gar nicht auf. Ruhe, die man an der Stamford Bridge wohl benötigt.

Auch wenn der Spielerwechsel von Lampard zu Fàbregas fast nahtlos übergehen könnte, behält Chelsea seine Spielweise? Mit Ashley Cole wurde ein weiterer ausgedienter Spieler freigegeben. Womöglich ein Zeichen dafür, dass Chelsea vor einer Revolution steht. Mit Cesc Fàbregas hat man einen variablen Spieler verpflichtet, der verschiedenste Positionen einnehmen kann. Er kann tief spielen und die Bälle verteilen, sowie als falsche Neun im Angriff spielen, wenn er auch hier nicht unbedingt seine besten Leistungen abrief. Der neu erworbene Katale ist ein Spieler mit wunderbaren Pässen, einer tollen Übersicht und einer begeisternden Kreativität. Zudem ein hart arbeitender Mittelfeldspieler. Die Chelsea-Fans werden definitiv ihre Freude mit Fàbregas haben. Man hat womöglich eine modernere oder südlichere Version Frank Lampard verpflichtet, einzig an der Torgefährlichkeit und seiner Physis müsste der Spanier noch arbeiten.

Die Verpflichtung des Spaniers bringt viel Bewegung ins Mittefeld der Blues. Egal auf welcher Position er eingesetzt wird, mit jedem seiner Kollegen könnte er herrlich harmonieren. Seien es Willian und Hazard am Flügel, oder seine Mittelfeldkollegen Nemanja Matic und Ramires – auch wenn dessen Verbleib noch unklar ist. In der vorigen Saison kreierte er mit 58 Torchancen die zweitmeisten für den FC Barcelona. Zum Vergleich: Iniesta kreierte 52, Xavi und Alexis Sanchez jeweils 47.

Chelsea hat einige gute Transfers getätigt. Auf jeder Position ist man doppelt oder dreifach besetzt. Angefangen im Tor mit Petr Cech oder Thibaut Courtois, oder seien es die Youngster Kurt Zouma, Lucas Piazon oder Christian Atsu die man in der Hinterhand hat. Chelsea ist für die Zukunft gewappnet. Im Sommer sollen noch weitere Spieler kommen, unter anderem soll Diego Costas Transfer zu Chelsea so gut wie durch sein. Ashley Cole soll indes von Southamptons Luke Shaw oder von Atleticos Felipe Luis ersetzt werden.

Die Fans vermuten zudem einen Formationswechsel. In Zukunft könnten die Blues in einem 4-2-1-3 spielen, mit Matic und Oscar im zentralen Mittelfeld, Fàbregas als Spielmacher, Willian und Hazard am Flügel und Diego Costa als Stürmer. Namentlich eine grandiose Mannschaft, doch wie sieht es mit der Defensivarbeit im Mittelfeld aus? Oscar spielte in der Vorsaison einige Male im zentralen Mittelfeld, doch konnte nur auf der Position des Zehners wirklich glänzen. Einzig Nemanja Matic könnte den defensiven Part übernehmen, denn Oscar und Fàbregas sind physisch viel zu schwach. Hier könnten vielleicht die Gerüchte um ein Comeback von Atleticos Tiago Sinn machen. Der Portugiese soll auf José Mourinhos Zettel stehen.

Dieser Sommer kann entscheidend für Chelsea werden. Sollte man sich gut verstärken, kann man über die nächsten Jahre eine dominierende Kraft in der Premier League sein, doch dazu muss erst der schmerzhafte Abgang von David Luiz zu PSG kompensiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *