Was Pep Guardiola mit Manchester City plant


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Seit mehr als zwei Wochen ist Pep Guardiola offiziell als Trainer beim Scheich-Club aus Manchester tätig. Wir blicken auf die erste Traingseinheit, die Transfers und die Baustellen der Citizens.

Die erste Einheit

Gleich im ersten Training wurde Guardiola klar, woran künftig gearbeitet werden muss: ballorientiertes Verschieben, ein stabiler Spielaufbau und Kollektivität in allen Spielphasen. Nach einer kurzen Aufwärmphase wurden zwei Teams eingeteilt, die eine Spielform über das gesamte Spielfeld absolviert haben. Hierbei ging es vorrangig um das Halten des Ballbesitzes. Der Spielaufbau begann beim jeweiligen Torhüter (Willy Caballero und Nachwuchs-Keeper Angus Gunn). Sie sollten zunächst per Flachpass das Spiel über die beiden Innenverteidiger eröffnen, die gegnerischen Stürmer sollten die Keeper dabei nicht attackieren. Entscheidend war in dieser Übung, dass sich die „Innenverteidiger“ stets seitlich neben dem Strafraum angeboten haben. Der Ball sollte schlichtweg zirkuliert werden und sobald er bei den Stürmern angelangt ist, sollte dieser den Ball dann zum gegenüberliegenden Torhüter spielen. Damit war das andere Team an der Reihe, das soeben noch verteidigte. Der angespielte Goalie ließ den Ball zunächst bis in den Fünfmeterraum rollen, um abzuwarten, bis seine Mannschaftskollegen wieder in einer günstigen Position sind.

Spielten sie zunächst noch Pässe ins Zentrum, forderte sie Guardiola später auf, ausschließlich die Spieler auf den Außen zu nutzen. Damit wollte er bezwecken, dass sich die Innenverteidiger noch aktiver am Spielaufbau beteiligen, indem sie hierbei ein Stück tiefer agierten. Der Gegnerdruck wurde nun auch etwas höher. Der Katalane unterbrach viel, redete mit seinen Spielern, gab ihnen Hilfestellungen, wie sie sich zu positionieren hatten. Man hörte ihn eigentlich ununterbrochen. Vereinzelt schnappte er sich selbst den Ball und dribbelte locker im Mittelfeldzentrum in eine Richtung, um den Ball anschließend in die andere zu spielen. In einer Szene ließ er sich einen Ball von Caballero zuspielen, als der Ball gerade auf die andere Seite wanderte. „Guys! The ball is here!“ Und wieder mussten sie alle zurück in die andere Richtung und den Spielaufbau von Neuem beginnen.

Was bringt diese Übung? Zum einen wird den Spielern ein Bewusstsein darüber vermittelt, wie wichtig kollektives Verschieben zum Ball ist und welche Rolle eine stabile Ballzirkulation in dieser Phase einnimmt. Das Zuspiel des „Angreifers“ auf den Torhüter auf der anderen Seite und den anschließenden Ballbesitz der anderen Mannschaft ist gleichzeitig eine Übung des Gegenpressings: Team A hat zunächst den Ball lässt ihn sauber laufen „verliert“ ihn (wenn auch absichtlich) an Team B und muss sich nun darum kümmern, zunächst geordnet zu stehen. Gerade der Spielaufbau ist ein Problem Citys in der vergangenen Spielzeit gewesen. Genau hier wird Pep Guardiola auch in den kommenden Wochen und Monaten im Training arbeiten müssen: Die Spieler müssen verstehen, wie wichtig es ist, einen konkreten Plan und saubere Strukturen mit und ohne Ball zu haben. Es ist dabei enorm wichtig, dass diese Prinzipien möglichst schnell verinnerlicht werden, um Guardiolas Juego de Posicion adäquat umzusetzen. Stimmen beispielsweise die Abstände untereinander nicht oder werden gewisse Zonen nicht korrekt besetzt, kann das Spiel sehr schnell ziellos und träge werden, wie es vereinzelt bei den Bayern oder Barcelona der Fall gewesen ist.

Ausschnitte des ersten Trainings kann man übrigens hier nochmal anschauen.

ThemaTransfermarkt: Wer kommt, wer geht?

In der Vergangenheit war Manchester City auf dem Transfermarkt verschwenderischer als ein Sechzehnjähriger beim ersten Besuch in der Dorfdisco gewesen. Viele, teils unverständliche Transfers, die für viel Geld nach Manchester kamen. Der bisherige Kader setzt sich, Stand jetzt, wie folgt zusammen:

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Auf der Torhüterposition, das hat die EM wieder sehr deutlich gemacht, müssen sich die Skyblues definitiv nach einer Alternative zu Joe Hart umsehen. Der Engländer mag zwar auf der Linie seine Momente der Weltklasse haben, nur leider sind diese Momente rar gesät. Es fehlt dem Nationaltorhüter an Konstanz. Seine fußballerischen Fähigkeiten sind zwar solide, er zeigte in der Vergangenheit jedoch immer wieder eine mangelhafte Einbindung beim Spielaufbau beziehungsweise hatte nicht den Mut, um das Spiel mit einem Flachpass über die Innenverteidiger zu eröffnen. Bei einem entsprechenden Angebot dürfte Hart also den Verein verlassen, schließlich will auch er Spielpraxis haben.

Guardiola soll daher ein Auge auf einen der beiden Barça-Keeper, Marc-André ter Stegen und Claudio Bravo, geworfen haben. Beide sind sie ausgezeichnete Torhüter modernster Prägung, die wie geschaffen sind für ein ballbesitzorientiertes Team. Während ter Stegen wohl erst ab einer Summe jenseits der 50 Millionen zu haben sein dürfte, ist Bravo mit seinen 33 Jahren sicherlich etwas günstiger. Die Katalanen sind aber sicher nicht gewillt, einen dieser beiden so einfach abzugeben. Yann Sommer war ebenfalls als Option im Gespräch, dieser bekannte sich aber weiter zur Borussia aus Mönchengladbach. Gerüchten zufolge steht Manchester City kurz vor einer Verpflichtung von Jeroen Zoet von PSV Eindhoven. Der 25-Jährige besitzt eine überdurchschnittliche Technik, ein gutes Spielverständnis und ist in seinem Bewegungsablauf sehr geschmeidig. Zwar mangelt es ihm mitunter noch an der nötigen Sprungkraft, aber alles in allem stimmt beim Niederländer das Gesamtpaket.

Die Innenverteidigung ist mit Kompany, Otamendi, Mangala und Denayer mit nur vier Mann besetzt, bedenkt man Kompanys Verletzungsanfälligkeit und Denayers mangelnde Erfahrung auf Top-Niveau. John Stones ist schon seit längerer Zeit ein Thema in Manchester. Dem 22-Jährigen mangelt es mitunter noch an Konstanz, was aber durchaus normal ist in diesem Alter. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis Everton einknicken und ein Angebot für Stones akzeptieren wird. Andernfalls hätte man noch Leonardo Bonucci in der Hinterhand, der aufgrund seines Alters die sichere Variante wäre, aber mit etwa 60 Millionen Euro Ablöse nicht unbedingt kostengünstiger wäre.

Auf den Außenverteidigerpositionen besteht ebenfalls Nachholbedarf, schließlich sind Clichy, Kolarov, Sagna und Zabaleta, der Wechselgedanken hegt, nicht mehr taufrisch. Eventuell könnte Denayer hier als Backup fungieren und kurzfristig einspringen, bis man eventuell nächstes Jahr viel Geld für die Außenverteidiger ausgeben wird.

Im Mittelfeldzentrum ist man nach der Verpflichtung von Gündogan nun auch qualitativ hochwertig besetzt. Zinchenko ist hingegen ein Transfer für die Zukunft. Fernando und Fernandinho dürften dem Club vorerst erhalten bleiben, Yaya Touré bekundete bereits frühzeitig seine Wechselabsichten. Fabian Delph dürfte als einer der wenigen Engländer im Team ebenfalls bei den Skyblues bleiben. Je nachdem, wo Guardiola Spieler wie Nasri, De Bruyne und Silva sieht, müsste man sich im Mittelfeldzentrum nicht weiter verstärken.

Stand jetzt wäre es durchaus vorstellbar, dass City im 4-1-4-1/4-3-3 aufläuft, auch wenn man bei Guardiola diesbezüglich genauso gut Lotto spielen könnte. Vor der Viererkette könnte Fernando bzw. Fernandinho als alleiniger Sechser auflaufen. Die Achterpositionen könnten mit Gündogan, De Bruyne, Silva, Nasri, Delph oder Zinchenko besetzt werden. Bei Bedarf könnten Silva, Nasri oder auch De Bruyne die Außenpositionen begleiten, wie sie es in der vergangenen Saison bereits taten. Ich glaube aber, dass Guardiola Spieler wie Silva und vor allem De Bruyne aufgrund ihrer Fähigkeiten eher im Zentrum sieht. Schließlich hat man auf den Außen mit Neuzugang Nolito, Sterling und Navas gute Optionen. Obwohl Navas medial auf der Kippe steht, könnte er eine ähnliche Rolle wie Arjen Robben bei den Bayern unter Guardiola einnehmen. Der Niederländer hielt sich oftmals ballfern auf, um für Verlagerungen bereitzustehen und anschließend ins Dribbling zu gehen, sobald er den Ball bekam. Viel mehr kann Navas auch nicht, überspitzt gesagt; Dribbeln, seine Schnelligkeit ausspielen und Hereingaben bringen. Mit einer möglichen Verpflichtung Leroy Sanés würden die Chancen für den kleinen Spanier sicherlich sinken. Der Schalker steht seit einiger Zeit auf dem Zettel einiger Top-Clubs und ManCity scheint sich das Talent sehr bald zu sichern. Mit ihm und Sterling hat man dann zwei sehr durchsetzungsfähige Dribbler auf den Außen, die für jede Abwehr schwierig zu verteidigen sind.

Im Sturm hat man demnach Agüero, Iheanacho und Bony, der ebenfalls auf der Kippe stehen soll. Spielt City mit nur einer zentralen Spitze, dürfte Agüero seinen Platz sicher haben, Iheanacho ist als Backup gedacht und wäre eventuell sogar als Außenstürmer im 4-3-3 zu nutzen. Außerdem hat man nach wie vor Enes Ünal in der Hinterhand. Der 19-Jährige war im letzten Halbjahr noch in die zweite niederländische Liga ausgeliehen, ehe er im Sommer zur U21 Citys zurückkehrte. Mit ihm hat man einen spielstarken und dynamischen Stürmer, der in seiner Wucht ein wenig an Wayne Rooney vergangener Tage erinnert. Auf dieser Position dürfte es also vorerst keine weiteren spektakulären Verpflichtungen geben.

Vorläufiges Fazit

Was bleibt also festzuhalten über die ersten Wochen von Guardiolas Engagement bei Manchester City. Zunächst mal, dass dem Katalanen noch viel Arbeit bevorsteht. Sehr viel. In allen Mannschaftsteilen benötigt er noch Spieler, die seiner Philosophie entsprechen und gleichzeitig muss er den Kader verjüngen, schließlich beträgt das Durchschnittsalter des Kaders 28 Jahre. Der Verein gibt ihm quasi alle finanziellen Freiheiten, die er dafür benötigt. An den bisherigen Neuverpflichtungen und jenen Transfers, die kurz vor dem Abschluss stehen, lässt sich erahnen, was Guardiola mit dem Team vorhat: Ähnlich wie in München soll variabel über Flügel und Zentrum angegriffen werden. Anders als in der letzten Bayern-Saison wird es keinen so starken Flankenfokus mehr geben, weil man schlichtweg keine Abnehmer im Zentrum hat. Es sei denn Agüero nimmt sich eine Trittleiter mit in den Strafraum. Aufgrund von Spielern wie Gündogan, Silva und De Bruyne dürfte der Fokus verstärkt im Zentrum liegen. Taktische Spielereien werden hoffentlich auch bei City zu bestaunen sein.

Am 20. Juli bestreiten die Citizens dann ihr erstes richtiges Testspiel gegen die Bayern. Dazu wird es hier auch noch eine kurze Zusammenfassung geben. Die nächsten Wochen wird es außerdem hin und wieder ein kurzes Update zum Projekt Pep Guardiola und Manchester City geben.

+++ Update: Zwei Pressingszenen aus dem Bayern-Spiel und Kaderplanung +++

Das Spiel gegen die Münchener war die erste Probe für Guardiolas Manchester City und gleichzeitig auch ein Beweis für die gute Arbeit der vorangegangenen drei Wochen. Grundsätzlich spielten die Skyblues im 4-1-4-1. Das Zentrum wurde von Fernando, Fernandinho und Neuzugang Zinchenko besetzt, welche recht konsequent ihre Rollen erfüllten.startmfc Rechtsaußen Navas interpretierte seine Rolle als Flügelstürmer gewohnt geradlinig. Sein Pendant auf der anderen Seite, Brandon Barker, war stets bemüht, suchte das Dribbling und zeigte eine grundsolide Leistung. Hin und wieder schoben beide auf eine Höhe mit Mittelstürmer Iheanacho, wodurch klassische 4-3-3-Staffelungen erzeugt wurden. Nach der Halbzeit kamen unter anderem Yaya Touré für Fernando, Delph für Fernandinho und Bony für Navas, wodurch Iheanacho auf den Flügel ging und von dort aus immer wieder in der Spitze zu sehen war. Tendenzen von einem asymmetrischen 4-4-2 mit Delph in einer Hybridrolle aus zentralem und rechtem Mittelfeldspieler waren, wenn auch nur kurzzeitig, zu erkennen.

Im Spiel gegen den Ball sah man, wie stark Pep Guardiola mit seinen Spielern an der Ordnung gearbeitet hat: Sie schoben frühzeitig nach vorne, um den Spielaufbau der Bayern im Keim zu ersticken bzw. lange Bälle zu erzwingen. In einigen Szenen stimmten die Abstände sehr gut; man war aggressiv und griffig in den Zweikämpfen. Iheanacho leitete den Spielaufbau meist gut in eine Richtung, indem er sich zwischen die Innenverteidiger (bzw. den Torwart) schob, und sie durch seinen Deckungsschatten voneinander trennte. Sein bögenförmiges Anlaufen war ein klares Signal für seine Hintermänner, Druck auszuüben.

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Ein Beispiel für Citys gutes hohes Pressing: Der erste Ball wird zugelassen, danach versperrt Iheanacho den Passweg zurück zum Keeper. Dahinter werden die Gegenspieler mannorientiert gepresst.

Mitunter haperte es noch an der vertikalen Kompaktheit und der Sicherung untereinander beim Herausrücken, was aber mit der Zeit definitiv noch besser werden wird. Weiterhin mangelte es Spielern wie Zinchenko oder Fernando noch an der Nutzung des Deckungsschattens, mit dem man je nach Körperhaltung Passwege zustellen kann. Auch hier muss Guardiola in den kommenden Tagen und Wochen ansetzen.

 

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Ein Beispiel für Citys mangelnde Kompaktheit: Die beiden Achter Zinchenko und Fernandinho befinden sich weit weg von ihren Positionen. Vor allem Ersterer fehlt im Sechserraum, um Fernando zu unterstützen. Ein Fehler, der sicher auch aufgrund der Mannorientierungen entstand.

Was die Kaderplanung anbetrifft, so steht man unmittelbar vor einer Verpflichtung von Sturmtalent Gabriel Jesus von Palmeiras São Paulo. Der 19-Jährige ist flexibel auf allen Offensivpositionen einsetzbar und dürfte ein Gewinn für City sein. Währenddessen scheint der Transfer von Sané etwas ins Stocken geraten zu sein. Schalke lehnt derzeit noch sämtliche Angebote für den Nationalspieler ab. Mal sehen, wie lange noch.

In einer Trainingseinheit vor der Bayern-Partie war zu beobachten, dass Guardiola Fabian Delph und Fernando in einer Trainingsform in die „Verteidiger-Gruppe“ einteilte. Womöglich plant der Katalane mit Fernando als Innenverteidiger und sieht in Delph einen Linksverteidiger. Gut möglich, dass der Engländer eine einrückende Rolle einnimmt, wie sie Alaba oder Lahm bzw. Rafinha bei den Münchenern zeigten. Bei eigenem Ballbesitz würde er sich mit ins Mittelfeld schieben, um als zusätzlicher Mittelfeldspieler zu agieren. Dies hätte zur Folge, dass man im Zentrum ausreichend Optionen hat und die direkten Passwege auf die Außenstürmer geöffnet werden. Weiterhin wäre man im Falle eines Ballverlusts im Zentrum abgesichert. Delph hat die nötige Dynamik für diese Rolle, sein Spielverständnis ist jedoch nicht überragend. Bleibt also abzuwarten, ob er sich damit anfreunden kann.

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Fernando (links) und Delph (verdeckt durch Clichy) beim Training. Ausschnitte gibt es hier zu sehen.

 

 

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