Weekly 18: One Day in Liverpool

Unbenannt

In einem neuen Format blicken wir ab sofort nach jedem Spieltag auf die Geschehnisse der vermeintlich besten Liga der Welt zurück. Wir beleuchten unter dem Namen „Weekly Premier League“ spannende Begegnungen, greifen die wichtigsten O-Töne auf und servieren euch die interessanten Fakten.

Die zweite Ausgabe ist direkt ein Spezial, denn die 18. Runde wird aus Liverpooler-Sicht aufgearbeitet. Warum denn das? Icke war an der Anfield Road und habe daher den Boxing Day aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt. Ein Groundhopping-Text folgt später.

Start mit Hass

Da der Kollege RH (viele Grüße an dieser Stelle) blöderweise seinen Mitgliedsausweis, ergo sein Ticket, daheim vergessen hatte, mussten wir am Samstag bereits relativ früh zur Anfield Road. Nach erfolgreichem Erwerb eines neuen Ausweises peilten wir umgehend das Pub „The Twelfth Man“ – der Stammkneipe der harten LFC-Szene. So riecht es da auch. Vor allem im 20-Meter-Umkreis der Pissrinne. Unforgettable.

Um 12.45 Uhr kickte bereits Stoke City – gegen den Erzrivalen Manchester United. Jede Aktion der Red Devils wurde in der ulkigen Kneipe mit obszönen Gesten begleitet, was für eine durchwegs gute Stimmung sorgte. Vor allem der sooooooooooooooooo (STOPP) eloquente Louis Van Gaal sorgte bei der versammelten Fanschaft für den ein oder anderen kecken Spruch.

Als Memphis Depay sich als Kopfballungeheuer im eigenen Sechzehner versuchte und eine Pille wahrscheinlich zu kurz auf David de Gea köpfte, rastete der zwölfte Mann aus. Bojan Krkic erzielte die durchaus verdiente Führung, denn Stoke spielte zielstrebig und temporeich nach vorne. Ein steifes, passives und verkrampftes United verkaufte sich wie Chelsea – ähm – wie ein Team aus der unteren Tabellenhälfte.

Beim Marko Super-Arnautovic-Kracher zum 2:0 tanzten wir gefühlt schon auf den Tischen. Wayne Rooney kam im zweiten Abschnitt zwar in die Begegnung, und der Rekordmeister wurde besser, aber reichte es für den Anschluss? Nope! Geil. United verlor, die Stimmung kochte über.

Hauptgang mit YNWA

Hellauf begeistert marschierten wir den elend langen Fußmarsch zurück zum Stadion. Es waren circa 500 Meter. Lacht nicht! Nach zwei Stunden in diesem besonderen Pub ist das schon eine Kunst. Jedenfalls posierten wir hier und da noch für ein paar Schnappschüsse, und ich kam zu meinem Bild mit Stevie G. <3 Okay, es war nur ein großes Kunstwerk, aber egal. #läuftbeimir #machichfototuichfacebook

Unsere Plätze waren rechts neben The Kop. Wer sagt, dass in englischen Stadien schlechte Stimmung während des Spiels herrscht, wurde an diesem Weihnachtsnachmittag eines Besseren belehrt. Es war fantastisch, aber nicht nur „You’ll Never Walk Alone“ oder andere Gesänge verursachten Hühnerpelle. Nach der bitterbösen Klatsche in Watford zeigte sich der geliebte LFC gegen Tabellenführer Leicester rehabilitiert.

Mit einer hohen Laufbereitschaft, sehr gutem Pressing und Gegenpressing setzte die Kloppo-Elf die Überraschungsmannschaft des Jahres vehement unter Druck. Insbesondere außerhalb der Box kamen Emre Can, Coutinho und Co. zu guten Abschlüssen. Jamie Vardy und Rijad Mahrez waren dagegen Antikörper auf Seiten der Foxes. Herausgestochen ist eigentlich nur N’Golo Kanté.

Der Sechser von Leicester verlor keinen Zweikampf, überzeugte mit starkem Stellungs- sowie Positionsspiel und lief so viel wie kein anderer Mann auf dem Platz. Offensiv kam er dagegen an seine Grenzen, aber das ist bekanntlich auch nicht seine Kernaufgabe. Trainer Claudio Ranieri, der 2014 bei Jürgen Klopp in Dortmund hospitierte, würdigte die Leistung der Gastgeber: „Liverpool hat das sehr gut gemacht. Sie haben uns taktisch geschlagen“, was Linksverteidiger Christian Fuchs untermauerte: „Heute hat die bessere Mannschaft gewonnen.“

Für den erlösenden Moment war Christian Benteke verantwortlich, der nach wochenlanger Torflaute vor The Kop zum Sieg traf. Dass er in der Nachspielzeit amateurhaft seinen zweiten Treffer auf einem Silbertablett liegen ließ, lasse ich mal außen vor.

Klopp: „Natürlich sind dieses Spiel und dieser Sieg etwas Besonderes. Wir hatten alle drei bis vier Stunden Weihnachten, und das muss dann auch einfach reichen. (…) Wenn du zuhause im Wohnzimmer sitzt, kannst du dir nicht vorstellen, wie hier der Wind weht.“ Es war sicherlich ein Kraftakt, aber zufrieden darf der deutsche Heilsbringer allemal sein. Der 1:0-Heimsieg war die bis dato beste Leistung im ehrwürdigen Stadion.

Dessert ohne Gunners

Gut gelaunt zogen wir weiter und flitzten die 500 Meter zurück zur Zielkneipe in Rekordzeit. Der Geruch war nochmal signifikant schlechter geworden, bei all dem Bier kein Wunder. Aber egal! Es war Partyzeit angesagt und auf Bildschirmen flimmerte im Hintergrund das Abschlussmatch des Boxing Days. Arsenal konnte durch die Leicester-Niederlage Spitzenreiter werden. Konnte. Autsch!

Bei Southampton kam es zu einem Offenbarungseid. Mit Druck hat Arsène Wengers Truppe mitunter Probleme, so auch im St. Mary’s Stadium. Insbesondere Per Mertesacker zeigte eine Leistung, die nicht Premier League würdig war. The Big Fucking German stoß altersbedingt an seine Grenzen, war immer einen Schritt zu langsam und mental alles andere als auf der Höhe.

Eine zu kurz geratene Kopfballabwehr feuerte Cuco Martina mit einem Außenristvolley traumhaft in die Maschen. Im zweiten Durchgang suchten die Gunners ein wenig mehr ihr Glück in der Offensive, doch die Saints waren brutal effizient. Für vier Tore brauchte Southampton lediglich fünf Chancen, was ein atemberaubender Wert ist.

Anstatt sich mit den Gründen für die eigene destruktive Vorstellung zu beschäftigen, erklärte Wenger dem übertragenden Fernsehsender: „Für mich ist jedes Tor diskutabel.“ Davon bekamen wir leider nicht mehr viel mit, denn nach einem Sieg am Boxing Day des FC Liverpool an der Anfield Road gibt es nichts Geileres, als den Erfolg mit Gleichgesinnten im „The Twelfth Man“ zu feiern.

Abschließend noch die interessantesten Fakten des 18. Spieltags:

  • Das Team, das nach dem Boxing Day den vorletzten Rang belegte, ist in den letzten fünf Jahren immer abgestiegen. Grund genug für Sunderland, um bei Manchester City zu gewinnen, aber dann gab es doch die standesgemäße 4:1-Packung.
  • Ka(i)ne Chance für Norwich City: Die Kanarienvögel sind am zweiten Weihnachtstag in der Premier League sieglos, und der Trend konnte gegen die Spurs nicht gestoppt werden. Harry Kane netzte beim 3:0-Erfolg von Tottenham zweimal ein; damit hat er in den letzten neun Spielen satte zehn Nüsse erzielt.
  • Oooooh Oscar, he slipped away on his … Na gut. Beim Debüt-Comeback von Guus Hiddink erkämpfte Watford ein 2:2 bei Chelsea. Kurz vor Schluss rutschte Oscar beim Ausführen eines Elfmeters weg. Schade. Die Hornets trafen dagegen seit 2000 erstmals wieder an der Stamford Bridge.
  • Manchmal sind es diese schmutzigen Dreier, die dich nach oben bringen. Tom Cleverley köpfte im letzten Atemzug der Partie Everton in Führung, Newcastle ging dagegen wieder leer aus. Für das neue Kopfballmonster war es der erste Treffer für die Toffees. Endergebnis: 0:1 aus Castle-Sicht.
  • Rauf und runter, Chance hier, Chance dort, aber wieder kein Sieg. In einem turbulenten Match trennten sich Aston Villa und West Ham United 1:1. Erwähnenswert: Der Sahneschuss von Linksverteidiger Aaron Cresswell, der die Hammers in Führung schoss.
  • Manchmal reicht das Minimum: West Brom war in Wales die aktivere Mannschaft, aber Swansea Ki-Sung-Young-te sich zu einem 1:0. Aus der Vorwoche gelernt, was?
  • Geschenke gab’s in Bournemouth keine für die Zuschauer. 0:0 trennte sich der Aufsteiger mit Crystal Palace, das nun zur Top Five gehört.

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