Wenn ein Fidschianer Geschichte schreibt

Roy Krishna

Fans sowie Spieler waren verwundert als im März 2009 ein kleiner, indisch aussehender Spieler mit den Spielern des PSV Eindhoven mittrainierte. Niemand kannte ihn. Aber eines war klar: Dieser Spieler war verdammt schnell, weshalb der holländische Verein auch nicht abgeneigt war ihm einen Vertrag anzubieten, doch der damals erst 21-jährige Fidschianer Roy Krishna lehnte dankend ab. Der Mann aus Ozeanien machte sich einen Namen.

Wie kann jemand aus einer fußballerisch dermaßen unbedeutsamen Region ein Angebot eines so großen Vereins ablehnen? Ganz einfach. Roy Krishna wollte lieber weiterhin an seinen Englischkenntnissen arbeiten und nicht noch eine weitere Sprache lernen, weshalb er einen Wechsel in die australische A-League bevorzugte. Dennoch blieb sein Name auf der Liste so mancher Scouts. Wie auch bei Leeds United. Nur ein halbes Jahr nach seinem Probetraining in Holland, lud Leeds United den Fidschianer ebenfalls ein, doch er wusste nicht zu überzeugen.

Somit musste der wendige Stürmer zurück zu seinem Verein nach Neuseeland. Bei Waitakare United spielte der 1,70 m große Spieler als Mittelstürmer, rochierte aber gerne mit seinem Teamkollegen und war genauso oft auf dem linken sowie dem rechten Flügel zu finden. Insgesamt stand Krishna fünf Jahre bei dem Verein aus der ASB Premiership unter Vertrag. In diesen konnte er drei Mal neuseeländischer Meister werden. Mit 72 Toren und 37 Vorlagen in 103 Spielen, hatte er sicherlich großen Anteil daran. Das war auch anderen Vereinen bewusst. Im Sommer bemühte sich die A-League Mannschaft Wellington Phoenix um den Fidschianer, doch wie bereits bei seinem zwei-wöchigen Probetraining im Mai 2008 scheiterte der Transfer.

Trotz der vielen Siege und Erfolge schlitterte Waitakare United in finanzielle Probleme. Der Verein übernahm sich und gab zu viel Geld aus. Die Einnahmen durch Meisterschaften und die Teilnahmen an der OFC-Champions League standen in keiner Relation zu den Ausgaben des Vereins, zudem hatte man mit dem Sieg der Champions League gerechnet, in welcher man jedoch nur knapp scheiterte. Man war dazu gezwungen zu sparen und hohe Gehälter zu streichen. Krishna, Coombes, Mulligan, Myers, Robinson und Butler wurden daher aus finanziellen Gründen abgegeben. Schnell verließ Krishna Waitakare United und heuerte beim Lokalrivalen Auckland City FC an.

Bereits in seinem ersten Spiel konnte sich der schnelle Stürmer mit einem Kopfball als Vorlage an einem Tor beteiligen. Nur einen Spieltag später erzielte er sein erstes Tor und machte zudem eine weitere Vorlage. Doch sein historischster Treffer gelang ihm nicht in der Liga. Bereits vier Mal scheiterte Auckland City FC in der ersten Runde der Klub-WM, dieses Mal scheiterte man gegen den späteren Finalisten Raja Casablanca aus Marokko. Erst durch ein spätes Tor von Abdelilah Hafidi wurde das Ausscheiden der Neuseeländer besiegelt. Doch das Highlight des Abends war das erste Tor eines Fidschianers bei der Endrunde eines FIFA-Turniers traf. Beim Stand von 1:0 für Raja Casablanca versuchte es Kapitän Mouhssine Moutouali mit einem Distanzschuss, doch der Schuss wurde geblockt und flog mit raschem Tempo zu Roy Krishna. Er gewann das Laufduell gegen Issam Erraki, aber der Konter schien bereits sein Ende gefunden zu haben. Durch eine Uneinigkeit zwischen Mohamed Oulhaj und Ismail Belmaalam kam Krishna erneut an den Ball und lief den drei Verteidigern davon. Er schob den Ball am Tormann vorbei und erzielte den 1:1-Ausgleichstreffer. “Das war natürlich Pech für sie und Glück für mich. Ich habe die Chance gesehen und bin froh, dass ich es geschafft habe.“

Spieler sowie Fans jubelten. Es war ein großer Erfolg. Auch wenn das Spiel am Ende verloren wurde und die meisten Spieler der neuseeländischen Mannschaften enttäuscht waren, hatte der 26-jährige Fidschianer dennoch einen Grund zu feiern. “Es war immer mein Traum, bei einer Weltmeisterschaft ein Tor zu erzielen. Bei einem großen Turnier, wo große Mannschaften mitspielen, wie zum Beispiel Bayern München, das war großartig. Jetzt stehe ich in der Torschützenliste. An diesen Moment werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern. Ich bin froh, dass ich das geschafft habe.”
Hier das Video zum Tor!

Nur zwei Wochen später war seine Zeit in Auckland auch schon wieder vorbei. Paul Ifill, Star der Wellington Phoenix verletzte sich Ende Dezember schwer und fällt mit einem Achillessehnenriss für sechs Monate aus. Ersatz musste her, daher nahm man den Kontakt mit dem torgefährlichen Stürmer wieder auf, verpflichtete den Fidschianer als Injury Replacement und stattete ihn mit einem Kurzvertrag aus. Somit trug sich Krishna in nur wenigen Tagen zwei Mal in die Geschichtsbücher Fidschis ein. Am 12. Jänner wurde Roy Krishna gegen die Central Coast Mariners in der 79. Minute für Stein Huysegems eingewechselt, somit wurde er zum ersten Fidschianer der zu einem Einsatz in der australischen A-League kam. Sein Traum wurde wahr. Die Einwohner der Fidschi-Inseln feierten ihren Nationalhelden, die Stimmung ähnelte einem Nationalfeiertag. Sein Ex-Verein Labasa FC gratulierte ihm sogar übers Fernsehen zu seinem historischen Einsatz.

Noch vor wenigen Wochen arbeitete er nebenbei als Jugendtrainer Aucklands um sein Gehalt aufzubessern, heute ist er Nationalheld und verdient seine Brötchen in der A-League. Vor wenigen Wochen wurde er sogar zu „Neuseelands Stürmer des Jahrzehnts“ gewählt. „Es gibt nur einen Spieler zu dem der Titel „ASB Premiership Striker of the decade“ gehört: Roy Krishna“, sagte Terry Maddaford, ehemaliger Journalist beim NZ Herold. Die Fidschi-Inseln sind auf dem Vormarsch.

In der ehemaligen britischen Kolonie leben 800.000 Menschen, vergleichsweise zu den Salomon-Inseln (ca. 500.000) oder anderen größeren Inseln wie Vanuatu und Tahiti (jeweils ca. 200.000) eine hohe Einwohnerzahl. Trotzdem zählen Tahiti und Neukaledonien zu den ganz großen Fußballnationen Ozeaniens. Die beiden Nationen haben durch ihre Beziehungen zu Frankreich einen Vorsprung gegenüber den anderen. Über Jahre hinweg waren die Kader mit einzelnen „Stars“ geschmückt, doch der Vorsprung schwindet. Es gibt einige Projekte die Regionen Ozeaniens fördern, unter anderem auch die der Fidschi-Inseln. Die Liga wird zudem professioneller und immer öfter schaffen Spieler den Sprung ins Ausland, vor allem Neuseeland ist ein beliebtes Ziel. Auch für Jugendspieler. In Auckland gibt es ein ganz besonderes Projekt: Der Jugendverein Auckland United holt Jugendspieler aus den verschiedensten Nationen Ozeaniens. Vor allem die Fidschi-Inseln sind mit fünf Spieler gut vertreten, zudem auch zwei der Salomon-Inseln. Dank diesem Projekt kommen die Spieler zu einem guten Internat mit Schulausbildung, und somit dem Aufbau eines zweiten Standbeins. Der Verein wurde erst vor einem Jahr gegründet, doch er feiert bereits jetzt schon einige kleinere Erfolge. Vielleicht schaffen ja in Zukunft mehr Spieler den Sprung nach Australien in die A-League.

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