Wenn Loyalität belohnt wird – Julián Speroni

Julián Speroni, Fixpunkt von Crystal Palace, unangefochtener Stammspieler im Kasten der Engländer. Doch dem war nicht immer so. Nachdem der Argentinier im Sommer 2004 für eine Million Euro nach London wechselte, konnte es nicht schlimmer anfangen.

Jules, wie er herzlichst von den Fans genannt wird, ist nicht wegzudenken aus der Mannschaft. Es ähnelt einer Ehe, dass Speroni in guten wie auch schlechten Zeiten Crystal Palace erhalten blieb, und das obwohl es einige Male wirklich schlecht um den Verein aussah. Aber nun geht es bergauf mit den Eagles, der Tormann ist heute dort, wo er vor exakt 9 Jahren stand: Im Tor eines Premier League-Aufsteigers.

Im Juli 2004 unterschrieb der Argentinier mit italienischen Wurzeln für eine Million Euro bei Crystal Palace, nachdem er in Schottland beim FC Dundee zu überzeugen wusste. Zugleich wurde ein Konkurrent verpflichtet: der heutige Münchner Gábor Király unterschrieb ebenfalls bei den Eagles, doch Speroni hatte sich bereits in Schottland einen sehr guten Ruf erarbeitet, und startete mit dem Aufsteiger in die Saison, konnte am ersten Spieltag mit einem 1:1 einen Punkt gegen Norwich City holen. Doch bereits am nächsten Spieltag musste er gegen FC Everton drei Mal hinter sich greifen als der Verein mit 1:3 verlor. Es folgten einige dicke Patzer, die dem Verein viele Male wichtige Punkte kosteten.

Nach 6 Spieltagen lagen die Londoner mit einem einzigen Punkt, und 13 erhaltenen Gegentoren auf dem letzten Platz der Tabelle. Der Buhmann wurde schnell gefunden: Wegen schlechter Leistungen musste Julián Speroni seinen Platz räumen, und wurde durch Gábor Király ersetzt. Der Ungar wurde schnell zu einer Kultfigur, nicht nur aufgrund seiner Leistungen, sondern vor allem auch wegen seiner grauen Lieblingshosen. Jules verbrachte 30 Spiele auf der Tribüne, bloß zwei auf der Bank, ein wahrlich verlorenes Jahr für den Tormann.

Tatsächlich wirkte die Mannschaft sicherer, und konnte sogar ein paar Punkte ergattern, doch nach 38 Spieltagen stand Iain Dowies Truppe auf dem 18. Platz, und stieg somit nach nur einem Jahr wieder aus der Premier League ab. Speroni wurde belächelt, wurde nach der Saison als totaler Fehleinkauf abgestempelt, für viele Fans war klar, dass man Jules abgeben müsse. Doch weder Dowie, noch Speroni verließen den Verein nach dem Abstieg.

Frei nach dem Motto „neue Saison, neue Chance“ erspielte sich Julián Speroni erneut das Vertrauen Iain Dowies, und wurde erneut zum Stammtorhüter ernannt. Für Viele eine unverständliche Entscheidung und wenig nachvollziehbar. In seinen ersten 90 Minuten in der Championship wurde er von den Fans kritisch beäugt, doch Jules wusste zu überzeugen. Nach dem schwierigen Jahr in Premier League fand der Argentinier zu alter Stärke, und wurde von Spiel zu besser. Die Fans fanden in ihm einen neuen Publikumsliebling, und liebten ihn von Kopf bis Fuß, sogar seine Frisur hat bei den Fans Kultstatus erreicht.

Jules steht für Crystal Palace, das macht sich auch bemerkbar wenn man einen Blick in die Fanzone der Eagles in wirft. Ein bekanntes Fanzine des Vereins veröffentlicht sogar Berichte unter dem Namen „Speroni Week“.

Julian-Speroni

Heute hat der 34-Jährige keinen Grund mehr zu gehen, da der Verein von den neuen Besitzern CPFC2010 von Grund auf neu saniert wurde, doch zuvor hatte er schon viele Möglichkeiten den Verein zu verlassen, oft, wenn nicht immer, sah die Perspektive für den Verein sehr schlecht aus, doch der Tormann blieb den Londonern erhalten. Von vielen Reportern und Teamkollegen wird er mit „nicest guy I’ve ever met“ beschrieben, das hat sich auch zu den Fans durchgesprochen. Der Verein hatte turbulente Zeiten vor sich, Insolvenz sowie Abstieg konnten vermieden werden, an Letzterem hatte Speroni großen Anteil.  Egal wie schwierig die Zeit war, Jules hielt den Eagles die Treue, und wurde dafür belohnt. Drei Mal hintereinander wählten ihn die Fans zum Spieler der Saison und machten ihn somit unsterblich.

Neun Jahre später erhält er nun eine zweite Chance in der höchsten Liga Englands. Nach sieben Runden liegt Palace mit drei Punkten auf Platz 19, dreizehn Tore wurden kassiert, somit jetzt besser als noch vor neun Jahren. Mit 9 Jahren und 281 Spielen mehr auf dem Buckel, wirkt der Tormann kein bisschen älter, ist noch immer schwach mit Fuß, doch stark im 1-gegen-1 und ein starker Mann auf der Linie, und wird dem Verein noch einige wichtige Punkte retten.

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