Am 22.11.2017 pfiff der Schiedsrichter die Partie zwischen ZSKA Moskau und Benfica ab. Der Pfiff war ein Historischer. Erstmals seit 2006 gelang es Igor Akinfeev seinen Kasten in einem Champions-League-Spiel sauber zu halten – nach 43 Partien endete diese Negativserie für Russlands Keeper.

Es ist ein Stückweit ein symbolträchtiges Ereignis für den mittlerweile 32-Jährigen, der bis vor 12 Jahren als eines der größten Torwarttalente gehandelt worden war. Igor Vladimirovich Akinfeev war 2006 das, was heute Donnarumma und Lafont sind.

Die Nummer eins der Sbornaja spielt seine gesamte Profikarriere bereits bei ZSKA. Sein Debüt gab er 2003 mit 17 Jahren, als er beim 2:0-Sieg sogar noch einen Penalty parierte. Ein Jahr später stand er im Tor der Nationalmannschaft und sollte nach der EM 2004 der Stammkeeper der Russen sein.

Es bahnte sich eine ruhmreiche Karriere an für den jungen Keeper mit diversen Meistertiteln, dem UEFA-Cup-Sieg 2005 sowie dreimal hintereinander den Award für den Torhüter des Jahres in Russland. 2006 wurde er zum Fußballer des Jahres innerhalb der Staaten der ehemaligen Sowjetunion gekürt. Akinfeev galt zu diesem Zeitpunkt talentierter als ein gewisser Manuel Neuer und hatte bereits mehr Erfahrung als andere Torhüter in seinem Alter.

Wie es aber manchmal im Fußball so ist, bedeutet ein guter Karrierestart noch längst kein kontinuierlicher Erfolg. Am 06. Mai 2007 riss sich Akinfeev im Spiel gegen FK Rostow das Kreuzband und ist fast ein ganzes Jahr außer Gefecht. Zeichnete der sich Keeper damals durch Reaktionsstärke und für damalige Verhältnisse modernes Mitspielen aus, war das Talent nach seiner Verletzung nicht mehr so unbekümmert.

 

Igor Akinfeev gegen Österreich. (Foto: Manfred Werner – Tsui cc-by-sa3.0)

Vielfach fiel der ZSKA-Torhüter durch Unsportlichkeiten und diverse Patzer auf. Dies hatte zur Folge, dass er im Tor der Nationalmannschaft bereits kritischer gesehen wurde. 2008 drohte er seinen Platz bei der EM am stark aufspielenden Malafeev zu verlieren. Trainer Hiddink entschied sich dennoch für seinen bereits etablierten Keeper.

Bei der EM 2008 ließ sich Akinfeev nichts zu Schulden kommen. Sein Team erreichte das Halbfinale und er selbst schien zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. Immer wieder hieß es, dass Clubs wie der Arsenal oder Chelsea an ihm Interesse hätten. Aufgrund der mäßigen Leistungen ZSKAs auf internationalem Parkett sowie diversen Unsicherheiten ihres Schlussmannes verpufften diese Gerüchte mit der Zeit.

Es wurde ruhig um ihn, auch, weil die Sbornaja 2010 die Teilnahme an der WM in Südafrika verpasste. Akinfeev war also auf die wenigen Spiele angewiesen, die ZSKA in der Champions League hatte, um sich in den Fokus großer Vereine zu spielen. Wobei wir wieder beim Anfang wären.

Bis vor kurzem schaffte es der Russe schlichtweg nie, seinen Kasten dicht zu halten. Freilich war er nicht an jedem einzelnen Treffer Schuld, dennoch hat es Einfluss auf die Verteidiger, wenn ihr Keeper für Patzer bekannt ist. Gibt man bei YouTube „Igor Akinfeev“ ein, erscheint als zweiter Vorschlag „Fails“.

Fehler wie bei der für ihn sehr enttäuschenden WM 2014, als er gegen Südkorea einen (leicht flatternden) Ball auf den Mann passieren ließ. Im für Russland so wichtigen letzten Gruppenspiel gegen Algerien verschätzte er sich bei einem Freistoß ebenfalls übel beim Herauslaufen, wodurch sein Team u.a. die Heimreise antreten durfte.

Darauf sollte man den Kapitän der russischen Nationalmannschaft jedoch nicht beschränken. Akinfeev genießt in seinem Land eine große Anerkennung, gilt als Legende bei ZSKA. Würde er bei einem europäischen Verein spielen, bspw. in Italien, würde er vielerorts für seine Vereinstreue, auch in schlechten Zeiten, gefeiert werden.

Welchen Stellenwert hat der Torhüter also für seine Nationalmannschaft? In der gänzlich überalterten Sbornaja (Durchschnittsalter 27,89 Jahre) zählt der 32-Jährige zu den Führungsspielern.

Nicht für umsonst wird er sein Team als Kapitän anführen. Mit Saudi-Arabien, Ägypten und natürlich Uruguay wird es für die Gastgeber ein enormer Kraftaufwand werden die Gruppenphase zu überstehen. Was die Russen vor allem brauchen, ist ein sicherer Keeper, auf den sich seine Vorderleute verlassen können.

Im Eröffnungsklassiker gegen Saudi-Arabien stand Akinfeev weniger im Mittelpunkt als seine Vorderleute. Der Keeper hatte gefühlt fünf Ballaktionen, bei denen er sich auf einfache lange Bälle fokussierte. Womöglich war die erste Partie nur ein Warmmachen für die kommenden Aufgaben. Hier muss sich der ZSKA-Torhüter unter anderem gegen besten Torschützen der Premier League, der Ligue 1 und dem drittbesten Torjäger von La Liga stellen. Erst dann wird Akinfeevs Qualität entscheidend sein.


 
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DAZN WM 2018

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Written by Sascha
Ist für Taktikanalysen, Scoutingberichte und schlechte Wortspiele zuständig. Eigene Grammatik ist so ausbaufähig wie Swanseas letztjährige Tabellenplatzierung – und entsprechend ist hier keine Aussicht auf Besserung.