Das Achtelfinale der Spanier gegen den Gastgeber in Luzhniki endete mit einem Paukenschlag. Nach 120 Minuten aufopferungsvollen Kampfes hatten die Russen im Elfmeterschießen die cooleren Elfmeterschützen und einen über sich hinauswachsenden Igor Akifeev, der wegen der parierten Elfmeter für immer mit diesem Spiel in Verbindung stehen wird.

Der beste Spieler auf dem Platz war jedoch ein anderer, sein Name ist Isco. So gut der Stimmung bei der WM eine siegreiche Sbornaja tut, so bitter ist es für das Tunier den nächsten Weltklassespieler verabschieden zu müssen.

Natürlich konnten die müden Vorstellungen gegen den Iran, Marokko und Russland niemanden vom Hocker reißen, umso deutlicher wird aber wie wichtig Isco für den Erfolg der Mannschaft gewesen ist.

Mit 26 Jahren ist der kleine Spanier so gut wie noch nie. Schon jetzt hat er auf Vereinsebene alles gewonnen und in der vergangenen Saison konnte er sich auch endgültig einen Stammplatz im Starensemble von Real Madrid sichern.

Seitdem Julen Lopetegui der Trainer der Spanier war, wurde Isco zum Mittelpunkt einer beeindruckenden spanischen Mannschaft, die im Vorfeld der WM von 20 Spielen kein einziges verloren hatte. Trotz namhafter Konkurrenz wie Andres Iniesta, Thiago, David Silva oder Koke war Isco in der spanischen Mannschaft gesetzt und der größte Hoffnungsträger auf dem Weg zum zweiten WM-Titel.

Obwohl die Hoffnungen der Spanier durch die überraschende Entlassung des Erfolgstrainers einen herben Dämpfer erlitten, lag es dann auch nicht an ihm, dass die Träume der Iberer schon im Achtelfinale platzten.


Isco im Einsatz für die spanische Nationalmannschaft. (Foto: Станислав Ведмидь/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Schon im ersten Spiel gegen Portugal war Isco einer der besten Akteure. Zwar zogen Cristiano Ronaldos Dreierpack und die zwei Tore von Diego Costa die Aufmerksamkeit naturgemäß auf sich, die Leistung des Mittelfeldstars ist dabei jedoch einen besonderen Blick wert.

Der Interimstrainer Fernando Hierro bot Isco auf dem linken Flügel auf, von wo er das Spiel der Spanier lenkte und den Takt vorgab. Zwar konnte er keine direkte Torbeteiligung beitragen oder einen Keypass spiele, war aber Dreh- und Angelpunkt des offensiven Kombinationsspiels und mit insgesamt 94 Pässen, von denen 95% ihren Mitspieler fanden, das Metronom im spanischen Angriffsspiel.

Offensichtlich sah der Matchplan vor, dass er mit Flanken (sieben) auf Diego Costa für Gefahr sorgen sollte, anstatt selbst zu seinen gefürchteten Dribblings (nur drei) anzusetzten.

Im zweiten Spiel gegen den Iran ergab sich ein leicht verändertes Bild. Zwar wurde Isco wieder auf derselben Position aufgeboten, spielte ähnlich genau ähnlich viele Pässe und war erneut die am häufigsten angespielte Offensivkraft, allerdings drehte sich das Verhältnis von Flanken und Dribblings genau um.

Gegen die noch tiefer stehenden Iraner waren seine Fähigkeiten auf engstem Raum mit kleinen Kombinationen oder den schnellen Bewegungen im eins gegen eins für Chancen zu sorgen gefragt, um für gefährliche Situationen zu kreieren.

Sein vorerst bestes Spiel absolvierte er dann beim 2:2 im Gruppenfinale gegen Marokko. Grundsätzlich spielte er erneut auf der gleichen Position, war weiterhin der Taktgeber im Offensivspiel und spielte erneut um die 100 Pässe.


 
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Im Unterschied zu den soliden Leistungen in den ersten beiden Spielen entwickelte er dabei aber eine tödliche Durchschlagskraft. Das erste Tor erzielte er selbst und im weiteren Verlauf des Spiel gelang es ihm wieder und wieder seine Offensivpartner in Szene zu setzen. Isco sprühte vor Spielfreude und Kreativität, in keinem Moment gelang es den Marokkanern ihn zu halten.

Nach zwei Unentschieden und insgesamt doch eher behäbigen Auftritten in der Gruppenphase standen die Spanier vor dem Achtelfinale gegen Russland in der Kritik. Das Ausscheiden der Deutschen, die mit einer ähnlichen Spielanlage angetreten waren, noch im Hinterkopf, spielten die Spanier ohne Mut und Risiko aus Angst vor Ballverlusten, die zu schnellen Kontern der Russen hätten führen können.

Der einzige Lichtblick im Offensivspiel war einmal mehr der Zauberer von Real Madrid. Kein einziger Teamkamerad kam auf sein Niveau. In Ermangelung von Mitspielern, die sich für schnelle Doppelpässe anboten oder in Lücken stießen um anspielbar zu sein, suchte Isco häufig selber das Dribbling oder spielte eine Flanke in den Strafraum.

Die Russen standen zwar eng an ihm und begingen viele Fouls, um Isco den Spaß am Spiel zu rauben, trotzdem wurde er in nahezu jedem spanischem Angriff angespielt. Nach 120 Minuten standen 197 Ballkontakte.

Nach dem unglücklichen, aber nicht unverdienten, Ausscheiden im Elfmeterschießen, muss die nächste große Fußballnation ihre Segel streichen. Wenn man sich Auftritte der Spanier im Einzelnen anschaut, boten sie einfach zu wenig.

Sicherlich muss sich auch Verbandchef Rubiales vorwerfen lassen, dass die Entlassung des Trainers gegen den Willen der Spieler eine unrühmliche Entscheidung gewesen ist. Für den Fußball ist vor Allem die Abreise von Isco ein Jammer. Er hätte einer der Stars der WM werden können, scheiterte aber an der Formschwäche und Einfallslosigkeit seiner Mannschaft.

Zwar gewinnt und verliert man als Mannschaft eigentlich immer gemeinsam, bei dieser WM kamen die Spanier wegen Isco ins Achtelfinale und müssen trotz Isco die Heimreise antreten.

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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga. Nicht zuletzt um sich vom 1. FC Union abzulenken.