Es war das Jahr des Mohamed Salah. Torschützenkönig in England, Spieler des Jahres, Champions League-Finale und mit seinem Heimatland erstmals seit 28 Jahren wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Dabei gleicht die Karriere des Ägypters einer Achterbahnfahrt.

Im jungen Alter von nur 17 Jahren gab Salah sein Debüt in der ägyptischen Liga für Arab Contractors SC, die in seiner ersten Saison gleich drei Mal den Trainer wechselten. Der Flügelspieler galt zwar als großes Talent, konnte jedoch in seinem ersten Jahr unter keinem seiner Trainer so richtig überzeugen und musste des Öfteren mit der Bank oder gar der Tribüne Vorlieb nehmen. Es sollte fast zwei Jahre dauern bis sich Salah einen Stammplatz erkämpfen konnte.

Erst durch sehr gute Leistungen bei der U20-WM 2011, bei der im Achtelfinale gegen Argentinien (1:2) traf, konnte er auch größere Vereine auf sich aufmerksam machen. Einem Herrn, den er besonders beeindruckte, war Basel-Chefscout Ruedi Zbinden, der auf der Suche nach einem Ersatzmann für Xerdan Shaqiri war, der auf dem Sprung zu Bayern München war.

Zbinden war beeindruckt, aber wusste, dass es sich bei Salah bloß um ein sehr athletisches Talent handelt, das sich erst entwickeln müsse. Dass sich der Ägypter jedoch dermaßen schnell einleben würde, damit hatte niemand gerechnet. Die ersten Wochen wurde der Offensivspieler wegen seines schlechtes Abschlusses belächelt, am Ende des Jahres lächelte aber der junge Nordafrikaner, der zum „Schweizer Spieler des Jahres“ und „Afrikas Youngster des Jahres“ ernannt wurde.

Auch international wusste der Flügelflitzer auf sich aufmerksam zu machen, in dem er die Chelsea-Verteidigung in der Champions League schwindelig spielte. Daraufhin waren Tottenham und Liverpool am jungen Ägypter dran, Medien in der Heimat vermeldeten den Transfers zu den „Reds“ sogar schon als fix. Der Offensivspieler blieb jedoch ein weiteres Jahr in der Schweiz, erst im darauffolgenden Sommer folgte Salahs Wechsel nach England.


Mo Salah im Trikot von Liverpool. (Foto: Ardfern/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Entgegen aller Erwartungen jedoch nicht zu Liverpool, wie Teamkollege Zika eigentlich verraten hatte, sondern zu Chelsea, die für den Ägypter 15 Millionen Euro auf den Tisch blätterten – zum damaligen Zeitpunkt der teuerste Transfer der Schweizer Super League.

Rund ein halbes Jahr später packte der Flügelstürmer jedoch erneut seine Koffer. Nach gerademal 30 Minuten Premier League wurde der damals 21-Jährige an Fiorentina verliehen, wo er Spielpraxis sammeln sollte.

In Italien lief es für den Ägypter deutlich besser. In 16 Ligaspielen traf der Offensivspieler sechs Mal und legte drei Treffer vor. Anstatt einer Verlängerung bei der Fiorentina folgte jedoch ein Rechtsstreit, bei dem die Roma als glücklicher Dritter hervorging. Der Verein wollte mit Salah mittels einer Klausel verlängern, Salah wollte dies nicht und gab an, dass es gar keine Klausel gebe. Auch die FIFA konnte keine Klausel finden, womit einem Wechsel zur Roma nichts mehr im Wege stand.

Auch etwas südlicher in Italien konnte der Flügelstürmer seine Form fortsetzen und sich weiterentwickeln. Es folgten 34 Tore und 24 Vorlagen in rund 80 Spielen für die Roma – ein Scorerpunkt in jedem zweiten Spiel.

Ein hervorragender Wert, der auch nicht in seiner Heimat unbemerkt blieb. Salah galt plötzlich nicht mehr als das vielversprechendste Talent, sondern mittlerweile sogar als der beste Fußballer, den Ägypten je hervorgebracht hat.

Gerade als alle dachten, dass es nicht besser um den Offensivspieler stehen könnte, folgte die Saison seines Lebens. Nach zwei erfolgreichen Jahren bei der Roma zog es den Ägypter nach England – mit ein paar Jahren Verspätung ging es endlich zu Liverpool. 42 Millionen war den „Reds“ der nordafrikanische Spieler wert – wie sich später herausstellen sollte ein absolutes Schnäppchen.


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Unter Jürgen Klopp entwickelte sich der Ägypter zu einer Konstante in der Offensive und glänzte neben Roberto Firmino und Sadio Mane beinahe jeden Spieltag. Nahezu im Alleingang schoss der 26-Jährige die „Reds“ in Champions League-Finale. 44 Tore und 16 Vorlagen konnte der Mohamed Salah wettbewerbsübergreifend in der Saison bejubeln. Völlig verdient ging der Titel „Premier League-Spieler des Jahres“ am Ende an den dauergrinsenden Wuschelkopf im roten Trikot.

Mit viel Selbstvertrauen aber auch viel Druck aus der Heimat ging es für Salah und Ägypten erstmals nach 28 Jahren wieder zu einer Weltmeisterschaft. Er musste die Last eines ganzen Landes auf seinen Schultern tragen. Das Blöde nur: Sergio Ramos verletzte den Flügelstürmer im Champions League-Finale an der Schulter, wodurch selbst die WM in Gefahr schien. Der Druck und die Erwartungshaltung der rund 96 Millionen ägyptischen Fans, ihren Liebling zu sehen, wie er sie zu ihrem ersten WM-Sieg überhaupt schießt, war zu schwer für die lädierte Schulter des Liverpool-Stars.

Salah ist sichtlich nicht fit. Bereits den WM-Auftakt gegen Uruguay verbrachte der Ägypter nur auf der Bank – womöglich um ihn weiterhin zu schonen und für die deutlich machbareren Spiele gegen Russland und Saudi-Arabien aufzuheben. Der 26-Jährige konnte jedoch verletzungsbedingt nicht an seine Leistungen bei den „Reds“ anschließen. Ihm gelang „nur“ ein Elfmetertor zum 1:3-Anschluss gegen Russland. Gegen Saudi-Arabien soll nun endlich Geschichte geschrieben werden und erstmals bei einer Weltmeisterschaft ein Sieg gefeiert werden.

Doch es kam ganz anders. Da es für die Ägypter im letzten Spiel um nichts mehr ging, boten viele ein teilweise sehr lustlose Vorstellung. Allen voran Superstar Mohamed Salah. Zwar erzielte der Stürmer nach rund 20 Minuten mit einem lässigen Lupfer die Führung, zelebrierte jedoch nicht und verzog keine Miene.

Auch wenige Minuten später kam es zu einem ähnlichen Angriff – dieses Mal stand Salah jedoch im Abseits, was den Linienrichtern jedoch entfiel. Allein im 1-gegen-1 gegen den Torwart verhielt sich der Ägypter jedoch viel zu cool und vergab schon fast in Balotelli-Manier leichtfertigst das 2:0.

Im Gegenzug kam Saudi-Arabien zu mehreren Chancen und zu zwei strittigen Elfmetern. Während der erste noch vom 45-jährigen Torhüter der „Pharaonen“ pariert werden konnte, wusste Salam Al-Faraj den zweiten zum Ausgleich zu verwerten.

Der lethargische Auftritt der Nordafrikaner wurde sogar noch bestraft, denn während die Mannschaft von Hector Cuper nahezu lustlos auftrat und nur vereinzelte Spieler scheinbar um den Sieg kämpften, trat das Team von Juan Antonio Pizzi deutlich enthusiastischer auf, kam zu einigen Großchancen und ging verdient mit 2:1 in Führung. Damit ist Ägypten nach drei Weltmeisterschaften weiterhin sieglos und reist punktlos zurück in die Heimat.


 
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Written by Marco
Co-Gründer von Cavanis Friseur, schreibt hauptsächlich über den englischen Fußball und ist riesiger Leeds United-Fan.