Spätestens seit seinem Tor im Champions League Finale muss man Sadio Mané niemandem mehr vorstellen. Längst ist der Stürmer von Liverpool einer der besten Fußballer Afrikas. Die WM-Teilnahme mit Senegal ist der vorläufige Hohepunkt seiner Karriere.

Doch verglichen mit Kollegen wie Kalidou Koulibaly, Lamine Sané oder M’Baye Niang absolvierte der größte Star des Senegal einen ungleich steinigeren Weg nach Russland. Anders als seine in Frankreich, als Kinder von Auswanderern, geborenen Kollegen, begann seine Geschichte in einer abgelegenen Kleinstadt in Senegals Süden.

Sadio Mané wurde in ärmsten Verhältnissen geboren. Weil seine Eltern so viele Kinder hatten, dass sie nicht für alle sorgen konnten, gaben sie ihn in die Obhut seines Onkels. Mané wächst in einer sehr religiösen Umgebung auf. Die Schule und die Moschee sollten das wichtigste im Leben der Kinder der Familie darstellen. Ein Plan mit dem Sadio nicht viel anfangen konnte.

Zwar ist er heute ein sehr religiöser Mann, als Kind gab es für ihn jedoch nur eines: den Fußball. Seit er laufen konnte, jagte er dem Ball hinterher und sein Talent blieb keinem verborgen. Unglaubliches Tempo gepaart mit geschmeidigen Bewegungen und hervorragender Ballkontrolle zeichneten ihn aus.

Als er zehn Jahre alt war und die Nationalmannschaft bei der WM in Japan und Südkorea völlig überraschend den amtierenden Weltmeister aus Frankreich schlug, war es um ihn geschehen. Sein Leben kannte nur noch ein Ziel.

Er wollte Fußballprofi werden. Früh verließ er seine Heimat um sich in Dakar zu präsentieren. Mangels eines mit europäischen Verhältnissen zu vergleichenden Jugendligensystem, führt der Weg eines afrikanischen Kindes in die Notizbücher der großen Klubs meistens über professionelle Akademien, die sich über den Verkauf der Talente nach Europa finanzieren.


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Auf Mané, der immer der sowohl der ärmste als auch beste Fußballer in seinem Team gewesen sein soll, wurden so Scouts des FC Metz aufmerksam. Mit 19 folgte der Sprung nach Europa, ein Schritt, den er in aller Heimlichkeit vollzog und nur mit seinem Onkel absprach. Selbst seiner Mutter gab er erst Bescheid, als er bereits in Metz angekommen war.

Schnell wurde Mané zu einem Leistungsträger der Lothringer, was ihm eine Nominierung für die Olympischen Spiele in London und schließlich einen Transfer zu Red Bull Salzburg einbrachte. Ein Glücksfall für Mané, denn sein Trainer Roger Schmidt formte ihn zu einem der vielversprechendsten Konterstürmer in Europa.

Die Fortschritte im taktischen Bereich legten den Grundstein für seine weitere Karriere. 2014 folgte der Schritt nach Southampton, wo er sich unteranderem mit dem schnellsten Hattrick der Premier League Geschichte für noch größere Aufgaben empfahl. Zwei Jahre nach seinen ersten Schritten in England holte Jürgen Klopp den pfeilschnellen Angreifer zum FC Liverpool, wo er seitdem mit überragenden Leistungen zu einem Publikumsliebling avanciert ist.

 

Video: Mane mit dem schnellsten Hattrick der Premier League-Geschichte. (Quelle: YouTube)

Folgt man der Logik seiner bisherigen Transfers, stünde dieses Jahr nach zwei Jahren an der Mersey der nächste Wechsel auf dem Plan. Unter Anderem Real Madrid soll sehr an ihm interessiert sein.

In der Nationalmannschaft galt es für Mané größere Hindernisse zu überwinden. Spätestens seit seinen starken Leistungen in Salzburg ruhen riesige Hoffnungen auf den Schultern des Stürmers. Die emotionalen Afrikaner erwarten oft nichts Geringeres als den Titel von ihren Spielern.

Wie schnell diese Euphorie in Wut umschlagen kann, musste der Star beim Africa Cup of Nations 2017 erfahren. Im Viertelfinale gegen Kamerun vergab er den entscheidenden Elfmeter und wurde von den Fans allein für das enttäuschende Ausscheiden verantwortlich gemacht. Seine Verwandten mussten in Malika aus einem Haus flüchten, dass von wütenden Fans angegriffen wurde.

Obwohl Mané sich unter Tränen im Fernsehen entschuldigte, schreckte der Mob nicht davor zurück, einen zweiten Angriff auf die Familie zu unternehmen, als Sie den SUV seines Onkels völlig zerstörten.

Ein Jahr später ist das alles vergessen, das Land liebt seinen Star, die Erwartungen sind einmal mehr immens. Nach dem glücklichen Sieg im ersten Spiel gegen Polen, hatten die Löwen von Terenga gestern in Jekaterinburg die Chance sich vorzeitig für das Achtelfinale zu qualifizieren.

Mané konnte hierbei die Erwartungen der Fans voll und ganz erfüllen. Beim frühen 1:0 nutze er einen Fehler des Torhüters Kawashima eiskalt aus und das spätere 2:1 leitete er mit einem guten Pass auf Sabaly ein. Um der WM seinen Stempel aufzudrücken, muss Mané sich allerdings noch steigern.

Senegals auf körperliche Dominanz und hohe Bälle in die Spitze ausgelegtes Spiel, hat wenig mit dem Fußball in Liverpool zu tun, wo Mané häufig in Dribblings und langen Sprints seine größten Fähigkeiten ausspielen kann.

Im Schlüsselspiel gegen Kolumbien ruhten viele Hoffnungen auf dem Star der Westafrikaner. Aliou Cissé bot Mané in einer Doppelspitze mit Niang auf, in der Hoffnung so die hochgewachsenen Yerry Mina und Davidson Sanchez vor Probleme zu stellen.


Sadio Mane im Trikot von Liverpool. (Foto: Дмитрий Садовников/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Dass lange Bälle hinter die kolumbianische Kette für Gefahr sorgen können, bewiesen zuvor schon die Polen. In Samara entwickelte sich dann ein sehr zähes Spiel. Senegal war vor Allem darauf bedacht das 0:0 zu halten, die Kolumbianer hatten es gegen die enge Deckung des Gegners schwer ihr Kombinationsspiel aufzuziehen.

Am Ende sorgte, wie so oft bei diesem Turnier, ein Standard für die Entscheidung, als Yerry Mina mit einem Kopfball nach einer Ecke erfolgreich war. Durch den gleichzeitigen 1:0 Sieg der Polen im Parallelspiel zog Japan in die nächste Runde ein. Ein bitteres Ausscheiden, weil erst die Fair-Play-Wertung für eine Entscheidung sorgen konnte.

Mané konnte dabei die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Erneut war der Fixpunkt des Offensivspiels seines Teams und hatte die zweitmeisten Ballaktionen. Seinen Teamkollegen gelang es aber zu selten, ihn in aussichtsreiche Abschlussaktionen zu bringen. In der einzigen wirklich gefährlichen Situation hatte der Stürmer einiges Pech. Niang hatte Mané bedient, der mit großem Tempo in den Strafraum stieß, wo er von Sanchez gestoppt wurde.

Zwar entschied der Schiedsrichter in erster Instanz auf Elfmeter, nach Sichtung der Bilder stellte sich allerdings heraus, dass Sanchez ihn fair vom Ball getrennt hatte. Die große Chance auf das zweite Tuniertor blieb Mané verwehrt. Der einzige Schuss in Richtung Tor, war ein Freistoß, bei dem Mané ausrutschte und der weit über dem Gestänge ins Publikum flog.

Mina und Sanchez verteidigten hervorragend und konnten Mané fünf Mal vom Ball trennen. Dem standen vier erfolgreiche Dribblings gegenüber. Seine Passgenauigkeit 70,4 Prozent ist bestenfalls ein durchschnittlicher Wert.

Am Ende muss man sagen, dass die Senegalesen zwar bitter, aber nicht unverdient aus dem Tunier ausgeschieden sind. Sadio Mané dafür allein verantwortlich zu machen, wäre natürlich ein Fehler. Trotzdem konnte er die hohen Erwartungen seiner Landsleute nicht erfüllen.

Er ist für seine besten Leistungen auf bessere Mitspieler und eine andere taktische Ausrichtung angewiesen. Es bleibt zu hoffen, dass er in seiner Heimat diesmal fairer als nach dem Aus im Afrika-Cup bewertet wird.


 
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Till
Written by Till
schreibt hauptsächlich über La Liga. Nicht zuletzt um sich vom 1. FC Union abzulenken.