Nach 64 Spielen und rund 5800 Spielminuten steht der neue Weltmeister fest, womit auch unser WM-Special ein Ende findet.

Zum Abschluss wollen wir jedoch zwei Spieler hervorheben, die bei dieser WM herausstachen und verdient im Endspiel der 21. Fußballweltmeisterschaft. Sowohl Frankreich Raphael Varane als auch Danijel Subasic überzeugten mit tollen Leistungen und hatten großen Anteil an den Erfolgen ihrer Mannschaft.

 

Unsere beiden Final-Spieler:

  1. Frankreichs Innenverteidiger Raphael Varane
  2. Kroatiens Torhüter Danijel Subasic

 

Raphael Varane

Im Alter von nur zarten 17 Jahren avancierte ein junger Eigenbauspieler namens Raphael Varane zum Stammspieler bei RC Lens. Das Defensivtalent wurde abwechselnd zwischen Innenverteidigung und defensiven Mittelfeld eingesetzt und beeindruckte nach nur wenigen Spielen die Fans.

Wenig später zeigte selbstverständlich das gerade erst finanziell erstärkte Paris Saint-Germain Interesse am französischen Jugendlichen. Varane wechselte jedoch nicht nach Paris, denn einer der größten Klubs der Welt hatte den Verteidiger ebenfalls auf dem Zettel: Real Madrid.

Insbesondere Zinedine Zidane, der damals als Berater für Jose Mourinho fungierte, hatte großen Anteil an diesem Wechsel und leistete Überzeugungsarbeit.

Rund zwei Monate nach seinem 18. Geburtstag sicherten sich die Königlichen für zehn Millionen Euro den aufgehenden Stern des RC Lens-Eigenbauspielers. Neben Nacho und David Mateos – der damals als eines der größten Talente Reals galt – reihte sich nun ein weiteres Defensivtalent für die Zukunft ein.

Im Gegensatz zu den beiden Spaniern bekam der Franzose jedoch umgehend das Vertrauen von Jose Mourinho geschenkt und debütierte wenig später für die Madrilenen. Beim 6:2-Sieg gegen Rayo Vallecano gelang ihm sogar ein Tor, womit er mit nur 18 Jahren und 153 Tagen der jüngste ausländische Torschütze der Vereinsgeschichte wurde.

 

Varane nach dem Erhalt der Champions League-Medaille. (Foto: Антон Зайцев/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Binnen zwölf Monaten stieg Raphael Varane damit aus der Jugend des RC Lens in die Startelf von Real Madrid auf. Ein steiler und rasanter Aufstieg – vielen würde dies über den Kopf wachsen. So jedoch nicht der bodenständige Franzose.

Er arbeitete an sich weiter und sollte später Pepe in der Innenverteidigung beerben, auf seinem Weg dorthin jedoch von mehreren Verletzungen zurückgeworfen werden.

Aufgrund dieser feierte er erst im Alter von 20 Jahren sein Debüt für die „Equipe Tricolore“ – ein Jahr nachdem er erstmals im Kader der Nationalmannschaft stand. Nach dem Finale hält er nun, nur wenige Monate nach seinem 25. Geburtstag, bei bereits 49 Einsätzen.

Sollte Varane wie in der abgelaufenen Saison nahezu immer fit sein, könnte er sich in einigen Jahren in die oberen Plätze der Rekordnationalspieler reihen, wo mit Lilian Thuram (142) und Marcel Desailly (116) gleich zwei Verteidiger in den Top 3 zu finden sind.

Auf Frankreichs Weg zur Weltmeisterschaft war Varane die tragende Säule. Von allen Verteidigern hatte er die zweitmeisten klärenden Aktionen, spielte nur zwei Fouls und hielt gemeinsam mit Barcelonas Umtiti die Abwehrkette zusammen. Schon ein wenig unfair für den Gegner.

 

Raphael Varane im Trikot der „Tricolore“. (Foto: Xavier Naltchayan/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Nicht erst seit dieser Saison zählt der Franzose zu den besten Innenverteidigern der Welt. Seit drei Jahren bewegt er sich konstant auf Weltklasseniveau – mit gerade einmal 25 Jahren.

Wie schon das gesamte Turnier über nahm der Real-Star den Part des rechten Innenverteidigers ein. Bereits nach wenigen Minuten klärte er einen Ballverlust Pogbas, indem er das Tempo von Perisic aufnahm und die Dynamik der Situation brach. Eine Spezialität Varanes.

Er versteht es sehr gut, auf ihn zu dribbelnde Gegner zu neutralisieren. Er geht mustergültig entgegen, nimmt Tempo auf und kann im Zweifel dank seiner Schnelligkeit und Geschmeidigkeit gefährliche Szenen souverän klären.

In Ballbesitz nimmt er, auch aufgrund der eher drögen Ballzirkulation der Franzosen, eine wichtige Rolle ein. Bereits zur Halbzeit verbuchte er die meisten Pässe aller Franzosen (18) mit einer Erfolgsquote von 83%. Den Ball bestimmten jedoch vorrangig die Kroaten mit 66,5% in Hälfte eins.


In der zweiten Hälfte stand Varane dann noch mehr im Blickpunkt. In der 48. Minute klärte er artistisch den langen Ball Brozovics. Nur, um anschließend einen billigen Ballverlust gegen Mandzukic zu verursachen – der wohlmöglich erste und einzige Fehler des Innenverteidigers bei der WM.

Letztlich musste er im gesamten Finale über nicht seine Klasse zeigen. Einfach, weil Frankreich defensiv unglaublich stabil steht und Kroatien einzig über Flügelangriffe gefährlich wurde. Die eigentliche Meisterleistung Varanes war seine Konstanz über das gesamte Turnier hinweg.

Aktuell ist der Madrilene der am besten dekorierte Fußballer der Welt. Bei den beiden größten Triumphen, die man im Club- und Vereinsfußball erreichen kann, war er absoluter Leistungsträger.

Neben den vielen Erfolgen, die er mit Real Madrid feierte, darunter vier Champions League-Titel, 3 Klub-WM-Titel, zwei spanische Meisterschaften, reiht sich nun der begehrteste Titel auf internationaler Ebene ein: der Weltmeistertitel.

 

Danijel Subasic

Seit Morientes, Giuly, Rothen & Co. bin ich Monaco-Fan und ging mit den Monegassen durch dick und dünn. Ob nach dem schmerzlichen Abstieg in die Ligue 2 oder der Zeit nach der Übernahme und man als „Erolgsfan“ galt – ich habe den Verein verfolgt und damit auch Danijel Subasic, der mir in dieser Zeit ans Herz wuchs. Dabei fing alles gar nicht so heiter an.

Nach dem Abstieg in die Ligue 2 brauchte der AS Monaco einen Ersatz für den schmerzhaften Abgang von Stammtorhüter Stephane Ruffier, der nach dem Gang in die Ligue 2 die Monegassen Richtung St. Etienne verließ. Daraufhin lieh ASM Johann Carrasso von Stade Rennes aus, aber nach einigen schlimmen Patzern war klar, dass im Winter ein neuer Tormann her müsse.

Als Monaco daraufhin Danijel Subasic, einen 27-jährigen Kroaten, der nahezu nichts vorzuweisen hatte, für eine Million Euro von Hajduk Split verpflichtete, war ich enttäuscht, schon fast genervt von der schlechten Transferpolitik. Aber ich sollte falsch liegen.

Zwar stieg meine Stimmung nicht unbedingt, als ich sah, dass der Keeper aus Kroatien auch noch Freistöße schoss, aber wenig später stellte er sich als solider Rückhalt heraus.

Ein Jahr später gelang dem AS Monaco endlich die Rückkehr in die Ligue 1 – eine Erlösung nach Jahren mit Spielern wie Andreas Wolf, Gary Kagelmacher & Co. Mit den Millionen des neuen Besitzers Dimitry Rybolovlev folgten einige namhafte Neuzugänge. Auch im Tor.

So wurde Sergio Romero von Sampdoria ausgeliehen und sollte die neue Stammkraft im Stade Louis II werden – doch falsch gedacht. Danijel Subasic lief dem Argentinier den Rang ab und verdrängte ihn umgehend aus dem Tor.

Danijel Subasic bei der Hymne vor dem Spiel gegen Russland. (Foto: Анна Нэсси/Wikimedia cc-by-sa3.0)

Der Kroate schien mit jeder Aufgabe zu wachsen, sich abermals zu beweisen und sich so in das Herz der Monegassen zu spielen. Leider würdigen bis heute nur wenige seine herausragenden Leistungen, daher möchte ich dies nun tun, denn der mittlerweile 33-Jährige ist wohl einer der meistunterschätztesten Torhüter in der Welt des runden Leders und ist auch menschlich mehr als nur ein paar wenige Zeilen wert.

Danijel wurde in einer kroatischen Stadt am Meer namens Zadar geboren. Rückblickend eine Stadt, die viele große kroatische Sportler hervorbrachte, so beispielsweise Luka Modric, der im jungen Alter mit seinen Eltern in die 75.000 Einwohner-Stadt zog. Aber auch Dado Prso, der ebenfalls beim AS Monaco kickte oder Sime Vrsaljko, der aktuell bei Atletico Madrid sein Geld verdient.

Im Gegensatz zu letzterem hat Danijel Subasic jedoch serbische Vorfahren. Sein Vater ist Serbe, seine Mutter stammt aus einer serbisch-kroatischen Familie, weshalb er noch vor dem Ausbruch des Jugoslawien-Krieges mit seiner Verwandtschaft aus Zadar vertrieben wurde.

Erst mit dem Ende Krieges konnte die Familie wieder zurückziehen – seine Wurzeln sollten jedoch auch später für viele ein Problem darstellen und das, trotz seiner Konversion zum tolerierteren Katholizismus.

Nach der Rückkehr nach Zadar war der junge Kroate auf dem besten Wege Profi zu werden – doch nicht im Fußball, sondern im Basketball. Subasic galt als eines der größten Talente des Landes und entschied sich kurioserweise erst durch eine verlorene Wette, sich doch lieber auf den Fußball zu konzentrieren.


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Nach erfolgreichen Jahren in der Jugend des NK Zadar wurde er Stammtorhüter seines Heimatvereins. Während diese Zeit sportlich eine recht erfolgreiche war, sollte sie persönlich eine seiner schwersten werden.

2007 verlobte er sich mit seiner Freundin. Über die Nachricht, dass ein Serbo-Kroate seine Tochter heiraten will, war der Vater der Braut jedoch nicht erfreut. Er schlug sie krankenhausreif. Trotz dessen zogen Danijel und Antonije vor den Altar, trauten sich und sind noch heute verheiratet.

Nur wenige Monate später folgte bereits der nächste Schicksalsschlag. Im Spiel gegen HNK Cibalia verlor der Torhüter einen engen Freund und Teamkollegen. Ein Ausschuss von Danijel Subasic flog Richtung Tribüne, den Zweikampf um den Ball verlor der erst 24-jährige Hrvoje Custic, der daraufhin das Gleichgewicht verlor, mit dem Kopf gegen eine Betonmauer prallte und seinen Kopfverletzungen erlag.

Noch heute erinnert der Torhüter seinem Freund, trägt Shirts mit einem Bild seines Freundes oder zeigte sich mit Torwarthandschuhen mit dessen ehemaliger Trikotnummer aufgedruckt. Selbst Jahre später hinterfragt der Kroatien immer wieder diesen Ausschlag, warum er den nur dort hin schoss.

Trotz dieser Rückschlage ging es sportlich bergauf für den Kroaten. Nach guten Leistungen folgte ein Wechsel zu Hajduk Split, mit denen er sogar in der Europa League spielen sollte. Nach vier mit soliden, aber keineswegs überragenden Leistungen, zog es den in Zadar geborenen Torhüter zum AS Monaco.

Danijel Subasic in einem Shirt mit einem Aufdruck seines verstorbenen Freundes Hrvoje Ćustić. (Foto: Stéphane Senaux/AS Monaco cc-by-sa3.0)

Dort wusste er mit seiner fantastischen Beinarbeit und seinen schnellen Reflexen – insbesondere bei flachen Schüssen – jegliche Torhüter, die er vor die Nase gesetzt bekam, zu verdrängen und sich stets als Nummer 1 des monegassischen Tores zu beweisen. Völlig zurecht wurde der Kroate nach der Saison 2016/17 sogar zum Torhüter des Jahres gewählt.

Da ist es schon fast schwer zu glauben, dass Subasic im Alter von 25 Jahren sein Debüt für die Nationalmannschaft gab und der große Durchbruch erst nach der WM 2014 gelang.

Der Kroate erwies sich auch bei den „Kockasti“ als sicherer Rückhalt. Mit ihnen fuhr er zur EM 2016 nach Frankreich und konnte in der Gruppenphase gegen Spanien sogar einen Sieg gegen den amtierenden Europameister einfahren.

Gegen „La Rioja“ wurde der Keeper zum Mann des Abends nachdem er einen Elfmeter von Sergio Ramos pariert hatte und Kroatien damit den Aufstieg ins Achtelfinale sicherte.

In diesem traf Kroatien auf den späteren Europameister Portugal, gegen den sie in der Verlängerung verloren. In der 117. Minute gelang Quaresma der glückliche Siegtreffer. Erst ein von Subasic parierter Ronaldo-Schuss landete glücklich vor dem Flügelstürmer, der zum 1:0-Sieg einschoben konnte.

Nach kaum gewürdigten Leistungen ist diese WM nun endlich das Turnier des Danijel Subasic. Bereits in der Gruppenphase machte der Monaco-Keeper eine gute Figur, aber nach herausragenden Leistungen in der K.o.-Phase ist der Kroate nun sogar ein heißer Kandidat auf den Gewinn des „Goldenen Handschuhs“.


Viele dachten, dass Harry Kane das leere Tor nicht traf, dabei war es die wohl beste Parade des gesamten Turniers, die den Treffer vereitelte.

 
Im Achtelfinale gegen Dänemark parierte der 33-Jährige gleich drei Elfmeter und brachte die Mannschaft von Zlatko Dalic damit beinahe im Alleingang ins Viertelfinale. Nach dem Sieg zog Subasic sein Trikot aus, zeigte sein Shirt mit einem Aufdruck eines Bildes von Hrvoje Custic und widmete ihm den Sieg.

Da die FIFA jegliche Botschaften auf T-Shirt verbietet, wurde der Torhüter in einem Schreiben des FIFA-Präsidenten abgemahnt. Auch im darauffolgenden Viertelfinale, in dem Subasic abermals einen Elfer im Elfmeterschießen zu parieren wusste, wollte er das Shirt seines Freundes in den Sotschier Abendhimmel strecken.

Erst eine Betreuerin der Nationalmannschaft hinderte den Stammtorhüter der „Kockasti“ daran und schützt ihn damit für einer möglichen Strafe oder gar Sperre. Gott sei Dank, denn ohne den Kroaten hätten die Engländer wohl deutlich bessere Chancen gehabt. Zehn jahre nach Hrvoje Custic‘ Tod steht Kroatien nun im Endspiel – erstmals überhaupt. Es ist der größte Erfolg des Landes.

Gegen die Franzosen hatte Subasic – unabhängig der strittige Entscheidungen – jedoch wenig Möglichkeiten sich zu brillieren und die Torschüsse des Gegner zu parieren. So erwischte er den abgefälschten Kopfball von Mandzukic nur knapp nicht und machte beim vierten Tor Frankreichs keine gute Figur. Der AS Monaco-Keeper dürfte keine freie Sicht gehabt und den Ball damit nicht gut gesehen haben.

Damit endete das Finale mit 4:2 für Frankreich, womit sie sich zum zweiten Mal nach 1998 den Weltmeistertitel sicherten. Kroatien hingegen kann stolz auf ihre Mannschaft sein, die durchgehend tolle Leistungen abrief. Während Subasic leider nicht den „Goldenen Handschuh“ erhielt – der Preis ging an Courtois – wurde Luka Modric der „Goldene Ball“, der Preis des Spieler des Turniers, überreicht.


 
Die Highlights zum WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien gibt es bei DAZN.

DAZN WM 2018


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