Wolverhampton Wanderers – Out of darkness cometh light

Wolves

Als ich mir dafür entschied, die Wolverhampton Wanderers für ein Jahr zu verfolgen, waren sie eigentlich nur einer von vielen Klubs in England, ohne großes Aufsehen zu erregen. Dennoch hat es der Klub geschafft meine Aufmerksamkeit zu erhalten, das unverkennbare Wappen und die eher ungewöhnliche Trikotfarbenkombination spielten sicher auch eine Rolle. Es sollte eigentlich eine solide Saison im Tabellenmittelfeld bevorstehen, der Aufstieg eher Wunschdenken als realistisches Ziel, vor allem nach der schwachen Vorsaison. Doch nun ist alles anders.

Champions of the World

Aber erst mal der Reihe nach. Gegründet im Jahr 1877 war der Klub elf Jahre später eines der zwölf Gründungsmitglieder der Football League. Ihre erfolgreichste Phase hatten die Wolves in den 1950ern unter Stan Cullis, als sie drei Meisterschafts- und zwei FA-Cup Siege feiern konnten. Die Wanderers begannen damals schon Freundschaftsspiele gegen Klubs aus anderen Ländern auszutragen, so etwa 1954 gegen den ungarischen Verein Honved, voll mit Spielern der hiesigen Nationalmannschaft, die zuvor England zweimal vernichtend geschlagen hatten. Die Wolves siegten mit 3-2 und wurden danach von den englischen Medien als ‚Champions of the World‘ betitelt. Dieses Spiel ebnete auch den Weg der Erschaffung des europäischen Cupwettbewerbs (der heutigen Champions League) ein Jahr später.

Doch mit der Entlassung Cullis‘ 1964 ging es langsam aber sicher bergab. Man konnte zwar noch zwei League Cups gewinnen und war im Uefa-Cup Finale 1972, doch in der Liga hatte man nichts mehr mit dem Titel zu tun. In den 1980ern rasselte man gar nach drei Abstiegen in Folge in die 4. Liga durch, Grund dafür waren wie so oft finanzielle Probleme und wechselnde Eigentümer. Erst am Ende dieses Jahrzehnts konnten sich die Wolves wieder erfangen und schafften mit Hilfe des Klubrekordtorschützen Steve Bull, der als erster Drittligaspieler überhaupt ins englische Nationalteam berufen wurde, zwei Aufstiege infolge. Mit dem Gewinn der Football League Trophy 1988 sind sie bis heute das einzige Team, das alle drei englischen Cupwettbewerbe gewinnen konnte. Ebenso sind die Wolverhampton Wanderers der erste Verein Englands, der in allen vier Profiligen triumphieren konnte. Dieser Verein hat tatsächlich mehr erreicht, als man zunächst denkt.

1990 wurde schließlich Sir Jack Hayward neuer Eigentümer der Wolves, der bereits in den 80ern den Klub mit einer Finanzspritze vor dem Untergang bewahrt hatte. Er zeichnet sich hauptverantwortlich für die Renovierung und Erweiterung des Molineux Stadions. Unter seiner Ära war man Stammgast in der 2.Liga, ehe man 2003 zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder in die höchste Spielklasse aufstieg – wenn auch nur für ein Jahr.

2007 übernahm dann Steve Morgan, ein großer Wolves-Fan, den Verein um einen symbolischen Kaufpreis von 10 Pfund, im Austausch gegen Investitionen in Höhe von über 30 Millionen Pfund. Trainer Mick McCarthy schaffte dann 2009 den erneuten Aufstieg in die Premier League und konnte den Klub dort drei Jahre lang halten. Die Wolves hatten eine junge, hungrige Truppe und konnten Erfolge über Manchester United, Liverpool und Chelsea feiern. Doch schlussendlich hatte man zu wenig daran gearbeitet, die Mannschaft zu verbessern. Im Februar 2012 entließ man McCarthy ohne einen Nachfolger parat zu haben, Interimstrainer Terry Connor konnte kein einziges Spiel gewinnen, man stieg folgerichtig ab. Auch die Berufung von Stale Solbakken als neuer Trainer war ein Desaster, bereits im Jänner 2013 musste er wieder gehen, die Wolves kriegten die Kurve nicht mehr und stiegen erneut ab. Der Klub war wieder weit weg von dem, wo er hin wollte. Die Kritik an Steve Morgan mehrte sich.

Angekommen in der League One verpflichtete man den Waliser Kenny Jackett, der zuvor knapp sechs Jahre den FC Millwall betreute, als Trainer, eine goldrichtige Entscheidung wie sich herausstellen sollte. Man konnte viele Spieler halten, verstärkte sich gut und konnte die Liga mit großem Vorsprung gewinnen. Die Achterbahnfahrt der Wolves ging wieder steil bergauf – in der Championship-Saison 14/15 schrammte man nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz an den Play-Offs vorbei, doch die Wolves waren wieder eine gute Mannschaft, der Aufstieg absolut in Reichweite.

Doch erneut war der Aufschwung viel zu schnell zu Ende. Topscorer Sako verließ den Klub ablösefrei Richtung Crystal Palace, Stürmer Dicko riss sich das Kreuzband und fehlte die gesamte Saison und Benik Afobe strebte von Saisonbeginn weg einen Wechsel in die Premier League an, zeigte einige lustlose Partien in der Hinrunde, ehe er dann im Januar 2016 bei Bournemouth unterkam. Somit hatten die Wolves ihre drei besten Torschützen innerhalb eines halben Jahres verloren und keine Chance diese zu ersetzen, sind sie doch allesamt Kaliber, die die Wolves zu dem Zeitpunkt einfach nicht anlocken konnten. Außerdem war man wohl ohnehin nicht bereit, richtig viel Geld in die Hand zu nehmen, um die Abgänge aufzufangen. Zudem war die junge Abwehr nicht immer standfest, weshalb Jackett auf ein sehr passives 4-1-4-1 setzte, man konnte sich zwar stabilisieren und einige gute Resultate heraus holen, doch offensiv war das meist sehr mager. Dementsprechend war in dieser Saison nicht mehr als ein 14.Platz möglich.

Dennoch, Jackett hat gezeigt, dass er diese Mannschaft nach vorne bringen kann und mit den richtigen Spielern auch erfolgreich sein kann. Es fehlte jedoch an eben jenen.

Neue Eigentümer, alte Probleme?

Bereits im September 2015 kündigte Steve Morgan an den Klub verkaufen zu wollen, nur 48 Stunden nach einer sehr hitzigen Debatte beim Fans Parliament, einer Veranstaltung, bei der ausgewählte Fans, sowie die Klubführung sich alle zwei Monate austauschen können. An sich eine gute Sache, in diesem Fall war es Morgan doch wohl endgültig zu viel und er hatte kein Lust bzw. Kraft mehr, den Klub zu führen. Ein englischer Businessman und sehr passionierter Wolves-Fan, es hätte eigentlich alles gepasst, dennoch war es nie das ‚match made in heaven‘, wie es anfangs den Anschein hatte. Vielleicht wollte er den Erfolg zu sehr erzwingen, ein Verkauf daher irgendwo auch eine gute Entscheidung.

Wie ein Damoklesschwert hing der Verkauf die ganze Saison über dem Verein, selbst als die Vorbereitung für die neue Saison startete, gab es immer noch keine Neuigkeiten. Die Wanderers waren bis dato völlig untätig am Transfermarkt, ein klares Zeichen, dass die Übernahme bevorstand, doch es dauerte. Derweil tauchten bereits Gerüchte um die Ablöse von Jackett auf, während dieser die Mannschaft noch auf die Saison vorbereiten musste, wohl wissend, dass bald alles anders sein würde. Am 25. Juli 2016 war es dann endlich soweit, die chinesische Fosun Group übernahm den Klub, mit Jeff Shi als künftigen Verantwortlichen der Wolves. Der zögerte nicht um Jackett erst mal den Rücken zu stärken und erforderliche Mittel bereitstellen zu wollen. Er wirkte besonnen, sprach nicht gleich von absurden Zielen wie der Champions League, sondern davon, smart in den Klub zu investieren. Alles gut also?

Natürlich nicht. Nur vier Tage später wurde Jackett in einem Freitagnacht-Statement in ein paar kurzen Sätzen abserviert. Der Mann, der die letzten Wochen professionell weiter gemacht hat, obwohl er wusste, was auf ihn zukam. Der Mann, der die Wolves wieder in der Chamionship etabliert hat, trotz schwieriger Bedingungen, einfach abgesägt. Aber das ist wohl der Fußball im Jahr 2016. Bereits Stunden später präsentierte man den ehemaligen italienischen Teamtorwart Walter Zenga als seinen Nachfolger. Zenga, der auf eine eher durchwachsene Bilanz als Trainer zurückblicken kann und seine letzten Jahre im Nahen Osten verbrachte, soll jetzt eine Mannschaft eine Woche vor Saisonbeginn umgestalten, neue Spieler einfügen, allesamt in einer ihm völlig unbekannten Liga. Zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, dem viel Positives abzugewinnen.

Out of darkness cometh light

Bleibt zu hoffen, dass die Fosun Group auch wirklich etwas von Investment im Fußball versteht, es auch tatsächlich will und den Klub nicht verhungern lässt, wie schon viele andere Investoren, die viel versprochen, wenig gehalten und nur ihren Kontakten eine Bühne gaben, wie es leider bei Zenga den Anschein hat.

Die Wolverhampton Wanderers sind kein Topklub, aber ein unheimlich geschichtsträchtiger Verein mit einer treuen Fangemeinschaft, der für mich auch auf alle Fälle ins englische Oberhaus gehört. Vor allem den leidgeplagten Wolves-Fans wäre es zu wünschen, wenn ihnen ihre Mannschaft endlich wieder historische Momente bescheren könnte. Wie dem auch sei, allen Fans und Sympathisanten der Wolverhampton Wanderers steht eine sehr interessante Zeit bevor, die ich versuchen werde so gut als möglich zu berichten. ‚Out of darkness cometh light‘ – das Klubmotto, derzeit wohl hoffnungsvoller und bedeutender als selten zuvor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *