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Drogen, Morde, Titel, Erfolge – Kolumbiens Narco-Fútbol

Die größten Momente des Fußballs bleiben oftmals aufgrund ihres direkten Einflusses auf ein wichtiges Spiel in Erinnerung. Das Wembley-Tor, Götzes Treffer im WM-Finale 2014, Zidanes Kopfstoß gegen Materazzi.

Es gibt allerdings auch Szenen, die aufgrund ihres Nachspiels berühmt wurden. So zum Beispiel das Eigentor Andrés Escobars bei der WM 1994 im Gruppenspiel gegen die USA. Neun Tage nachdem er eine Flanke von John Harkes unglücklich ins eigene Tor abgefälscht hatte, wurde er ermordet.

Um verstehen zu können, wie es dazu kam, muss man einige Jahre zurückgehen. Nur dann lässt sich erkennen, warum der kolumbianische Fußball zu Beginn der 1990er-Jahre aufblühte und wer verantwortlich für diesen Erfolg war.

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Dies ist nicht nur die Geschichte Kolumbiens Narco-Fútbols, sondern vor allem die Geschichte der dunkelsten Tage Kolumbiens.

Nicht zuletzt ist es aber auch die Geschichte der Spieler und Trainer: Der extrovertierte Torwart René Higuita, der ikonische Carlos Valderrama, der tragisch in Erinnerung gebliebene Andrés Escobar, aber auch die weniger bekannten Schlüsselfiguren wie der vom Zahnarzt zum Nationaltrainer umgeschulte Francisco Maturana, der unorthodoxe Albeiro  „Palomo“ Usuriaga oder der geniale Luis „Bendito“ Fajardo.

 

Nacionals Copa Libertadores

Es ist der 31. Mai 1989. Club Olimpia aus Asunción führt im Elfmeterschießen um die Copa Libertadores mit  4:3. Der zehnte Schütze tritt an den Punkt. Es ist Atlético Nacionals Torwart René Higuita. Der 22-Jährige haut den Ball mit voller Kraft in die Mitte des Tores. Olimpias Torwart Ever Almeida springt in die linke Ecke. Es steht 4:4 und das Elfmeterschießen geht weiter.

Sieben Schützen später hat sich am Ergebnis nichts verändert. Higuita parierte drei Elfmeter in Folge, aber jedes Mal versagen dem anschließenden Nacional-Schützen die Nerven. Nach einem Schuss in den Nachthimmel Medellíns liegt Leonel Álvarez als viertem Spieler Nacionals der Gewinn des wichtigsten Titel Südamerikas auf dem Fuß.

Leonel Álvarez wird eine der Konstanten Nacionals und der kolumbianischen Nationalmannschaft werden. Als einer von nur vier Spielern bestritt er mehr als 100 Länderspiele für die Cafeteros.


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Zu diesem Zeitpunkt war der Mittelfeld-Stratege allerdings noch ein unerfahrener 22-Jähriger, auch wenn ihm diese fehlende Erfahrung in seinem überlegten Spiel nicht anzumerken war.

In seinem Elfmeter zeigt sich seine Unerfahrenheit ebenso wenig. Álvarez läuft an, stoppt einmal kurz ab und sieht, wie Almeida nach rechts springt. Ohne Probleme kann er den Ball nun in die linke Ecke schieben.

Während der Fußball ins Tor trudelt, dreht Álvarez bereits nach rechts ab, sprintet in Richtung Eckfahne und rutscht auf seine Knie.

Sekunden später ist er von seinen Mannschaftskollegen begraben. Kolumbien feiert den größten Erfolg seiner Fußballgeschichte. Noch in der TV-Übertragung sind die Glückwünsche des Präsidenten zu hören.

 

Narco-Fútbol in Kolumbien

Der einzige internationale Titelgewinn einer kolumbianischen Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt ereignete sich bei den Zentralamerika- und Karibikspielen 1946, als man im Finale Panama schlug.

Im Vergleich zu Nationen wie Argentinien, Brasilien und Uruguay hatte der Fußball in Kolumbien große Anlaufschwierigkeiten.

In den Anfangsjahren bereitete die Geografie des Landes Probleme. Kolumbien ist drei Mal so groß wie Deutschland, hat eine Karibik- und Pazifikküste, liegt am höchsten Punkt, dem Pico Cristóbal Colón, 5775 Meter über dem Meeresspiegel und wird im Süden des Landes von einem größtenteils noch unerschlossenen Regenwald bewachsen.


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Die Distanzen zwischen den Großstädten waren schlicht zu groß, um eine Profi-Liga zu etablieren.

Das änderte sich erst in den 1950er-Jahren als Kolumbien zum El Dorado des südamerikanischen Fußballs wurde. Während die FIFA den Professionalismus noch nicht legalisierte, löste sich die kolumbianische Fußballliga von der FIFA und bot den besten Spielern Südamerikas immens hohe Gehälter. Viele Stars, wie zum Beispiel der junge Alfredo di Stéfano, verbrachten daraufhin Zeit in Kolumbien.

Die FIFA brachte die illegale Liga nach wenigen Jahren dann allerdings zum Stillstand. Stars verließen das Land, Investoren ihre Vereine und der kolumbianische Fußball verfiel wieder in Bedeutungslosigkeit.

Ohne langfristige Konzepte konnte aus den finanziellen Möglichkeiten kein Erfolg geschöpft werden. Kolumbien tauchte erst dann wieder auf der großen Bühne des Fußballs auf, als das Land Schlagzeilen aufgrund von Entführungen, Morden und Drogen machte.


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Die Gründe für die zunehmenden Erfolge des kolumbianischen Fußballs und den Anstieg der Gewalt liegen dicht beieinander. Der Copa-Libertadores-Sieger Atlético Nacional sowie Independiente Medellín gehörten dem womöglich bekanntesten Kriminellen aller Zeiten: Pablo Escobar.

Einer von Esobars Partnern, Gonzalo Rodríguez Gacha zog die Fäden bei den Millonarios, während der Anführer des verfeindeten Cali-Kartells Miguel Rodríguez Orejuela América de Cali leitete.

Die Fußballvereine eigneten sich wunderbar, um illegale Einnahmen zu vertuschen. Besonders Escobar war aber auch einfach fußballverrückt.

Zu Beginn seiner Karriere als Drogenbaron, als er sich noch öffentlich zeigen konnte, baute er nicht nur ganze Häusersiedlungen, sondern viele Fußballplätze in den Armenvierteln seiner Heimatstadt Medellín, in denen er auch Turniere ausrichtete. Viele Profifußballer Kolumbiens lernten das Spiel auf von Escobar gebauten Plätzen kennen.


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Im Kolumbien gab es um das Jahr 1990 kaum einen Fußballer, der nicht irgendeine Verbindung zu den Narcos hatte. Viele spielten in den Vereinen der Drogenbosse, anderen waren dem Kokain verfallen, wieder andere arbeiteten sogar mit den Kartellen zusammen.

Nacionals Mittelfeldspieler und U20-Nationalspieler Felipe Perez, der im Elfmeterschießen gegen Olimpia die Latte traf, wurde 1993 in der Wohnung eines hochrangigen Sicarios des Medellín-Kartells verhaftet, in der er neben über 150 Patronen für verschiedene Waffen auch Materialien zur Sprengstoff-Herstellung aufbewahrte.

Die folgenden drei Jahre verbrachte er nicht mehr auf dem Trainingsplatz, sondern auf einem Gefängnishof Medellíns. Kurz nach seiner Entlassung im Jahr 1996 wurde er im Alter von 29 Jahren auf offener Straße erschossen.

 

Francisco Maturana und die Política Criolla

Francisco Maturana baute in diesem Klima nicht nur die Erfolgsmannschaft Nacionals, sondern auch die Nationalmannschaft auf. Nach seiner Spielerkarriere wollte sich Maturana eigentlich der Arbeit als Zahnarzt widmen.

Nebenbei betreute er aber schon Nachwuchsmannschaften Nacionals und konnte 1986 ein Angebot von Once Caldas nicht ablehnen und wurde so zum 36-jährigen Cheftrainer. Nach einem erfolgreichen Jahr kehrte er nicht nur als Trainer der ersten Mannschaft zu Nacional zurück, sondern übernahm parallel auch die Nationalelf.

Bei Nacional etablierte er die Política Criolla. Diese besagte, dass nur Kolumbianer im Kader standen, die meisten Spieler kamen sogar direkt aus der Region Antioquia.

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Maturana ging es darum, eine Identität zu kreieren, die sich auch auf dem Feld zeigen sollte. Sowohl Nacional als auch die Nationalmannschaft ähnelten sich anschließend stilistisch und in den eingesetzten Spielern sehr.

Herzstück war das Mittelfeldzentrum. Man agierte zumeist mit drei oder vier zentralen Mittelfeldspielern, die den Ball schnell zirkulierten.

Anschließend wurden die schnellen Stürmer gesucht, die auch gerne auf die Flügel auswichen. Maturana ließ zudem als einer der ersten Trainer Südamerikas ein hohes Pressing und eine Raumdeckung spielen.


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Diese taktische Versiertheit bereitete auch der großen AC Milan Arrigo Sacchis im Weltpokal 1989 Probleme. In einem engen Spiel, das einige Tore verdient gehabt hätte, entschied erst ein direkter Freistoß Alberico Evanis in der 118. Minute das Spiel zugunsten der Italiener.

 

El Bendito und El Palomo

Der Umgang mit seinen Spielern zeichnete Maturana ebenfalls aus. Luis „Bendito“ Fajardo war einer der Spieler, die am meisten von Maturana profitierten. Seinen Spitznamen erhielt der „Gesegnete“ dadurch, dass er während seiner Kindheit bei Spielen auf den Straßen Medellíns stets um Punkt sechs Uhr pünktlich zum Abendgebet zu Hause sein musste.

Seine Profi-Karriere begann er bei Once Caldas. Aufgrund seines Studiums zog er jedoch zurück nach Medellín. Dass er nochmal professionell Fußball spielen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht. Zunächst spielte er nur in kleinen Klubs.

Maturana erkannte sein Talent jedoch früh, ließ ihn, wann immer es sein Studium zuließ, mit der ersten Mannschaft trainieren. In den folgenden Jahren wurde der kreative Zehner einer der Schlüsselspieler Nacionals. Im Jahr des Copa-Libertadores-Erfolgs graduierte Fajardo dann auch von der Universität.


 

Das Vertrauen Maturanas zahlte er sowohl im Trikot Nacionals als auch bei der Nationalmannschaft zurück. 1991 schoss er Nacional zur ersten Meisterschaft in der Zeit des Narco-Fútbol, als er ausgerechnet gegen den Erzrivalen América de Cali Torwart Eduardo Niño mit einem brillanten Lupfer aus 18 Metern überwand.

Einen noch entscheidenderen Einfluss auf die Fußballgeschichte Kolumbiens nahm er bereits zwei Jahre zuvor. Kolumbien empfing Israel im Play-Off-Spiel zur WM 1990.

In Hin- und Rückspiel fiel nur ein einziges Tor. Die Rotationen im Mittelfeld Kolumbiens zwischen Fajardo, Leonel Álvarez, Carlos Valderrama und Bernardo Redín waren gewohnt sehenswert, aber gegen ein tiefstehendes Israel fehlten größere Chancen.

Zur Halbzeit wurde Albeiro „Palomo“ Usuriaga“ eingewechselt. In der 73. Minute spielte Usuriaga Fajardo am gegnerischen Sechzehnmeterraum an. „El Bendito“ drehte sich schnell auf, lieferte einen grandiosen Schnittstellenpass auf den durchstartenden Usuriaga, der nur noch einschieben musste.

Erstmals seit 1962 und überhaupt erst zum zweiten Mal qualifizierte sich Kolumbien für eine Weltmeisterschaft.


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Usuriaga durfte zwar nicht nach Italien mitreisen. Trotzdem ist er einer der faszinierendsten Charaktere des kolumbianischen Fußballs. Seine Karriere startete bei Cúcuta, wo er auch seinen Spitznamen „die Taube“ erhielt, da er stets im weißen Anzug zu sehen war.

Mit seinen 1,92m und dem weißen Anzug war er noch aus hundert Metern Entfernung zu erkennen. In seiner Jugend spielte er zunächst Basketball, bevor er sich am Fußball probierte.

Er spielte als Rechtaußen, hatte trotz seiner Größe eine beeindruckende Beschleunigung und Beweglichkeit, ragte technisch heraus und gewann aufgrund seiner unorthodoxen Spielweise die Herzen des Fans.

Seine vier Tore im Halbfinale brachten Nacional erst ins Endspiel der Copa Libertadores 1989. Im Finale erzielte er den wichtigen Ausgleichstreffer, der die Kolumbianer ins Elfmeterschießen brachte.

Um seine Nicht-Nominierung zur WM 1990 ranken sich verschiedene Mythen. Eine besagt, er sei nicht nominiert worden, da er eine Goldkette René Higuitas stahl. Eine andere, dass er anders als alle Mannschaftskollegen nicht im Team-Anzug am Flughafen erschien und fortan nicht mehr von Maturana berufen wurde.


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Zur Legende wurde er anschließend doch noch, allerding bei Independiente in Argentinien. Einige Jahre nach dem Karriereende Ricardo Bochinis, dem großen Idol eines gewissen Diego Maradonas, füllte er dessen Lücke und gewann in Argentinien Titel sowie die Herzen der Fans durch seine atemberaubenden Dribbling-Künste.

In der Spätphase seiner Karriere waren es dann jedoch Sperren aufgrund Kokain-Gebrauchs oder Trunkenheitsfahrten, die für mehr Aufsehen sorgten als seine immer noch überragenden Fähigkeiten.

Kurz nach seinem Karriereende geriet er erneut in Probleme. Er ging wohl mit der Frau eines ansässigen Drogenbosses aus. Am 11. Februar 2004 fiel er einem Attentat vor einer Bar in Cali zum Opfer. Der 14-jährige Schütze tötete „El Palomo“ mit dreizehn Schüssen.

 

Fußball in Kolumbien: El Pibe

Während Usuriaga von zu Hause aus zusehen musste, wurden andere Kolumbianer zu den Stars der WM 1990. Auf der größten Bühne der Welt sorgten vor allem René Higuita und Carlos Valderrama für Aufsehen. Keine anderen Spieler stehen so sehr für das Kolumbien Maturanas wie diese beiden Akteure.

Valderrama fiel zunächst durch seine Frisur auf, blieb dann allerdings aufgrund seiner spielerischen Extraklasse in Erinnerung. In Kolumbien wurde er „el Pibe“ gerufen. Wörtlich übersetzt „das Kind“ oder „der Bengel“.

Was auf den ersten Blick nicht sonderlich schmeichelhaft klingen mag, ist tatsächlich das größte Kompliment, das ein südamerikanischer Spieler erhalten kann.


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Wenn Valderrama den Fußballplatz betrat, konnte man einen Fußballer bestaunen, der das Spiel leicht aussehen ließ. Seine Handlungen wirkten instinktiv, spielerisch einfach. Der Ball klebte an seinen Füßen, bis er beschloss ihn abzugeben, zumeist durch einen kurzen Pass auf einen besser positionierten Mitspieler.

Im Spiel Valderramas war stets eine Unbekümmertheit, fast schon eine Unschuld zu erkennen. Gröbere Aktionen wie ein Foul, einen harten Fernschuss oder gar einen Sprint konnte man von „el Pibe“ kaum sehen. Stattdessen ließ er seine Gegenspieler mit kleinsten Finten und Körpertäuschungen sowie Richtungswechseln ins Leere laufen.

Er beschränkte sich darauf, die Ballzirkulation in der Mittelfeldraute Kolumbiens zu lenken. Es gelang ihm so gut wie es wohl keinem anderen Spieler auf dem Planeten im Jahr 1990 möglich gewesen wäre und vor allem ließ er es auch noch aussehen, als gäbe es nichts Simpleres auf der Welt.

 

Wie René Higuita das Torwartspiel neu erfand

Während bei Valderrama die Frisur auf einen etwas verrückten Fußballer hindeutete, war sein Spiel fast schon gekennzeichnet von Understatement. Ganz anders war es beim anderen Schlüsselspieler Kolumbiens: Torwart René Higuita.

Am bekanntesten ist er heute für seine Klärungstat per Scorpion Kick in einem Freundschaftsspiel gegen England 1996. Higuita wollte die Fans unterhalten und enttäuschte dabei nie. Was aber etwas in Vergessenheit geraten ist: Er war ein exzellenter, äußerst moderner Torwart.




 

Mit seinen 1,75m ist er weit entfernt vom Gardemaß eines Torwarts, machte das jedoch durch seine Beweglichkeit und die katzenartigen Reflexe auf der Linie wett. Seinen Sechzehner verteidigte er sehr hoch.

Manuel Neuer wird gerne als der Torwart gesehen, der das antizipative Herausrücken in Libero-Manier in den europäischen Spitzenfußball einführte. Higuita tat dasselbe schon 20 Jahre früher.

Nach einem Ballgewinn traute sich Higuita, der unter ärmsten Verhältnissen in Medellín aufwuchs, auch ein Dribbling zu. Den Torwart an der Mittellinie zu sehen, nachdem er mehrere Gegenspieler stehen ließ, war keine Seltenheit.

Das Risiko seiner Spielweise war sich sowohl Higuita als auch Maturana bewusst. Diese Spielweise war allerdings essenziell für das Spiel Kolumbiens.

Als eine Mannschaft, die gerne hoch presste, benötigte es einen Keeper, der hinter der letzten Linie offensiv verteidigte. Im Spiel mit dem Ball konnte er derweil für entscheidende Inspirationen sorgen. Ihn nur als Paradiesvogel darzustellen, verkennt die Pionierrolle, die er in der Entwicklung des Torwartspiels einnahm.

 

Kolumbien gegen Deutschland

Kolumbien startete mit einer Pflichtaufgabe gegen die Vereinigten Arabischen Emirate in die WM 1990, die man souverän, wenn auch noch nicht überragend, mit 2:0 erledigte. Trotz eines gehalten Elfmeters Higuitas und spielerischer Überlegenheit folgte eine knappe Niederlage gegen Jugoslawien. Kolumbien brauchte nun einen Punkt im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland. Es folgte ein Spiel, das immer noch als eines der besten in der Geschichte des Landes gilt.

Gegen den späteren Weltmeister dominierten Los Cafeteros das Geschehen. Deutschland erarbeitete sich einige Konterchancen, aber konnte im Mittelfeld nicht mit den schnellen Kombinationen von Valderrama, Fajardo und Co. mithalten. Valderrama war oft nur durch Fouls zu stoppen. Fajardo vergab nach 23 Minuten frei vor dem deutschen Tor, Stürmer Carlos Estrada ließ eine weitere Großchance kurz nach der Pause liegen.


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Kolumbien hätte sich mehr als ein 0:0 verdient, das aber zum Weiterkommen gereicht hätte. In der 88. Minute brachte der eingewechselte Pierre Littbarski jedoch Deutschland in Führung. Plötzlich brauchte die Mannschaft Maturanas noch einen Treffer.

In der Nachspielzeit wurde Freddy Rincón zum Nationalhelden. Erst ließ Valderrama drei Gegenspieler mit einer Bewegung stehen, spielte dann einen Doppelpass mit Rechtaußen Rincón, an dessen Ende „el Pibe“ Rincón hinter die letzte deutsche Kette schickt. Rincón tunnelt Bodo Illgner und hält sein Land so im Turnier.

Rincón absolvierte seine ersten Länderspiele erst unmittelbar vor der WM. Zu Beginn seiner Nationalmannschaftskarriere wurde er noch als Flügelspieler eingesetzt, in den kommenden Jahren etablierte er sich jedoch als äußerer Achter der Raute.

Neben der Dynamik der Anfangsjahre verbesserte er sich technisch und in engen Räumen immens.

Diese dazugewonnen Fähigkeiten verlängerten seine Karriere um einige Jahre. Erst als 2004 wegen angeblicher Verbindungen zum Drogenboss Pablo Rayo Montaño ein Haftbefehl Interpols gegen ihn vorlag, war seine Karriere vorbei.

Vor einigen Jahren musste er zusätzlich aufgrund des Verdachts auf Geldwäsche genauso wie sein ehemaliger Teamkollege Fajardo vor Gericht.

 

Milla bestraft Higuita

Im Achtelfinale wartete Kamerun. Kolumbien tat sich wie schön öfters zuvor schwer, einen tiefstehenden Gegner auszuspielen. Es ging mit 0:0 in die Verlängerung. Erneut wurde ein Spieler zum Held, diesmal allerdings auf gegnerischer Seite.

Der in der 54. Minute eingewechselte 38-jährige Roger Milla erzielte das 1:0 und legte nur zwei Minuten später einen weiteren Treffer nach.


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Besonders der zweite Treffer blieb in Erinnerung. Higuita fing einen langen Ball Kameruns 25 Meter vor dem eigenen Kasten ab, legte ihn rüber zu seinem rechten Innenverteidiger Luis Carlos Perea. Der entschied sich für einen Rückpass auf seinen Torwart, obwohl dieser bereits angelaufen wird.

Higuita möchte den Ball nicht einfach nur weghauen, sein erster Kontakt verspringt jedoch etwas zu weit und er verheddert sich an Milla. Der älteste WM-Torschütze muss den Ball nur noch ins leere Tor schieben.

Fünf Minuten vor Schluss erzielt Bernardo Redín noch den Anschlusstreffer, der Ausgleich gelingt jedoch nicht mehr. Kolumbien muss nach Hause fahren, darf aber in eine aussichtsreiche Zukunft blicken, nachdem eine junge Mannschaft Top-Leistungen zeigte.

 

La Catedral

Während der vier Jahre bis zur nächsten Weltmeisterschaft veränderte sich jedoch nicht nur die Mannschaft, sondern vor allem das Land. Pablo Escobar geriet schon zu Ende der 80er-Jahre immer mehr in Bedrängnis.

Mit seinen Feinden ging er skrupellos um. 1989 ließ er ein Passagierflugzeug hochjagen, in den kommenden Jahren explodierten täglich Autobomben.

Ebenfalls 1989 veranlasste er den Mord an einem Schiedsrichter, der im Duell zwischen América de Cali und Atlético Nacional nicht zu seinem Gefallen gepfiffen hatte. Die Liga-Saison wurde ausgesetzt.

Zu Beginn der 90er-Jahre wurde Kolumbien ein Land wie im Bürgerkrieg. In keinem Land waren Mord- und Entführungsraten höher, Medellín war die gefährlichste Stadt der Welt. Escobar wollte die Auslieferungsgesetzte bekämpfen und war dafür bereit, ein Kopfgeld von umgerechnet 1000 Euro auf jeden Polizisten auszusetzen.

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Die Gewalt ebbte erst ab als Escobar 1991 in sein eigens gebautes Gefängnis La Catedral zog. Wie es der Name schon vermuten ließ, hatte dieses Gefängnis nichts mit einem normalen Gefängnis zu tun.

So empfing Escobar mehrere Nationalspieler wie zum Beispiel Higuita, um ein Show-Match auf dem gefängniseigenen Fußballplatz abzuhalten.

Nachdem Escobar im Gefängnis andere Drogenbosse umbrachte, konnte die Justiz nicht mehr wegsehen und bereitete sich darauf vor La Catedral zu stürmen. Escobar war da schon geflohen. Die nächsten Jahre verbrachte er auf der Flucht, verfolgt von der Polizei sowie von Los Pepes, einer Gruppe an verfeindeten Drogenbosse, angeführt vom Cali-Kartell. Die Mordraten stiegen wieder an.

 

Gala in Argentinien

In diesem Klima musste die kolumbianische Nationalmannschaft im September 1993 nach Argentinien reisen. Der Sieger der anstehenden Partie war sicher für die anstehende Weltmeisterschaft qualifiziert. Kolumbien gewann das Spiel. Entscheidend für die Legendenbildung dieses Spiels war allerdings nicht der Sieg, sondern dessen Höhe. Los Cafeteros gewannen 5:0.

Dabei war das Spiel durchaus ausgeglichen. Kolumbien wählte einen direkteren Ansatz, gekennzeichnet durch die Doppelspitze aus Faustino Asprilla und Adolfo „Tren“ Valencia. Beide spielten sich in den Jahren vor der WM in europäische Spitzenteams, wenn auch mit gemischtem Erfolg.

Der schnelle Valencia verbrachte die Saison 1993/94 bei Bayern München, wo er trotz elf Bundesliga-Treffern fremdelte und auch bei seiner nächsten Station, Atlético Madrid, enttäuschte. Asprilla war dagegen ein Spieler, der wann immer er wollte, ein Spiel entscheiden konnte. Von 1992 bis 1994 spielte er bei Parma und gehörte zu den besten Stürmern Europas.


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„El Tino“ paarte seine Genialität auf dem Platz mit Eskapaden abseits des Platzes. Während er in Newcastle für seinen Hattrick gegen Barcelona in Erinnerung bleibt, erfreut sich die kolumbianische Klatschpresse an seiner Affäre mit einem Porno-Star, Schusswaffenmissbrauch an Silvester oder der Spende von einer Millionen Kondome inmitten der Corona-Krise.

Im Spiel gegen Argentinien nahm er direkt eine entscheidende Rolle ein. Nachdem ein Valderrama-Pass Freddy Rincón das erste Tor auflegt, tanzt Asprilla vor dem 2:0 einen Gegenspieler wunderbar aus. Rincón erzielt in der 71. Minute das 3:0, fünf Minuten später überlupft Asprilla genial Sergio Goycochea. Kurz vor Schluss darf auch noch Valencia treffen.

Die Freude in Kolumbien ist riesig. Man fährt zum zweiten Mal in Folge zur Weltmeisterschaft, ist auf dem Papier nun noch stärker als vor vier Jahren. Die Gewalt macht allerdings auch für den Fußball keine Ausnahme. Am Tag des größten Siegs der kolumbianischen Nationalmannschaft sterben 89 Menschen allein in Bogotá.

 

Fußball in Kolumbien: Das Ende Escobars

Bis zur Weltmeisterschaft verschlimmert sich die Lage nochmal. Pablo Escobar wird am 2. Dezember 1993 in Medellín erschossen. Der berüchtigtste Drogenboss der Welt ist Geschichte. Über 20.000 Menschen trauern um ihren „Messias“. Diesen Ruf genoss Escobar besonders bei der ärmeren Bevölkerungsschicht in seiner Heimatstadt.

Mit dem Tod Escobars eröffnet sich die Frage seiner Nachfolge. Viele kleine Capos, die zuvor unter der Kontrolle „Don Pablos“ standen, kämpfen nun erbittert um die Vorherrschaft in Medellín.

Freddy Rincóns Bruder stirbt im März 1994 während der andauernden Unruhen. Der Bruder von Linksverteidiger Wilson Pérez wird ermordet, während sich Pérez bereits in den USA befindet. Die Beerdigung ist am zweiten Spieltag der Weltmeisterschaft.


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Die Nationalmannschaft ist eine der wenigen Dinge, die Kolumbianern noch Freude bereitet. Das erhöht den Druck auf Maturanas Auswahl, genauso wie das 5:0 gegen Argentinien, das unter anderem Pelé dazu bewegt, Kolumbien als seinen Favoriten auf den Titel auszugeben.

Präsident César Gaviria sah den Nutzen der Nationalmannschaft derweil darin, der Welt ein anderes Bild von Kolumbien zu zeigen als das von Gewalt und Kokain. Gesicht seiner Kampagne war Abwehrchef Andrés Escobar.

Escobar gehörte schon länger zu den besten Innenverteidigern Südamerikas, stand mit 27 Jahren im Zenit seines Schaffens und kurz vor einem Wechsel zur AC Milan.

Doch viel wichtiger für Gaviria: Escobar war ein beispielhafter Bürger. Er leistete wohltätige Arbeit, las täglich in der Bibel und genoss von allen Seiten hohe Wertschätzung.

 

Valderrama gegen Hagi

Zum Auftakt der Weltmeisterschaft vor über 100.000 Zuschauern im Rose Bowl in Pasadena traf Kolumbien auf Rumänien. Es war das Duell zweier absoluter Ikonen, das Duell von Carlos Valderrama und Gheorghe Hagi. Kolumbien kam besser in die Partie, aber Hagi setzte den ersten Stich.

Nach einem abgefangenen Pass ist es eine dieser kleinen unscheinbaren Bewegungen, für die auch Valderrama verehrt wird, mit der Hagi sich von mehreren Gegenspielern löst und Florin Răducioiu schickt. Der Milan-Torjäger bringt Rumänien in Führung.

Kolumbien behält dennoch die Kontrolle. In einem der besten Spiele der WM rücken die nominellen Flügelspieler Valderrama und Rincón stets ins Zentrum und kombinieren mit den beiden Strategen Gabriel „Barrabas“ Gómez und Leonel Álvarez.

Die Doppelsitze aus Asprilla und Valencia wird in der Anfangsphase immer wieder bedient. Rumäniens Torwart Bogdan Stelea muss mehrmals grandiose Paraden zeigen.


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Auf der Gegenseite Steleas steht an diesem Tag Óscar Córdoba und nicht René Higuita. Warum? Higuita saß während der WM noch im Gefängnis. Einige Monate zuvor half er einem Freund, dessen Tochter entführt wurde, bei den Verhandlungen mit den Entführern.

Grund für seine Inhaftierung war die finanzielle Belohnung, die der Vater der Entführten Higuita aus Dankbarkeit zukommen ließ. Zu dieser Zeit zählten Entführungen zu den profitabelsten Geschäften in Kolumbien.

Daher wurde das umstrittene Gesetz verabschiedet, dass jegliche Einnahmen im Zusammenhang mit Entführungen als illegal gelten. Higuita musste ins Gefängnis.

Sein Ersatz Óscar Córdoba wurde am Ende des Jahrzehnts Stammkeeper der Boca Juniors und zwei Mal zum besten Torhüter Südamerikas gekürt. Zu dieser Phase seiner Karriere hatte er jedoch noch große Probleme in der Strafraumbeherrschung und dem Higuita-typischen Herausrücken.

In der 34. Minute segelte eine verunglückte Flanke Hagis aus über 30 Metern über seinen Kopf in den Winkel.

Der Zwei-Tore-Rückstand war nicht mehr aufzuholen. Kolumbien dominierte weiterhin und verzauberte das amerikanische Publikum, aber erzielte nur einen Treffer nach einer Ecke. In der Nachspielzeit legte Hagi dann erneut einen Treffer Răducioius auf, der den zum falschen Zeitpunkt herausgerückten Córdoba ohne Probleme umrundet und ins leere Tor einschießt.

 

Morddrohungen und Eigentor

Aufgrund eines überraschenden Sieges der Schweiz gegen Rumänien brauchte Kolumbien im zweiten Gruppenspiel gegen die USA mindestens einen Punkt, um die Chancen aufs Weiterkommen zu wahren. Am Vortag des Spiels schockierte eine Morddrohung an Sechser „Barrabas“ Gómez die Mannschaft. Sollte er spielen, würden er und die gesamte Mannschaft umgebracht werden.

„Barrabas“ litt stets darunter, dass sein Bruder Hernán Co-Trainer Maturanas war. Es wurde behauptet, er habe seinen Stammplatz nur seiner Verwandtschaft zu verdanken. Der wahre Grund waren aber eher seine Übersicht mit dem Ball und die Zerstörer-Fähigkeiten gegen den Ball.


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Die Morddrohungen kamen wohl von Personen, die ihr Geld durch unlautere Geschäfte im Fußball verdienten und lieber Spieler ihrer Vereine auf der größten Bühne der Welt gesehen hätte. Das erhöht schließlich auch den Wert eines Spielers.

Ohne „Barrabas“ ging Kolumbien in das Spiel gegen die USA. In der Anfangsphase traf man bereits früh den Pfosten, hätte in Führung gehen müssen.

In der 34. Minute wird der Ball auf den amerikanischen Linksaußen John Harkes rausgelegt. Dieser bringt eine auf den ersten Blick recht ungefährliche Flanke in Richtung Sechzehner. Hinter Andres Escobar steht jedoch ein amerikanischer Stürmer einschussbereit. Escobar muss dazwischen gehen.


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Er grätscht in Richtung Ball und trifft diesen gerade noch so. Nach seiner Berührung bewegt sich der Ball fast schon in Zeitlupen-Geschwindigkeit in Richtung des Kasten Cordobas.

Der Torwart erwartete den Ball bereits beim amerikanischen Stürmer, war schon in die linke Ecke seines Tor gerückt. Als der Ball in das entgegengesetzte Eck trudelt, kann er nichts mehr dagegen unternehmen.

Kolumbien hat anschließend immer noch mehr Ballbesitz, aber der Ball wird sich zumeist nur hin- und hergeschoben. Die Zwischenlinienräume können gegen eine disziplinierte amerikanische Mannschaft nicht mehr bespielt werden.

In der 52. Minute spielt Tab Ramos einen Pass hinter die kolumbianische Kette auf Ernie Stewart. Der umrundet den unnötig herausgerückten Córdoba und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Das Turnier ist für Kolumbien vorbei. Die erfolgreichen Jahre des Narco-Fútbol ebenso.

Es gibt viele potenzielle Gründe für das frühe Ausscheiden. Die ordnende Kraft „Barrabas“ fehlte im Spiel gegen die USA. Maturana sieht die Gründe aber eher darin, dass die gesamte Mannschaft durch einige Stars ergänzt wurde, die im Ausland spielten aber nicht ganz so eingespielt mit dem Nacional-Kern der 90er-Mannschaft waren.

Viele Spieler kritisierten das Mannschaftshotel, in dem über hundert Journalisten, Funktionäre und Co. einquartiert waren. Diese Bedingungen sollen die Grund-Anspannung nocheinmal erhöht haben.

 

„La vida no termina aquí”

Nach dem letzten Gruppenspiel, einem unbedeutenden 2:0-Sieg gegen die Schweiz, blieben viele Spieler in den USA, aus Angst in ihr Heimatland zurückzukehren. Diejenigen, die zurückkehrten, wurden meist von mehreren Leibwächtern begleitet. Auch Andrés Escobar kehrte in seine Heimatstadt Medellín zurück.

Er verbrachte die meiste Zeit in seiner Wohnung. Zehn Tage nach seinem Eigentor besuchte er mit einigen Freunden allerdings eine Bar.

Er betonte vorher, wie wichtig es ihm wäre, seinen Landsleuten ins Gesicht zu sehen. In der Bar wurde er jedoch von einigen Personen mit wiederholten Rufen von „Qué Golazo“ provoziert. Escobar wollte die Provokateure außerhalb der Bar zur Rede stellen. Wenige Minuten später fand man ihn von sechs Schüssen tödlich getroffen in seinem Auto.

Einige Tage zuvor sprach Escobar in einem Interview noch davon, wie man aus den Erfahrungen des vergangenen WM-Turniers lernen und nach vorne blicken könne. Er beendete seine Ausführungen mit den Worten „la vida no termina aquí“. „Das Leben geht weiter.“

Mit Escobar wurde der Spieler ermordet, der wie kein anderer für das saubere Gesicht Kolumbiens stand. Kolumbien war schon immer ein Land der Kontraste. Auf der einen Seite ist man eines der Länder mit der höchsten Biodiversität der Welt, die Menschen gehören laut dem Happy World Index zu den glücklichsten der Welt.


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In den Zeiten des Narco-Fútbol ging all das verloren. Die Menschen wurden ermordet und entführt, in den wunderbaren Regenwäldern und Bergen tummelten sich Guerillas und andere militante Gruppen. Nur auf dem Fußballplatz schien man noch die reine Lebens- und Spielfreude, die dieses Land auszeichnen, bestaunen zu können.

Je länger der Narco-Fútbol anhielt, desto mehr hielten die Probleme in der Gesellschaft auch Einzug im Fußball. Francisco Maturana erklärte Jahre später: „Unsere Gesellschaft glaubt, dass Fußball Andres getötet hat. Nein. Andres war ein Fußballspieler, den die Gesellschaft getötet hat.“

Kolumbiens goldene Generation qualifizierte sich noch für die WM 1998, aber nach einem Vorrundenaus dauerte es 16 lange Jahre bis man wieder bei einer Weltmeisterschaft zu sehen war.

Die Narcos legten die Grundlagen für den Erfolg einer herausragenden Gruppe an kolumbianischen Spielern. Genau dieselben Narcos waren jedoch auch verantwortlich für das Ende der erfolgreichsten Fußballjahre Kolumbiens sowie für tausende von Morden und jahrelangen Terror.

Heute wachsen kolumbianische Fußballer auf und eifern Spielern wie Valderrama oder James Rodríguez nach. Einer dieser Spieler ist Juan Fernando Quintero, der River Plate 2018 zur Copa Libertadores schoss.

Das Fußballspielen lernte er in einem der ärmsten Viertels Medellín auf Plätzen, die Pablo Escobar erbaute. Seinen Vater hat Quintero nicht kennengelernt. Er war Polizist zu Zeiten Escobars. Seine Leiche ist eine von Hunderttausenden, die nie gefunden wurden.

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Alexander Rudies
Alexander Rudies
Tennisspieler und Trainer mit noch größerer Liebe zum Fußball Schaut täglich Fußball, großer Fan von Fußball außerhalb der Top-Ligen und der Geschichte des Sports Beschäftigt sich viel zu intensiv mit Fußball. Bewunderer des Positionsspiel Guardiolas und Bielsas, trotzdem Fan von West Ham und Atletico. Leidenschaftlicher Tennis-Spieler und Cristian-Garin-Anhänger.

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