Thierry Henry – eine Legende wird 40

Kaum ein anderer Spieler wusste die Fans so zu verzaubern wie Thierry Henry. Nicht nur seine Tore und seine vielen Erfolge machen den Franzosen zu einer absoluten Legende. Heute feiert der ehemalige Weltklasse-Spieler seinen 40. Geburtstag und wir möchten ihm ein Porträt widmen:

Früh übt sich …

Dem jungen Thierry wurde es quasi einst in die Wiege gelegt Fußballprofi zu werden. Sein Vater war die treibende Kraft hinter dem Kind und legte großen Wert auf seine Entwicklung. Bereits im jungen Alter wusste sich Thierry Henry von seinen Mitspieler abzuheben. Mit seinem Antritt war er für die gegnerischen Spieler nicht aufzuhalten und so spielte sich der Kleine aus dem Pariser Vorort Les Ulis bereits früh auf die Liste vieler französischer Scouts. So wurde der AS Monaco auf ihn aufmerksam, bei denen er schon mit 13 Jahren einen Vorvertrag unterschrieb. Auch dem französischen Verband war das Talent von Thierry Henry nicht entgangen und es folgte eine Einladung ins berühmte INF Clairfontaine, das nationale französische Trainingszentrum, das auch andere berühmte Profis wie Hatem Ben Arfa, Olivier Giroud, Blaise Matuidi, William Gallas oder auch Nicolas Anelka besuchten.

Ab 1993 spielte Thierry Henry offiziell für den AS Monaco. Anfangs in der Reserve, schenkte ihm Arsene Wenger sein Vertrauten und ließ den erst 17-Jährigen für die Monegassen debütieren. Henry war zwar schnell, aber verfügte über eine eher durchschnittliche Technik und lief bloß wirr auf dem Platz herum, um den Verteidigern zu entkommen, solange er nur am Ball blieb. Doch schon bald lernte er, dass er so ein Spiel nicht über 90 Minuten spielen kann. Dennoch wusste der heutige Arsenal-Trainer, dass Henry ein ganz besonderer Spieler ist. Als Flügelstürmer blühte Thierry Henry auf, wurde 1996 zum französischen Jungspieler des Jahres gewählt, wurde mit der U18-Nationalmannschaft Europameister, schoss den AS Monaco 1997 zum Meistertitel und 1998 dank seiner sieben Tore sogar ins Champions League-Halbfinale, wo sie aber mit einem Gesamtscore von 6:4 gegen Juventus Turin ausschieden. Der Hype um den jungen Franzosen wurde so immer größer und die Erwartungshaltung seiner Landsleute ebenso. Andere Profis hätten unter einem solchen Druck nachgegeben, doch nicht Henry – der Druck schien ihn schon fast wieder weiter anzutreiben.

Kurz nach seinem 20. Geburtstag feierte er, trotz großer Konkurrenz im Angriff, gegen Südafrika sein Debüt für die französische Nationalmannschaft. Überraschend schaffte er es, wie auch seine Kollege David Trézéguet, in den Kader für die Weltmeisterschaft 1998. Überraschend deswegen, weil bei Frankreich mit Christophe Dugarry und Stéphane Guivarc’h bereits zwei Stürmer gesetzt waren und mit Trézéguet und vor allem Anelka – der damals als noch talentierter als Henry galt – gleich drei Talente auf eine Nominierung hofften. Am Ende musste Anelka von zu Hause aus die Weltmeisterschaft verfolgen, während das AS Monaco-Duo später Frankreich, mit ihren vier Toren (drei Tore von Henry, ein Tor von Trézéguet) zum ersten und bisher einzigen Weltmeistertitel schießen sollte. Und das mit nur 20 Jahren.

Ab nach Italien … oder lieber England

Nach einem weiteren halben Jahr beim AS Monaco zog es den Franzosen ins nicht weit entfernte Turin nach Italien. Die Alte Dame legte im Winter 1999 ganze 12,5 Millionen Euro auf den Tisch. Doch in der Serie A kam Henry einfach nicht in Form, an den vielen anderen talentierten Spielern nicht vorbei und wurde gegen Udinese sogar als Linksverteidiger aufgestellt. Der Franzose war frustriert, doch hatte Glück, dass ihn sein ehemaliger Mentor, Arsene Wenger, kontaktierte, der ihn versprach, dass er ihn als Stürmer einsetzen würde. Auch Kollegen aus der Nationalelf wie Vieira, Petit oder Anelka empfahlen ihm einen Wechsel ans Highbury. Henry brach nur sechs Monaten in Turin seine Zelte auf und wechselte zu Arsenal, wo Arsene Wenger seit 1996 Trainer war.

In England fand Thierry Henry ein funktionierendes System vor, mit dem Wenger in seiner ersten Saison Dritter und in der zweiten sogar Meister wurde. Doch der 22-Jährige sollte bei den Gunners eine neue Position einnehmen. Wenger probierte den Flügelstürmer als Mittelstürmer, was diesem angeblich gar nicht gefiel, da er „ja nicht so treffsicher sei“. Aber der Trainer sollte erneut recht behalten. Henry fand zurück zu seiner alten Form, erzielte in 31 Spielen ganze 17 Tore für die Gunners und schoss sie auf Platz zwei hinter Manchester United.

Der Franzose begeisterte seine Kollegen im Training, wurde mit jedem Tag besser. Henry beobachtete seine Kollegem genau, nahm die Informationen auf, vereinte sie und setzte sie in seinem Stile um. Seine Beobachtungsgabe sollte später eine seiner stärksten Waffen werden. Kombiniert mit seiner Explosivität war er einer der gefährlichsten Stürmer seiner Zeit und der Angstgegner eines jeden Verteidigers. Henry war eiskalt, wenn es darum ging, die Fehler seiner Kontrahenten auszunutzen. Jeder Stellungsfehler, jeder Pass, jede Bewegung des Torhüters, einfach alles wurde genaustens analysiert und später antizipiert. Mit dieser Beobachtungsgabe war er zudem der ideale Mitspieler, um seine Kollegen in Szene zu setzen. Vor allem mit dem Holländer Dennis Bergkamp, mit dem er sich auf dem Platz blind verstand, brillierte der Franzose. Sie dachten stets mehrere Schritte voraus und waren so unberechenbar für jeden Gegner. Zusammen erzielten die beiden 123 Premier League-Tore für Arsenal.

Das neue Jahrtausend

In England wusste Henry noch besser zu werden und wurde deutlich reifer. Mit neuer Position und viel mehr Effektivität reiste er im Jahr 2000 als Mittelstürmer zur EM nach Holland & Belgien, wurde dreimal Spieler des Tages, erzielte drei Treffer und schoss Frankreich so zum zweiten EM-Titel.

Auch in der Saison 2000/01 musste sich Arsenal erneut gegen Manchester United geschlagen geben und mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen. Doch der große Durchbruch folgte in der Saison 2001/02 als Thierry Henry erstmals in seiner Karriere mit 24 Toren Torschützenkönig wurde und Arsenal mit 87 Punkten die Premier League und sogar den FA Cup gewann.

2003 schoss sich Thierry Henry nicht nur zum Titel des besten Spielers der Premier League, sondern gewann auch den Goldenen Schuh der UEFA, wurde Welttorjäger und hinter Zidane Zweiter bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Im darauffolgenden Jahr trug er sich mit Arsenal mit einem Rekordlauf in die Geschichtsbücher ein, als die Gunners als bisher einzige Mannschaft ungeschlagen den Premier League-Titel holten. Auch in diesem Jahr wurde er zum besten Spieler der Premier League gewählt und gewann erneut den Goldenen Schuh der UEFA. Nach der Saison 2005 verließ Kapitän Patrick Vieira London und wechselte zu Juventus Turin, doch mit Henry hatte Arsenal den perfekten Anwärter auf die Nachfolge des Trägers der Kapitänsschleife.

Das Jahr 2006 war gezeichnet von Misserfolgen. Zwar konnte Thierry Henry seine individuelle Klasse beibehalten, was ihm zum dritten Mal in Folge zum Torschützenkönig in England, zum dritten Mal zum besten Spieler der Premier League – was zuvor keinem anderen Spieler gelang – und zum sechsten Mal zu Frankreichs Spieler des Jahres machte. Doch mit keiner Mannschaft konnte er Erfolge feiern. Mit Arsenal brachte er es nur auf Platz vier, im Champions League-Finale scheiterte man nur knapp an Barcelona in der Verlängerung und mit Frankreich verlor er das WM-Finale 2006 in Deutschland gegen Italien im Elfmeterschießen. Der Stürmer war nicht zufrieden mit der Ausbeute und da auch Arsenal nicht bereit schien, wie die anderen Mannschaft Geld in die Hand zu nehmen und neue Spieler zu holen, um weiter konkurrenzfähig zu sein, folgte er den Rufen aus Katalonien und wechselte im Sommer 2007 zum FC Barcelona.

Guardiola und das Sextuple

In Barcelona hatte er anfangs leichte Anpassungsprobleme, unter anderem bedingt durch seine Scheidung, womit er sein Kind weniger sah, und wurde vor allem durch anhaltende Rückenprobleme gebremst, doch durch sein Zusammenspiel mit Samuel Eto’o und dem jungen Lionel Messi schaffte es Thierry Henry als Flügelstürmer in seiner ersten Saison dennoch der Topscorer des Vereins zu werden. Nach nach nur einem Jahr unter Rijkaard sollte jedoch ein junger Trainer und Ex-Barca-Spieler den freigewordenen Posten des Holländers übernehmen. Gleich bei seinem Amtsantritt überraschte Pep Guardiola, dass er nicht mit Ronaldinho, Deco und Eto’o plane. Während Ronaldinho und Deco den Verein sofort verließen und nach Mailand beziehungsweise London wechselten, verließ der Kameruner erst im darauffolgenden Sommer den Verein.

Der Trainerwechsel spielte Thierry Henry jedoch perfekt in die Karten. Der Franzose erholte sich von seinen Rückenproblem und fand unter dem Trainer-Genie wieder seine Form. In 29 Ligaspielen erzielte er in der Saison 2008/09 19 Tore und machte sieben Vorlagen. In Summe kam er in dieser Saison unter Guardiola auf 42 Spiele, 26 Treffer und zehn Assists, womit er große Beteiligung am „sextuple“ Barcas hatte. Mit Guardiola holte er alle sechs nennenswerten nationalen und internationalen Titel in einer Saison: Spanischer Meister, Copa del Rey-Sieger, spanischer Supercopa-Sieger, Champions League-Sieger, UEFA Supercup-Sieger und Klub-Weltmeister.

Nach großen Erfolgen in der Vorsaison lief es in der Saison 2009/10 gar nicht nach Plan für Henry. Der mittlerweile 32-Jährige war hinter Pedro, Messi und Ibrahimovic nur mehr Joker, kam nur auf 21 Einsätze und erzielte bloß vier Tore. Man einigte sich nach der Saison auf eine vorzeitige Vertragsauflösung und Henry entschied sich für einen Wechsel in die MLS zu den New York Red Bulls. Ein Wechsel, der bei vielen Fans auf Unverständnis traf, aber der Franzose wollte immer nach New York und hat einen genau strukturierten Plan, von dem er nicht abweichen wollte.

Und auch nach seinem Wechsel in die Major League Soccer blieb Thierry Henry ein Gunner durch und durch. Wie könnte man besser starten, als mit einem Tor beim Debüt gegen den langjährigen Erzrivalen Tottenham? Im Testspiel gegen die Spurs erzielte der Ex-Arsenal-Stürmer sein erstes Tor für seinen neuen Verein. Nach der Saison holte er sich mit den New Yorkern den East Conference-Sieg.

The King is back in Town

Im Dezember 2011, zum 125-jährigen Bestehen des Vereins, wurde vor dem Emirates Stadium eine lebensgroße Bronzestatue von Thierry Henry enthüllt. Nur ein paar Wochen später, sollte jedoch der echte Thierry Henry ins Emirates kommen. Der Stürmer wurde für zwei Monate an Arsenal verliehen. Nur Tage später sollte er im FA Cup gegen Leeds United eingewechselt werden. Schon bei seiner Einwechslung war der Applaus und der Jubel groß. Selbst die Gäste aus Leeds applaudierten der Legende, die an diesem Tag ihre Rückkehr feierte. Doch es sollte noch viel lauter werden. Wenig später erzielte der Franzose in all seiner Henry-Manier den 1:0-Siegtreffer gegen Leeds. Noch nie waren Arsenal-Fans lauter, kein bisheriger Erfolg wurde so zelebriert, wie dieser Treffer von Thierry Henry. Sogar die Leeds United-Fans zollten nach dem Treffer Respekt. Thierry Henry verzauberte die Fans und bewies allen, dass er es noch immer drauf hat.

In seinem dritten Ligaspiel beim 7:1-Erfolg gegen Blackburn schoss er sein „erstes Premier League-Tor seit seiner Rückkehr“, das Monate später aber als Eigentor gewertet wurde. Aber es wäre doch nicht Thierry Henry, wenn er noch ein weiteres und damit letztes Tor auf noch kitschigere Weise erzielt hätte: Er erzielte sowohl sein allererstes als auch sein allerletztes Tor für Arsenal gegen Sunderland. Rund elfeinhalb Jahre nach dem ersten Premier League-Tor seiner Karriere.

Zurück in der Major League Soccer blieb Thierry Henry weiterhin in Form und gewann mit ihnen im Jahr 2013 die Eastern Conference. Im Dezember 2014 erklärte der mittlerweile 37-Jährige, dass er seinen mit Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern und seine Schuhe an den Nagel hängen werde. Damit beendete er seine Karriere als der erfolgreichste Torschütze mit 51 Toren und als der erfolgreichste Assistgeber der New York Red Bulls mit 42 Vorlagen.

Aus einem jungen, flinken, aber chaotischen Spieler wurde nach nur kurzer Zeit ein unermüdlicher und konstanter Spieler, der nach und nach wusste immer effektiver zu werden. Er verfügte über einer überragende Technik und vereinte Leidenschaft, Eleganz und Kreativität und war damit einer der beeindruckendsten und romantischsten Spielern in der Geschichte des Fußballs. Er machte Millionen von Fußballfans auf der Welt zu Gunners und prägte den Verein, wie kaum ein anderer. Er war ein Kämpfer, der Horror eines jeden Gegners, der unberechenbarste Spieler auf dem Platz. Zudem war Henry ein fantastischer Teamspieler und zugleich auch Individualist, der das Ruder herumreißen kann, sei es im Alleingang oder dadurch, dass er seine Spieler mitriss – die antreibende Kraft blieb Thierry Henry.

Er schoss in jeder Saison für Arsenal mindestens 17 Tore, was ihn zum erfolgreichsten Torschützen der Vereinsgeschichte macht. Zudem ist er auch Rekordtorschütze der New York Red Bulls und der französischen Nationalmannschaft. Er ist der erste französische Spieler, der an vier Weltmeisterschaft teilnahm (1998, 2002, 2006, 2010). Thierry Henry ist ein Mann der Rekorde und der Superlative. Der Stürmer war körperlich wie geistig extrem schnell, war seinen Gegner immer mehrere Schritte voraus, wusste stets was als nächstens passiert und hatte zudem die fußballerischen Fähigkeiten jeden Ball zentimetergenau dort unterzubringen, wo er ihn haben wollte – und das sogar aus schier unmöglichen Positionen und Distanzen. Thierry Henry war ein Meister seines Werkes und einer der besten Stürmer im modernen Fußball. Mit seiner schnellen Auffassungs- und Beobachtungsgabe und seiner Zahlenaffinität, könnte er vielleicht sogar zukünftig den Fußball als Trainer erobern. Derzeit ist er Co-Trainer von Roberto Martinez, mit dem er gemeinsam die belgische Nationalmannschaft trainiert. Vielleicht wird er ja eines Tages als Trainer zu den Gunners zurückkehren …

 

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